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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-01-10 · Heft 2 (10.1.1902) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 2 (10.1.1902)
Date
1902-01-10
Page
Seite 4 (sequence 18)
Language
German
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4 Kantons Baselstadt zur Verlesung, welche den Kongreß willkommen heißt und ihm zu seinen Bestrebungen Erfolg wünscht. Das Schreiben hat natürlich bloßen Höflichkeitscharakter. Die Berathung der neuen Bestimmungen über die Organisation nahm einen sehr schleppenden und oft erregten Gang. Im Wesentlichen hat man sich bis jetzt auf folgende Punkte gebilligt: So weit die Gesetze es gestatten, schließen sich die Vereine eines Landes zu einer Landesorganisation zusammen, welche der Aussicht des Aktionskomitees untersteht. Je 50 Vereine mit 5000 Schekelzahlern haben das Recht, für sich eine Organisation zn bilden. Der Zionistenkongreß tagt jedes zweite Jahr an einem vom großen Aktionskomitee bestimmten Orte. Eine frühere Einberufung des Kongresses kann vorn Aktionskomitee angeordnet werden. Leiter des Aktionskomitees bleibt Dr. Herzl. Die Sonntag- Nachmittagssitzung war ausschließlich dem jüdischen Nationalfonds gewidmet. Die Idee hierfür stammt voll dem verstorbenen Professor Schapiro und ist vom Londoner Kongreß grundsätzlich gutgeheißen worden. Nun wurde vom Aktionskomitee ein Entwurf der Verwaltungsgrundsätze vorgelegt. Darnach soll der Fonds ein unalltastbares Vermögeil des jüdischen Volkes sein, das erst in dem Zeitpunkte, da eine vom Kongreß zn bestimmende Höhe (etwa 200,000 Pfund) erzielt worden ist, lediglich zum Landkanse in Syrien und Palästina verwendet werden darf. Zu direktem Landkanf soll aber nur eine Hälfte der genannten Summe gebraucht, die andere zinstragend angelegt werden. In keinem Fall darf der Fonds ganz erschöpft werden. Die Vermehrung und die Kontrolle der Sammlungen für den Fonds in allen Ländern geschehen durch ein klug ausgedachtes, einfaches Markensystem. Wer Marken kauft, unterstützt mit dem ganzen Betrage den Fonds. Verwaltung und Aussicht stehen dem großen Aktionskomitee zu. Hierüber entstand eine lange und sehr erregte Verhandlung. da der Antrag gestellt wurde, den Entwurf als bloßes Provisorium in Kraft treten zn lassen. Schließlich wurde aber die Vorlage mit 105 gegen 85 Stimmen gutgeheißen, indessen gleichzeitig auch ein von Dr. Kokesch-Wien gestellter Zusatzantrag angenommen, wonach für den Fonds das Recht einer juristischen Persönlichkeit geschaffen werden soll. Diese juristische Frage wird an eine besondere Kommission gewiesen. Sodann wird dem Aktionskomitee empfohlen, die Schaffung der juristischen Person für den Nationalfonds im Kalltoll .Baselstadt zn erwirken. In der Debatte wandte sich der englische Schriftsteller Zangwill in einer maßlos gehässigen Rede scharf gegen die Vollstrecker des Testaments von Baron Hirsch. „Der Zionismus habe klare Ziele, während die Millionen des Baron Hirsch brachliegen. Man gebe die Millionen ohne Zweck dem Zweck ohne Millionen!" Zangwill beantragte schließlich die öffentliche Vernrtheilung des Verhaltens der Testamentsexekutoren und der ,,^6>visti Kolonisation Association". Dr. Herzl ließ indessen diesen Antrag n i cb t zn. Am Nachmittag wurde ein Alltrag angenommen, wonach das Aktionskomitee mit der Leitung der jüdischen Kolonialbank behufs Erlangung eines Charters auf den Namen der Kolonialbank sich verständigen soll. Nach dem Bericht des Direktoriums der Kolonialbank (Präsident D. Wolffsohn) sind bis zum 30. November d. I. im Ganzen 352,112 Aktien zu ein Pfund Sterling gezeichnet worden. Davon sind bis jetzt 222,116 voll einbezahlt. Die Gesammtzahl der Aktionäre beträgt rund 126,000. Die Montag-Nachmittagssitzung des Kongresses war ganz der Beschlußfassung über die Bank gewidmet. Man einigte sich schließlich auf folgenden Antrag: „Das Aktionskomitee wird aufgefordert, sich mit dem Direktorium der Bank dahin zu verständigen, daß aus den verfallenen Anzahlnngsgeldern ein Teilbetrag dem Aktionskomitee zur Verfügung zu halten sei, behufs Beschleunigung der vorbereitenden Schritte zur Erlangung von Konzessionen für die Bank vorbehaltlich der Genehmigung durch die Generalversammlung." In Palästina soll eine Geschäftsstelle mit einen: Kapital bis zn 400,000 Francs errichtet werden, die sich bis zur Erreichung richtiger Bedingungen nicht mit Kolonisations-, sondern mit Handels- und Bankgeschäften befassen soll. Auch wird den: Aktionskomitee empfohlen, in Rußland eine gesetzlich genehmigte Filiale zu gründen. Im Ilebrigen wurde der Bankbericht genehmigt. In der Schlußsitzung des Kongresses kam es zn einer kleinen Demonstration. Angesichts der vorgerückten Zeit und der großen Zahl gemeldeter Redner nahm der Präsident Dr. Herzl die Wahl des Aktionskomitees vor Beendigung der Debatte über die Kulturanträge vor. Hierauf verließen Buber (Wien) und Genossen demonstrativ den Saal. Der Sitz des engeren Komitees bleibt Wien. Das große Aktionskomitee zählt gegen 50 Mitglieder mit Dr. Herzl als Vorsitzenden. Hierauf wurden die Anträge betreffend die Subvention der jüdischen Nationalbibliothek in Jerusalem nnd^die'Herausgabe einer hebräischen Encyclopädie angenommen. Von Nah und Fern. — Dem Kommerzienrath Ferdinand Man heim er zu Berlin ist vom Präsidenten Lonbet für seine Thätigkeit als Mitglied der internationalen Jury der Pariser Weltausstellung der Orden der Ehrenlegion verliehen worden. — Dem Chemiker Dr. Adolf Frank in Charlo ttenbnrg ist gelegentlich des 50jährigen Jubiläums des Staßfurter Kalibergbaus der rothe Adler-Orden vierter Klasse verliehen worden. Dr. Frank hat vor nunmehr 40 Jahren als Erster auf die Verwendbarkeit der Staßfurter Salze zu Düngezwecken hingewiesen. — In Barby a. E. feierte am 29. v. M. das Rentier Elias Freudenbergsche Ehepaar die goldene Hochzeit. Der Oberpräsident der Provinz Sachsen, betraute den Rabbiner Dr. Ra hmer- Magdebnrg mit der Neberreichung der Ehejubilüumsmedaille und Ueberbringung der kaiserlichen Glückwünsche. — Kanzleirath Hirsch in Essen hat den Rothen Adlerorden IV. Klasse erhalten. — Kommerzieilrath Emil Jacob wurde zum Ritter, Generaldirektor Ball in in Hamburg zum Kommandeur der Ehrenlegion ernannt. — Zu Justizräthen wurden ernannt die Rechtsanwälte Dr. S a m nelsohn ill Breslau, Böhm in Sagan, Loewy in Löwen- Böhm iil Brieg, Schönlank ill Posen, Dr. Benfey in Hannover, Dr. Ben-Israel in Koblenz. — In Posen ist zum Stadtverordnetenvorsteher Justizrath Dr. Lewinski mit 26 gegen 22 Stimmen, welche ans Dr. Landsberger von der Freisinnigen Volkspartei fielen, gewählt worden. — In der Breslauer Stadt verorduetensitzullg vom 2. d. M. wurde der Geheime Justizrath Frennd zum siebzehnten Male als Vorsteher wiedergewählt. Die Wahl erfolgte einstimmig. — Die Oberlehrer Joses Herz llild Dr. B. Kuttner vom Philantropin in Frankfurt a. M. sind zu Professoren ernannt worden. — Dem außerordentlichen Professor der indischen und vergleichenden Sprachwissenschaft an der Universität Heidelberg Dr. Salomon Lefmann wurde zu seinem 70. Geburts? tage vom Großherzog der Charakter als Honorarprofessor verliehen. — Sir Ernest Cassel in London hat König Eduard eine Summe von vier Millionen Mark für mildthätige und nützliche Zwecke im Interesse seiner Unterthanen übergeben. König Eduard hat Cassels Schenkung für die Anlage eines Mustersanatoriums für Schwindsüchtige bestimmt; 16 000 Mark sind als Preise für die bestell Pläne ausgesetzt. Ernest Cassel, der Sohn eines Kölner Bankiers, machte bereits kürzlich von sich reden, als er seiner Vaterstadt einen namhaften Betrag für ein dortiges Hospital zur Verfügung stellte. — In London ist am 31. v. M. Nev. B. Spiers, der Dajan und Bibliothekar des Bet-Hamidrasch, im 75. Lebensjahre gestorben. Die Trauer um den gelehrten und frommen Mann ist in seinen Kreisen eine allgemeine. Sogar die jüdischen Theater haben bis zu seiner Beerdigung geschlossen. — In London ist am 26. v. M. Henry Lumley, der Erfinder der Patentsteuerruder, die in der italienischen und britischen Marine zur Anwendung kommen und für welche er 1862 den Orden der Krone von Italien erhalten, im 63. Lebensjahre gestorben. Lumley, der 1875 auf einer Reise nach Palästina von Beduinen gefangen genommen und beraubt wurde, nahm auch lebhaften Antheil an jüdischen Gemeindeangelegenheiten. — Ferner ist in Londo n im 77. Lebensjahre H. Kl ei menhagen gestorben, der früher Lehrer und Prediger in Nodenberg i. H. und zu Schwerin i. M.. später Inspektor in Seesen war. Von ihm rühren mehrere Schriften: „Die Natur des Geistes nach der Mosaischen Lehre" (1878), „Rathgeber für Eltern und Lehrer" (1880), Beiträge zur Synonymik der hebräischen Sprache" (1896). Er war ein fleißiger Mitarbeiter der A. Z. D. I. Ehre seinem Andenken! — Ill London ist auch Jonas Bergt heil im 82. Lebensjahre ge storben, der einer der erstell und angesehenstell Männer in Natal lange Zeit Mitglied des gesetzgebenden Konzils daselbst ein treuer Jude sein Lebenlang war. — Der Bataillonschef Bloch in Paris ist zum Oberstleutnant, der Oberst der Artillerie Francfort zu Brian^oli zum Kommandeur des 39. Regiments befördert worden. — In Italien erscheinen seit 1. Januar zwei neue Journale: Jdea Sionista in Wodona und Antologia Ebraica in Livorno. Druck und Verlag von Ruoals Masse rn Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Mar Bauchwitz in Berlin.

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