Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 66 (1902)
- Issue
- Heft 2 (10.1.1902)
- Date
- 1902-01-10
- Page
- Seite 2 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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sich um die Aenderungen der Statuten behufs Eintragung des Vereins in das Vereinsregister und die hierdurch nothwendig gewordene Neuwahl des Vorstandes. Besonders erwähnenswerth erscheint, das; der Anfang des Geschäftsjahres auf den 1. Juli verlegt worden ist, und daß von nun an statutengemäß alle Veröffentlichungen und Bekanntmachungen des Vereins durch das Berliner Tageblatt und die Frankfurter Zeitullg erfolgen müssen. Es wurde für selbstverständlich erklärt, daß sie außerdem in den jüdischen Blättern erscheinen werden. Die ordentliche Hauptversammlung findet im letzten Quartal des Kalenderjahres statt. Nach längerer Berathung, an der hauptsächlich der Vorsitzende Oberamtmann L. Cohn, Pros. Marburg, Dr. Franz Oppenheimer. Redakteur Klausner. Senator Fischer und Dr. Caro-Hanuover, Rabbiner Dr. Finkel-Pasewalk theilnahmeu, erfolgte die Annahme der Statuten. Unter dem Alterspräsidinm des Herrn Eduard Cohn aus Frankfurt a. M. wurden sodann die bisherigen 22 Mitglieder: Oberamtmann L. Cohn. Direktor Ehrenberg, Siegmuud Bergel, I. Freymark. Aron Hirsch, Dr. Franz Oppenheimer, Prof. M. Philippson, Eugen Rosenstiel. Prof. Marburg, sämmtlich zu Berlin; Prof. Badt, Rittergutsbesitzer Cäsar Sachs zu Breslau; Gutsbesitzer H. Aronstein zu Büren, Wests.; Rabbiner Dr. Plaut, Joseph Wisloch zu Frankfurt a. M.; Rittergutsbesitzer Dr. Papilsky zu Gablenz bei Gossen; Gustav Tuch-Hamburg, Konsul A. M. Simon-Hannover, Rittergutsbesitzer I. Rohr-Langguhle; N. A. Eugen Beer. Rabbiner Dr. Werner zn München; Mühlenbesitzer I. Rosenthal. M. Werner zu Posen und zum Vorsitzenden des Vereins Oberamtmann L. Cohn per Akklamation wiedergewählt. Letzterer dankt für das ihm durch die Wiederwahl von Neuem bekundete Vertrauen. Hieraus trat man in eine allgemeine Besprechung ein. Aus verschiedene Anfragen des Herrn Gustav Heynemann-Magdeburg geht der Vorsitzende anssührlich auf die Beschreibung der Verhältnisse des Gutes Neuhof ein. Er schildert die günstige Lage, hebt den niedrigen Preis, der jedes finanzielle Risiko allsschließt, hervor. Sodann betont er ausdrücklich, daß es von sännutlichen Vorstandsmitgliedern für ganz selbstverständlich gehalten worden sei. daß von den Eleven auf dem Gute des Vereins der Sabbath gehalten würde (aus diesem Grunde eben sei ein christlicher Administrator allgestellt worden), ebenso selbstverständlich sei es, daß für rituelle Beköstigung der Eleven gesorgt werden würde. Die Oberaufsicht hierüber übernehme der Rabbiner von Posen. Siegmund Bergel fügt hinzu, daß auch die von dem bisherigen Besitzer übernommene Schweinezucht zu keinerlei Bedenken Anlaß zu geben brauche, so lange dieselbe von einem christlichen Pächter betrieben werde; sie solle selbstverständlich alsbald aufgegeben und durch Geflügelzucht ersetzt werden, die eine nicht geringere Rentabilität gewährleiste. Der Vorsitzende erläutert auf Anfrage des Herrn I. Freymark, in welcher Weise die Eleven zur praktischen Erlernung der Landwirthschaft herangezogen werden würden; in den Winterabenden würde ein theoretischer Fortbildungsunterricht durch Lehrer der landwirthschastlichen Schule zu Samter ertheilt werden. In erster Linie dächte der Verein daran, Zöglinge aus Ahlem dort seßhaft zu machen, wie es denn immer die Absicht des Vereins gewesen sei, mit dieser Anstalt in innigem Connex zu bleiben. Prof. Marburg schlägt hierauf der Versammlung eine Resolution zur Annahme vor. wodurch das durchaus freundliche Verhältniß des Bodeukulturvereins zu Ahlem von neuem zum Ausdruck gebracht werden soll. Eduard Cohen- und Otto Strauß-Frankfurt a. M.. Senator Fischer-Hannover, A. Wertheim-Eschwege, sämmtlich Kuratoren von Ahlem, begrüßen freudig den Vorschlag und erklären nachdrücklich, daß im Interesse beider Institutionen ein gemeinsames Arbeiten von größtem Werthe sei. Nachdem Dr. Franz Oppenheimer und Siegmund Bergel in demselben Sinne sich ausgesprochen, gelangte folgende Resolution zur Annahme: „Der Bodenkulturverein erklärt unter Berufung auf die Beschlüsse vom 24. Oktober 1897 und 28. Oktober 1900, daß er nach wie vor mit der Erziehungsanstalt Ahlem Hand in Hand zu gehen entschlossen ist und spricht seine feste Ueberzeugung ans, daß seine Ziele und Interessen in keiner Weise mit Ahlem kollidireu." Auf Antrag des Konsul Simon wurde beschlossen, diese Resolution dem Kuratorium von Ahlem zu übermitteln. — Berlin, 31. Dezember. Die vereinigten Chöre der Gemeindesynagogen zu Berlin veranstalten zu Anfang des Monats Februar kommenden Jahres zum Besten ihrer Unterstützungskasse ein Konzert in der Synagoge Lützowstraße. dessen Leitung der bekannte königliche Konzertmeister F. Rehfeld gütigst übernommen hat. 8. Jnowrazlaw, 1. Januar. Gestern, kurz vor Jahresschlnß, traf ans dem Sanatorium zu Frankfurt a. M. die Trauerkunde hier ein, daß der Kommerzienrath Julius Levy, der seit einigen Wochen zur Erlangung seiner Gesundheit dort weilte, plötzlich verstorben sei. Diese Trauerbotschaft verbreitete sich blitzschnell in der Stadt und erschütterte alle Gemüther. Der Verstorbene, 62 Jahre alt, besaß ein selten edles Gemüth und eiserne Charakterfestigkeit, darum wurden auch die Ehrenämter von Stadt und Kreis in seine Hand gelegt. Er war seit einer langen Reihe von Jahren Vorsitzender des Stadtverordnetenkollegiums, Vorsitzender des Repräsentantenkollegiums, Vorsteher der hiesigen Handelsschule, Kreisdeputirter, Provinziallandtagsabgeordneter, Mitglied der Handelskammer in Bromberg n. s. w. Alle diese Ehrenämter hat er trotz seiner großen Arbeit in den eigenen Unternehmungen, wo er mehr als 200 Arbeiter beschäftigte, stets mit wahrem Eifer und peinlicher Pünktlichkeit verwaltet. Ja, man kann mit Recht behaupten, daß die rastlose Arbeit für das Gedeihen von Stadt und Kreis seine Kräfte aufgerieben, seine Gesundheit erschüttert habe. Er war im wahren Sinne des Wortes nicht allein der Stolz unserer Gemeinde, der Wohlthäter der Waisen, Wittwen und Armen ohne Unterschied der Konfession, sondern auch eine Zierde der ganzen Stadt und Gegend. Darum ist die Trailer um den unersetzlichen Verlust eine große und gerechte. Die Leiche wird aus Frankfurt nach hier überführt. kp. Bus der Provinz Posen, im Dezember. Am 15. d. M ist der Kaufmann Simon Hamburger in Tirschtiegel im Alter von 76 Jahren gestorben. Der Verstorbene gehörte Jahrzehnte hindurch dem dortigen Schulvorstande und der Synagogengemeindevertretung an. — Mitte Dezember starb in Schwersitz im Alter von 90 Jahren der dortige Synagogeudiener Hirsch Hey mann. Der Verstorbene durchzog Mitte des vorigen Jahrhunderts viele Jahrzehnte laug unsere Provinz und zeigte sich an den verschiedensten Orten als Schnellläufer. Er war eine so originelle Persönlichkeit, daß man sich seiner noch hier und da erinnern wird. — Die Synagogengemeinde in Wre scheu hat auch in diesem Jahre unter die dortigen jüdischen Armen ein erhebliches Quantum Holz und Kohlen vertheilen lassen. — Der Kaufmann Markiewicz in Dobrzyca hat der Synagogengemeinde zu Ostrvwo zwei werthvolle Leuchter für die Leichenhalle daselbst geschenkt. — In Wronke ist kürzlich im Alter von 78 Jahren der Stadtälteste Kaufmann S. A. Lißn er gestorben. Derselbe gehörte eine lange Reihe von Jahren der dortigen Stadt- und Synagogengemeindeverwaltung an und versah auch in mehreren Vereinen Ehrenämter. — Stadtältester Kaufmann Cohn in Crone a. Br. ist zum Beigeordneten daselbst gewählt worden, — In der Nacht zum 6. d. M. wurden in der Synagoge zu Bütow sechs Fenster zertrümmert. Um die Uebelthäter zur Bestrafung bringen zu können, hat die Polizeiverwaltung für die Ermittelung derselben eine Belohnung von 80 Mark ausgesetzt. — Zu Schulvorstehern der jüdischen Schule in Pudewitz sind kürzlich die Herren Kaufmann S. Mendel und Gutsbesitzer L. Kraye gewählt worden. — Die israelitische Waisenknabenanstalt zu Posen hatte im letzten Jahre eine Einnahme von 22890.80 Mark und eine Ausgabe von 15 760 Mark aufzuweisen. Die Anstalt wird von. 27 Zöglingen besucht. — Fabrikbesitzer Fabian Fränkel in Ostrowo ist neulich als Vertreter der Kreise Ostrowo, Adelnau, Schildberg und Kempen in die Handelskammer des Bezirks Posen gewählt worden. — Nach dem Jahresbericht des israelitischen Franeuvereins in Wreschen hatte letzterer im letzten Jahre eine Einnahme von 780.85 Mark und eine Ausgabe von 461,97 Mark. Zum Vorsitzenden wurde Frau Kreisarzt Dr. Michaelsohn gewählt. Der jüdische Jungfrauenverein daselbst hat einen Zirkel gebildet, bei dem Vorträge und Vorlesungen abwechseln. — Am 7. d. M. verstarb in Kempen während seines Aufenthaltes plötzlich in einem dortigen Hotel im besten Mannesalter der Kaufmann Jereslaw. Derselbe gehörte einer Reihe von Jahren der Synagogen- Gemeindeverwaltung und mehreren Vereinen als Vorstandsmitglied all. — Breslau, 2. Januar. Ein seltenes Jubiläum feierte am 1. d. M. Herr Rabbiner Dr. P. Neustadt in Breslau, der Dirigent der „Hebräischen Unterrichtsallstalt". An diesem Tage werden es 60 Jahre, daß Herr Dr. Neustadt ins Lehramt eingetreten ist, nachdem er am 27. Dezember 1841 seine Staatsprüfung abgelegt hatte. Eill Komitee von Freunden und ehemaligen Schüler»» überreichte dem verdienstvollen greisen Jubilar all seinem Ehrentage einen Jubelsonds.