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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-01-10 · Heft 2 (10.1.1902) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 2 (10.1.1902)
Date
1902-01-10
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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66. Jahrgang. Nr. 2. Gerlin, 10. Jannar 1902. Der GemeLndebotr. Weikrge zur „Mkgemeinen Zeitung -es IuöenLHums". Korrespondenzen und Machrichten. Deutschland. ^2 Berlin, 6. Januar. Wie alljährlich veranstaltet auch in diesem Winter das Kuratorium der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums eine Reihe von Vorlesungen zum Besten des Stipendiensonds dieser Anstalt. Die Vorlesungen, welche im Saale der Gesellschaft der Freunde, Potsdamerstrabe 9, Abends 8 Uhr gehalten werden, sind folgende: 1. Am 13. Januar Herr- Sigmar Mehring: Ans meinen Schriften. 2. Am 20. Januar Herr- Professor Dr. Gustav Oppert: Indische Tempelrninen sunt Lichtbildern). 3. Am 10. Februar Herr Rabbiner Dr. Eschelbacher: Indische Wanderungen und Siedelungen in alter Zeit. 4. Am 24. Februar Herr Dr. B. Kellermann: Der Apostel Paulus. 5. Am 10. März Herr Geheimrath Professor Dr. Cohen Marburg): Der Stil der Propheten. 6. Am 24. März Herr Dr. Gustav Karpeles: lieber ein noch zu bestimmendes Thema. 8. Berlin, 2. Januar. Der „Hilfsverein der deutschen I u den" hatte zum 24. vorigen Monats eine Versammlung einbernsen, deren sehr zahlreicher Besuch recht erfreulich war. Der Verein zählt in Berlin bereits gegen 1000 Mitglieder, 60 Listen befinden sich noch im Umlauf, so dast begründete Hoffnung besteht, daß der Verein ins neue Jahr mit einem Bestand von ca. 1200 Mitgliedern eintreten wird. Dem Centralkomitee gehören bis jetzt 105 Mitglieder an, der geschästssührende Ausschuß hat sich statutengemäß ans 17 Mitgliedern ebenfalls gebildet, und es sind in ihnen Frankfurt a. M., Königsberg. Breslau, Hannover, Stettin, Dresden vertreten. Die Höhe der Zeichnungen an einmaligen und Jahresbeiträgen ist zwar noch bescheiden, aber immerhin mit Rücksicht auf die kurze Zeit seit der Gründung des Vereins nicht ungünstig. In kurzen, klaren Worten legte der Geschäftsführer Dr. Paul Nathan die Nothivendigkeit des Vereins dar. in welchem eine dauernde Centralisation aller bisher in unserem Vaterlande zerstreuten Unterstütznngsaktionen geschaffen werden soll. Za diesem Zwecke haben auch bereits die deutschen Logen den für Galizien angesammelten, nicht unerheblichen Fonds zur Verfügung gestellt, auch das rumänische Komitee hat das ihm verbliebene Kapital dem Verein überwiesen. Die Verhältnisse im Orient, namentlich in Kleinasien, haben sich sehr verschoben; durch den Bau der anatolischen Bahn ist Deutschland in hohem Grade engagirt, und es erscheint durchaus geboteu, den dort lebenden, den deutschen Jargon sprechenden Inden deutsche Sprache und deutsche Kultur zu bringen, nur deren wirthschaftliches Fortkommen zu sichern. Es ist vom Verein in Aussicht genommen, in Galizien, in Uebereinstimmung mit der österreichischen Israelitischen Allianz, Hausindustrien ins Leben zu rufen. Vorschnßkassen eiuznrichteu und vielleicht auch ein Waisenhaus zu errichten zur Unterbringnng der zahlreichen Kinder, deren Eltern verschollen sind und welche nunmehr von der Mildthätigkeit Anderer leben. Für das rumänische Hilfswerk sind bereits vom hiesigen Verein der ^llirnme israalita universelle, in deren Händen die Ausführung des Werkes liegt, 10000 Mark überwiesen worden, um auch dort Vorschußkassen einznrichten. Im Orient sollen in erster Reihe Schulen errichtet werden, doch ist auch die Gründung einer Handelsschule in Jaffa beabsichtigt, um die Bildung eines ehrlichen, intelligenten jüdischen Haudelsstauoes in die Wege zu leiten. Der Referent führte unter lebhaften: Beifall der Versammlung aus. daß mau, um der: Antisemitismus an der Wurzel zu bekämpfen, auch für die Hebung der Bildung und Kultur außerhalb der Grenzen des Vaterlandes sorgen müsse und schloß mit einem warmen Appell, dem Verein zahlreiche Mitglieder zu werben, um dadurch das lebhafte Echo, das er in der Provinz gesunden habe, nachhaltig zu stärken. In der sich anschließenden sehr regen Diskussion weist Herr Bergel auf das in Amerika gegebene, glänzend gelungene Beispiel Hill, wo unter Führung der Bnei Brithlvgcn eine Centratisation verschiedener Hilfskräfte zu Stande gekommen ist, welche in bester Weise die Vertheilung der zahlreich eingewanderten osteuropäischen Juden über ganz Amerika ausführt. Er theilt ferner mit, daß in Oesterreich bereits ein Anfang mit der Errichtung von Hausindustrien gemacht sei, und daß bereits 1000 jüdische Frauen ^1d Mädchen, die bisher mit einem kärglichen Verdienst von^l Gulden pro Woche ihre Familie ernähren mußten, mit Leichtigkeit 3—4 Gulden durch die Verfertigung von Haarnetzen erwerben können. Rabbiner Dr. Mahbanm sieht in dem Hilssvereiu die Bekrönung der gesummten Wvhlthätigkeitspflege und bittet ebenfalls, nach Kräften für den Verein zu werben, um hierdurch die Berechtigung Berlins zu erweisen, an der Spitze der Judenheit zu stehen, und hiermit auch das Gefühl der Selbstachtung der Glaubensgenossen im eigenen Lande zu heben. Landtagsabgeordneter Dr.^Max Hirsch begrüßt die Gründung des Vereins als ein schönes, großherziges Werk und giebt zu erkennen, daß die Abgeordneten jüdischer Konfession, die ja naturgemäß nur die Ausgabe haben, speziell für die vaterländischen Angelegenheiten zu sorgen, auch ein Herz für solche Werke besitzen, welche über Deutschland bis in die fernsten Länder hinausreichen, wo es gilt, gegen Noth und Unkultur einzutreten. Er mahnt ebenfalls, für den Verein in Berlin alles aufznbieten. um mit der großen Zahl von Mitgliedern und mit der großen Intelligenz das Werk zu fördern, bis der Zweck erreicht sei und bis in die fernste:: Länder erkannt werde, daß die Berliner Juden ein Herz hätten für die Leiden ihrer Glaubensginassen und dieses Herz durch eine dauernde Organisation bethätigen wollen. Senator Fischer, welcher für Hannover bereits ein Lokal- und Distriktskonntee gebildet hat, hält den Anschluß an den Hilfs- Verein um so mehr für angezeigt, als sich hierdurch die Juden betreffs der Nothfälle einzelner Glaubensgenossen völlig entlasten. Rabbiner Dr. Fiukel-Pasewalk verspricht, in der-Provinz Pommern für den Verein, der mit großer Freude begrüßt sei. zu werben und bezeichnet die Errichtung von Hausindustrien in Galizien als das beste Mittel zur Bekämpfung des Mädchenhandels, zu welchem sich die jüdischen Mädchen nicht ans einem moralischen Defekt, sondern nur ans bitterster Noth Verleitei: ließen. Herr Willibald Loewenthal bespricht die Frage der Rückwanderer ans England und Amerika und empfiehlt dem Hilfsvereiu. für die Beförderung derselben von der Grenze des Landes, zu welcher sie durch Unterstützung einzelner Gemeinden gelangen, nach ihren: Heimathsort einzutreten. Herr S. Jacobi Witt das geistige Gut der jüdischen Zeitungen auch für die in Unkultur lebende:: Glaubensgenossen nutzbar machen und entbietet hierzu seine Thätigkeit und materielle Unterstützung. In zündenden Worten schilderte alsdann noch Justizrath Cassel die hohe:: Aufgaben des Vereins. Aus den: inneren Bewußtsein müsse den Juden die Solidarität tausendjährigen Druckes, tausendjähriger Verkennung ihrer Menschenrechte klar werden, und nur aus dem Gefühl einer Pflichterfüllung. die ihnen Denen, gegenüber obliege, die unter gleichen: Drucke schmachten, und deren Position noch eine viel bedrängtere sei als die ihrige, seien sie verpflichtet, nicht nur für die eigenen Rechte zu sorgen, sondern dessen eingedenk zu sein, daß Tausende, die aus gemeinsamen: Blute mit ihnen entsprossen seien, in Elend, Druck und Verfolgung dahin leben. Fern solle es dem Verein liegen, auf die politische Stellung der Juden in anderen Länder:: irgend welchen Einfluß zu nehmen. Aufgabe des Vereins solle es vielmehr sein, den Kreis Derjenigen zu erweitern, die sich durch einen redlichen Lebenswandel auszeichnen. Der Einzelne solle seiner natürlichen Anlage gemäß entwickelt, und nicht einseitige Schranken betreffs der Zuführung Aller zu einen: bestimmten wirthschastlichen Beruf ansgebaut werden. Die unglücklichen Glaubensgenossen würden, soweit sie überhaupt durch Kultur gehoben werden könnten, den: deutschen Namen ebenso viel Ehre machen, als er durch die Schmach des Antisemitismus geschändet worden sei. Die Hauptsache werde sein, opferbereit zu sein, und der Verein werde nur Großes leisten können, wenn Tausende von überzeugten Männern sich in den Dienst der Sache stellen. U. Berlin, 1. Januar. An: 26. v. M. fand eine außerordentliche Generalversammlung des B o d e nk:: l t urv e r ei n s statt. Es handelte

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