Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 66 (1902)
- Issue
- Heft 2 (10.1.1902)
- Date
- 1902-01-10
- Page
- Seite 24 (sequence 14)
- Language
- German
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24 und ein bischen schreiben, aber er hat immer ehrlich gehandelt, hat niemals eine Schlechtigkeit begangen, warum soll ich mich seiner schämen! Ja, Abramczyk, ehrlich! Ich habe mich immer gefürchtet, daß Jemand mal sagen könnte, seht den Abraham Kantorowitsch, das ist der Sohn dieses Schurken, wahrscheinlich ist er ebenso. Aber Niemand in der Welt kann das von mir sagen, das schwöre ich Dir, und sagt es Einer, dann ist er ein Lügner. Ich war immer ehrlich, und Dein Großvater war auch ein ehrlicher Mann; er hat sich totgearbeitet, aber alles ehrlich erworben. Und Deine Mutter ist eine goldene Frau, daran erinnere Dich, schäme Dich vor Niemandem. Niemals!" Bei diesen Worten weinte auch Abraham. „Um Gvtteswillen, weine nicht," rief Jankel, nach seinem Schnupftuch greifend, „das ist nur so —bei Gelegenheit. Schon gut, schon gut! Jude ist Jude! Was soll inan thun? Aber Du, erinnere Dich." Und Abramczyk vergißt nicht. Jnbetreff des ältesten Sohnes ist Jankel ruhig; er ist fast am Ziele. Wenn Abramczyk die Universität geendigt hat, heirathet er, nimmt eine Mitgift und fängt dann selbst an zu verdienen. Ein Arzt hat immer ein gutes Stück Brod bis zürn Lebensende. Wenn er ehrlich arbeitet und die Armen nicht verachtet, ist ihm gut und den Armen gut. Warum soll er arme Leute verachten? Es giebt viele Arme, viel mehr als Reiche. „Wenn Du von jedem ein wenig erhältst, hast Du schließlich viel. Denke an Dich, vergiß aber auch die Anderen nicht. Wo man nicht zahlen kann, hilf umsonst. Gott giebt immer ab." (Forts, folgt.) Sprechsaat. ^n der „Kölnischen Zeitung" ist jüngst eine Mittheilnng von „zionistischer Seite" erschienen, nach welcher der deutsche Rabbiner- Verband die Absicht habe, bei der preußischen Staatsregiernng in Angelegenheit der Gleichberechtigung der jüdischen Religion Schritte zu thun und in der Begründung seines Wunsches auf eine „demnächst erscheinende polemisch-apologetische Schrift" von mir Rücksicht zu nehmen. In der „Israelitischen Rundschau" vom 27. Dezember 1901 wird diese Mittheilung dahin ergänzt, daß die Nachricht aus einen Dozenten der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums zurückgehe. Da die letztere Behauptung sich nur auf mich beziehen kann, muß ich erklären, daß'ich es wohl von jeher für wünschenswerth gehalten habe, daß die hierzu berufenen Körperschaften, zu denen in erster Reihe der Nabbinerverb'and gehört, für die staatsrechtliche Gleichstellung unserer Religion mit den christlichen Konfessionen eintreten. Ich glaube auch annehmen' zu dürfen, daß sowohl Mitglieder des Rabbinerverbandes, als auch außerhalb desselben stehende Persönlicheiteu die in unserer Gemeinschaft Einfluß haben, denselben Wunsch hegen. Infolge dessen habe ich Einzelnen gegenüber der Bermuthung und Erwartung Ausdruck gegeben, daß dies in absehbarer Zeit geschehen dürfte^ und daß manche Ausführungen meiner Schrift „Die jüngsten Urtheile Liberias Judenthum" geeignet seien, die erwähnte Forderung zu unterstützen. Daß aber Herr Dr. Maybaum und andere Vertreter des Nabbitterverbandes in einer Eingabe sich irgend welcher Ausführungen^ bedient oder schon irgend welche Beschlüsse gefaßt hätten, habe ich nicht gesagt, und es sind hierauf bezügliche Mittheilungen mir weder von Herrn Dr. Maybaum noch von irgend einem anderen Mitgliede des Rabbinerverbandes gemacht worden. Auch hat der^ Nabbinerverband mit meiner Schrift nicht das Mindeste zu thun. Jene Mittheilungen beziehen sich also ans mißverstandene und entstellte Aeußerungen von mir, die insolge eines Vertranensbruches in die Oeffentlichkeit gebracht worden sind. Diese Erklärung habe ich lediglich mit Rücksicht auf die angegriffenen Führer des Rabbinerverbandes abgegeben, die ich für mißverstandene und entstellte Aeußerungen nicht büßen lassen kann. Ich selbst bekenne mich gern zum sündhaften Wunsch, unsere Religion mit den anderen Konfessionell staatsrechtlich gleichgestellt und im Geistesleben eines jeden Kulturvolkes als einen wichtigen Faktor anerkannt Zu sehen. In welcher Weise die Stellung der Rabbiner und die Autonomie der Gemeinden zu bestimmen wäre, das ist eine besondere Frage. In der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums" ist zu wiederholten Malen auf einen Widerspruch zwischen meiner Stellungnahme bei den zwei letzten hiesigen Gemeindewahlen hingewiesen und mir auch vorgeworfen worden, daß ich aus einem Saulus zum Paulus geworden wäre. Ich habe aber meine Ansichten über die Quellen religiöser Erkenntniß, über schriftliche und mündliche Thora, über die Lehren und Institutionen des Judenthums nicht geändert und habe von Einsichtigen diesen Vorwurf um so weniger erwartet, als es doch bekannt ist, daß es bei den Gemeindewahlen sich zumeist um Personettfragen handelt, daß die Parteien bestimmte theologische Grundsätze nicht aufgestellt haben und daß insolge dessen wir schlichte Gemeindemitglieder, die weder zu den Mitgliedern des liberalen Vereins noch aber zu denen des „Centralvereins" gehören, uns an die konkreten Forderungen der Parteien zu halten haben. Gegen die Forderung des Sonntagsgottesdienstes habe ich aber schon in den „Mittheilnngen des liberalen Vereins" mit der größten Bestimmtheit Stellung genommen; auch hat der „Centralvereiu" in einem Flugblatt erklärt, daß für ihn nicht „liberal" und „konservativ", sondern „jüdisch" und „unjüdisch" die Gegensätze seien. Auf eine weitere Klarstellung meiner Ansichten glaube ich vorläufig verzichten zu können. Daß ich bei meiner Stellungnahme bei den Wahlen nicht darauf geachtet habe, welche Partei mehr Aussichten ans den Sieg hat, und daß selbstsüchtige Zwecke mir fernlagen, dürste führenden Persönlichkeiten der liberalen Partei aus eigener Erfahrung wohl bekannt sein. Berlin, 31. Dezember. Dr. Martin Schreiner. ö Geehrte Redaktion! (E^on Konstantinvpel wendet sich der „Erste deutsch-israelitische Wohlthätigkeitsverein" sür die Emigranten mit Gesuchen um Beiträge au die im Westen wohnenden Glaubensgenossen. Der Aufruf ist unterzeichnet vom „Präsidenten Jagues Hamburger mit dem Ersuchen, Geldbeiträge an den Kassirer Louis Samgurski zu senden." Nach eingezogenen Erkundigungen ist der Schatzmeister Louis Samgurski eine wenig vertrauenswürdige Persönlichkeit, so daß unsere Glaubellsgellossen jedenfalls gut thun, etwaige Gesuche des Wohlthätigkeitsvereins unberücksichtigt zu lassen. 0. Sehr geehrter Herr! Hln dem Artikel: „Eine Ergänzung zu Professor M Mommseus Erklärung" in voriger Nummer haben sich leider mehrere zum Theil sinnentstellende Druckfehler eingeschlichen Seite 619 zweite Spalte, zweiter Absatz: Juden und Judenthnm gegenüber ist all das hochtönende Gerede von Freiheit und Konfessionslosigkeit der Wissenschaft eine Farce (nicht: Form). Dritter Absatz: klugen (?); das Fragezeichen stammt nicht voll mir; die bittere Ironie ist ohnehin klar. Ebenda: Glaubens- und S t a m m e s gemeinschaft (nicht Namensgemeinschast). Seite 620. Erste Spalte, erster Absatz: Für das Judenthum bilden alle christliche Theologen ... Eine reaktionäre Masse (nicht: eine). Ebenda: Es giebt überhaupt nur „jüdische" Anmaßung (nicht nie). Ebenda: wenn man voll ihnen verlangte, sie sollten (nicht: sie müssen). Zweite Spalte unten: Für das Christenthnm existirt das Judenthllm im Wesentlichen nur bis zum Jahre il- 0 (nicht: 01). Seite 621 oben: Das zwanzigste Jahrhundert steht in diesem Punkte weit hinter dem siebzehnten und achtzehnten («licht: noch hinter.) Göttingen, 30. Dezember 1901. Dr. B. Jacob. Druck und Verlas von Rudolf Mosfe in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.