Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 66 (1902)
- Issue
- Heft 2 (10.1.1902)
- Date
- 1902-01-10
- Page
- Seite 16 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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- Hrodna 1× ep/1044655
- Minsk 1× ep/1000754
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16 Am 1. Juli 1901. sagt die Anklageschrift, gab Castache Craiescu, Farmer der Ländereien von Dranceni und Shoperleni, seinem Sohne Petrache Craiescu den Befehl, das Vieh von Dranceni einzuschließen, um^ die Eigenthümer dieser Thiere zu zwingen, das Weidegeld, das sie ihm schuldeten, zu zahlen. Er schickte nach Shoperleni seine Knechte NicolailNegu und N. Jotu. Unterwegs begegneten sie dem Israeliten Haim Ciurarul von Dranceni. Es entstand ein Streit, man kennt nicht genau die Ursache, zwischen ihm und den Knechten; der Uebermacht unterlegen, fiel Ciurarul mit schweren Kopfwunden zur Erde. Die Nachricht, daß Haim Ciurarul durch die Knechte des Farmers ermordet worden sei, verbreitete sich schnell in der kleinen Stadt Dranceni. Die meisten der jüdischen Einwohner begaben sich unverzüglich auf den Kampfplatz. Die ersten Ankommenden waren Joseph Aronovici, Avram und Laiba Faibisch. Inzwischen kam der Gutsbesitzer nach Hause; sein Verwalter Constauinescu meldete ihm, daß die Juden der Ortschaft sich mit seinen Knechten auf dem Lande schlügen. Der alte Castache Craiescu gab seinem Kutscher Mihailaki Luptt den Befehl, einzuspannen und begab sich in der Begleitung von P. Craiescu und des Tfigans G. Catrin an den Ort, wo diese Ereignisse stattfanden. Dort angelangt, verfolgte der Farmer den jungen Aronovici. Dieser, ermüdet vom Laufe, blieb plötzlich stehen und wurde mit der Wagendeichsel des Craiescu am ganzen Körper schrecklich verwundet; denn der Wagen fuhr auch über ihn. Aronovici versuchte sich zu erheben, aber P. Craiescu und Joan Constauinescu sprangen vom Wagen und schlugen ihr Opfer, bis es niederste!. Zum zweiten Mal fuhr der Wagen über den Körper des Aronovici, der nicht mehr ansstand. Der Gutsbesitzer und die Begleiter, die bei ihm im Wagen sich befanden, begaben sich hierauf au die Verfolgung des Avram Faibisch, welcher von P. Craiescu. I. Constauinescu und Nicolas Niago mißhandelt wurde. Sein Bruder Lebu Faibisch erlitt dasselbe Schicksal. Der alte Haim Faibisch. der seinem Sohne Zu Hilfe eilte, wurde gleichfalls geschlagen. I. Aronovici, der zum Dr. Vlav transportirt wurde, starb am andern Tage an einer Lungendurchbohrung und einem Schädelbruche. Die anderen Opfer hüteten während mehreren Wochen das Bett. Die Herren Craiescu aber — wurden freigesprochen. ö Zu den bereits mitgetheilten Daten über die Zahl der Juden in Rußland fügen wir noch hinzu, daß die Juden im Kaukasus 0,63, in Sibirien 0,6 und in Centralasien blos 0,16 Prozent der Gesammtbevölkerung bilden. Die geringe Zahl der Juden in Centralasien muß sehr überraschen, da bisher angenommen wurde, daß dort eine zahlreiche jüdische Bevölkerung lebt. Auffallend ist ferner die Angabe, daß die Juden im europäischen Rußland 4,03 Prozent der Bevölkerung bilden, während ihr Prozentsatz für das Gesammtreich 4,13 beträgt. Demnach müßte die Zahl der Juden in Asien weit über 4,03 Prozent betragen. Endlich ist die Gesammtzahl der Juden im russischen Reiche, die offiziell mit nur 5 189 000 beziffert wird, viel zu gering, da die große Zahl der von den Juden alljährlich zu stellenden Soldaten, welche im Durchschnitt über 16 000 beträgt, ans eine weit höhere Ziffer schließen läßt. Sehr gering ist die Zahl der Inden außerhalb des Ansiedelungsrahons. So giebt es in Ost- und Nordrußland 59 Regierungsbezirke ohne einen einzigen Juden, während in weiteren 38 Regierungsbezirken die Juden nur 0,01 Prozent der Bevölkerung bilden. Daß diese „judenreinen" Gebiete besser daran sind, als das Gouvernement Grodno mit seinen 17,25 oder gar das Gouvernement Warschau mit seinen 18,12 Prozent Juden, werden selbst die enragirten russischen Antisemiten wohl kaum zu behaupten wagen. Von den allrussischen Provinzen zählt das Gouvernement Wladimir 0,09, Twer und Tambow je 0,08, Kostrowa 0,06, Pensa 0,04 und Wjatka 0,03 Prozent Juden. Ueber die Zahl der Juden in den Städten des Ansiedelungsrayons giebt der offizielle Bericht wohlweislich keine näheren Daten, da sie beweisen würden, welche entsetzlichen und unhaltbaren Zustände die russische Regierung durch ihre seit 20 Jahren gegen ihre unglücklichen jüdischen Unterthanen betriebene Einpferchnngspolitik in den großen jüdischen Ghettos geschaffen hat. Wie dicht zusammengedrängt die Juden in den größeren Städten des Ansiedelungsrahons wohnen müssen, beweist die Thatsache. daß in den Regierungsbezirken Minsk und Witebsk 22,98, im Regierungsbezirk Berditschew 23,28 und im Regierungsbezirk Bialhstok gar 28,77 Prozent Juden wohnen. Da die Juden auch im Ansiedelungsrayon auf dem flachen Lande nicht wohnen dürfen, so konzentrirt sich diese große jüdische Bevölkerung hauptsächlich in den Hauptstädten der genannten Bezirke, während in der unmittelbaren Umgebung dieser Städte fast gar keine Juden wohnen. Das Centralkomitee der Alliance IsiLmlita Universelle hat die folgende interessante Mittheilung von seinem Korrespondenten ans Tripolis erhalten: In den letzten Tagen des Oktober habeil aus dem Souk-el-Djoumaa, einem Jahrmarkt zu Amrouß. einem Dorfe in geringer Entfernung von Tripolis gelegen, Unruhen stattgefnnden. Um ihre Unzufriedenheit gegen die Einverleibung in das türkische Heer zu zeigen, konnten die Eingeborenen, indem sie die Aufmerksamkeit auf sich lenken wollten, nichts besseres thun, als sich an die Juden zu machen. Eine Horde Uebelthäter warf sich am Hellen Tage aus unglückliche Israeliten. die auf den Markt gekommen waren, um ihre Maaren zu verkaufen, zwang'sie, ihre Buden zu verlassen, die sie plünderten, nicht ohne ihnen Kopfsckläge ausgetheilt zu haben, wodurch einige unter ihnen, einer aber schwer, verwundet wurden. Der Vali von Tripolis, der alsbald benachrichtigt wurde, ergriff ernste Maßregeln mW schritt zn einer genauesten Untersuchung. Er versprach den beraubten Israeliten, sie für den erlittenen Verlust zn entschädigen. In der That, nachdem 20 Räuber das Gestohlene zurückgeben mußten, ließ er sie ins Gefänguiß setzen, darauf verlangte er und erhielt auch voll den Eingeborenen von Amrouß die Ergänzung der von den Israeliten verlangten Summen. Er ließ diese letzteren vor sich kommen und hier in Gegenw'art des Oberrabbiners Camhi Jeden! unter ihnen unverkürzt die Summe auszahlen, welche nach seiner eidlichen Erklärung ihm geraubt worden war. Unsere Glaubensgenossen, in den! glücklichen Gefühle, daß ihnen so schnelle und vollständige Gerechtigkeit geworden ist, bereiteten dem Vali eine spontane Huldigung und überreichten ihm durch Vermittelung des Oberrabbiners eine Adresse. „Lassen Sie Ihre Glaubensgenossen wissen." sagte der Vali zum Oberrabbiner, als dieser ihm die Adresse überbrachte, „daß sie mir nicht zn danken brauchten, denn ich habe nur meine Pflicht erfüllt. Bin ich nicht ihr Vater, um ihre Rechte und Interessen zu überwachen Hin und her. Ein Beitrag zu der Fabel von der „jüdischen Macht" von Dr. Adolf Blnmenthal in Ratibor. (7^ edes Zeitalter hat seine Schlagworte, mit denen die urtheilslosen Massen betäubt, und ihre gefährlichen Instinkte abgelenkt werden. Wenn ein berühmter schwedischer Staatsmann sagte, daß mit gar wenig Weisheit die Völker regiert werden, so könnte man hillzufügen, daß von gar vielen Thorheiteir die Menge sich beherrschen läßt. Das alte Nom hatte seine Gladiatorenspiele, das Mittelaller ergötzte sich am Scheiterhaufen, das spanische Volk vergißt heute seinen Hunger beim Stiergefecht und der deutsche Pöbel den Ernst der Zeit über der Menschenhetze. Zu den Schlagworten, mit denen in Deutschland der Judenhaß gezüchtet und wie eine