Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 40 (3.4.1838)
- Date
- 1838-04-03
- Page
- Seite 158 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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158 ju übertragen ist. Hier zumal sind Gelehrte berufen,' ihre Stimmen abzugeben, denn ihre Ansicht ist hier allein ent» scheidend. Der erste beste Lektionskatalog gibt uns Auskunft über unsere Frage; denn die äußeren Einrichtungen wiederholen sich überall. Eben so gibt irgend eine theologische Encyclopädie darauf Antwort, so wie wir auch gern auf den im vorigen Jahrgange dieser Blatter No. 20—85 erschienenen Entwurf zu einer Encyclopädie und Methodologie der jüdischen Theologie verweisen. Es gibt gewöhnlich vier ordentliche Professoren der Theologie, einen für Exegese, einen für Kirchengeschichte, einen für Moral und Dogmatik und endlich einen für praktische Theologie. Wo ein fünfter hinzukommt, ist er mehrentheils noch für Dogmatik, weil es angemessen erscheint, verschiedene Richtungen in der Auffassung derselben repräsentier» zu lassen. So war, um ein Beispiel zu wählen, das in der Geschichte unserer Tage allgemein bekannt geworden ist, in der katholisch-theologischen Facultät zu Bonn neben Hermes auch Klar, in Berlin neben Schleiermacher auch Marheineke, in Halle neben Wegscheider auch Tholuck als Profcsser derDogmatik angestellt. Für das Judenthum möchten alle die genannten Fächer auch besetzt werden können. Exegese des alten Testamentes und die damit verwandten Wissenschaften als: Einleitung in die Bücher des'A. T., Hermeneutik u. a. m. werden freilich theils in der-christlich-theologischen, theils in der philosophischen Facultät (durch den Professor der oriental. Philologie) schon gelehrt. Doch dürfen wir durchaus dieses Lehrfach nicht aufgeben, da die Quellen, die dem Juden in seiner eigenen Literatur zu Gebote stehen, von jenen Männern in der Regel gar nicht benutzt werden, und auch die religiöse Ansicht Manches auf andere Weise erklären dürfte, z. B. die meffianischen Stellen. — Kirchengeschichte im christlichen Sinne haben wir freilich nicht, wol aber eine Geschichte des jüdischen Volkes im Allgemeinen und der jüdischen Religion im Besondern, auch müßte die jüdische Literaturgeschichte mit in diese Regio» gehören. Ob wir eine Dogmatik haben oder nicht, darüber ist viel geredet worden, und es kommt hier nicht darauf an, die Frage zu erörtern; daß wir einen analogen Lehrgegenstand haben, daß bestimmte Lehrbegriffe, daß die Gesetzgebung zu erörtern, wissenschaftlich zu erörtern sei, das wird mir Jeder gern zugeben. Nie auch ist eine' solche Darlegung unserer Gebote der Literatur fremd geblieben, und die berühmtesten Heroen derselben haben gerade hier ihre Lorbeeren gesammelt. Auch Polemik und Apologetik hat das Judenthum von jeher gehabt,, und sie gehören derselben Richtung des wissenschaftlichen Strebenan. Nicht- Befruchtenderes für die lebendige Ausübung der Religion gibt es, als die Lehren derselben unter große, leicht zu erkennende Gesichtspunkte zu bringen, von denen aus bas gehörige Licht auf jeden noch so entlegenen Punkt fällt. Die praktische Theologie des Judenthums unterscheidet sich gerade nicht eben wesentlich von der der Christen. Mag die altherkömmliche Form einer jüdischen Rede anders sein, als das, was man gemeinhin Predigt nennt, die Regeln der Homiletik werden vielleicht nicht wesentlich modificirt werden. Die Liturgik wird bei uns immer ein Zweig der Dogmatik sein, Catechetik gehört überhaupt dem Lehrfache mehr als dem der Nabbinen. Mit der Professur der praktischen Theologie ist aber gewöhnlich noch ein theologisches Seminar verbunden, das mit dem Schullehrerseminar fast nichts als den Namen gemein hat. In diesem werden theils Uebungen im Predigen und Catechisiren, theils Anleitungen zu wissenschaftlicher Selbstthätigkeit in allen Gebieten des ganzen Faches gegeben und Vorträge und Disputationen gehalten. Ein solches Seminar ist für die jüdisch-theologische Facultät vorzüglich wichtig. Denn die bisher besprochenen Wissenschaften sind ihrer ganzen Anlage nach von der Art, daß sie nur in streng zusammenhängenden Vorträgen (acroamatisch) mitgetheilt werden können, weder Fragen noch Einrede» sind bei dieser Lehrart zulässig; der Unterricht bildet ein in sich konsistentes Ganze, und laßt sich nicht so sehr zu dem Zuhörer herab, als daß er denselben zu sich heraufzieht. Der Lehrer lernt seine Zuhörer nicht anders als dem Aeußern nach kennen, er kann nach vollendetem Studium nichts als den Fleiß und den regelmäßigen Besuch der Vorlesung bei demselben bezeugen. Das Eingehen in die Art und Weise, die wirkliche Leitung desselben bleibt dem Seminar Vorbehalten, daher der Einfluß eines guten Seminardirectors nicht zu berechnen ist. Noch wichtiger aber ist dieses Seminar in einer andern Hinsicht. Bisher haben wir auf das wirkliche Talmudstudium noch gar keine Rücksicht genommen; wir setzten es blos voraus, und wiesen es dem Privatfleiße der Studirenden während der akademischen Zeit zu, etwa wie den angehenden Juristen die Resultate der Rechtswissenschaft in den Vorlesungen mitgetheilt, das corpus juris selbst aber zu eigenem Studium überlassen wird. Es ist aber gewiß auch hoch wichtig, daß der Talmud ebenfalls exegetisch nnd dogmatisch auf der Universität gelehrt werde. Die Männer, die vor Allen zur Ausbildung und zur Fortentwickelung der Theologie des Judenthums berufen sind, werden auch auf der Höhe ihres wissenschaftlichen Standpunktes die Quellen zum Theil besser verstehen und erklären, theils die Methode des-