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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-12-27 · Heft 52 (27.12.1901) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 52 (27.12.1901)
Date
1901-12-27
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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im Jahre 1897 bestimmt war, „für die kräftige Unterstützung und Hebung der Israelitischen Erziehungsanstalt in Ahlem einziitreten." Einen wenig günstigen Eindruck erhielt darum die Versammlung durch die Feststellung, daß der Bodenkulturverein bislang sür die Zwecke der Ahlemer Allstalt noch gar nichts gethan hat. dagegen aber in jüngster Zeit einen neuen Verein gründete, welchem er eine Subvention von 3000 Mark jährlich zwecks Erziehung von sechs Knaben zuwenden will. Frankfurt a. M., 22. Dezember. Der „Verein zur Erziehung israelitischer Waisen in Palästina" versendet seinen Bericht sür das Jahr 1900 mit dem Allsdruck gerechter Genugthuung über die erfreuliche Zunahme der Mitglieder- und Frenndezahl, welche vorwiegend den Bemühungen des Hern David Jellin, Lehrers an der Lämmelschule. zu danken ist, der seinen Aufenthalt in Europa vom Herbst 1900 bis zum Frühjahr 1901 mit gutem Erfolge im Interesse des Vereins benutzte. Sein Eintreten hat es auch bewirkt, das die isl» Kolonisation ^ssoeiation zu Paris 50 000 Frcs. zum Bau eines Schulhauses zur Verfügung gestellt hat. Die Zahl der Zöglinge des Waisenhauses hat sich auf gleicher Weise gehalten; sie beträgt, nachdem zehn entlassen und ebenso viele ausgenommen worden sind, gegenwärtig neunnndzwanzig. Die Absicht, die Erziehung voll Waisenmädchen in den Kreis der Vereinsthätigkeit zu ziehen, konnte bis jetzt nicht verwirklicht werden; doch hofft die Verwaltung zuversichtlich, bald damit beginnen und im nächsten Jahre bereits darüber berichten zu können. Die Lämmel-Schnle wurde von 127 Knaben, 114 Internen (8 Aschkeuasim und 6 Sephardim) und 113 Externen (91 Aschkeuasim, 19 Sephardim, 1 Christen und 2 Mohamedanern) freqnentirt; ihre Leistungen waren, was von zahlreichen Besuchern rühmend anerkannt wurde, wie in den Vorjahren vorzügliche. Die Einnahmen des Vereins betrugen (einschließlich eines Kassenbestandes von 2861.49 Mark) 32 776.88 Mark, die Ausgaben 27 491.15 Mark. Das Vermögen hat die Höhe von 146 476 Mark erreicht. Den Vorstand bilden die Herren: Rabbiner Dr. Horovitz. Vorsitzender; Konsul Adols Baer-Goldschmidt. Stellvertreter; Henry Seligman, Kassirer; Professor Dr. Werner, Schriftführer; Professor Dr. Sulzbach, Stellvertreter (sämmtlich in Frankfurt a. M.); Rabbiner Dr. Ungerleider-Berlin und Julius Bodenstein-Berlin, Beisitzer. — KÜln, 22. Tezember. Der Bericht des Israelitischen Asyls für Kranke und Altersschwache über das Jahr 1900 berichtet zunächst über die hochherzige Schenkung des Sir Ernest Cassel in London, eines geborenen Kölners, der zum Andenken an seine Lehrherren Louis, Jakob Löb und Julius Eltzbacher eine Stiftung von ca. 270 000 Mark zum Zweck eines Neubaues errichtet, der den Verein in die Lage gesetzt hat, den längst gehegten Plan zu einem gänzlichen Neubau in Bälde verwirklichen zu können. In der mit allen Errungenschaften der modernen Hygiene und Krankenpflege auszustattenden neuen Anstalt sollen die Betten für Altersschwache und Kranke vorläufig verdoppelt werden, also 60 Betten für alte Leute und Sieche, ca. 85 sür Kranke zu schaffen, und zugleich eine größere Zahl von Plätzen für Greise oder Kranke 1. und 2. Klasse. An Baumitteln stehen außer der obengenannten Stiftung von 270 000 Mark der bisher aufgelegte kleine Nenbanfond und der Erlös aus dem späteren Verkauf des bisherigen Grundstücks mit Gebäulichkeiten zur Verfügung. Geschenke und Bettstiftungen werden hoffentlich das Fehlende ergänzen. Die Geschichte unserer Anstalt im abgelausenen Jahre verzeichnet den Verlust eines Mannes, der mehr als20Jahre seineKrast in den Dienst unseres Hauses gestellt und mit fürsorglicher Liebe die innere Verwaltung beaufsichtigt hat. des Herrn Abraham Callmann. Die Zahl der im Berichtsjahr verpflegten Altersschwachen betrug 33. Neuausnahmen können nur entsprechend der Zahl der durch den Tod oder ans anderen Gründen Ansscheidenden stattfinden, und daher fand unrein kleiner Theil der Aufnahmegesuche Berücksichtigung. Die für Altersschwache verfügbaren 30 Betten waren stets vollzählig belegt. Kranke wurden 574 ausgenommen gegen 542 im Vorjahr. Auch hier konnte die Zahl der vorhandenen Krankenbetten nicht den Aufnahmesuchenden, besonders nicht den Meldungen sür die 1. und 2. Klasse gerecht werden. Von der Ausnahme Jnfektionskranker mußten Wirbel dem Mangel all gellügenden Räumlichkeiten in letzter Zeit gänzlich absehen. Seit 1893 hat sich die Zahl der Kranken mehr als verdoppelt. Poliklinische Behandlung wurde 5682 Patienten in der mehrfachen Anzahl von Konsultationen zu Theil. Die enge Verbindung der Anstalt mit dem „Verein sür jüdische Krankenpflegerinnen Köln", welcher vertragsmäßig die gesannnte Krankenpflege und die Leitung der Hanslvirthschaft iin Hause übernommen hat, das zugleich die Ausbildungsstätte sür seine Pflegeschüleriunen bildet, hat sich seit dem zweijährigen Besteherl als segensreich sür beide Theile erwiesen. Vier Schwestern und sieben Pflegeschülerinnen waren dauernd im Hanse thätig. die anderen Schwestern des Vereins je nach Erfvrderniß. Die am Ende des Berichts zusammengestellte Jahresrechnung schließt leider wieder mit einem Fehlbetrag von 5004 Mark. Dagegen konnten dem Vermögensbestand ans Legaten und Stiftungen 25400 Mark zugeführt Werder». Das Kuratorium besteht ans den Herren: Rechtsanwalt Carl Eltzbacher. Vorsitzender. Jacob de Jonge, stellvertretender Vorsitzender. Louis Rothschild. Rabbiner Dr. Frank, Heiur. Frank, Phil. Neckarsulmer, Dr. Fritz Eltzbacher, Albert Simon, Fritz Rothschild, Dr. B. Auerbach, dirigirender Arzt der Anstalt. 14. 8. Elberfeld, 9. Dezember. Wie seit nunmehr drei Jahren, seitdem durch unseren allzeit rührigen Kantor und Lehrer, Herrn Hermann Zivi, der Kinderchor gegründet worden ist. fand auch in diesem Jahre wieder zur Feier des Chanukahsestes am Sonntag, den 8. d. M. ein Festgottesdienst statt. Dieser Gottesdienst giebt mir Veranlassung, einige Worte über die Chorverhältnisse irr hiesiger Gemeinde öffentlich auszusprechen. Ich glaube im Sinne aller Derer, die an dem Gottesdienste theilgenonunen haben, zu sprechen, wenn ich sage, daß der Gesang des Kinderchores viel inniger zur Andacht stimmt, viel tiefer unser Gemüth rührt und zu Herzen dringt als der Gesang des vierstimmigen Chores — bei aller Anerkennung seiner schönen, wahrhaft kunstvollen Leistungen, mit denen er uns an unseren großen Festen schon so oft erfreut hat. Die Gesänge des Kinderchores waren ja keine Knnstleistungen, und das sollen sie auch »licht sein, aber die Kleiuen gaben sich alle Mühe und machten Herrn Zivi, dem Leiter des Chores, alle Ehre. Demselben sei anch an dieser Stelle für die große Freude, die er uns bereitet hat, der Dank der Gemeinde ausgesprochen. — Gegen Ende des in allen Theilen schönen Gottesdienstes nahm Herr Rabbiner Dr. Auerbach Gelegenheit, einige Worte besonders an die zahlreich erschienenen Kinder zn richten. Er erinnerte sie daran, daß auf ihnen die Zukunft des Jndenthmns'beruhe, und daß sie deshalb leben sollten als gute Juden und damit als brave Bürger ihres deutschen Vaterlandes. Man merkte es dem Redner an, daß seine Worte von Herzen kamen, und sie werdet» auch Eingang zn den Herzen der Kinder gefunden haben. Den Schluß der Feier bildete die von Herrn Lehrer und Kantor M. L. Wetz steil» auss Schönste arrangirte Bescheernng der Kinder, die mit ihren Geschenken hocherfreut mit guten Vorsätzen im Herzen nach Hause gingen. — Dem Herrn Zivi aber rufen wir zu: Schreiten Sie rüstig weiter auf dem eingeschlagenen Wege, ohne Mühe und Anfeindung zu scheuen; stellen Sie weiter Ihre Kraft in den Dienst der guten Sache zur Verherrlichung unseres Gottesdienstes. Oesterreich-Ungarn. LH Wien, 24. Dezember. Wie schnell selbst die unbedeutendsten Ereignisse bei uns zn den beliebten Ri tu al m o rd Märchen aufgeputzt werden, davon giebt eitle Verhandlung den schlagendsten Beweis, die demnächst vor dem Kreisgericht Korneuburg zur Verhandlung kommen wird: Der Restaurateur in Ungerreigen, David Steiner, begab sich vor Kurzem nach Amerika. Nicht lange vorher hatte seine Magd ihren Dienstort verlassen, ohne daß man wußte, wohin sie sich begeben habe. Der Kutscher Johann Hommer in Gänserndorf verbreitete nun das Gerücht, an dem Mädchen sei von ihrem Dienstgeber David Steiner mit Unterstützung seines Bruders Isidor Steiner, des Bierdepositärs der St. Marxer Brauerei in Gänserndorf, ein Nitualmord begangen worden. Herr Isidor Steiner erhob deshalb gegen Hommer durch Dr. Leopold Nosenfeld die Ehrenbeleidiguugsklage bei dem Bezirksgerichte Matzen. Inzwischen hatte die ansgestreute Nachricht von der Ermordung des Dienstmädchens die Gendarmerie bewogen, Erhebungell zu pflegen, und diese ergaben, daß das Mädchen in der Zuckerfabrik in Dürnkrut als Taglöhnerin arbeite. Aus Antrag Dr. Leopold Rosenfelds beschloß nun der StraftichLer Dr. Wanek, mit Rücksicht aus die bereits als Konsequenz erhobenen amtlichen Recherchen, den Strafakt dem Kreisgerichte Korneuburg wegen Verbrechens der Verleumdung zu übermitteln, vor welchem sich nun Hommer zu verantworten haben wird. — Der Advokat Dr. E. Grauer inBudapest ist zum Generalkonsul der Niederlande, der Professor Dr. Siegmnnd Parjes zum königlichen Hofrath ernannt worden. — Hier ist einer der

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