Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 52 (27.12.1901)
- Date
- 1901-12-27
- Page
- Seite 615 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Vre Woche. Berlin, 24. Dezember. (s)V)7^ctch alter Sitte registriren wir in der letzten Woche des Jahres die Verluste, die unsere Gemeinschaft auf dem Schlachtfeld des Lebens erlitten hat. Wiederum haben wir die Namen einer großen Reihe von Männern, die durch ihre Begeisterung für das Judenthum, durch ihre Thatkrast, durch ihr Eintreten für unser Recht, durch ihre soziale und bürgerliche Stellung im Leben das Jndenthum zu Ehren gebracht haben, zu verzeichnen. Wie es sich ziemt, nennen wir in erster Reihe unsere Rabbiner und Führer, und zwar in der Reihenfolge, in der sie der Tod abberufen hat: Dr. Hannover- Wandsbek, Dr. Max Landsberg-Posen, Isaak Chajes-Brody, Dr. F. Cohn-Bonn, Dr. Levysohn-Stockholm, die mährischen Rabbiner Dr. M. Weiner, Dr. H. Hahn, Dr. N. Frankl, den Chacham Moses Alkalay-Belgrad, Dr. S. Hahn-Charlvttenburg, Moise Bloch-Versailles, Dr. S. Naschör-Baja, Dr. S. Auerbach- Halberstadt, S. Klepfisch-Warschau. Non den Männern, die sich als Führer und Vorsteher der Gemeinden verdient gemacht haben, nennen wir Dr. F. Dnschenes-Prag, Josef Otto Lenghi- Asti, Meyer Staub-Gleiwitz. S. Backhaus-Eisenach, Ephraim Rothschild-Stadtoldendorf, Feodor Meyer-Aachen, Jakob Plant- Nordhausen, Lyonel Alexander-London, Eduard Hamburger- Olmütz, Simon Singer-Magdeburg, Raphael Freundlich-Nenstettin, Konsul M. Burchardt-Hambnrg, Ignatz Lomnitz-Beuthen, Dr. David Hiller-Gleiwitz, Leonhard Sachs, Komnierzienrath Bernhard Loeser, Leopold Hammerstein, Sanitätsrath Paul Elsner, Kommerzienrath Simon-Berli», Adols Gotthelf- Kassel, S. Heinemann-Lüneburg, Nathan Leiser-Thorn, Kommerzienrath Blumenthal-Darmstadt, Rechtsanwalt Max Harfs-Bonn, Raphael Wormser-Karlsruhe, S. Meerländer- Hagen, Mendez da Costa-Amsterdam. Herrn. Fränkel-Neustadt a. O-, Julius Kauffmann-Hannover, Justizrath Sutro- Bochnin, Bernhard Groß-Bingen, sodann die Lehrer: Karl Brisch-Mühlheim, Hillel Kahane-Bottnschan, M. Marx-Bagdad; die Schriftsteller nnd Journalisten: Max Ring, Hermann Holdheim, Eugene Manuel, Hermann Jarobsohn, Emil Makai- Budapest, Moritz Graß-Wien, Dr. Ludwig Steiger-Budapest; von den Vertretern des Rechts: Rechtsanwalt Simon Stern-Newyork, Justizrath Litthauer-Berlin, Justizrath Dr. Jakob Lewy-Breslau, Amtsgerichtsrath Hamlnerstein-Stettin. Geheiinrath Dr. Siegmund vonHenle-München,Justizrath Goldschmidt-Berlin, Justizrath Jules Levh-Saarburg, Amtsrichter Dr. F. Ladenburger- Mannheim; von hervorragenden Aerzten: Dr. Walter Mayer- Birmingham, Dr. Isaak Ebertsheim-Bingen, Professor Schapiro- Petersburg, Dr. Siegmund Asch, Dr. Wilhelm Spitzer-Breslau, Sanitätsrath Dr. Grosser-Prenzlan. Von anderen im sozialen Leben hervorragenden Männern haben wir der Reihe nach folgende Namen zu verzeichnen: Kommerzienrath Benjamin Liebermann-Berlin, Wilhelm Freiherr von Rothschild-Frankfurt a. M.. James Stern-London, Baron M. von Waldberg- Wien, Julio Levi-Madrid, Kommerzienrath Becker-Berlin, Abgeordneter Dr. Paul Hartogh-Haag, Abgeordneter B. Goldmann- Lemberg, Jakob Freiherr von Mayer-Kobnrg, Eduard Lucas- London, den Unterpräfekten von Nancy E.Levyli, JosefBlninenthal-Newyork, den Forschungsreisenden Edmond Fon-Paris; ferner die Komponisten Jules Cohen-Paris, Charles Salamon- London, die Maler Ed. Kräutler, Daniel Israel-Wien, den Bildhauer Josef Engel-Budapest. Von edlen Frauen, die der Tod in diesem Jahre uns entrissen, nennen wir Frau Dr. Sara Levin. Frau Henriette Philipp-Berlin, Mrs. Emily Harris- London. Möge das Andenken der frommen, durch ihr Leben und Wirken ausgezeichneten Glaubensgenossen ein Segen bleiben für die nachfolgenden Geschlechter! Mr. Stewart Houston Chamb erlain, der geschätzte Dilettant auf sämmtlichen Gebieten geistigen Lebens, hat sich nun auch bemüßigt gefunden, in die Debatte der deutschen Professoren bezüglich derStraßburgerUniversitätsangelegenheiten einzugreifen. Chamberlain bedauert es nämlich von Herzen, daß Mommsen nicht das „mannesmuthige Werk" Treitschkes fvrtsetzte, nachdem er, Mommsen, in seiner römischen Geschichte doch den Juden „die bittersten Wahrheiten" nicht vorenthalten habe. „Aber »ebi, er zog seine achtundvierziger Phrasen hervor, stieß jenes dunkle, richtungslose Gewissen der Nation, dos sich vor der Hand „Antisemitismus" nennt, noch tiefer hinunter, schmeichelte den schlimmsten Instinkten derjenigen Elemente im Judeuthni», die zum funktionellen Parasitismus zurückgebildet sind nnd für Semiten und Ni'chtfemiteu eine gleich verderbliche Seuche bedeuten" rc. Zu dem Fall Spahn übergehend, sagt nun der verehrte Dilettant: „Dje Stadt Straßburg zählt 185 000 Einwohner; davon bekennen sich 67 000 zum Katholizismus. 68 000 zum Protestantismus. 5000 zum Mosaismus. — Dieser Stadt dient nun die 1872 gegründete Kaiser Wilhelm-Universität. — Non 30 Professoren (der philosophischen Fakultät) sind 12 Protestanten, 16 Juden und 2 Katholiken. Die <z» wahrende) Selbstbestimmung nun besteht darin, daß die 16 Juden 80 sein wolle», und da das vor der Hand nicht ohne weiteres geht, sie mit den Protestanten eine Art Kartell bilden." Allerdings sucht Herr Chamberlain seine Mittheilungen, die so zuversichtlich klingen, bald darauf eiuznschränken, denn er sagt jaus der nächsten Seite: „Ob diese Zahlen heute noch ganz genau stimmen, weiß ich nicht, auch weiß ich nicht anzugebe», wie viele der betreffenden Juden sich haben taufe» lassen; doch das Gesagte genügt, um uns ein Bild von dieser Fakultät zu geben." Nun, diese Zahlen stimmen nicht nur jetzt nicht mehr, sic haben überhaupt nie gestimmt. Denn niemals waren 10 jüdische oder auch nur getaufte Professoren an der philosophischen Fakultät der Straßburger Universität zugleich augestellt! Aber das schadet ja nichts. Der geschätzte Dilettant hat die statistische Berechnung einmal aufgestellt, und zwar in dem Blatte eines — getauften Juden, und so wird sie nun eine Zeit lang ihren Unfug in antisemitischenBlätteru und Versammlungen anrichten! 4 Der Prozeß gegen den Rechtsanwalt Hugo S.onnenfeld hat als Nachspiel zu den Konitzer Vorgängen in weiteren Kreisen zu Betrachtungen über das Recht der öffentlichen Kritik an Gerichtsurtheilen angeregt. Man schreibt der „Vosfischen Zeitung" aus juristischen Kreisen darüber: Rechtsanwalt Soimenfeld hatte in seiner Vertheidigung darauf hingewiesen, daß er vielfach Einladungen zn Vorträgen über seine Konitzer Erfahrungen abgelchnt hatte, so lauge die Hauptprozesse noch nicht rechtskräftig entschieden waren, daß er sich aber nach rechtskräftiger Entscheidung im Prozesse gegen Moritz Lewy für verpflichtet und vor allem für berechtigt erachtet habe. Bericht über das zu erstatten, was er selbst in Könitz im Kampfe für die Familie Lewy gegen die antisemitischen Hetzereien gewirkt und beobachtet hat. Das ist ein Standpunkt, der einer Anfechtung nicht ausgesetzt sein sollte. Deshalb hat es die vielen Juristen, die der Verhandlung als Zuhörer beiwohnten, in Erstaunen gesetzt, daß der Staatsanwalt ans dem Ilm-