Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 51 (20.12.1901)
- Date
- 1901-12-20
- Page
- Seite 3 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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führen wird. Möge diese Hoffnung sich in: Interesse unserer arbeitswilligen. beschäftigungslosen Glaubensgenossen bestätigen, und schon jetzt recht viele Wohlthäter Beitrage an Geld und Naturalien der Arbeiterkolonie zuwenden. Die ersteren wolle man adressiren: An denDeutsch-Jsraelitischen Gemeindebund. Berlin^., Steglitzerstraße 85, und an die gleiche Stelle Zuschriften wegen Zuwendung von Naturalien richten. Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, daß in der letzteil Sitzung des Vorstandes des „Vereins jüdische Arbeiterkolonie" die Auswandererfrage in der Diskussion berührt worden ist. In Uebereiustimmung mit dem im vorigen Monat in Breslau abgehaltenen „Kongreß zur Schaffung einer Organisation für die bedürftigen jüdischen Rückwanderer", war man der Allsicht, daß die Auswanderung von Glaubensgenossen nach Amerika in keiner Weise vom Verein unterstützt werden soll. 8. Berlin, 10. Dezember. Eine würdige und erhebende Chanukah- Feier veranstaltete am letzten Donnerstag der Verein für jüdisch e Krankenpflegerinnen. Von den Vereinsschwestern waren gegen 40 erschienen, welche mit dem Absingen der ersten Verse der Chanukah- Hymne die Feier einleiteten. Der Vorsitzende, Herr Louis Sachs, hielt eine längere Ansprache, in welcher derselbe die Bedeutung des Vereins als eine Kulturaufgabe und ein ernstes Mittel zur Bekämpfung des Antisemitismus hervorhob und die Schwestern ermahnte, in ihrem schweren Beruf auszuharren, um den idealen Zielen immer näher zu kommen. Herr Martin Simon. Mitglied des Gemeinde- Vorstandes und Vorsitzender des Vereins „Jüdisches Genesungsheim" dankte in zündenden Worten dem Verein und den Schwestern für ihre schönen Leistungen, von denen er sich in ihrer Wirksamkeit an dem Genesungsheim in Lehnitz persönlich zu überzeugen Gelegenheit hatte. Nach dem Absingen der letzten Verse der Hymne nahmen die Schwestern die für sie auf langen Tischen von den Vorstandsmitgliedern. der Oberin und den Freunden des Vereins gespendeten reichlichen Geschenke in Empfang und verblieben in fröhlicher Stimmung mit den anwesende!: Vorstandsmitgliedern und Gästen noch längere Zeit beisammen. Berlin, 14. Dezember. Im „Jüdischen Mädchenstift" fand am 10. d. M. anläßlich der Cha nukahf ei er neben der Bescheernng der gegenwärtigen auch eine Prämienvertheilung an frühere, durch treue Pflichterfüllung sich auszeichneude Zöglinge statt. Unter diesen wurden besonders drei Mädchen hervorgehoben, welche bis zu acht Jahren in derselben Dienststellung sich vorzüglich bewahrt haben. Gleichzeitig wurde die Entlassung der mit Ablauf des Jahres aus der Anstalt scheidenden und in den Dienst tretenden Zöglinge vorgenommeu. Vorträge der Zöglinge eröffneten und beschlossen die Feier, bei welcher der Vorsitzende. Direktor Dr. Strelitz, eine warm empfundene Ansprache an die versammelten gegenwärtigen und ehemaligen Zöglinge hielt. Königsberg i. Pr., 12. Dezember. Am hiesigen Orte hat sich in diesen Tagen ein lokaler Lehrerverein unter dem Namen „Vereinigung jüdischer Lehrer und Lehrerinnen zu Königsberg i. Pr." gebildet. Zweck desselben soll die Förderung des jüdischen Religionsunterrichtes durch theoretische und praktische Arbeiten auf diesem Gebiete wie durch die Pflege der einschlägigen, insbesondere der Jugendschriften-Litteratur sein. Zum Vorstand des Vereins wurden gewählt die Herren Rabbiner Dr. Vogelstein, Vorsitzender, Waisenhaus-Inspektor Peritz, stellvertretender Vorsitzender und Schriftführer und Kantor Cohn. Kassirer. Der neue Verein wird seine Thätigkeit nach dem 1. Januar 1902 beginnen. ---- Breslau, 15. Dezember. Die 23. ordentliche Generalversammlung des Vereins israelitischer Lehrer in Schlesien und Posen findet am 22. d. M., Vormittags 10V2 Uhr hier im Saale der Lessingloge jAgnesstraße 5) statt. Die Tagesordnung lautet: 1. Berichterstattung des Vorstandes über das Vereinsjahr 1900/1901 sowie über die Thätigkeit des Verbandes der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche. 2. Rechnungslegung der Kaffenverwaltuug. 3. Neuwahl des Vorstandes. 4. Ueber die Weckung und Belebung des religiösen Sinnes in deu kleinen Gemeinden (Haase-Rosenberg). 5. Bildung einer Knltusbeamten-Sektion innerhalb unseres Vereins (Bähr-Waldenburg). 6. Antrag des Kollegen Bähr-Waldenburg auf Abänderung des § 2 der Satzungen des Vereins: „Mitglied des Vereins kann jeder Lehrer oder Kultusbeamte, der als Prediger. Kantor oder Schächter angestellt ist, werden." Eventualautrag: Zusatz zu den Statuten: „Zur wirk' samen Vertretung der Knltnsbeamten-Jnteressen wird im Vereine eine Knltnsbeamterl-Sektiou gebildet. Mitglieder derselben können auch alle angestellten Kantoren werden." 7. Wahl der Delegirten zum Verbandstage. 8. Referat über das Verbandsthema: „Die Thätigkeit des Lehrers ftir kulturelle Bestrebungen innerhalb der Judenheit, insbesondere für Erweckung des Interesses für Handwerk und Bodenkultur." (Ster-Kempen.) 9. Etwaige Anträge aus der Mitte der Versammlung. I.. Hannover, 13. Dezember. Bei deu am 9. Dezember stat-, gefundenen Wahl wurde der bisherige II. Vorsteher der Gemeinde Herr Sammi Neuberg. zum I. Vorsteher gewählt. Herr Sammt Neuberg bekleidet seit einer Reihe von Jahren Ehrenämter in unserer Gemeinde. Die große Stimmenmehrheit, mit der er gewählt ist, beweist das große Vertrauen, welches dem bewährten Gemeindevertreter entgegengebracht wird. Als Repräsentanten wurden neu gewählt Herr Fabrikant Jakob Berliner und wiedergewählt: die Herren Julius Behrends, Sigmund Federleiu und Jacobssohu. Durch die Wahl des bisherigen II. Vorstehers ist eine Neuwahl für dieses Ehrenamt nothwendig geworden. — Wie alljährlich, veranstaltete auch in diesem Jahre der Verein ehemaliger Neligiousschüleriniieu in deu Sälen der „Börse" ein Kinderfest. Die Zahl der Kleinen, denen eine Freude bereitet wurde, war in diesem Jahre bedeutend gewachsen. Die Vorträge der Kinder fanden großen Beifall, und die Eltern der Betheiligten haben allen Grund, der Vorsteherin des Vereins, der Frau Landrabbiner Dr. Gronemann, die es sich so angelegen sein läßt, der Jugend eine Freude zu bereiten, dankbar zu sein. 0. Köln, 16. Dezember. Die Chanukawoche bringt nicht allein in manches jüdische Haus neue Anregung für alles, was das Judeuthum interessirt. auch die Vereine, die im Dienste des Judeuthums und der Lösung idealer und sozialer Fragen stehen, treten in dieser historischen Festwoche in deu Vordergrund. Da haben wir am Sonntag, den 8. d. M. eine schöne Feier im „Israelitischen Asyl für Kranke nnd Altersschwache" begangen. Der Verein für Ausbildung jüdischer Krankenpflegerinnen entließ drei ausgebildete Schwestern. Eine gewählte Gesellschaft, zunächst der Vorstand des Krankenpflegerinnenvereins, war anwesend. Alle Altersschwacher:, denen man die gute Pflege und Kost von dem „Gesicht" lesen konnte, umstanden die jugendlichen Damen, die sich den ernsten, aber schönen Beruf der Krankenpflege gewählt hatten, während der Vorsitzende des Vereins, Herr Dr. med. Auerbach, eine erhebende Ansprache an die Entlassenen richtete, sie aus ihre Pflichten aufmerksam machte und sie vermahnte, stets des Mutterhauses eingedenk zu bleiben, welches ebenfalls ihren Zöglingen ihre Pforte stets offen halten werde. Nach der feierliche:: Anrede überreichte derselbe den Schwestern die vom Vorstand unterschriebenen Diplome. Hieraus richtete Herr Rabbiner Dr. Frank das Wort au die Scheidenden. Hinweisend aus das soeben von einem Greis der Anstalt angezündete Chauukalicht bemerkte derselbe, daß, wenn auch ein Greis das Licht anzüudet und das Licht nur eine kleine, bescheidene Flamme ist, so bedenke man doch, daß die Chauukaflannne seit zweitausend Jahren leuchte und nie erloschen ist. Diese Flamme sei ein Bild der nie versiegenden Kraft des Judenthums, welche in allen Zeiten alles Gute anfnimmt, wo sie es findet. Seitdem die Ghettos erngegangen, hat auch die Chewra Kadischa im Groben ihre Thätigkeit der Krankenpflege einstetten müssen, weil die Inden sich zerstreuten und nach den großen Städten zogen. Soll aber deshalb ein jüdischer Kranker ohne Pflege und Hilfe bleiben? Es entstanden die Krankenpflegerinnenvereine, deren Wesen jüdisch ist. deren Form von anderswo genommen ist. Dank den Herren Dr. Auerbach und Dr. Fritz Cahen sowie der Schwester Oberin Fräulein Frieda Brill entwickle sich der Verein herrlich, und sprach der Redner diesen den Dank des Judenthnms aus. Mit Segens- Worten für ein gedeihliches Wirken der Schwestern schloß die erhebende Feier. Nachdem nun auch die Greise und Greisinnen beschenkt worden waren, nnd Herr Dr. Frank auch an diese ein heiteres, erfrischendes Wort richtete, begab mau sich in einen anderen Saal, in welchem auf einem großen Tisch die Chauukageschenke sür alle Schwestern sich befanden. Gaben und Spenden sür Leib nnd Seele, sür Magen und Herz erfreuten die zwölf Schwestern: jüdische Schriften, Gebetbücher legten Zengniß für die vernünftige Wahl der Spender ab. Es war eine schöne Stunde die wir verlebten, Ehre den Veranstaltern, Ehre den: Hause, Ehre dem Jndenthum. — An demselben Tage Abends um 8 Uhr fand eine nicht minder schöne Feier im „Israelitischen Leh rl i u gshei m" statt.