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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-12-20 · Heft 51 (20.12.1901) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 51 (20.12.1901)
Date
1901-12-20
Page
Seite 4 (sequence 18)
Language
German
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4 Auch die Handwerkerlehrlinge sollten ihre Chanukafeier haben und in der Fremde das elterliche Hans wiederfinden. Viele Eingeladenen. Familien, Damen und Herren, ehemalige Zöglinge der Anstalt und vor allem der Vorstand waren im groben Saale der Anstalt versammelt. Einer der jungen Insassen zündete das Chanukalicht an, die 80 Lehrlinge stimmten unter Musikbegleitung das „Moans Zur" an, und nun folgten Vorträge und Theateraufführungen durch die Schüler, die manches schlummernde Talent an das Tageslicht förderten. Besonders Erstaunen und Bewunderung erweckend waren die Turnübungen, man glaubte eine Akrobaten-Vorstelluug zu seheil. Es war eine Lust, diese Jungen mit ihren sehnigen Annen und kräftigem Gliederbau zu betrachten, wie sie sich bis an die Decke in dem Saale, der Eine über dem Andern, aufbauten. während vielleicht ihre Ettern, aber ganz gewib ihre Großeltern mit gekrümmtem Rücken ihren Packen durch die Dorfgassen schleppten. Der Vorsitzende des Vereins. Herr Dr. med. Auerbach, vertheilte den besten Schülern Sparkassenbücher und hielt eilie liebevoll ernst ermahnende Allsprache. Auch das Vorstandsmitglied, Herr Rabbiner Dr. Frank hielt eine der Feier entsprechende Rede und mahnte die Schüler, sich die alten Lehrer in Israel zum Vorbilde zu nehmen, die Handwerker und zugleich fromme Gottesdiener waren. Weit über Mitternacht Hinalls dauerte die Feier, deren Erinnerung bei Alt und Jung eine angenehme bleiben wird. — Ulld nun lassen Sie mich Ihnen auch noch voll unserem Chanukaseste im „Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" berichten. Am 9. d. M. versammelten sich wohl an tausend Theilnehmer in dem großen Victoriasaale, um heiter und froh die Makkabäer zu feiern. Ein schöner Prolog, gedichtet und vorgetragen von der Lehrerin Fräulein Paula Löb. brachte bald Stimmung in die Seele der Feiernden. Nachdem der Vorsitzende des Vereins, Herr Rabbiner Dr. Frank, das Chanukalicht angezündet lind die ganze anwesende Schaar unter Begleitung der Kapelle des 53. Infanterie- Regiments das Chanukalied gesungen, folgte die Festrede, in welcher Herr Dr. Frank die symbolische Bedeutung des Lichts im Judenthum besonders hervorhob und erläuterte. Hierauf kam Lied auf Lied, theils von Solisten, theils von der ganzen Versammlung vorgetragen. Besonders zeichneten sich unsere Gemeindekantoreu, die Herren Blumenthal mld Cohn, durch lhre herrlicheil Gesänge aus. Ein Ball schloß die Feier, deren Ende aber Ihr Berichterstatter nicht abwartete, weil sie wohl erst mit Tagesgrauen abschloß. Oesterreich-Ungar«. Wien, 15. Dezember. In der letzten Sitzung des Butgetausschusses des Abgeordnetenhauses interpellirte am 3. d. M. Dr. Byk den Kultusminister darüber, warum in Oesterreich noch kein staatlich anerkanntes Rabbiuerseminar bestehe. Der Unterrichts- Minister Dr. v. Härtel legte hierauf die Gründe dar, welche die Verleihung des Oeffentlichkeitsrechts an die private israelitisch-theologische Lehranstalt iu Wien nicht thunlich erscheinen lassen, indem er hervorhob, daß ein solches Oefseutlichkeitsrecht insolange keinen Werth habe, als die Frage nicht geregelt sei. welche Qualifikation für das Amt eines Rabbiners zu fordern sei. Er würde es mit Freude begrüßen, wenn von den maßgebenden Kreisen hierüber eine Einigung erzielt würde. Die Zeugnisie der Allstalt würden den Absolventen auch nicht die ausschließliche Berechtigung zur Ertheilung des Religionsunterrichts einränmen, da die israelitischeil Knltusgemeinden bei der Wahl ihrer Lehrer au keinerlei formellen Befähigungsnachweis gebunden seien. Auch in dieser Hinsicht würde der Minister eine entsprechende Regelung nur begrüßen. Bezüglich der in Lemberg aus privaten Mitteln zu errichtenden Anstalt zur Heranbildung von Religionslehreru bemerkte der Minister, daß, die Erfüllung der Bedingungell der kaiserlichen Verordnung vom Jahre 1850 vorausgesetzt, diese Schnlerrichtnng keinem Anstande unterliege, und daß diesfalls auch staatlicherseits eine entsprechende Subventionirung in Aussicht gestellt werden könne. — Die fünfte ordentliche Generalversammlung der Gesellschaft sür Sammlung und Kouservirnng von Kunst- und historischen Denkmälern des Judenthums findet am 19. d. M. zugleich mit einer Hyronimus Lorm-Feier statt, bei der Dr. B. Münz die Rede halten und Adolf Sonnenthal aus den Werken des Dichters vorlesen wird. — Wie verschiedene Blätter melden, soll Herr Rabbiner Dr. I. Ziegler in Karlsbad zum Prediger in Brünn gewählt worden sein. — Rabbiner Dr. Bauer in Mißlitz ist zum Rabbiner in Gaya gewählt worden. — Dem Rabbiner Dr. M. Lew in aus Malaczka in Ungarn. Verfasser des Werkes „Wo wären die zehn Stämme Israels zu suchen?", wurde vom Sekretariat des Königs von Schweden der Dank deS Königs für die Uebersendung des genannten Werkes und das besondere Interesse an demselben zun» Ansdruck gebracht. — In Pra g ist der 'Präsident der dortigen Vörsenkammer, Herr S i g m u n d Schlesinger im 83. Lebensjahre verschieden. Von Nah und Fern. -- Am 6. d. M. verschied Plötzlich im Alter von 58 Jahren der Rendant des Hnmänitätsvereins Gewul Tauw, Herr Gerson Friedländer, eine allgemein sehr beliebte Persönlichkeit. — JnJastrow wurde am 7. d. M. die goldene Hochzeit der Salomon Arndt scheu Eheleute in der Synagoge durch Ueberreichung der Ehejubiläums- Medaille gefeiert, bei welchem Anlasse Prediger Wolfgang eine ergreifende Rede hielt. Iu Kolberg feierte gleichfalls am 7. d. M. das Ehepaar Moritz Wasserzug die goldene Hochzeit. Da der hochbetagte Jubilar in dieser rauhen Jahreszeit das Haus nicht verlasset: konnte, wurde die religiöse Weihe von Rabbiner Dr. Goldschmied in Gegenwart des Vorstandes der Gemeinde und ihrer Wohlthätigkeits- Vereine im Hause vollzogen. Mögen beide würdige Jubelpaare noch eines langen, ungetrübten Lebensabends sich erfreuen. — Der „Bresl. Ztg." zufolge legte Fräulein Jda Fr enden he im aus Königsberg an der Breslauer Universität heute das zahnärztliche Staatsexamen ab. Sie ist die erste Dame, die in Deutschland eine Approbation als praktische Zahnärztin erlangte. — Dem Archivar Dr. Adolf Warschauer in Posen ist der Charakter als Archivrath verliehen worden. — Die Doktorprüfung hat in Heidelberg eine Berlinerin, Fräulein Hedwig Michaels ohn. „eum laucls" bestanden. Ihre Doktorschrist ist betitelt: „Lucas Cranach der Aeltere. Untersuchung über die stilistische Entwickelung seiner Kunst". — Bei der feierlichen Preisvertheilnng in der Technischen Hochschule zu Braun schweig theilte der Rektor mit, daß Rektor und Senat beschlossen hätten, im Interesse der Disziplin von jetzt ab konfessionelle und fremdnationale Vereinigungen an der Technischen Hochschule zu verbieten. — Am 7. und 8. d. M. feierte Provinzialrabbiner Dr. Leo Nt unk in Marburg unter allgemeiner Theiluahme weiter Kreise sein 25jähriges Amtsjubiläum als Rabbiner der die Kreise Frankenberg, Kirchhain, Marburg und Ziegenhain umfassenden Provinz. — Welchen Ton die Antisemiten im bayerischen Landtag anschlagen, zeigt folgende Meldung des stenographischen Kammerberichts aus München vom 9. d. M.: Präsident Dr. v. Orterer theilt zu Beginn der Sitzung mit, daß ihm nunmehr das Stenogramm der Rede des Abgeordneten Hilpert vom 29. November vorliege. An: Schluffe dieser Rede habe Abgeordneter Hilpert den Ausspruch gethan: „Wenn alle Juden so alt wären wie Abgeordneter Löwenstein, würde matt bald von den Juden befreit sein." Der Präsident ruft wegen dieser Worte den Abgeordneten Hilpert zur Ordnung. — Harry Levy Cohen, der jüngste Sohn des Vizeadmirals Dr. Elias Pascha, ist zum ersten Sekretär der türkischen Botschaft in London durch besondere Ordre des Sultans ernannt worden. — Aus Mogador wird gemeldet, daß in der Nähe von Casablanca wieder einmal ein Jude das Opfer eines heimtückischen Meuchelmordes geworden ist. Derselbe, ein portugiesischer Nnterthan, war mit einem Provinzialgouverneur wegen einer Schuldforderung in einen heftigen Wortwechsel gekommen, in dessen Verlauf der marokkanische Beamte ihm die drohenden Worte zurief, er werde, noch ehe er Casablanca erreicht habe, schon von ihm hören. Kaum hat Zagury in Begleitung von zwei anderen Glaubensgenossen die Rückreise nach Casablanca angetreterr, als der Gouverneur sich schon beeilte, sein Versprechen einzulösen. Er schickte zu seiner Verfolgung sechs Reiter aus, denen er ganz bestimmte Weisung ertheilt haben mußte. Dieselben theilten sich nämlich bald in drei Parteien, welche auf drei verschiedenen Straßen gegen Casablanca eilten. Zwei dieser Reiter holten Zagury in der That kurz vor den Thoren von Casablanca ein. gleich darauf krachten zwei Schüsse und Zagury sank von zwei Kugeln in die Brust getroffen, todt zu Boden. — Professor Schichter in Cambridge hat zum zweiten Male, und unter sehr vortheilhasten Bedingungen eitlen Ruf als Direktor des jüdisch-theologischen Seminars in Ne w-D o r k erhalten. — Herr Meyer Guüüenheim in Newyork spendete sür das jüdische Krankenhaus in Philadelphia 250000 Mark. Herr Guggenheim spendete vor Kurzem auch 100000 Mark für ein christliches Krankenhaus. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Mar Bauchwitz m Berlin.

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