Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 51 (20.12.1901)
- Date
- 1901-12-20
- Page
- Seite 2 (sequence 16)
- Language
- German
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führt haben, für die jetzigen Rabbiner in Anspruch nehmen, welche die Agende ändern wollen. Nach dem Ausfall der Wahlen hätten die Konservativen das Recht, mindestens in drei Synagogen einen Jugend- Gottesdienst nach ihrem Sinne zu erhalten. Herr Oppenheim salvirt sich betreffs seines Vertagnngsantrages und glaubt, daß die Verhandlungen mit Dr. Eschelbacher schon innerhalb 8 Tagen zum Ziele führen könnten. Geheimrath Blumenthnl hebt hervor, daß nach der Behauptung Dr. Ungerteiders die jetzige Agende zur Zeit nur für die Neue Synagoge geplant gewesen sei. In dem Anträge liege durchaus nichts Feindliches, die Konservativen wollten sogar im Gegentheil dadurch einen größeren Theil der Gemeinde wieder versöhnen. Ein von Justizrath Apotant gestellter Schlußantrag wurde daraus angenommen. Bei der Abstimmung fällt der Vertagungsantrag gegen 4 Stimmen, der Antrag Löwenberg, in beiden Synagogen die Aenderung zu treffen, fällt ebenfalls gegen 6 Stimmen, endlich wird auch der Antrag des Gemeindevorstandes auf versuchsweise Einführung des Jugendgottesdienstes in der Kaiserstraßen-Synagoge mit 8 gegen 10 Stimmen abgelehnt. Geheimrath Senator stimmte nur sür den letzten 'Antrag. Die übrigen Punkte der Tagesordnung gelangten weit schneller, zum großen Theil debattelos, zur Erledigung. An die Altersversorgnngsanstalt ist vom Jacob Plaut'schen Familienrath eine Zuwendung von 12000 Mark überwiesen worden. — Frau Jenny Born geb. Lachmann hat aus dem Nachlaß ihres Mannes zu Gunsten der Gemeinde über 150000 Mark verfügt, und zwar erhält das H. Waisenhaus in Pankow zum Ankauf eines benachbarten Grundstückes 80000 Mark mit der Bedingung, die nicht verwendete Summe zum eisernen Fonds der Anstalt zu nehmen, 60000 Mark sind sür das jüdische Krankenhaus bestimmt zur Begründung einer Born'schen Bettstiftung. 10000 Mark sind dem Gemeindevorstand zu Zwecken der Armenpflege überwiesen worden. — Im Allschluß hieran ertheilt die Versammlung die Genehmigung, das Haus Lindenstraße 12g ill Pankow zum Zwecke der nothwendigen Vergrößerung des Waisenhauses für den Preis von 63500 Mark anzukaufen. — Das Statut des Krankenhauses will noch immer nicht znr Ruhe kommen. Dem Kraukenhausvorstand waren einige Paragraphen nicht genehm, er wünschte deren Aenderung, und die Repräsentanten genehmigten sie debattclos. — Zur Genehmigung lag ferner die Benutzungsordnung der Gemeiudebibliothek vor. Dieselbe ist von einer Fachkommission in drei Lesungen sehr eingehend durchberathen worden, alsdann in eine Redaktionskommission gewandert und von dieser wiederum der Bibliothekkommission zur Nachprüfung überwiesen worden. Der Referent der Vorlage. Professor Geiger, beklagt es nunmehr, daß nach einer so eingehenden Prüfung noch Aenderungen seitens des Gemeindevorstandes, der doch dann lieber keine Fachkommissionen eiusetzen sollte, vorgenommen worden seien und beantragt die Rückverweisung der Vorlage in die Kommission. Landgerichtsrath Löwe vertheidigt die Aenderungen des Gemeindevorstandes. der u. a. die Benutzung des Lesesaales von der Beibringung einer Bürgschaft abhängig machell will. Die Versammlung verfährt mit der Vorlage gemäß dem Anträge des Referenten. — Es folgen einige Rechnungsabschlüsse pro 1900 01. Die Knabenschule hat 7603 Mark, die Mädchenschule 12 090 Mark Minderverbrauch; iu beiden Schulen sind Gehaltsersparuiffe gemacht worden. Ein Minderverbrauch hat sich auch bei der 1., 2. und 3. Neligionsschule ergeben, und zwar in Höhe von 1755 Mark resp. 562 Mark resp. 864 Mark. Das Talmud - Thora- Institut schließt mit einem Minderverbrauch von 142 Mark, die Präparaudenanstalt mit 411 Mark ab, während die 4. und 5. Neligionsschule 946 Mark resp. 1955 Mark »lehr verbraucht haben infolge Zunahme der Schülerzahl. — Die Gemeiudebibliothek, über welche Herr Benas Levy reserirt, hat den im Vorschuß entnommenen Betrag voll 3300 Mark bis aus 169.80 Mark verbraucht. Von den zur Anschaffung von Büchern überwiesenen 10000 Mark sind noch 900 Mark übrig. Im Ganzen sind bisher 5000 Bände vorhanden. Die Bibliothek dürste voraussichtlich bereits im Januar eröffnet werden. — Bei der LueÜbadverwaltiing muß die Mehrausgabe von 112 Mark nachbewilligt werden. 1672 Bäder sind ausgegeben worden, für jedes Bad entstehen der Gemeinde 2.25 Mark Kosten. — Die Kommission zur Beschaffung des Koscherfleisches hat wie im Vorjahre einen Minderverbrauch von ca. 2000 Mark; der Minderverbrauch der Fürsorgekommission beträgt 40.80 Mark. — Dem deutsch-israelitischen Kinderhort in Limburg a. L., welcher in Langenschwalbach eine Filiale errichtet hat, wird eine Subvention von 300 Mark bewilligt. Dazu liegt eine Resolution Blurnenthal vor, welche eine gleichmäßigere Vertheilung derartiger Subventionen fordert und regelmäßige Berichterstattung der Verwaltungen der subventionirten Humanitären Institute wünscht. Die Subvention gelangt mit der Resolution zur Annahme. Dem Neligionsverein Gesundbrunnen, welchem durch den Neubau einer Synagoge große Ausgaben erwachsen sind, werden die geforderten 1500 Mark bewilligt unter der Bedingung, daß nach Aufhören des Vereins dem Gemeindevorstand das Eigenthnmsrecht an den Gegenständen des Vereins zustehen soll. — Dem hiesigen jüdischen Kinderheim sind vom Gemeindevorstand 300 Mark Subvention bewilligt worden. Stadtrath Weigert und Herr Manheim er bitten, die Subvention dem Ersuchen gemäß auf 500 Mark zu erhöhen. Dr. Lach manu weist namens des Vorstandes die Erhöhung zurück, da der Vorstand den anderen Vereinen gegenüber sich nicht präjudiziren dürfe Trotzdem wird die auf 500 Mark erhöhte Subvention einstimmig angenommen. — Im geschäftlichen Theile der Sitzung gelangte ein Schreiben des Herrn Manheimer zur Verlesung, worin Dieser sür die Porträts dankt, welche Vorstand und Nepräsentantenversammlung von dem Manheimerschen Ehepaar haben unfertigen lassen und dem Hospital aus Anlaß des fünfjährigen Bestehens gewidmet haben. Endlich wurde auch noch in „eigener Sache" verhandelt, d. h. betreffs Unterbringung der Berichterstatter in dem Repräsentantensaal. In dieser schwerwiegenden Frage ist man nun endlich, man sollte denken, zu einer definitiven Lösung gelangt; ach nein, zunächst ist nur ein Provisorium beschlossen, wonach die Berichterstatter im unteren Saale in sorgsam abgeschlossenem Raume, zu dem ein besonderer Saaleingang führt, untergebracht werden sollen. Erst wenn sich die sensationslüsternen Presseohren voraussichtlich durch eine Reihe von Monaten gegen die Geheimnisse der Repräsentanten als immun erwiesen haben werden, soll das Provisorium ein Definitivnm werden. Noch sind die Meinungen über die Placirung getheilt; Jnstizrath Simon und Maurermeister Frankel erblicken das Ideal in einem balkonartigen Vorbau, während Herr Manheimer hierdurch die Beeinträchtigung der Schönheit des Saales fürchtet. Der Vorsitzende der Repräsentanten wird sich an die Redaktionen wenden, um Angabe der zu entsendenden Referenten bitten und erst, nachdem er diese sorgsam ans Herz und Nieren geprüft, über deren Zulassung entscheiden. - Berlin, 15. Dezember. Die „Wissenschaftliche Vereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin" hielt ihre Generalversammlung am 7. d. M. unter Leitung des zweiten Vorsitzenden Herrn Hauff ab. Nachdem der zweite Schriftführer den Jahresbericht verlesen, wurde aus Antrag der Kaffenreviforen. Kollegen Flanter und Tichauer, dem Schatzmeister und dem Verwalter der Dahrlehnskasse Decharge ertheilt und dann der bisherige Vorstand, bestehend aus den Kollegen Auerbach. Hauff. Dr. Flegel, Falkenberg und Hirschseld, für das Jahr 1902 wiedergewählt. Die Diskussion über die Thesen des Herrn Dr. Kellermann wurde im Einverständniß mit dem Referenten aus die nächste wissenschaftliche Sitzung verschoben. Am Schluß der Versammlung wurde der Beschluß gefaßt, am 2. Januar einen Familienabend zu veranstalten. ----- Berlin, 14. Dezember. Der Ausschuß des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes hat gegen eine jährliche Pachtsnmme von 1500 Mark dem „Verein jüdische Arbeiterkolonie und Asyl" seine in Weißensee errichteten Ballten zur Verfügung gestellt. Da der Deutsch-Israelitische Gemeindebund dem Verein die gleiche Summe als Jahresbeitrag gewährt, so steht diesem das Ergebniß der Sammlung voll zur Verfügung. Leider steht dasselbe in keinem Verhältnis; zu dem Humanitär und sozial so bedeutsamen Zwecke des Unternehmens. Es wurden bisher gezeichnet, an einmaligen Beiträgen 7546 Mark, an Jahresbeiträgen 3637 Mark. Jnsgesammt 11183 Mark- Hiervon find sür Anschaffungen verausgabt 1696 Mark. Es bleiben verfügbar 9497 Mark. Hinzu kommen noch einige Zuwendungen von Naturalien von den Firmen: Dahlmann Uno 70 Ctr. Briketts; Emil Friedländer Comp. 120 Ctr. Steinkohlen; Waldemar Bendix 5 Dutzend Handtücher. Schließlich rechnet der Verein auf die für 1902 gezeichneten Jahresbeiträge. Wenn der Verein es unternimmt, mit diesen geringen Hilfsmitteln die Anstalt mit einer vorläufigen Besetzung von 25 Mann zu Beginn des neuen Jahres zu eröffnen, so glaubt er dies wagen zu dürfen in der Hoffnung, daß er durch dieses Beispiel von Opsermuth im Dienste einer Humanitären Ausgabe und vor allem durch den Nachweis der praktischen Durchführbarkeit des Unternehmens diesem weitere Gönner in ausreichender Zahl zu-