Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 51 (20.12.1901)
- Date
- 1901-12-20
- Page
- Seite 611 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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gewissen Krieg und rissen sich los von dem Liebsten, was sic besaßen. Fanny saß im Lazareth zu Metz an dem Krankenlager der Schwerverwundeten, und bewährte sich auch hier als ein rettender Engel. Eines Tages las sie in der Liste der Schwerverwundeten Kurt's Namen, und obschon sie einer Ohnmacht nahe war, ging sie schnell, um sich zu informiren, und erfuhr, daß der junge Offizier im Lazareth zu Metz Aufnahme gefunden. Aus Windesflügeln eilte sie zur Oberin, um sich die Pflege des Kranken zu erbitten und sie ganz auf sich zu nehmen. Der Aermste konnte sich nicht bewegen, eine feindliche Kugel hatte ihm die Brust durchbohrt und ihm das Rückgrat gebrochen; doch raffte er seine Kräfte zusammen und blickte beseligt auf Fanny, indem seine Hand die ihre suchte. Den Geliebten so wiederzusehen, schnürte ihr das Herz zusammen; sie fand keine Worte und war fassungslos, ohne daß der Kranke es merkte. „Sprich, Theuerste, laß mich Deine liebe Stimme höre»;" stammelte er eindringlich. „Was willst Du hören, Geliebter, ach so heiß geliebter Kurt, laß es mich sagen, wie grenzenlos ich Dich liebe. Es trieb mich fort aus Deinem Vaterhaus, weil ich in meinem Wahne glaubte, Dich vergessen zu können, wenn Du fern von mir seiest. Ich suchte Ruhe und hoffte, daß mein Herz sie in der Ferne finden könne." Erschöpft hielt sic inne und verbarg vor Scham erglühend ihr Antlitz. Sie that alles für den Leidenden, aber die vollständige Erschöpfung raffte ihn dennoch dahin; sie drückte ihm die Augen zu, und noch sterbend hauchte sein Mund: „Ich danke Dir, geliebte Fanny, das Geständniß Deiner Liebe beseligt mich noch im Tode." Dann trug der Todesengel ihn hinüber in das Reich der Schatten, dessen Geheimnis; noch kein Sterblicher ergründet. Nach beendetem Kriege wurde ihr die traurige Pflicht, dem trostlosen Vater und der geliebten Schwester die letzten Grüße des Verstorbenen zu Überbringern Graf Solms war glücklich und unversehrt vom Kampsplatze heimgekommen, und so blieb der trauernden Familie noch ein Lichtblick in der Finsterniß. Fanny folgte wiederum ihrer rastlose» Thätigkeit als Pflegerin im jüdischen Krankenhause, und dadurch gelang es ihr, die trostlose Leere ihres Innern einigermaßen ausznfüllen, wenn sich auch ihre Kräfte dabei ausrieben. Sie lebte nur dem Wähle der leidenden Menschheit, ihr Vermögen vermachte sie der Stadt zur Ertheilung von Stipendien an jüdische und christliche Waisen. In ihrem 35. Lebensjahr erkrankte die Hochherzige, dieser Engel in Menschengestalt, plötzlich am Nerveufieber, welches sie sich durch Ansteckung in ihrem gefahrvollen Berufe zugezogen. Auf dem jüdischen Friedhöfe zu Weißensee wurde sie bestattet, dort fand sie die Ruhe, die sie hienieden vergeblich gesucht. Dorthin wandelt Frida von Zeit zu Zeit und legt andächtig einen frischen Kranz aus den kleinen Hügel, welcher der Nachwelt erhalten geblieben, nnd den ein einfacher Grabstein mit folgender Inschrift ziert: „Hier ruht in Gott die Krankenpflegerin des jüdischen Krankenhauses Schwester Fanny." Frtterarische Mittheilungen. -- Das soeben erschienene VlU. Hest (2. des 4. Jahrgangs) der „Mittheilungen" enthält folgende Beiträge der Gesellschaft für jüdische Volkskunde in Hamburg: Bacher. W.. Ein hebräisches Lied zu Simchath - Thora. Nachtrag. — Krauß, Sam. 1. Kalenderweisheit. 2. Alte Zauberbücher. — Landau, A.. Bibliographie der jüdisch-deutschen Sprichwörter. — Griinwald. M., Zur jüdischen Nameuskunde l. — Luzzatto, G., Jüdisch-Italienisches. Bearbeitet von I. Friedländer. — Kirschner, E., 1. Ein Kollahlied, 2. Eine Sabbathmelodie. — Kirschner, D., Ein HochzeitSvortrag nach dem Marschelikmuster. — Löw., I., Eine Umfrage über die jüdische Speisekarte. — Kirschner, A., Schwanenlied eines Kantors. — Karpeles, G. Zur Shakespearefrage. — Eingänge und Erwerbungen. — Anzeige. Spvechsaal. Sehr geehrter Herr Redakteur! (Mn dem Artikel „Rachklänge zur Repräsentantemvahl" in Nr. 49, S. 580 Ihres geschätzten Blattes heißt es, daß die mit Namen genannten Kandidaten des liberalen Vereins aus der Liste der „Partei der Freunde des Sonntagsgottesdienstes" deshalb fehlten, weil diese Herren „sich nicht ans die Vertretung aller Forderungen des Leiters der Partei verpflichten lassen wollten." Da nun mein Name, natürlich mit meiner Zustimmung, auch auf dieser Liste sich befand, so lege ich Werth darauf zu erklären, daß an mich keinerlei andere Forderungen gestellt worden sind, als der liberale Verein v ertri tt. Berlin. 12. Dezember 1901. Hochachtungsvoll Professor Dr. S. Kali sch er. 4. Löbliche Redaktion! (^Aer ganz ergebenst Unterzeichnete bittet, folgende Frage Ihrem geehrten Leserkreis vorlegen zu dürfen. Bei einem Gerichte solle es jüngst der Fall gewesen sein, daß Jemand sich wegen Ehrenbeleidigung zu verantworten gehabt hätte und auch verurtheilt wurde, weil er im Streite einen Andern „Katholik" genannt hatte. Würde vielleicht Jemand unter den geehrten Lesern Ihres geschätzten Blattes in der Lage sein, anzugebeu, ob in seinem Kreise u. s. w. sich ein solcher Fall ereignet habe, und in welcher Zeitung. Datum nnd Nummer, ich das Nähere finden könnte. Berlin, 3. Dezember. Mit vorzüglicher Hochachtung Dr. Heinrich Loewe. 4 Sehr geehrter Herr Redakteur! /Ä^estatten Sie mir zu dem Artikel des Herrn Kollegen Dr. Bäck in der Nummer 47 „Königin Christine von Schweden und ihr Verhältniß zu den Juden" einige Bemerkungen. Man kann und dars im allgemeinen nicht behaupten, daß die Tochter Gustav Adolfs „den Juden manche Beweise von Wohlwollen und großem Vertrauen gab," denn sie gestattete den Inden nicht die Niederlassung in ihrem Königreiche. Die hochgebildete Königin, die hervorragende Männer der Kunst nnd Wissenschaft an ihren Hof zog. mit vielen Gelehrten in regem Briefwechsel stand und mit Vorliebe sprachliche Studien trieb, betraute Manasse den Israel, dessen gefeierten Namen ich im Anssatze vermisse, mit dem Ordnen ihrer hebräischen Bibliothek. Ihr erster Resident und Bevollmächtigter in Hamburg war nicht Manoel Jsaac Texeira (nicht Toxeira). wie der gelehrte Schreiber des Artikels meint, sondern dessen Vater Diego Texeira, der als 70jähriger Greis sich in den Bund Abrahams aufnehmen ließ und den hebräischen Namen Abraham erhielt, den ihr Antonio Pimentelli, der spanische Gesandte am schwedischen Hofe empfahl. Am 6. Juni 1654 entsagte Christine dem Throne und am 3. Juli genoß sie schon die Gastfreundschaft Diego Texeira's in Hamburg. Diego Abraham Texeira übergab Ln den letzten Jahren seines Lebens (er starb am 29. Juli 1666) die Führung seines bekannten Bankhauses seinem Sohne Manoel Isaak, der auch als Resident nnd Bevollmächtigter Christinens sein