Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 50 (13.12.1901)
- Date
- 1901-12-13
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Berlin, l3. Dezember 1901. 65. Jahrgang. Nr. so. 'Beilage zur „Allgemeinen Zeitung öes Iuöenthums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. 8. Berlin, 8. Dezember. Unsere in voriger Nummer ausgesprochene Vermnthung. daß die so heiß umstrittene Repräsentautenwahl mit einem Siege der sogenannten orthodoxen Partei enden dürfte, hat sich leider in vollem Umfange bestätigt. Sämmtliche Kandidaten dieser Richtung sind mit überwiegender Majorität gewählt worden, und zwar erhielten nach dem nun festgestellten Endergebnitz die Herren: Maurermeister Fränkel 5057, Bankier Löwenberg 5026. Geheimer Rath Blumenthal 5010, Justizrath Apolant 4988, Professor Baginskh 4995, Geheimer Rath Senator 4950, Rentier Sießkind 4916, Rentier Oppenheim 4915, Rechtsanwalt Dr. Ignaz Cohn 4813. Aaron Hirsch 4905 Stimmen; die Stellvertreter: Immanuel Sachs 4794, Julius Bodenstein 4765, Rentier Friedländer 4753, Kaufmann Simon 4701, Jacob Weinberg 4663 Stimmen. Die Betheilignng war in diesem Jahre eine autzerordentlich starke, wie die nachfolgende Zusammenstellung erweist: 1895, Stimmberechtigte 13040. Abstiminende 4820 (36.8 Prozent); 1898, Stimmberechtigte 16895, Abstimmende 6153 <36,4 Prozent); 1901, Stimmberechtigte 18284, Abstimmende 7786 (42.6 Prozent). Der Vollständigkeit halber geben wir nachstehend auch das Stimmenverhältnis; der liberalen Kandidaten wieder: Justizrath Dr. H. Veit Simon 2923, Willibald Loewenthal 2802, Benas Levh 2778, Justizrath Dr. A. Seligsohn 2746, Stadtrath Leop. Kalisch 2732, Professor D. S. Kalischer 2728. Maurermeister S. Weile 2726. Emil Pincus 2717, Dr. Benno Holz 2663, Fabrikant S. Friedeberger 2627, Rentier Julius Cohn 2625, Rentier Louis Ring 2614, Rechtsanwalt B. Timendorfer 2570, Sanitätsrath Dr. K. Edel 2498. Fabrikbesitzer M. Rosenow 2402 Stimmen. Schließlich mag auch noch zum Abschlutz des Gesammtbildes die Liste der zionistischen Vereinigung aufmarschiren : Direktor S. I. Leszhnskh 375, Dr. I. Katz 331, Julius Kalmus 315, Dr. E. Simonson 293. Von den unterlegenen Kandidaten haben die Herren Justizrath Dr. Veit Simon, Benas Levh und Willibald Löwenthal bisher der Repräsentantenversammlung angehört, in welche sie als Stellvertreter emgerückt waren. Ans Grund der wiederholt besprocheneil Entscheidung des Polizeipräsidiums mußten auch sie in die Ausloosung der Stellvertreter einbezogen werden, und das Loos entschied gegen sie. Ihre Plätze werden jetzt von den bisherigen nächstberechtigten Stellvertretern, den Herren Professor Dr. Leopold Landau. Berthold Israel und Direktor Isidor Sachs besetzt, (erster Stellvertreter wird Herr Oskar Berlin). Da auch diese drei Herren 1898 als Kandidaten des „Centralvereins" gewählt worden sind, verfügt der letztere über 13 voll 21 Stimmen, während, wenn die Herren ihren Protest aufrecht erhalten und ihr Recht gewahrt hätten, oie liberale Partei auch jetzt noch die Majorität in der Nepräsentanteuversammlnng haben würde. Es ist mehr als bedauerlich, das; dies nicht geschehen ist. L2 Berlin, 9. Dezember. Wir freuen uns, den Lesern hellte die Mittheilung machen zu können, daß der Kultusminister den Dirigenten der Gemeindeknabenschnle und Lehrerbildungsanstalt. Herrn Dr. M. Hvlzman in Anerkennung seiner langjährigen Verdienste um das Schulwesen unserer Gemeinde zum Seminardir ektor ernannt hat. L2 Berlin, 9. Dezember. Das gemeinsame Grabdenkmal der Parlamentarier Eduard Lasker und Ludwig Bamberg erwürbe gestern Nachmittag um 2 Uhr ans dem Friedhof in der Schönhauser Allee feierlich eingeweiht. Es regnete draußen in Strömem und so fand die eigentliche Feier in der Trauerhalle statt, die dicht mit Lorbeer und Palmen geschmückt war. Die Familien Lasker und Bamberger waren durch eitle Reihe ihrer Mitglieder Vertreter!. Ferner wohnten Theodor Monnnsen und Oberbürgermeister Kirschner der Feier bei. Zahlreich versammelt waren die Mitglieder der freisinnigen Vereinigung, deren Wirken vornehmlich das Zustandekommen des Monuments zu danken ist. Die Feier gipfelte in eil,er von warmer Begeisterung getragenen Gedenkrede des Abgeordneten Schräder. Der Redl,er zeichnete in scharfen Umrissen ein Bild von dem parlamentarischen Lebensgang der beiden Abgeordneten und feierte Lasker als den Mann, der als Volkstribun bestimmend auf die Entwickelung der deutschen Rechtseinheit eingewirkt hat. und Bamberger als Reformator des deutschen Wirthschaftslebens. Dann begab sich die Gesellschaft die Gräberreihen entlang zn der gemeinsamen Ruhestätte, um einige Augenblicke stillen Gedenkens den, bereits enthüllten Monument zu widmen, das ans einer hohen Bronzetafel besteht, die zn beiden Seiten von Grauitsäulen flankirt wird. Je ein bronzener Lorbeerkranz schmückt die Säulen. In die Tafel ist folgende Inschrift eingegraben: „Hier ruhen im Tode vereint, die im Leben gemeinsames Streben für Deutschlands Einheit und Freiheit verband." Eine strahlende Sonne und ein Lorbeerkranz bilden den Abschlutz dieser Widmung. Eine Granitplatte bedeckt beide Gräber. Hier befindet sich links die Inschrift: Eduard Lasker - 14. Oktober 1828 — 5. Januar 1884, auf der rechten Seite: Ludwig Bamberger - 22. Juui 1823 — 14. Mürz 1899. §2 Berlin, 8. Dezember. Im Verein f ü r jtt d i s ch eGeschichte und Litt eratur" lasam 5. d. M. der bekannte Hosschauspieler Gustav Kober verschiedene Gedichte von Gabirol, Jehuda Halevi, Jehuda ben Sabbatai in deutschen Uebertragungen vor. Der Eindruck, den diese Dichtungen, theils ernsten, theils heiteren Genres, ans die Zuhörer ausübteu, war ein tiefer und nachhaltiger. Wir glauben, das; durch solche Rezitationen die Kenntnis; der Schätze unserer Poesie in weite Kreise dringen könnte; allerdings müssen die Dichtungen so vorgetragen werden, wie es Herr Kober gethan hat, nämlich mit künstlerischer Kraft und feinem Verständniß. — Auch der zweite Vortrag des Herrn Professor Dr. Geiger in dem Chklns über die Geschichte der Juden in Berlin erfreute sich lebhaften Beifalls. In großen und sicheren Zügen entwarf der Redner ein glänzendes Bild der Zeit, wo die Juden auf den Ruf des großen Kurfürsten hier nach Berlin kamen und hier zum zweiter. Mal eine Gemeinde begründeten. — Am 7. d. M. feierte der Verein unter reger Theilnahme seiner Mitglieder und vieler Gäste das zehnjährige Stiftungsfest in den Räumen der „Gesellschaft der Freunde". Eingeleitet wurde dasselbe durch einen stimmungsvollen und schönen Prolog, den Rabbiner Dr. Rosenthal-Köln versaßt hatte, und den Fräulein Bianca Katz sehr gut vortrng. Hieraus folgte die Festrede des Vorsitzenden, an die sich der allgemeine Gesang der Chanuka-Hhmne wie üblich anschlotz. Hierauf wurden in Lichtbildern Szenen aus der jüdischen Geschichte vo, geführt. zu welchen Herr W. Bambus den Text geschrieben hatte, der, Herr Oscar Wagner vom Neuen Theater zimr Vortrag brachte. Während der Kaffeepause erfreute Herr Oberkantor Friedmann die Gesellschaft durch der, schönen Vortrag des von ihm kompouirten Liedes „Dies ist die Thora, dies das Wort!" Fräulein Katz deklamirte die Ziouide von Jehuda Halevi mit feinem Verständniß und großer Gewandtheit, Herr Wagner rezitirte mehrere hübsche Gedichte heiteren Inhalts, und verschiedene Toaste trugen dazu bei. die Stimmung zu einer fröhlichen und angeregten zu „lachen. Nachher trat der Tanz in seine Rechte. Das ganze Fest nahm einen schönen und würdigen Verlauf. - Aus den auswärtigen Litteraturvereinen: In Fürsten Wal de sprach Rabbiner Dr. Höxter-Berlin über „Bildung und gesellschaftliche Stellung des jüdischen Weibes nach dem Talmud"; in Brandenburg Dr. Ernst Tuch über „Freie Bahn den Juden", und Herr SPaudow über „Nathan der Weise"; inSchwedt a. O. Dr. Holzer über „Jehuda Halevi"; irr Memel Dr. B e e r ma n n-Insterburg über „Die Propaganda des Jndenthums in der griechisch-römischen Kultnrwelt"; in Tilsit, Allen st ein, Osterode, Bromberg. Thorn und Wongrowitz sprach Herr Albert Katz über „Lord Byrons hebräische Melodien" und über „Die Juden in China"; in Schwe tz a. W. Dr. N osen tha l-Stargard über „Die Verwandtschaft zwischen den, Geiste der Deutschen und der Inden"; Dr. Olitzki-Allenstein über „Josephlls Flavins und seine Zeit"; in Grätz Dr. Friedmann