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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-12-06 · Heft 49 (6.12.1901) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 49 (6.12.1901)
Date
1901-12-06
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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3 bauer am 8. d. M., Abends 6 Uhr, nach beendigtem Gottesdienst in die Synagoge. Hier richtete derselbe vor versammelter Gemeinde bei Ueberreichnng der Ordensinfignien an den Dekorirten eine Ansprache, in welcher er besonders hervorhob. daß Herr Finder sich während seiner langjährigen Amtszeit nicht nur das volle Vertrauen und die Liebe seiner Gemeinde, sondern auch die allgemeine Achtung der Bürgerschaft Carnmins erworben habe. Herr Landrath sprach ferner seine Freude und Anerkennung darüber aus, daß die jüdische Gemeinde stets in bestem Einvernehmen mit den christlichen Bewohnern der Stadt gelebt habe. Wohlthätigkeit und Menschenliebe bewiesen und gemeinnützige Bestrebungen immer gern unterstützt habe. Demnächst überbrachte Herr Beigeordneter Breslich die Glückwünsche der städtischen Vertretung und bestätigte ebenfalls das friedliche Verhalten und gute Einvernehmen der jüdischen Gemeinde mit der übrigen Bürgerschaft. Nachdem noch die Gemeinde durch den Vorsteher Herrn PH. Michaelis dem scheidenden Beamten ihren Dank für die segensreiche Thätigkeit hatte aussprechen lassen, nahm zum Schluß Herr Finder das Wort. Derselbe sprach, freudig überrascht und tief ergriffen, seinen Dank für die ihm gewordene Auszeichnung aus, dankte der Gemeinde für alles Gute, was sie ihm erwiesen habe, wünschte, daß auch ferner Friede und Eintracht irr der Gemeinde erhalten bleiben möge und erflehte den Schutz und den Beistand des Höchsten für seine bisherige Gemeinde und die ganze Stadt. Wir wünschen nun dem Scheidenden, daß es ihm vergönnt sein möge, den Ruhestand noch recht lange bei bester Gesundheit und sorgenfrei zu genießen. X Liffa i. P4, 22. November. Am 17. November verstarb Hierselbst im 76. Lebensjahre der Rentier, früher Kürschnermeister Herr- Wolf Bildhauer, Mitglied des Aufsichtsraths des Vorschußvereins und seit 34 Jahren Mitkurator der Salomou, Joseph und Johanna Wollheimschen Stiftung. Besonders die Interessen dieser Stiftung hat der Verstorbene stets mit vieler Liebe und großem Eifer wahrgenommen. — Es dürfte die Allgemeinheit und besonders die vielen in der Welt zerstreuten Lissaer interessireu, etwas über den gegenwärtigen Stand dieses segensreichen Instituts zu erfahren, dessen stilles, aber außerordentlich wohlthuendes Wirken dadurch charakterisir't wird, daß das vor zwei Jahren stattgehabte 40jährige Jubiläum seines Bestehens ganz ohne Erwähnnug vorübergegangen ist. Die Salomon, Joseph n n d I0 ha nna W vllh ei msche Sti f t u ng (W 0llh ei msches Kranken- und Siechen Haus) ist am 5. September 1859 von Herrn Joseph Wollheim ans Triest, einem Lissaer Kinde, welchem nach der Einweihungsfeier das Ehrenbürgerrecht der Stadt Lissa verliehen wurde, begründet worden. Herr Joseph Wollheim war Inhaber eines bedeutenden Geschäftshauses in Triest und Wien, welches, wie der verstorbene Herr Dr. Heinrich Scherbel in seiner damaligen Weiherede ausführte, die Welt durch deu Umfang seiner überseeischen Geschäftsverbindungen in Staunen setzte und von der Intelligenz der Lissaer sprechendes Zengniß ablegte. Die Hoffnung, die in jener Rede ausgesprochen wurde, daß das Institut den festen Punkt abgeben werde, woran sich die Mildthätigkeit unserer Glaubensgenossen in herrlichen Resultaten werde ankrystallisiren können, um die Fonds der Stiftung zu vermehren und ein prächtiges und großes Gebäude heranwachsen zu lassen, hat sich in glänzender Weise erfüllt. Mit einem Kapital von 5000 Thalern wurde die Stiftung begründet, und jetzt beläuft sich ihr Vermögen auf circa 125000 Mark. Fast in jedem Jahre werden dem Institute größere Zuwendungen gemacht. Aber noch vieles kann seitens hochherziger Glaubensgenossen geschehen, damit den in die Stiftung Aufgenommenen größere Unterstützungen und Erleichterungen gewährt werden könnten. Gegenwärtig sind sämmtliche Zimmer des ausgedehnten Gebäudes besetzt. Das Kuratorium besteht zur Zeit aus den Herren Kaufmann Hehmann Glogauer, dem verdienten Vorsitzenden, Louis Eisenstädt, praktischem Arzt Dr. Simon Scherbel, Rechtsanwalt und Notar Nürnberg, Bankier Schreyer, Kaufmann Berthold Nürnberg. Arzt der Stiftung ist Herr Dr. Simon Scherbel. Möge die von reinster Humanität erfüllte Stiftung weiter wachsen, blühen und gedeihen. — Am 26. November verstarb plötzlich am Herzschlage der Kaufmann Isidor Marbe im 60. Lebensjahre. Er gehörte viele Jahre hindurch dem Gemeindevorstande und dem Vorstande des Israelitischen Krankenvereins an und hat seinen Aemtern stets mit großer Hingebung, vielem Eifer und Interesse obgelegen. Breslau, 2. Dezember. Einer Anregung des Gymnasialprofessors Dr. Badt folgend, waren im Sommer d. I. die am Breslauer Gymnasium unterrichtenden jüdischen Neligionslehrer zusammengetreten, um über eigen gemeinsamen, einheitlichen Lehrplan zu berathen. Diese Berathung wurde in einer von Lehramtskandidaten Sachs einbernfenen, alle Lehrkräfte vereinigenden Versammlung, welche am 20. v. M. im Saale der jüdischen Lesehalle tagte, fortgesetzt. Erschienen waren außer den beiden Gemeind erabbinern Dr. Guttmann und Dr. Nosenthal und Seminardozent Dr. Braun 20 Lehrer und Lehrerinnen, welche an den unter Aussicht der Staats- oder Gemeindebehörden stehenden Anstalten jüdischen Nelegionsunterricht ertheilen. Auf Vorschlag des Einberusers übernahm Professor Dr. Badt die Leitung der Versammlung, zu Schriftführern wurden die Herren Sachs und Dr. Kaelter gewählt. Nach lebhafter, aligeregter Diskussion wurde der Antrag, „einen für alle Breslauer Schulen gleichartigen Menwrirstoff festzustellen" angenommen, und die Auswahl desselben sowie die Erledigung aller technischen Fragen einer Kommission von fünf Mitgliedern überwiesen. Einmüthige Zustimmung fand ferner der Antrag Fabian-Sachs, „die anwesenden Lehrkräfte zu einer ständigen Vereinigung zusammenzuschließen". Die Nothwendigkeit eines solchen Zusammenschlusses zur Wahrung ideeller sowohl wie materieller Interessen wurde von Herrn Rabbiner Fabian, dem stellvertretenden Leiter der Religionsunterrichtsanstalt ll, begründet. Die Gemeinderabbiner und Seminardozeut Dr. Braun, die diesen Vorschlag mit warmem Wohlwollen begrüßten, erklärten ihren Beitritt zu der zu gründenden Vereinigung, desgleichen alle Anwesenden. Die vorbereitenden Schritte übernahm eine Kommission, abermals unter dem Vorsitz des Professor Dr. Badt, mit der Verpflichtung, im Anschluß all die am 23. Dezember in Breslan tagende Versammlung „Jüdischer Lehrer der Provinzen Schlesien und Posen" über den Abschluß ihrer Arbeit zu referiren. So wird denn schon mit Beginn des kommenden Jahres diese Vereinigung ins Leben treten und damit der jüdische Religionsunterricht, dem die Staatsbehörden leider immernoch nicht gebührendes Interesse entgegenbringen, durch die Selbsthilfe der betheiligten Kreise zu einer gedeihlichen Fortentwickelung gefördert werden. — Wiesbaden, 2. Dezember. In der gestrigen Sitzung des Bezirksausschusses gelangten u. a. die Streitsachen des Ballkiers Alfred Bielefeld und des Jnstizraths Dr. Lob gegen die hiesige jüdische Gemeinde wegen Veranlagung der Kultus st euer zur Verhandlung. Dr. Löb machte gegen seine Einschätzung geltend, daß diese, da sie auf der von ihm zu zahlenden Gesammtstener basire, unberechtigt sei, weil er als Junggeselle wohl Haushaltungs-Vorstand, aber nicht Familienhaupt ist. Nach der Verordnung vom 7. Januar 1852, auf welche sich die jüdische Kultnsstener stütze, müßten Junggesellen. die in der Gemeinde eine weniger bevorzugte Stellung einnehmen. voll der Steuer frei bleiben; aber wenn er auch Familienhaupt sei, wäre die Veranlagung doch zu Unrecht erfolgt, weil ihr nicht die GesammtstaatSsteuer, sondern nur die Grund- und Gebäudesteuer zu Grunde gelegt werden dürfe, zumal eine Einkommensteuer zur Zeit des Erlasses der Verordnung überhaupt nicht bestanden habe. Die Kultusgemeinde habe nur das Recht, die Einkommensteller subsidär heranzuzieheu. Viele Mitglieder der Knltusgemeinde seien mit dem jetzigen Modus der Steuererhebung unzufrieden und sähen es lieber, wenn dieselbe nach dem Beispiele anderer Religionsgemeinschaften nur von der Einkommensteuer erhoben würde. Das Gericht erkannte, daß Dr. Löb nur zur Zahlung desjenigen Beitrages verpflichtet ist, welcher gemäß der Grund- und Gebäudestener ans ihn entfällt. Bielefeld glaubt, überhaupt nicht kultussteuerpflichtig zu sein, weil er auch sonst keine persönliche Steuer hier bezahle, sondern nur solche von seinem Geschäft. In dieser Sache wird die Entscheidung allsgesetzt. (§) Karlsruhe, 29. November. Die badische Landessynode hat bekanntlich in ihrer letzten Tagung eine Adresse an den Staatsminister a. D. Dr. Nokk gerichtet, die folgenden Wortlallt hatte: Euerer Exzellenz gestattet sich die zum dritten Male versammelte israelitische Landessynode in Verbindung mit dem Overrathe Worte treuen Gedenkens und herzlicher Verehrung zu widmen. In Ihrer langjährigen gesegneten Wirksamkeit all der Spitze der Großherzoglichen Staatsregierung und besonders als Minister des Kultus und Unterrichts haben Euere Exzelleuz stets ein tiefes Verständniß für die religiösen Bedürfnisse des Volkes und für die Bedeutung der Religion als obersten Kuliurfaktors bewiesen. Euere Exzellenz haben darum allen Bestrebunge»l, die darauf gerichtet waren, den veredelnden und versittlichenden Einfluß der Religion zu fördern, die wohlwollendste Für-

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