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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-12-06 · Heft 49 (6.12.1901) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 49 (6.12.1901)
Date
1901-12-06
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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65. Jahrgang. Nr- 49. Dev Gernrindebole. Berlin, 6. Dezember 1901. Meitage zur „Allgemeinen Heilung des ZuöenLHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. Berlin, 28. November. In der gestrigen Sitzung des geschäftsführenden Ausschusses des Hilss Vereins der deutschen Juden wurde nach eingehender Besprechung ein Subkomitee zum Studium der galizischen Frage eingesetzt und in dasselbe die Herren Dr. Nathan. Dr. Hildesheimer, Nechtsamvalt Timendorfer, Siegmnnd Bergel, Sanitätsrath Maretzky, sämmtlich aus Berlin, ferner Herr Josef Wiesloch ans Frankfurt und Herr Rabbiner Dr. Werner aus München gewählt. Dieses Komitee wild sich mit dem galizischen Hilssverein irr Wien in Verbindung setzen und alsdann dem geschäftsführenden Ausschuß Vorschläge zu machen haben. Ferner wurde beschlossen. für die Vorschußkassen in Rumänien, welche die isrrrrMs universelle auf Anregung des Rechtsanwalts Plotke in Frankfurt einrichtet, eine Subvention voll 10 000 Mark zu bewilligen, welche an die ^Ilianee ansgezahlt werden sollen. Bezüglich der Propaganda wurde mitgetheilt, daß ans Berlin bereits eingegangen seien rund 20 000 Mark, daß aber die Agitation erst eilten kleinen Theil der Gemeinde erfaßt habe und mit gutem Erfolge weiter fortgesetzt werde. Aus Dresden theilte der anwesende Herr Rabbiner Dr. Winter mit. daß das dortige Lokalkomitee bereits 1400 Mark an Jahresbeiträgen gesammelt habe, daß aber auch dort die Sammlungen noch nicht beendet seien. Ans einer Reihe voll größeren Provinzstädten sind Bitten eingegangen zu Versammlungen, welche nach Weihnachten veranstaltet werden sollen. Redner aus Berlin zu entsenden. Dle meisten allwesenden Herren erklären sich bereit, gegebenenfalls einem derartigen Rufe Folge zu leisten. Mit Erledigung einiger kleineren geschäftlichen Dinge schloß die Sitzung. — Der Hilfs Verein der deutschen Juden hat soeben folgenden Aufruf, den wir der allgemeinen Theilnahme dringend empfehlen, an alle Mitglieder der hiesiger, Gemeinde verschickt: Glaubensgenossen! Seit dem Zahre 1860 besteht die^ilwnee israiMo universelle. Seit dem Jahre 1871 haben sich die englischen Juden zur ^u^lo ^exvisl, Association zusammeugeschlossen. In Oesterreich giebt es seit dem Jahre 1873 die Israelitische Allianz. In allen größeren europäischen Staaten mit eitler erheblichen jüdischen Bevölkerung haben nufere Glaubensgenossen, sofern ihnen dies durch die Gesetze des Lar,des möglich war, Vereinigungen gebildet, um all der sittlichen und intellektuellen Vervollkommnung und der sozialen Hebung Jener zu arbeiten, die mit ihnen durch die Bande der Religion verknüpft sind, und die ein widriges Geschick in geistiger Armuth und in leiblichem Elend zurückgehalten hat. Alle diese Vereinigungen wirken harmonisch nebeneinander an der Aufgabe edlen Menschenthums, die sie sich gestellt haben, gegenseitig sich aueifernd, bald sich gemeinsam betätigend, bald sich ergänzend, indem jeder einzelne Verband jene nationale Kultur, die ihn umgiebt, und der seine Mitglieder zugehören, lichtspendend in die Noth der dahinsiechenden Judenheit Osteuropas und der orientalischen Länder hinauszutragen sucht. Bei diesem segensvollen Zusammenarbeiten fehlten bisher die Juden Deutschlands als selbständig organisirte Vereinigung. Diese Lücke ist jetzt ansgefüllt. Der Hilfsverein will die zerstreuten Unterstützuugsaktionen in unserem Vaterlands centralisiren, — er soll die Stelle in Deutschland bilden, an die sich unsere Glaubensgenossen wenden können, wenn unverschuldet Plötzliche Noth Tausende getroffen hat. Bisher'entstanden in solchen Fällen eilig gebildete Komitees, die beim besten Willen ihrer Kurzlebigkeit halber nie mehr als eine vorübergehende Linderung de», Leidenden bringen konnten. In Zukunft wird der Hilfsverein auch in den Zeiten der Ruhe die Kräfte sammeln, um dann in Zeiten der Noth eine über ganz Deutschland sich erstreckende Organisation zur energischen Hilfsleistung zur Verfügung stellen zu können. Unausgesetzt aber soll der Hilfsverein an der sozialen Hebung unserer Glaubensgenossen im Osten arbeiten, durch Schulen ihre Bildung, durch Förderung von Landwirthschaft. Industrie, Handwerk und Handel ihre wirthschaftliche Lage zu bessern bemüht sein. Vielfach werden wir mit den Schwesterorganisationen jenseits unserer Grenzen in engster Gemeinschaft Zusammenarbeiten, aber selbständig wollen wir als deutsche Juden deutsche Sprache und deutsche Kultur jenen unserer Glaubensgenossen bringen, denen der Anschluß an unser geistiges Leben für ihr wirtschaftliches Fortkommen und für ihre intellektuelle Entwickelung das Gebotene ist. Diese Erwägungen waren es. die dazu geführt haben, den „Hilfsverein der deutschen Juden" in das Leben zu rufen. Wir verweisen, hochgeehrter Herr, auf den beigedruckten Auszug unserer Statuten, und bitten Sie, daß auch Sie unserer Vereinigung beitreten und unter unseren Glaubensgenossen für den Hilssverein werben. Mit größter Hochachtung Hilfsverein der deutschen Inden. James Simon, Vorsitzender. §2 Berlin, 30. November. In seiner am 20. d. M. stattgehabten Sitzung hat sich das unter Vorsitz des Herrn Generalkonsul Engen Landau hier bestehende K om i t e e zur U n t er st ü tzn n g d er n o t h l e i d e n de n rumän ischen Juden nach einjährigem Bestände aufgelöst. Die Auflösung dieses Sonderkomitees ist erfolgt, weil in dem in jüngster Zeit gegründeten Hilfsverein der deutschen Inden eine Centralstelle für humanitäre Angelegenheiten geschaffen worden ist. Das Rumänenkomitee hat im Ganzen 107 340 Mark vereinnahmt. Davon ist der größte Theil in Rumänien selbst für Volksküchen und ähnliche Institute, ein kleinerer zur Unterstützung der Allswanderer verwendet worden. Der noch vorhandene Kassenbestand wurde dem Hilssverein der deutschen Juden mit der Maßgabe überwiesen, daß dieser Betrag nur für Rumänien Verwendung finden dürfe. 8. Berlin, 30. November. Der Verein „Israelitisches Lehrerinnenheim zu Berlin" hatte heute eine außerordentliche Mitgliederversammlung einbernfen. Die Veranlassung zu der Sitzung, die recht gut besucht war niid von Sanitätsrath W i e s e n t h a l geleitet wurde, gab eine dem Verein gemachte Schenkung und die Beschlußfassung über zwei durch diese bedingte Aenderungen der Satzungen des Vereins. Ein hochherziger Spender, welcher bis zum Eintreffen der landesherrlichen Genehmigung ungenannt bleiben möchte, hat dem Verein 100000 Mark zum Zwecke der Errichtung eines eigenen Heims überwiesen. Nach langem Suchen ist auch bereits ein Terrain gefunden worden, das in Groß-Lichterfelde ganz nahe dem Bahnhof Groß-Lichterfelde-West belegen ist und 22 500 Mark kostet. Das Heim, das nach Lichterfelder Vorschrift vittenartig gehalten werden muß, soll hier in praktischer und solider Weise errichtet und mit allen modernen Einrichtungen ausgestattet werden. Die Kosten des Baues werden sicher nach dem Voranschlag innerhalb der Nestsnmme der Stiftung verbleibeil. Der Bau soll möglichst schnell begonnen und so gefördert werden, daß er am 1. März 1903, dem 70. Geburtstage des Stifters eingeweiht werden kann. Nach den Bedingungen der Spende soll ein Mitglied der Familie des Stifters stets Sitz und Stimme im Vorstande des Lehrerinnenheims haben und das Grundstück für ewige Zeiten dem statutenmäßigen Zwecke, unbeschadet einer etwaigen Erweiterung dieses Zweckes erhalten bleiben. Die durch die Stiftung, welche alsdann zum Vermögen des Vereins zählt, nothwendigen Aenderungen der Vereinssatzungen werden von der Versammlung widerspruchslos angenommen. Berlin, 3. Dezember. Der Bericht über Vas „Jüdische Genesungsheim Berlin" für das Jahr 1900 giebt ein treues Bild der gedeihlichen Wirksamkeit dieses Institutes. Das erste Jahr, in welchem der Verein im eigenen Heim die Pfleglinge aufnehmeu konnte, hat ein für alle Betheiligten außerordentlich befriedigendes Ergebniß gezeitigt. Die Erfolge des laufenden Jahres stehen den vorjährigen in keiner Weise nach. Bereits am 15. April 1901 wurde das Heim wiedereröffnet, und bis zum 1. November d. I. rnnd 300 Pfleglinge dort ausgenommen. Fast alle diese körperlich geschwächten, zum Theil arbeitsunfähig gewesenen Personen konnten gestärkt zu ihrem Erwerbe znrückkehreu. Auch der Versuch, einen hierfür geeigneten Theil der Pfleglinge über die Sommer- und Herbstmonate hinaus in der frischen Waldluft bis tief in den Winter hinein zu belassen, hat

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