Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 49 (6.12.1901)
- Date
- 1901-12-06
- Page
- Seite 588 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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588 nahezu erschöpfend reichhaltigste, mit außerordentlichem Fleiße und Hingebung vollführte Sammlung der jetzt gebräuchlichen und traditionellen^Shnagogenintonationen, somit auch als ein schätzenswerther Beitrag zur Geschichte der Entwickelung des Syuagogengesanges 2. Als trefflich verzeichnete, mit gereifter Fachkennttnß und idealer Auflassung verarbeitete Musterbilder, die sowohl dem Kantoratseleven zur Darnachrichtung und Fortbildung, als auch dem gereisten ausübenden Kantor zum praktischen Vortrage wärmstens zu empfehlen sind. 3. Als zuverlässiger Nathgeber in strittigen Fällen; namentlich die älteren Intonationen erscheinen hier mit einer Gewissenhaftigkeit gearbeitet, die^über jeden Zweifel erhaben ist/ Herr Professor Emanuel Kirschner, Oberkantor in München, schreibt über das Buch: „Der Verfasser bringt eine außerordentliche Fülle traditioneller und moderner synagogaler Singweisen, welche für seinen großen Fleiß, für sein rühmenswerihes, ernstes Streben das glänzendste Zeugniß ablegen. Als Meister tritt uns Friedmann entgegen in der Behandlung, in der Bearbeitung der uns überlieferten Shnagogengesänge. dem sogenannten Chasonus. Dieses umfangreichen, schwer zu bewältigenden Stoffgebietes ist der Autor zumeist in ganz hervorragender Weise Herr geworden. Hier schöpft er aus dem Vollen, hier spricht er eine Sprache, die zu Herzen dringt, weil sie dem Herzen entströmt. Mit kundiger Hand entlockt er der alten Zionsharfe Töne, die uns jauchzen und weinen machen, die uns erregen und beruhigen, die im Stande sind, unser Inneres sür alle Empfindungen empfänglich zu machen. Aber nicht nur verwendete er große Sorgfalt für eine korrekte Wiedergabe der traditionell vorhandenen Gesänge, sofern überhaupt bei einer lediglich auf mündlicher Ueberliesernng basirenden Tradition von einer korrekten Wiedergabe gesprochen werden kann und darf, der Verfasser hat auch mit viel Geschick und Glück sich in Nachbildungen versucht, welche vom Geist der Originalgesänge durchweht sind. Diese im Verein mit jenen Nachbildungen, welche den größeren Bestandtheil des Werkes bilden, stellen dieses lieben die besten bisher erschienenen Veröffentlichungen dieser Art." ---Adolf Teiche rt: „Aus den Spuren des Genius", eine Dichtung aus Italien und dem Orient. Berlin, Verlagsgesellschaft „Harmonie". 1901. Dieses Werk eines Dichters, dessen früheren Schöpfungen das begeisterte Lob Brngsch Paschas und die warme Anerkennung Felix Dahns, Bertha v. Suttners, M. v. Egidhs u'. zu Theil wurde, ist die Frucht einer langen, 1898 unternommeneil Reise nach Italien und Griechenland und nach Konstantinopel, und giebt der Hauptsache nach die Gedanken, die Gefühle und die Stimmungen wieder, welche dem Dichter die Natur, die Kunstwerke und die geschichtlichen Erinnerungen dieser klassischen Gegenden erweckt haben. Wir begleiten ihn durch die Schweiz auf den Montblanc und über den großen St. Bernhard nach Italien, wo ihm die „Hnugerrevolution", Florenz. Nom Neapel, der Vesuv, Pompeji, Capri, Bajc/ Cumä, die Tempel von Pästmu, die Seefahrt von Neapel nach Sizilien, Sizilien selbst den Stoff zn den mannigfachsten Betrachtungen und Ergüssen gegeben haben. Ein schmerzliches Ereigniß führt ihn sodann nach der Heimath zurück, und von hier aus unternehmen wir mit ihm seine Orientfahrt. Der Weg geht über Wien. Ungarn, Serbien und Bulgarien nach Konstantinopel, wo ihn außer der Natur, der Kunst und der Geschichte besonders das bunte, höchst interessante Völkergemisch, das Selamlik und das Aschnrasest iuspirirt haben. Wir olgen ihm nml durch das Marmarameer und den Hellespont nach Griechenland, dessen Genius er an heiligen Stätten feiert. Dazwischen aber findet der Leser noch manche Intermezzi, pathetisch, sentimental, zärtlich, satirisch, novellistisch, wie es dem Dichter die Laune eingab. und wie sie sich so gut mit der Natur des Versmaßes seiner Dichtung vertragen. Wenn so Form und Inhalt der Dichtung all Byrons „Childe Harolds Pilgrimage" erinnern, so darf mail in ihr doch keineswegs eine Nachahmung des englischen Dichters sehen, voll dem Adolf Teichert allerdings die Anregung zn seinem Werke erhalten hat. Aber die Blasirtheit und Decadence des Bhron'schen Helden wird mau vergebens in dem Werke des Dichters suchen; nirgends tönen sie hier wie ein schreiender Mißklang in die Begeisterung sür alles Große nnd Erhabene in dem Menschenleben nnd der Natur hinein, da der Dichter der Meinung ist. daß das Gemeine so viel als möglich dem idealen Reich der Dichtung fern bleiben müsse, und daß die Dichtkunst jene Krankheiten am besten heilen könne, indem sie ihr Gegentheil schildern. Der Verfasser nennt daher sein Werk einen Childe Harold des Optimismus, und er übergiebt es der Oeffentlichkeit mit dem Wunsche, daß es in den Kämpfen unserer Tage zum Siege des Guten beitragen möge. Und in der That müßte dies bei einer weiteren Verbreitung des Werkes der Fall sein, da es auch zu den einschneidendsten Fragen der Gegenwart, wie der religiösen, der sozialen, der Friedensfragb' eine Stellung einnimmt, wie sie der aufgeklärte Menschenfreund nur wünschen kann; denn mit der Begeisterung für das klassische Alterthum verbindet sich in dem Dichter der echt moderne, humane, völkerbesreiende Geist, der die Menschheit fortreißen möchte auf die Bahn des Fortschritts, aus der ihr ein neuer Welttag entgegenleuchtet. Sprechsaal. Sehr geehrter Herr Redakteur! <Mn dem Abdrucke meines Beitrages S. 558 Spalte 2 der Nummer 47 hat sich unter anderen Druckfehlern ein besonders fftörender^eingeschlichen. Er befindet sich am Ende des zweiten Absatzes. Statt „der jüdischen Gemeinde in Berlin" muß es heißen „der jüdischen Gemeinde in Hamburg". Lissa, am 24 November. Ihr ganz ergebener Dr. S. Bäck. Löbliche Redaktion! Aknsolge meines Aufsatzes über Harnacks „Wesen des Christenthums" macht mich Herr Pfarrer F. Kraus zu Dreihausen bei Marburg in liebenswürdiger Weise auf eine neuere Schrift, „Das Wesen des Christenthums" von Professor Cremer in Greifswald aufmerksam, sowie ans desselben Mannes Schrift „Die pauliuische Nechtfertigungslehre in/Zusammenhang ihrer 'geschichtlichen Voraussetzungen". Erwünscht und bittet, daß ich diesem Verfasser meine Aufmerksamkeit zuweude, der eine größere Anziehungskraft haben sollte, weil in seinen Adern jüdisches Blut fließe. — In Wahrheit kenne ich den Herrn Professor Cremer weder dem Namen noch den Schriften nach. Auch kann ich Herrn Kraus nicht darin beipflichten, daß derselbe aus dem bezeichnten Grunde für mich eine größere Anziehungskraft haben dürfte. Im Gegentheil! Ich muß sagen, daß ich über das Christenthum lieber die Meinung eines geborenen, in dieser Religion lebenden und wirkenden Christen höre, als die eines getauften Inden oder eines von getauften Juden abstammenden Christen. Denn die Schriften eines solchen entbehren sür mich nicht des unangenehmen Beigeschmacks, als ob sie geschrieben seien, um gewissermaßen die Festigkeit im neuen Glauben darzuthun, um zu bekunden, daß der Wechsel doch nicht ans äußeren Vortheilen erfolgt sei. Lublin itz, 4. November. Hochachtend Rabbiner Dr. Fried mann. 4 Geehrter Herr Redakteur! Veranlassung deS österreichischen Kantorenvereins sind einige Kantoren im Begriff, einen schlesischen Kantors »verband zu begründen, der später zu einem deutschen Kantorenverband erweitert werden soll. Dieser Schritt ist jedoch nicht zu billigen. Die deutschen Kultusbeamtenverhältnisse sind von den österreichischen grundverschieden, daher ist eine derartige importirte Organisation nichts weniger als den betheiligten Kreisen förderlich. . Die Nothwendigkeit einer Kultusbeamtenorganisatiou ist auch Gunter uns längst erkannt, und soll eine solche in nächster Zeit begründet werden, aber nicht in Anlehnung an die Oesterreicher, sondern an den deutschen Neichsverband jüdischer Lehrer, dem hellte schon ohnehin 90 Prozent der Kultusbeamten augehören. Wozu die Zersplitterung im eigenen Lager? lind was können uns die Herren jenseits der Grenze in materieller Beziehung — woraus es doch^hauptsächlich ankomlnt — helfen? Also ein wenig Geduld — und der fühlbare Mangel soll bald ausgeglichen werden! Gra'udenz, 2. November. D. M. Mannheim. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für dre Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.