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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-12-06 · Heft 49 (6.12.1901) · p. Seite 587

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 49 (6.12.1901)
Date
1901-12-06
Page
Seite 587 (sequence 13)
Language
German
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587 und Uscher als Darsteller einer Tragödie, in der Mekka, wie aus der Verkleidung ersichtlich war. die Titelrolle, „die verlassene Frau" zugedacht war — das war zu komisch! Selbst die traurige Blume konnte ein Lächeln nicht unterdrücken, und Raphael, der von seinem verborgenen Sitze aus verzehrende Blicke auf sie warf, empfand einen heftigen Zorn: wie konnte sie lächeln, während ihm der geheime Kummer fast den Verstand ranbte? Der Einzige, der, wie es dem wachsamen Auge Uschers nicht entging, die Sache so auffaßte, wie es sich gehörte, war der Bräutigam, Der verhielt sich ganz ernst, so ernst, daß er sich mit fester Hand ein Gläschen unverdünnten Branntwein einschenkte und es auf einen Zug leerte. Und Rummle Klinker war wohl alt genug, um zu wissen, wie gefährlich es ist, starken Branntwein zu trinken, wenn man die geringste Anwandlung zum Lachen hat. Mella hatte Recht gehabt — Rummle war durchaus kein Dummkopf, und Uscher hoffte, daß er ihren Leistungen seine volle Anerkennung nicht versagen würde. Dieser Gedanke flößte ihm so viel Muth ein, daß er beschloß, sich mit aller Kraft seiner Aufgabe zu widmen. Rasch wurde für die Bühne Platz gemacht und die erforderliche Szenerie, die in einem Sessel bestand, herbeigeschafft. Mella setzte sich darauf, begann sich heftig hin- und herzuwiegen, rauste sich behaglich das Haar und gab noch andere Anzeichen, daß er sich in einem verstörten Gemüthszustande befand. „Ach, welches Leid ist über meine jungen Jahre gekommen —" klagte er; „wehe mir, wehe mir — was Hab' ich gethan, um das zu verdienen? Hab' ich nicht immer von der Barches Chülle genommen, Hab' ich nicht jeden Freitag Abend die Lichter gebenscht, Hab' ich nicht das fleischige und milchige Geschirr streng auseinander gehalten? Hab' ich nicht sonst alle Vorschriften befolgt, die unser heiliges Gesetz uns Hausfrauen auferlegt? Aber es war alles umsonst, und ich soll allein Zurückbleiben mit meinen beiden kleinen Kindern, die ihr Vater verstoßen hat, denn ein böser Geist hält seinen Verstand gefangen — wehe, wehe, wehe mir!" Das war das Stichwort für Uscher, aber das Publikum, das vergebens seine Fröhlichkeit zu unterdrücken gesucht hatte, brach nun in ein Niesengelächter aus. Mella eine jüdische Hausfrau, Mella eine Mutter von zwei Kindern — es war zu toll! Uscher sah sich entrüstet um. Diese Dummköpfe! Konnten sie wirklich nicht begreifen, daß es ernst gemeint war? Da fiel sein Blick auf Rummles Gesicht — das sah ernst und gelassen aus. Da war wenigstens ein Mann von Intelligenz, der Zweck und Ziel der Darstellung erfaßte und sie hoffentlich auch den Anderen verständlich machen würde. Uscher benutzte also eine kleine Panse, trat auf Mella zn und redete ihn folgendermaßen an: „Bist Du nicht ein dummes Ding? Was nützen Dir Deine Klagen? Ich sage Dir, daß mein Entschluß gefaßt ist, und daß nichts auf der Welt ihn ändern wird-" An dieser Stelle ließ Mella dein Publikum keine Zeit zum Lachen, sondern begann sofort wieder: „Warum, Peretz, willst Du mir diese Schande anthun? Die Frauen werden auf der Straße mit den Fingern auf mich zeigen und spotten: „Schau, da geht die Frau, die ihrem Manne stets die schönsten Kartoffeln und die beste Suppe gegeben hat — deshalb hat er sie sitzen lassen." „Was liegt mir daran, was die Frauen sagen werden — das ist ihre Sache. Ich kann nichts dafür, daß Gott mich mit diesem Widerwillen gegen Dich erfüllt hat. Und deshalb ist es das Beste, daß ich gehe, denn wir ersparen uns dadurch den Streit und Zank, der nicht zu vermeiden ist, wenn Mann und Frau nicht eines Sinnes sind. Sobald ich kann, werde ich Dir den Scheidungsbrief schicken." „Ich werde ihn nicht annehmen," kreischte Mella, „ich werde warten bis Gott Deinen Sinn gewendet hat und Du zurückkehrst. Ach, Peretz, was soll aus mir und unseren beiden Kleinen werden?" „Was aus Euch werden soll?" schrie Uscher, indem er eine große Erbitterung an den Tag legte, „gehet hin und sterbet den gesundesten Tod, den ihr finden könnt, und wartet nicht auf meine Rückkehr, denn ich gehe fort, um mir ein schönes Mädchen zu-" (Fortsetzung folgt.) Klage eines vergessenen Chanukalenchters. Von I. Cornelius, Lehrer a. D. in Rotenburg a d. Fulda. inter ist jetzt eingetreten. Feld und Bäume kahl und leer, Und in tausend Angst und Nöthen drückt'sgarVielesorgenschwer. Meine Sorge, meine Klage geht noch tiefer mir ans Herz, Immer wieder ich mich frage: Wann wird enden wohl me i n Schmerz? — Chauuka erscheint ja wieder in der Feste Reigentanz. Da erschallen heil'ge Lieder bei der Lichtlein Kerzenglanz. O. wie lang ich's schon entbehre dieses Fest im jüdischen Haus. Wenn ich meinen Schmerz auch wehre, heute sprecht ich ihn mal aus. — Denke ich der frühern Zeiten, wo das Haus ein Tempel war. Wo mall feierte mit Freuden Chanuka voll Jahr zu Jahr. — — Damals trug ich all die Lichter, freute mich des Hellen Scheins Und der fröhlichen Gesichter, — keins der Kinder fehlte, keins. — Und ich hörte ihre Lieder, und ich stimmte gern mit ein. Und ich seh' dies alles wieder, wenn ich jetzt gedenke dein!- Seit der Vater doch gestorben und die Mutter ging dahin, Ist gar manches arg verdorben, schwand auch der religiöse Sinn. Und ich bin seitdem vergessen und verrostet jetzt und blind. Wer kann meinen Schmerz ermessen, frag ich jetzo Manu und Kind? — Sind's nicht »lehr die alten Zeiten? — Lebt nicht mehr der alte Gott. Der von je für euch mutzt streiten, Schirm und Schutz sein in der Noth? — Denkt ihr nicht der stolzen Streiter, dieser Makkabäer heut', Die mit Kühnheit Rotz und Reiter stürzten in dem heil'gen Streit? — Denkt ihr nicht der ew'gen Fehde, eueres Volkes Leidenszeit? — Ja, so steht mir doch jetzt Rede: War's nicht Gott, der euch befreit?! — War's nicht Gott, wenn ringsum tobte Hatz, Verfolgung, Lug und Trug? War's nicht Gott, der Hochgelobte, der die Feinde niederschlug?!- Darum bitte ich euch herzlich, holt auch wieder mich herein; Denn es ist doch gar zn schmerzlich, soll t ich ganz vergessen sein! Stellt mich wieder, ach, ich bitte, in des Hauses Mitte Hill, Haltet fest der Väter Sitte, ehrt sie auch in diesem Sinn. Meine Lichtlein sollen strahlen tief in euer Herz hinein. Und gar stolz will ich mich Prahlen und euch ewig dankbar sein. Und ihr selbst, ihr werdet wieder, wie die Väter es gethan. Freudig singen Chanukalieder, wenn ihr die Lichter zündet an. Ja. wenn dann die Lichter flammen, grüßet ihr gar freudig sie, Und w ir sin gen dann zusammen: ,Moans rur.jebelluosi!' Literarische Mitthrilungen. ----- Das liturgische Werk des Berliner Oberkantors Aron Friednlann: 8e1iülüselllanmau, das wir bereits wiederholt erwähnt haben, erfreut sich in Kantorenkreisen außerordentlicher Anerkennung und Verbreitung. Hervorragende Fachmänner haben sich über die Arbeit sehr lobend ausgesprochen. So schreibt Herr Musikdirigent William Wolff: „Es entspricht meiner Ueberzengung nach einem großen, dringenden Bedürsniß im Kultus der Gegenwart und befriedigt dasselbe ill einer mustergiltigen Weise." Herr Oberkantor Singer in Wien hält das Werk für eine bedeutsame Erscheinung: 1. Als imposante.

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