Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 48 (29.11.1901)
- Date
- 1901-11-29
- Page
- Seite 3 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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3 seinen! Vorgesetzten, Stadtrath Fischer, gehandelt hat, wissen wir genau und sind dies zu beweisen in der Lage/ Düsseldorf, 25. November. Der Verein zur Förderung der Handwerke und technischen Bernfsarten unter den Juden versendet seinen Bericht über die Zeit vom 1. April 1900 bis 31. März 1901, das 21. Jahr seiner Wirksamkeit. Die letzte Generalversammlung fand am 28. Oktober v.J. in Köln statt. Der Vorsitzende, Herr Gustav Herzfeld-Düsseldorf, erstattete Bericht über die Thätigkeit des Vereins im abgelaufenen Geschäftsjahre 1899/1900, indem er bezügliche Einzelheiten auf den gedruckt vorliegenden Jahresbericht hinwies. Herr M. May berichtete als Revisor über die von ihm in Gemeinschaft mit Herrn Jos. Baum vorgenonnnene Revision der Bücher und Kasse in Düsseldorf; ebenso gaben die Herrn P. Neckarsulmer und I. Wallerstein Bericht über die Revision der Bücher und Kasse der Abtheilnng Köln. Die von den Revisoren beantragte Decharge wird von der Generalversammlung einstimmig ertheilt. Hierauf wurden die bisherigen Revisoren für Düsseldorf und Köln durch Akklamation wiedergewählt. Die Neuwahl der nach dem Turnus statutengemäß ausscheidenden fünf Vorstandsmitglieder wurde von der Tagesordnung zmückgesetzt bis nach Erledigung der Berathnngen über die von der hierfür in der vorjährigen Generalversammlung eingesetzten Kommission vorgelegten neuen Statuten. Die Berathnngen über diesen Gegenstand nahmen die Generalversammlung mehrere Stunden in Anspruch. Der Name des Vereins ist umgeändert in: Verein zur Förderung der Handwerke und technischen Berufsarten unter den Inden. Auf Grund des H 7 der neuen Statuten wurden in den Ausschuß gewählt die Herren: Gustav Herzfeld, Rechtsanwalt Dr. H. Levison, Josef Levison, H. Nuthenbnrg. Rabbiner Dr. David in Düsseldorf; Dr. med. B. Auerbach, Friedr. Drucker, Jacob Gottschalk, I. de Jonghe, I. Levy jr., PH. Neckarsulmer, Leonhard Tietz in Köln; Rabbiner Dr. Jaulns, Jacob Lippmann in Aachen; Rabbiner Dr. Auerbach, Elberfeld; Isidor Goldschmidt, Dortmund; I. S. Hirschland, Essen, Ruhr; Moritz Katzenstein, Bielefeld; Sanitätsrath Dr. med. Levison, Siegburg; Engen Rothschild. Trier. Nach § 6 der neuen Statuten wurden als Vorstand zur Führung der Geschäfte des Vereins gewählt die Herren Gustav Herzfeld, Jos. Levison und Rechtsanwalt Dr. H. Levison. und am!1. Mürz 1901 wurde der Verein beim königlichen Amtsgerichte zu Düsseldorf in das Vereinsregister eingetragen. Leider verlor der Verein in diesem Jahre durch den Tod unser Vorstandsmitglied Herrn H. Ruthenburg. Düsseldorf. Das Amt des Kassirers, welches der Verstorbene mehrere Jahre mit der ihm eigenen Umsicht und Gewissenhaftigkeit verwaltet hatte, wurde von Herrn Jos. Metz, Düsseldorf, in dankenswerther Weise übernommen. Bei Beginn des Berichtsjahres hatte der Verein 35 Lehrlinge bezw. Fachschüler unter seiner Obhut (darunter Aachen 3). Neu ausgenommen bezw. untergebracht wurden 12 (darunter Aachen 2). Nach beendeter Lehrzeit schieden aus: 19 (darrunter Aachen 2, anderwärts 6). Außerdem mußten vor beendeter Lehrzeit 2 Lehrlinge wegen ihres Verhaltens ans dem Pensionshause entlassen werden, und 3 neu ausgenommene Lehrlinge schieden nach 2,! resp. 5 Monaten wieder ans, weil deren Angehörige andere Bestimmungen über ihren Beruf getroffen hatten. Am Ende des Berichtsjahres waren noch 26 Lehrlinge bezw. Fachschüler vorhanden, wovon im Lehrlingsheim zu Düsseldorf 16, in Aachen 6 sich befanden und anderwärts 7 untergebracht waren. Die Abtheilung Köln (Israelitisches Lehrlingsheim Köln, eingetragener Verein), tonnte sich, nachdem mit dem Einzug in das neuerbante Lehrlings- Heim im Sommer 1899 und der Anstellung der neuen Beamten viele Schwierigkeiten und Unannehmlichkeiten überwunden waren, und nachdem die zur Agitation wegen der Mittel zum Neubau aufgewandten Kräfte frei geworden waren, im Berichtsjahr der inneren Organisation widmen. Aus vermögensrechtlichen Gründen mußte man zur Gründung eines neuen Vereins „Israelitisches Lehrlingsheim Köln" schreiten, der in der koustituirenden Sitzung vom 4. März 1900 errichtet und am 24. August 1900 in das Vereiusregister eingetragen wurde. Durch diese Namensänderung sollte in keiner Weise in der Stellung und in den Beziehungen zum Muttervereiu in Düsseldorf irgend eine Aenderung eintreten. Die Anstalt erfreut sich eines immer wehr zunehmenden Vertrauens in weiten Kreisen, wie die zahlreichen Ausnahmegesuche aus allen seinen Theileu beweisen. Leider gestatten die Mittel bei weitem nicht, allen zu willfahren. In erster Reihe werden unbemittelte Kinder aus den westlichen Provinzen berücksichtigt. Mehrere auswärtige jüdische Handwerkervereine gewährten Zuschüsse für die aus ihren Bezirken stammenden Zöglinge, und erfreulicherweise nimmt die Zahl der Familien zu. die einen Theil der Verpflegnngskosteu beisteuern. Noch erfreulicher aber ist die Wahrnehmung, daß sich jüdische Knaben mit höherer Schulbildung und mit dem einjährig-freiwilligen Zeugniß immer mehr dein Handwerk, meist der Maschinenschlosserei, zuwenden, um nach bestandener Lehrzeit die Maschiueuschule zur Ausbildung als Maschinentechniker zu besuchen. Den Kindern eingewanderter, hier ansässiger ausländischer Glaubensgenossen wurde besondere Sorgfalt Angewandt. Im Berichtsjahr waren in der Obhnt des Vereins 41 Zöglinge. Davon waren im Heim 27. bei auswärtigen Meistern 11, bei ihren Eltern in Köln 3. s. Aachen, 19. November. Zu einer eindrucksvollen Feier gestaltete sich in ihrenr Verlauf die Generalversammlung des Fiebermann' sehen Jugend Vereins zur Bekleidung bedürftiger jüdischer Schulkinder. Sie galt vorwiegend der Ehrung von Frau Wilhelmine Hartzfeld, welche in diesen Tagen aus eine sünfnndzwanzigjährige Wirksamkeit als erste Vorsteherin dieses Vereins zurückblicken konnte. Nachdem die Jubilarin von zwei Damen des Vorstandes abgeholt und unter den Klängen eines Harmoniums an ihren, mit einen! prächtigen Blumenarrangement geschmückten Platz geleitet worden war. ergriff das Wort Herr Rabbiner Dr. Jaulns. In formvollendeter, von Wärme des Gefühls getragener Rede rühmte er die Verdienste, welche sich Frau Hartzseld durch ihr stets betätigtes Interesse und ihr rastloses Wirken für die edlen Zwecke des Vereins um diesen erworben habe. Ihrer Thätigkeit sei vornehmlich die Stellung zuzuschreiben, die der Verein unter den Institutionen der Gemeinde einnehme. Seine beziehungsreiche Erinnerungen auffrischenden und auch die Betätigung allgemeiner Wohlthätigkeitspflege streifenden Ausführungen ließ Redner in den Wunsch ausklingcn, daß die Jubilarin noch viele Jahre wie bisher dem Vereine ihre ersprießliche Wirksamkeit widmen möge. Frau Hartzseld dankte in bewegten Worten. Ihre rege Anteilnahme an der seltenen Feier hatten die Vereinsmitglieder durch ihr fast vollzähliges Erscheinen bekundet, so daß der Versammlungssaal bis zum letzten Platz besetzt war. 8. Bingen, 19. November. Einen schweren Schicksalsschlag hat vergangenen Donnerstag die hiesige Familie Bernhard Groß betroffen. Das im Anfang der sechziger Jahre stehende Ehepaar Groß legte sich Abends noch gesund und guter Dinge zu Bett, am anderen Morgen fand man den Mann todt, die Frau bewußtlos, noch atmend, im Bette vor. Durch Einatmung von ausströmeudem Kohlenoxhdgas aus einen! Ösen war die unglückselige Katastrophe herbeigeführt. Die bei Frau Groß angestellteu Wiederbelebungsversuche blieben leider erfolglos, und ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben, starb sie am Samstag. Beide Gatten wurden am Sonntag zu Grabe getragen, und ein fast unübersehbar großes Trauergesolge gab Zeugniß von dem hohen Ansehen, dessen sich die Verstorbenen erfreuten, und der herzlichen Anteilnahme weiter Kreise an dem entsetzlichen Nnglücksfall. Am Grabe hielt Herr Rabbiner Dr. Grünseld in tief ergreifenden Worten die Trauerrede. Unsere Gemeinde hat durch das so plötzliche Hinscheiden des Herrn Bernhard Groß einen herben Verlust erlitten; verliert sie doch in ihm ihren langjährigen Vorsitzenden des Vorstandes, der sich durch treue Pflichterfüllung in seinen dienstlichen Obliegenheiten und durch vorzügliche Charaktereigenschaften auszeichnete. Ein dauerndes Andenken wird dem Verblichenen bei seinen Vorstandskollegen wie bei allen Angehörigen seiner Gemeinde gesichert sein. -t. München, 24. November. Der Abgeordnete Dr. Gäch hat bei der Beratung des Antrages Heim im Finanzausschüsse der Kammer der Abgeordneten behauptet, daß in Schweinsurt jüdische Nechtspraktikanten aus Hypothekeubüchern Mitteilungen an jüdische Freunde gemacht haben sollen. Die sänuntlichen nn Laufe der Jahre bei dem königlichen Amtsgerichte Schweinfurt in Praxis gestandenen fünf israelitischen Rechtspraktikanten haben infolge dessen dem Vorstande des genannten Gerichtes die schriftliche Versicherung abgegeben, daß der erhobene Vorwurf auf grober Erfindung beruhe; es wäre Sache des Abgeordneten Dr. Gäch, der für seine Behauptung wegen seiner Abgeordneteneigenschast nicht zur gerichtlichen Rechenschaft von den Angegriffenen gezogen werden kann, seine Aufstellung entweder znrückznnehmen oder zu beweisen. st Nürnberg, 18. November. Gestern wurde durch eine Abordnung von Angehörigen der beiden städtischen Kollegien dem Kommerzienrat Ludwig Gerngros dahier der Ehrenbürgerbrief 5