Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 48 (29.11.1901)
- Date
- 1901-11-29
- Page
- Seite 2 (sequence 16)
- Language
- German
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s Repräsentantenstellvertretern die Herren Konsul Paul Lachmann. Moritz Monasch. Dr. H. Guttmann, Ignatz Lange, Salo Böhm, Dr. W. Gerschel und Paul Pincns. a. Berlin, 25. November. Nachdem der Verein j irdischer Studenten sich im vorigen Jahre zum ersten Mal an den Lesehallen mahlen betheiligt hat. und zwar mit recht günstigem Erfolg, stellt derselbe auch dieses Jahr wieder eigene Kandidaten ans, nämlich emnl. meü. Erich Rosenkranz, cauck. plül. Emil Kohn und ermä. zur. Bruno Blau. Bei der großen prinzipiellen Bedeutung der Lesehallenwahlen ist es dringend erforderlich, das; jeder jüdische Student den; Verein jüdischer Studenten seine Stimme gebe, da dies die einzige Partei ist, die sich eine energische Vertretung der Interessen der jüdischen Studentenschaft in; Direktorium zur Aufgabe macht. 1'. Berlin, 19. November. Die „Wissenschaftliche Vereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin" hielt ihre regelmäßige Monatssitznug am 2. d. M. unter Leitung des Herrn Auerbach ab. Nachdem der Vorsitzende die Versammlung auf die am Bußtage stattfindende Sitzung des Brandenburger Vereins aufmerksam gemacht und zu zahlreicher Vetheiligung anfgefordert hatte, wurden, den Statuten entsprechend, zwei Kassenrevisoren gewählt. Alsdann hielt Herr Kollege Dr. Kellermaun einen längeren Vortrag über „Einige Fragen des systematischen Religionsunterrichts." Da wegen vorgerückter Zeit nur eine Eeneraldiskussion stattfinden konnte, wurde beschlossen, in der nächsten Sitzung in die Spezialdisknssion einzutreten und derselben die vom Referenten aufgestellten Thesen zu Grunde zu legen. Wir werden alsdann darüber berichten. Zum Schluß der Sitzung wurde ein neues Mitglied ausgenommen. Am 7. Dezember findet die durch die Satzungen vorgeschriebene Generalversammlung statt. /. Berlin, 24. November. Ein segensreiches Wohlthätigkeitsinstitut unserer Stadt, die Israelitische Volksküche, Gormannstraße 2». feiert am 30. d. M. ihr zehnjähriges Bestehen. Durch die opferfreudige, kluge und ausdauernde Wirksamkeit ihres Gründers und die warme, werkthätige Unterstützung unserer Gemerndemitglieder ist die Anstalt zu einer Eniwickelungsstufe und Leistungsfähigkeit gelangt, wie man sie in ähnlicher Solidität und Ausdehnung bei anderen Wohlthätigkeits - Instituten nicht häufig findet. Herr Herrmann Abraham eroffnete die Küche seinerzeit mit einen; aus eigener Tasche hergegebenen, verhältnißmäßig kleinen Kapitale von 6000 Mark in einem Miethlokale. Heute besitzt die Küche in den Parterreräumen des freundlichen, ebenfalls durch Herrn Abraham begründeten Israelitischen Heiniathhauses ei;; festes, eigenes Dach, verausgabt für Nahrungsmittel in jeden; Betriebsjahre ganz erkleckliche Summen — 1899 bis 1900 allein 42854.05 Mark — und sättigt an ihren Tischen Tausende und Abertausende hungernder jüdischer und christlicher Armen zu einem Spottpreise - Zahlungsunfähige völlig umsonst — mit gesunder, nahrhafter, nach ritueller Vorschrift znbereiteter Speise. Zur besseren Erfüllung der immer größeren Anforderungen, welche die verschiedenen, seiner rastlosen Fuitialive entsprossenen öffentlichen Wohlfahrtseiurichtnngen an seine Zeit und Arbeitskraft stellen, hat Herr Abraham die Verwaltung derVolksküche nun einen; unter seinen; Vorsitz wirkenden Vereine übertragen. Zur zehnjährigen Stiftungsfeier der Küche, an; 30. d. M., wird in den Räumen der Philharmonie ein großes Orientalisches Fest abgehalten, welches uns nach der Märchenstadt an; Bosporus, nach Koustantinopel führt, und die mit den; dortiger; Bairamfeste verbundenen mannigfaltigen prnnkreichen Eeremonien zur Anschauung bringt. Möge den; Stiftungsfeste wie der neuen Verwaltung der Küche das allgemeine Interesse des Publikums in reichsten; Maße sich zuwenden. Wenn zu irgend einer Zeit, so ist eine energische, ausgiebige Förderung der Zwecke der Anstalt gegenwärtig, wo die fortlaufend steigende Arbeitslosigkeit immer weitere Kreise zieht und in allen Arbeitnehmerklassen die betrnbeudsten Folgen erzeugt, entschieden an; Platze und aufs Lebhafteste zu befürworten. Berlin, 21. November. Man schreibt NUS von beteiligter Seite: Den Kantoren der israelitischen Ge »ne in den in Deutschland, besonders den Mitgliedern der Hilfskasse für israelitische Kantoren und Kultusbeamte und deren Wittweu uud Waisen in Deutschland zur Nachricht, daß nach kundgegebenem Beschluß des Vorstandes der letzteren, au; 25. Dezember d. I. eine Generalversammlung in Berlin eiubernfen werden wird. Bei derselben wird u. A. ein Antrag zur Berathuug stehen, die Hilfskasse zu einen; allgemeinen Kautorenverein in Deutschland zu erweitern. Es dürfte sich daher empfehle;;, mit einen; etwaigen Beitritt an den in; Entstehen begriffenen österreichisch-ungarischen Kautorenverein vorläufig zu warten. — Potsdam, 16. November. In der heutigen Sitzung der Stadtverordneten gelaugte das Schächtverbot für den städtischen Schlachthof abermals zur Erörterung, weil der Magistrat den; früheren Beschluß der Versammlung, der das Schächten nicht mehr zulasten will, nicht beigetreten war, auch eiue zur Berathuug dieses ablehueuden Standpunkts eingesetzte gemischte Koinmission ebenfalls das Schächtverbot abgelehnt hatte. Nach 262ständiger Debatte wurde in namentlicher Abstimmung der Antrag, die sofortige Klage bei den; Bezirksausschuß zu erheben, mit 31 gegen 9 Stimmen ab gelehnt, dagegen beschlossen, das; die Versammlung mit Bedauern von den; ablehnenden Beschluß des Magistrats Kenntniß nehme und zur geeigneten Zeit ans die Angelegenheit wieder znrückkonnnen werde. Unter „geeigneter Zeit" wurde verstanden, sobald das Urtheil des Oberverwaltnngsgerichts in derselben Sache in; Prozeß der Stadt Angermünde vorliegt. x. GumVittrreir, in; November 1901. Zu Anfang dieses Monats ist der langjährige Seelsorger unserer Gemeinde, Herr Prediger M o ritz Scherbe!, nachdem er mehr als 30 Jahre erfolg- und segensreich in der Gemeinde Gumbinnen gewirkt hatte und seit einen; Jahre aus Gründen der Gesundheit aus seinen; Amte geschieden war, nach Hamburg, Amelungstraße 8, übersiedelt. Herr Prediger Scherbe! hat sich nicht nur um unsere Gemeinde, sondern um das ostpreußische Gemeindelebei; hervorragende Verdienste erworben und hat unteranderem viele Jahre hindurch mit großem Eifer und Fleiß die Schulinspektion in den Nachbargemeinden ansgeübt. Den Teilnehmern an den Jahresversammlungen des „Ostpreußische;; Gemeindeverb a il d e s" sind seine wirkungsvollen und zugleich humorvollen Reden bestens in Erinnerung. Sein Scheiden aus der Gemeinde wird anss Innigste bedauert. Möge ihm ein recht glücklicher Lebensabend beschieden sein, uud wie er während seiner Amtszeit die jüdische Welt durch so manche litterarische Gabe erfreut hat, die zugleich ausgezeichnet war durch Geist, Humor und Witz, so wird hoffentlich die Mußezeit das Otinm cum das er jetzt in Hamburg genießt, noch manches schriftstellerische Produkt zeitigen. 1.. Hannover, 20. November. Dem Monat Dezember sieht ein großer Theil der hiesigen Gemeinde mit Spannung entgegen. Ans einer amtlichen Bekanntmachung, die der Vorstand der Shnagogengemeiude in den Tagesblättern veröffentlicht, entnehmen wir: „In Gemäßheit des Statuts, betreffend der in der Synagogengemeinde Hannover vorzunehinenden Wahlen, machen wir hierdurch bekannt, daß die von uns aufgestellte Liste der Wahlberechtigten vom 18. d. M. an im Gemeindesekretariate. Lntzowstraße 3, zur Einsicht der Gemeindemitglieder ansliegt. Zugleich setzen wir Termin zur Wahl 1. eines ersten Vorstehers an Stelle des verstorbenen Herrn Julius Kanffmann für die Jahre 1902 bis 1904 einschließlich; 2. von drei Mitgliedern des Nepräsentantenkollegs an Stelle der ausscheidenden Herren Julius Behrend, Sigmund Federlein und S. Jakobsohn für die Jahre 1902 bis 1905 einschließlich: 3. eines Mitgliedes des Repräsentantenkolleginms an Stelle des verstorbenen Herrn A. Abraham für das Jahr 1902 damit aus Montag, den 9. Dezember d. I. an. Jedes Gemeindenntglied ist berechtigt, bis zum 5. Dezember d. I. einschließlich Einwendungen gegen die Nichtigkeit der Wahlliste schriftlich beim Vorstände oder zu Protokoll des Gemeindesekretärs geltend zu machen. Die Wahl findet statt im Gemeindesekretariate Lützowstraße 3 in der Zeit von Vormittags 10s.' bis Nachmittags 1' 2 Uhr. Nur die in den Liste anfgeführten Gemeindemitglieder sind zur Ausübung des Wahlrechts berechtigt. Die Wahl erfolgt durch Abgabe von Stimmzetteln." Eine solch bedeutsame Wahl ist seit langerZeit innerhalb der hiesigen Gemeinde nicht vorgenommen worden. — Dresden, 22. November. Von hier wird der „Freisinnigen Zeitung" geschrieben: „Ein vielbeschäftigter hiesiger Arzt meldet seine Tochter zum Eintritt in die städtische höhere Töchterschule an und wird zurückgewiesen, „weil er Israelit ist". Auf die Einwendung hin, daß er sich bei der Vorgesetzten Behörde beschweren werde, wird ihm die Antwort: „Das wird Ihnen nichts nützen; oben wünscht mau das so!" Die eingelegte Beschwerde hatte den Erfolg, daß ihn; vom Stadtrath die Mitteilung wurde, der Aufnahme seiner Tochter stehe nichts mehr in; Wege. Daß der Direktor der Schule nicht auf eigene Faust, sondern im Einverständnis mit