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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-11-29 · Heft 48 (29.11.1901) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 48 (29.11.1901)
Date
1901-11-29
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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6b. Jahrgang. Ar. 48. Der Gernelrrdebote. Berlin, 26. November 1901. Weitage zur „Allgemeinen Zeitung des IuöenIHrrrns". Korrespondenzen und Nachrichten.! Deutschland. (A) Berlin, 28. November. Wenn diese Zeiten in die Hände der Leser gelangen, sind die Gemeinde wählen vorüber. Gleichwohl wird es auch jetzt noch von allgemeinem Interesse sein zu erfahren, daß auch die Neformgemeinde in dem folgenden offenen Rundschreiben. welches von den angesehenstell Mitgliedern ansging, zu den obschwebenden Fragen Stellung genommen hat: „Anläßlich der Nepräsentantenwahlen der Hauptgemeinde hat der Centralverein für die Interessen der jüdischen Gemeinde in Berlin, ohne voll irgend einer Seite dazu provocirt zu sein, in einem öffentlichen Aufrufe einen gehässigen Angriff gegen unsere Neformgemeinde in dem Sinne gerichtet. als bereite sie lediglich den G l a u b e n s a b fal l vor. Die Unterzeichneten Mitglieder der Nefornigemeinde halten es unter ihrer Würde, auf eine solche Schmähung näher eiiizugehen. Sie glaubell vielmehr als die beste Gegenwehr den Mitgliedern und Freunden der Neformgemeinde die dringende Bitte ans Herz legen zu sollen: sich vollzählig an der am Donnerstag, den 28. d. M., stattfindenden Wahl zu betheiligen und ausnahmslos den Kandidaten des liberalen Vereins ihre Stimme zu geben. Gleichzeitig bitten wir Sie, im Kreise Ihrer Freunde und Bekannten aufs eifrigste für die Wahl dieser Kandidaten zu wirken. Damit Sie im Stande sind, auch diejenigen unserer Glaubensgenossen, die der Neformgemeinde fernstehen, über die Sachlage wahrheitsgemäß anfzuklären, erlauben wir uns. folgenden Gesichtspunkt Ihrer besonderen Beachtung zu empfehlen: Die Resormgemeinde hat nie die Idee des Sabbaths aufgegeben; sie hat nie den Sabbath aus den Sonntag verlegt; aber sie hat scholl vor 50 Jahren den Konfllkt unseres Erwerbslebens mit der herkömmlichen Sabbathfeier erkannt und deshalb die Veranstaltung eines sonntäglichen Gottesdienstes sür eine unabweisliche N o t h w e n dig ke i t erachtet, der im Interesse der Erhaltung und Fortpflanzung des Iudenthurns nachgegeben werden mutzte. Die jetzt ans den Kreisen der Hauptgemeinde, der auch wir als treue Mitglieder augehören, ohne jede Propaganda unsererseits hervorgegaugenen Bestrebungen sür Einführung des sonntäglichen Predigtgottesdienstes bestätigen, das; unsere Väter in unerschütterlicher Anhänglichkeit an uns ereil Glauben den gebieterischen Forderungen der Zeit, vorausschauend, Rechnung getragen haben. Sie werden daher, indem Sie unserer Anregung Folge leisten, nicht nur Ihr warmes Interesse für unsere Reformgemcinde bethätigen, sondern zugleich auch dahin wirken, daß die künftige Vertretung der Jüdischen Hauptgemeinde Berlins eine Zusammensetzung erhält, die es verbürgt, daß ohne fanatischen Parteihader den Anforderungen iederreligiösen Richtung von der äußersten Rechten bis zur äußersten Linken entsprochen wird. Waldemar Bendix. Dr. Paul Bütow, Dr. Heinrich Bhk, Konnnerzienrath Hermann Frenke!, Konsul a. D. Julius Friedenlanil, Heinrich Friedman«, Leopold Friedmann, Dr. Isidor Ginsberg, Dr. Hermann Guttmann, Albert Heinemann, Sanitätsrath Dr. Philipp Herzberg, Dr. Benno Holz, Oberlehrer Dr. Georg Lachmann, Konsul PaulLachmanll, Max Lande, Ignatz Lange, Albrecht Lassally, Alexander Löwenherz, Konnnerzienrath Ferd. Manheimer, Landgerichtsrath Dr. Marcus, Hugo Meyersteiu, Syndikus Dr. Georg Minden. L. I Minden. Moritz Mouasch, Rudolf Mosse, Stadtbaumeister a. D. Emanuel Müller, Hugo Naphtali, Theodor Oppenheim, Direktor Leopold Salomon, Oberlehrer Dr. Moritz Schäfer, Hermann Schätzer, Paul Schl schauer, Instizrath Hermann Stern I, Julius Wallach, Stadtrath Dr. Weigert, Moritz Werthauer." 8. Berlin, 24. November. Die Entwickelung des nunmehr gerichtlich eingetragenen Vereins „ Mädchen Haus Pankow" ist nach dem soeben erschienenen Bericht in dem abgelanfenen Jahre eine recht erfreuliche gewesen. Gemäß dem Wunsche der Mitglieder nach Vermehrung der Zahl der Zöglinge ist die Ausnahme in vorsichtiger Wahl, die keinen Zweifel über die körperliche Tüchtigkeit zur Ausübung des künftigen Berufes aufkommen ließ, allmälig gestiegen, so daß im September 36 Mädchen dem Hause angehörten. Wenn auch die Arbeit der Mädchen, welche die Anstellung einer zweiten Erzieherin noch erforderlich machte, anders vertheilt werden mußte, so hat doch der Arbeitsplan im Großen und Ganzen keine Aenderung erfahren. Die Wasch- und Plättarbeit, welche nicht nur sür die größere Zahl der Hausbewohner, sondern auch für fremde Haushaltungen geleistet wurde, hat naturgemäß zugenomnieii; die größte Frequenz ergiebt hier der Monat März, in welchen: sür 55 fremde Haushaltungen diese Arbeit verrichtet wurde und erfreulicherweise den Auftraggebern keinerlei Alllaß zu Beschwerden gab. Einem neuen Zweige ihres zukünftigen Berufes konnten die Zöglinge dadurch Angeführt werden, daß das „Jüdische Kinderheim" eine Halbkolonie während der Ferien dem Hause in Pflege gab. Der Versuch ist durchaus günstig ausgefallen und soll im nächsten Sommer erneuert werden. Die in den letzten Jahren aus dem Hanse ausgetretenen Mädchen befinden sich säst ausnahmslos in dienstlichen Stellungen, einige wellige sind nach kurzer Unterbrechung wieder zu dem erlernten Beruf zurückgekehrt; es können somit die Zweifel, welche gegen die Zwecke des Vereins vielfach erhoben worden sind, als vollständig geschwunden bezeichnet werden. Die Unkosten mutzten selbstverständlich durch den großen Zuwachs an Zöglingen erheblich steigen; der Gesammtverbrauch betrug im Berichtsjahre 14 041.63 Mark. Der Bericht muß leider milder traurigen Thalfache schließen, daß der Verein ohne ausreichende neue Hilfe nicht im Stande ist. die Zahl seiner Zöglinge auf der Höhe des letzten Jahres zu erhalten; selbst unter Hillzunahme der Ueberschnsse aus dem Wäschekonto reichen die lausenden Einnahmen aus den Beiträgen bei weitem nicht ans. die laufenden Ausgaben zu bestreiten. In Anbetracht der hohen Kultnraufgabe, deren Förderung der Vereiu sich zum Ziel gesetzt hat. unterstützen wir gern den Appell desselben, ihm neue Mitglieder zu werben und neue Einnahmen zugänglich zu machen. — In der heutigen Generalversammlung erstattete der Vereinsvorsitzende Instizrath Breslauer den Bericht. Er konnte konstatiren, daß das Material, aus welchem sich die Zöglinge rekrutiren, ein besseres geworden sei, und hob besonders hervor, daß der Einfluß der Eltern ungemein die Erziehnngsthätigkeit des Vereins erschwere. Er bezeichnte jedoch diese Schwierigkeit als eine nothwendige. in der Aufgabe des Vereins enthaltene, und hielt deren Bekämpfung als sehr wohl möglich durch strenges Festhalten an den Prinzipien des Vereins. Ans der Planth'scben Stiftung sind dem Verein 10000 Mark zngewendet worden; infolge der Versendung des Jahresberichts sind als einmalige Beiträge 630 Mark und als jährliche Beiträge 130 Mark gezeichnet worden. Hierdurch wird der Verein einigermaßen im Stande sein, sein Defizit zu verringern. Der Vorsitzende schloß seinen Bericht, indem er die Mitglieder zu erneuter, kräftiger Werbetätigkeit für den Verein ausrief. Nach Erstattung des Rechnungsabschlusses wurde die beantragte Entlastung des Vorstandes genehmigt, die turnusmäßig allsscheidenden Mitglieder des Vorstandes. Direktor Grnn Wald und Rechtsanwalt Mako wer. (wurden ebenso wie die Revisoren Paderstein und Pariser durch Zuruf wiedergewählt. Trotz der leider nur sehr dürftigen Beteiligung der Mitglieder an der Generalversammlung war der Gedankenaustausch ein sehr reger und erstreckte sich besonders, falls die Vergrößerung des Bestandes der Zöglinge ermöglicht würde, aus die Frage etwa vorzunehmender Aenderungen in der Leitung des Hauses. 8. Berlin, 24. November. In der hiesigen Resormgemeinde fand heute Mittag die Neuwahl von sieben Repräsentanten und sieben Stellvertretern statt. Zn Repräsentanten wurden gewählt die Herren Direktor Heinrich Friedmann, Dr. Benno Holz, Dr. Moritz Schaefer, Hermann Schätzer. Moritz Wert Han er, Paul Sch loch an er, Stadtbaumeister Müller-Charlottenburg, und zu

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