Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 48 (29.11.1901)
- Date
- 1901-11-29
- Page
- Seite 573 (sequence 11)
- Language
- German
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573 feiner und tiefer werden in den besten Menschen die sittlichen Gefühle, immer machtvoller und gigantischer ringen, »ach Zeiten der Erschlaffung und Abspannung, die größten Geister der Menschheit, um höhere, umfassendere Ziele zu erreichen. Was aber auch im Schooße der Zeiten verborgen sein mag, unser Grundsatz wird stets den Nahmen bilden können, um das Idealbild jeder kommenden Zeit zu umschließen. Denn darüber wird die Menschheit niemals hinaus zu gelangen vermögen, daß sie in Gott nicht mehr das Vorbild und den Ansdruck alles idealen Strebens erblicken sollte. Mit diesem Vorzug unseres Grundsatzes hängt nun aber ein zweiter ans das Engste zusammen. Nach der Sittenlehre des Jndenthnms ist Gott das vollkommene Vorbild, in welchem jeder Mensch, je nach der Höhe seiner moralischen Erkenntnis;, alles vereinigt findet, was er überhaupt an idealen Zügen zu denken vermag. Das Jndenthum entgeht damit der Gefahr, durch Aufstellung eines menschlichen Vorbildes allmälig zu veralten. Denn auch das erhabenste menschliche Vorbild vermag infolge seiner endlichen und beschränkten Natur kaum alle idealen Züge seiner eigenen Zeit in sich zur Darstellung zu bringen, geschweige denn, die idealen Züge und Bestrebungen, die erst in den nachfolgenden Zeiten, unter dem Einfluß der neuen Verhältnisse, sich entwickelt! und entwickeln können. Diese Schwierigkeit wird im Christenthum so lange nicht als dringend empsunden werden, als an die göttliche Natur des Stifters der christlichen Religion im vollen und eigentlichen Sinne geglaubt wird. Wo dies aber nicht mehr der Fall ist, wie in der liberalen protestantischen Theologie der Gegenwart, da wird es ohne inneren Widerspruch auch nicht inehr möglich sein zu glauben, daß in Christo das Ideal- Göttliche in seinem ganzen Umfang zum Ausdruck gelangt sei. Und nun noch ein dritter Punkt! Die Vorzüge unseres höchsten ethischen Prinzips bringen es nothwendig mit sich, daß es nur formale Bedeutung und darum einen in gewisser Hinsicht nur eingeschränkten Werth haben kann. Wohl liegt in der Verpflichtung zur Heiligkeit für uns ausgesprochen, daß wir alle sozialen Tugenden und alle Tugenden der Selbstbeherrschung uns aneignen sollen, kurz alles, was wir irgend moralisch nennen. Aber die Nothwendigkeit einer Ergänzung macht sich uns dadurch fühlbar, daß der Begriff der Heiligkeit an sich nichts über den Inhalt der Sittlichkeit anssagt. Er bildet kein psychologisches Prinzip, aus dem sich, als dem höchsten ethischen Motiv, alle einzelnen Forderungen der Moral ableiten ließen. Wir müssen uns daher nach einem anderen allumfassenden Ausspruch der heiligen Schrift Umsehen, der uns vielleicht diese Möglichkeit bietet. Wir brauchen nicht lange zu suchen, der Ausspruch, den wir meinen, ist allbekannt. Er steht mit einem anderen, der unsere Glaubenslehre betrifft, im Mittelpunkt unseres Gebetes, und seine centrale Bedeutung für die Lehre des Jndenthums wird dort eindringlich genug hervorgehoben. Wir denken an jenen Ausspruch, der ebensoviel religiöse Innigkeit wie sittliche Tiefe zeigt, an den Ausspruch: „Und dn sollst lieben denEwigen, deinenGott, mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft." Er befindet sich ursprünglich im fünften Buche Mose (Kap. VI. V. 5), jenem Buche, in welchem zwar die verzehrende Glnth des sittlichen Eifers zuweilen zu furchtbarer Höhe anschwillt, das wir aber gleichwohl infolge seines innigen Grundtones als das Hohe Lied der Gottesliebe bezeichnen möchten. Denn zuletzt ist es doch nur die heiße Liebe zu Gott, die unbegrenzte Hingebung an den Heiligen Israels, aus der jener Feuereifer geboren wird, der durch schreckende Blitze die Stumpfen aus ihrer Ruhe anfstören will, und wie mächtig rollender Donner über die Häupter der Widerspenstigen dahinfährt. Aber halten wir uns an nnseren Ansspruch, in welchem der Grundgedanke des fünften Buches Mose die Form eines ethischen Prinzips angenommen hat. Zunächst vertieft unser ethischer Ansspruch offenbar nur den ersten moralischen Grundsatz; er besagt: Ihr sollt Gott, den Heiligen, den sittlich Vollkommenen init der ganzen Inbrunst eures Herzes lieben und in dieser Liebe die Kraft finden, den Verlockungen des Bösen zu widerstehen, und so sittlich immer vollkommener werden. Aber die Liebe zu Gott wirkt nicht nur als stärkstes Motiv für die Moral überhaupt, sondern sie begründet die sittlichen Forderungen auch nach ihrem Inhalt, insofern diese aus der Gottesliebe abgeleitet werden können. Gilt doch unsere Liebe Gott, dem sittlich Vollkommenen, dem liebenden Vater aller Menschen, und darum schließt sie die Liebe zu den Menschen ein, in denen sie uns die Kinder Gottes und unsere eigenen Brüder und Schwestern erblicken lehrt. Auch wird, wer von Liebe zu Gott, dem verborgenen Quell aller Wesen, ganz durchglüht ist, diese Liebe von selbst auf alle gotterschaffenen Wesen, zumal auf die Menschen, ausströmen lassen. So entspringt aus der Gottesliebe die Menschenliebe. Auf der anderen Seite führt Liebe zu Gott auch zu ehrfürchtigem Gehorsam gegen seinen heiligen Willen. Jeder Mensch soll im Dienste des göttlichen Willens und als Werkzeug desselben die ihm verliehenen Kräfte und Fähigkeiten entwickeln, bethätigen und sie darum sich zu erhalten und zu mehren, nicht aber zu zerstören suchen. So werden Mäßigkeit im Genuß und Selbstbeherrschung zu moralischen Tugenden, treue, redliche Arbeit und nimmer ermattende Schaffensfreudigkeit zur sittlichen Pflicht. Wer also Gott liebt, der wird nicht nur die Menschen lieben, sondern er wird auch gern bereit sein, nach Kräften mitzuhelsen an; Tagewerk und an den Kulturaufgaben der Menschheit. (Forts, solgt.s LVII.L.L70N Komödiant und Weltverbesserer. Von Samuel Gordon. I. "an nannte sie in der ganzen Stadt „Mella" und „Usher", was auf deutsch so viel bedeutet wie „Hans und Grete" oder richtiger „Grete und Hans," denn das Jüdische nennt galant die Dame zuerst. Das könnte zu dem Mißverständnisse verleiten, Mella und Usher seien ein Ehepaar gewesen; es sei also gleich konstatirt, daß beide dem männlichen Geschlecht angehörten. Ta sie aber unzertrennlich waren und fast ebenso häufig miteinander zankten wie die meisten Ehepaare, so war die Benennung durchaus nicht unberechtigt. Ja, der Spottname war ihnen so in Fleisch und Blut übergegangen, daß sie selbst einander nie anders ansprachen. Die Beiden waren aus ihren Reisen — die sie aber nicht etwa mit