Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 47 (22.11.1901)
- Date
- 1901-11-22
- Page
- Seite 2 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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2 der Hostienprozeß vom Jatire 150!-. der Tod des Mnnzjuden Lippold (1573), die merkwürdige Erscheinung des reichen und angesehenen Inden Michael, die Vertreibung der Juden nach dem schwarzen Tod. alle diese Ereignisse schilderte der Vortragende in sehr anregender Weise. Auch dieser Vortrag fand lebhaften, verdienten Beifall. — In den auswärtigen Litteraturvereinen hat ebenfalls die Winterarbeit in erfreulicher Weise begonnen. Indem wir alle Freunde an dieser Stelle nochmals bitten, uns über alle Vorträge in den Litteraturveremen zu unterrichten, stellen wir für heute nur die folgenden Notizen zusammen: In Memel las Karl Emil Franzos ans seinen Dichtungen vor; in Schwedt sprach Rabbiner Dr. R o senthal-Stargard über die Verwandtschaft zwischen dem Geiste der Deutschen und der Inden; in Kulmsee Lehrer Herzberg -Broniberg über das Thema aus der ersten Vergangenheit der Inden in Polen; in Nakel Fräulein Clara Perlitz über die Pädagogik des Volkes Israel, Rabbiner Dr. Perlitz über Antonius und Rabbi; in Nogasen Rabbiner Dr. König sb e rg-Pleschen über Toleranzideen in Bibel und Talmud; in Filehne Rabbiner Dr. Richter über Abraham ibn Esra; in Breslau Dr. M. Braun über Zacharias Frankl; in Leipzig Herr Alfred Auerba ch-Frankfurt a. M. über Jehnda Halevis ausgewählte Dichtungen und Professor Geiger-Berlin über Goethe und die Juden; in Hörde Lehrer Steril über Glücket von Hameln; in Barmen Dr. Adolf KoHut über Friedrich den Großen und Kaiser- Josef II. in ihren Beziehungen zu Juden und Judenthnm; in Essen Seminardirektor Dr. Kn oll er über die soziale Frage im Lichte der mosaischen Gesetzgebung; in Köln Lehrer Löb über den Propheten Ezechiel; in Bonn Dr. A. Kohut über die namhaftesten jüdischen Humanisten der Gegenwart; in München Rabbiner Dr. Wern er über Geisteshelden am Wendepunkte jüdischer Geschichte. — Ein neuer Litteraturverein wurde in Schroda mit 25 Mitgliedern begründet. Dem Vorstande gehören au die Herren Bnchdruckereibesitzer Bernstein, Prediger Heimann sowie die Kanfleute Holzbock, Grunardt und C. Barnch. itz. Berlin, 18. November. Die an den hiesigen jüdischen Neligions sch ulen am t i r e nd en Le hr e r. welche keine facultas docenäi besitzen, sind von der hiesigen städtischen Schuldeputation anfgefordert worden, sich an das Provinzialschulkollegium behufs Bewilligung eines Unterrichtserlaubnißscheines zu werden. Wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, ist dies zurückzusühren auf Veranlassung der Großen Jüdischen Gemeinde zu Berlin, deren Vorstand um diese Maßregel nachgesncht haben soll, weil es häufig vorgekommen. daß Unbefähigte (Kaufleute und Handwerker) all Privatreligionsschnlen unterrichtet haben. tz. Berlin, 19. November. Der hiesige Baruch Auerbach- Verein. umfassend ca. 200 in Berlin ansässige ehemalige Zöglinge des Barnch Auerbach'jchen Waisenhauses, hielt sein 24 jähriges Stiftungsfest in dem Festsaal des Etablissements Friedrichhof ab. In Vertretung des durch ein Familienfest verhinderten Vorsitzenden Dr. Schifftau begrüßte der Stellvertreter Dr. Rosenkranz die zahlreichen Gäste, die alle erschienen waren, um sich mit den ehemaligen Waisenhauszöglingen zu freuen. Besonders mnthete uns die Vertrautheit und Zutraulichkeit der einzelnen Mitglieder all. Die Kaffeetafel wurde durch launige Vorträge gewürzt. Erst am Morgen fand das Fest seinen Abschluß. 8. Berlin, 17. November. Die Berliner Zionistische Vereinigung, mit welcher die vom Centralverein sehnlichst erstrebte Verbindung nicht zu Stande gekommen ist, hat nunmehr eigene Kandidaten zur Repräsentantenwahl ausgestellt und in einem Aufruf um die Wahl dieser Kandidaten gebeten. In dem Flugblatt wird zum Kampfe für die Erhaltung des Jndenthums, die Erhaltung des Sabbaths lind die Aufrechterhaltung des hebräischen Gottesdienstes aufgerufen, die Schaffung einer Volkshalle, die Begründung einer den heutigen Wirthschaftsverhältnissen angepaßten Vorschußkasse fürjüdische Handwerker und Gewerbetreibende, von Lehrlingsheimen und jüdischen Vereinshäusern, von öffentlichen, unentgeltlichen Kursen fürjüdische Religion, Geschichte und Litteratur, von Turn- und Gesangvereinen gefordert. Die zionistischen Kandidaten sind Direktor Leszynskh, Dr. med. Emil Simonson, Dr. med. Julius Katz und Julius Kalmus. --- Berlin, 17. November. Aus akademischen Kreisen wird hiesigen Blättern geschrieben: „In seiner Vorlesung über den Reichscivitprozeß sprach am verflossenen Sonnabend Professor Köhler über die Litteratur. die wir auf diesem Gebiete besitzen. Unter anderem erwähnte er dabei als einen sehr brauchbaren und in der Praxis sehr verbreiteten Kommentar den von „Wilmowski und Levh". Kaum hatten die Zuhörer den Namen Levh gehört, als sie auch schon durch ein allgemeines Scharren mit den deutschen Füßen ihrem Mißfallen darüber Ausdruck gaben, daß ein Mann mit solchem Namen sich erlaubte, etwas wirklich Brauchbares zu schreiben. Doch dies war erst das Vorspiel; denn als Professor Köhler bedauerte, daß dieser Kommentar lei.der nicht in neuer Auflage zu haben sei, weil Wilmowski gestorben und Levy, der bekannte Berliner Jnstizrath, vor noch gar nicht langer Zeit ermordet worden sei, da gab die Gesellschaft durch ein starkes, anhaltendes Trampeln ihrem Beifall darüber Ansdruck, daß der Mann mit dem jüdischer! Namen ein solches Ende gefunden." Das ist die Blüthe der deutschen Jugend! 8. Berlin, 17. November. Dem Registrator der hiesigen jüdischen Gemeinde. Herrn Emil Ku rth, der. wie wir bereits mittheilten am 15. d. M. sein 25 jähriges Dienstjnbiläum feiern konnte, wurden an diesem Tage mannigfache Ehrungen dargebracht. Zu Beginn seines Dienstantritts wurde er von einer größeren Abordnung der Beamten erwartet und mit Quartettgesang in seinem würdig mit Blumen geschmückten Arbeitsraum begrüßt. Namens der Verwaltungsbeamteu überreichte ihm der Generalsekretär der Gemeinde Herr Budwig eine Glückwnnschadresse und ein Geschenk der Beamten, bestehend in zwei Säulen mit Bronzekandelabern. In der Adresse wird besonders der allzeit bewährten Kollegialität des Jubilars gedacht, durch welche er die ungetheilten Sympathien aller Mitglieder des Beamtenkörpers sich zu erringen verstanden hat. Die Feier im Bureau schloß mit aber, maligem Quartettgesang. Um 12 Uhr erschienen die drei Vorsitzenden des Gemeindevorstandes und der Vorsitzende der Repräsentantenversammlung. Der Vorsitzende des Gerneindevorstandes Julius Jacoby überreichte in herzlichen Worten ein Ehrengeschenk. Heute Abend findet ein von den Beamten gegebenes Fest im Brüderverein statt, das nach den getroffenen Vorbereitungen einen sehr anregenden und gemüthlichen Verlaus zu nehmen verspricht. Möge es dem Jubilar vergönnt sein, noch lange Jahre in körperlicher und geistiger Frische seine ihm liebgewordeneu Bernfspflichten zu erfüllen! — Berlin, 10. November. Der Verein Jüdischer Stude nten zu Berlin (im B. I. C.) beging am 7. d. M. die Antrittskneipe des Wintersemesters, die glänzend verlief. Zahlreiche Gäste waren erschienen. Bbr. Steinitz hielt die Tendenzrede, in der er die Nothwendigkeit und die Ziele unserer Bewegung trefflich darlegte. Im Namen der Gäste redeten Herr Sanitätsrath Dr. Jastrowitz und Herr Berget, für den jüdischen Turnverein Bar Kochba Herr stud. Auerbach. Eine Rede auf die Alten Herren des Vereins, welche Bbr. I. Cohn hielt, und auf welche A. H. Dr. Hantke antwortete, leitete passend zur Fidelitas über, welche die Bundesbrüder und Gäste noch lange in feucht-fröhlicher Ausgelassenheit znsammenhielt. Bbr. E. Cohn sprach auf das Kartell der „Vereine Jüdischer Studenten" an deutschen Hochschulen, den „Bund Jüdischer Korporationen", der nicht nur die Bedeutung einer studentischen Organisation habe, sondern eine Stellung im gesummten jüdischen Leben der Gegenwart einnehmen wolle und müsse. Der „V. I. St." wird auch im kommenden Semester eine rege Thätigkeit entsalten. Es werden mehrere große Vorträge von Außenstehenden gehalten werden, für die u. a. die Herren Rabbiner Dr. Eschelbacher, Dr. Schreiner, Professor Marburg, Rechtsanwalt Dr. Löwinsohn bereits zugesagt haben. Außerdem werden Diskussiousabende veranstaltet werden, zu denen Bundesbrüder die Referate halten werden, und welche den Mitgliedern Gelegenheit geberr sollen, sich vorwiegend über Fragen des gegenwärtigen jüdischen Lebens ausznsprechen. — Zur ferneren Orientirung werden regelmäßige Litteratur- und Zeitungsreferate sowie ganz besonders ein Geschichtskurs bienen, den Dr. Zlocisti (A. H. des. V. I. St.) abhalten wird. Geturnt wird in der Turnhalle des Reichenheimffchen Waisenhauses, welche das Kuratorium dem Verein wieder bereitwilligst zur Verfügung gestellt hat. — Berlin, 17. November. In einer antisemitischen Volksversammlung. die vorgestern in Keller- Festsälen tagte, sprachen Redakteur Böckler über „Die Beschimpfung der deutschen Kriegsehre durch den englischen Minister Chamberlain" und Graf Pückler- Klein-Tschirne über das Thema „Deutschland in höchster Gefahr" in einer geradezu unglaublichen Weise. Er erklärte, daß ergänz genau wisse, was er rede und thue und behauptete, die letzte