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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-11-08 · Heft 45 (8.11.1901) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 45 (8.11.1901)
Date
1901-11-08
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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z Osnabrück in einer von dem Landrabbiner entworfenen Anstellungsurkunde den Passus nicht genehmigte, der dem Lehrer die Verpflichtung des Schächteramtes auferlegt. Jedenfalls ist die Behörde von dem richtigen Standpunkte ausgegangen, daß Schächtamt und Lehramt heterogene Begriffe sind, die sich schlecht miteinander vereinigen Lassen. In der That hat die Schechita für viele Lehrer Anlaß gegeben, daß Zwistigkeiten und Feindseligkeiten zwischen Gemeindemitgliedern und dem Lehrer entstanden sind. Es wäre im Interesse des Lehrerstandes wünschenswerth, wenn die gesammte deutsche jüdische Lehrerschaft Stellung gegen diesen alten Zopf nehmen würde, damit der Schächtdienst in andere Hände gelegt wird. 8. Hamburg, 27. Oktober. Dank der thatkräftigen Energie des Initiators hat die Idee eines Hamburger „Jü dischen Gefells cha ftsh eims" sich unglaublich rasch verwirklicht. Gestern, am 26. Oktober, fand bereits die Eröffnung der jüdischen Toynbee-Halle statt, der ein sehr zahlreiches Publikum beiwohnte. Nach der Begrüßung der Gäste (ca. 200 an der Zahl) durch Herrn Gustav Tuch hielt Herr Dr. Ernst Luch einen Vortrag über den Ursprung und die Bedeutung der Toynbee-Halle im Allgemeinen. Er verweilte sodann bei dem öfters bestrittenen Punkte, ob angesichts des bestehenden allgemeinen Volksheims ein besonderes jüdisches Gesellschaftsheim nothwendig und berechtigt sei. Hierzu führte er aus, daß, wenn die Leiter der Toynbee- Hallen auch über das Vorurtheil de- Antisemitismus erhaben seien, der letztere leider doch noch in voller Kraft bestehe. Um zur freien Einheit und zur Entwickelung der Persönlichkeit zu gelangen, müßte daher die Judenheit sich zusamrnenschließen und, durchglüht von dem Gefühl der Gemeinsamkeit, ihren eigensten Interessen eine Stätte bereiten. Der Enthusiasmus des Redners theilte sich dem Auditorium mit und verbreitete eine gehobene Stimmung. Nach der beifälligst aufgenommenen Rede folgten musikalische Vorträge, unterbrochen von einer kurzen Pause, in der einfache Erfrischungen herumgereicht wurden. Zum Schluß wurden die Mitteilungen bekannt gegeben, daß das Programm der am Sonnabend und Dienstag, Abends von 8—10 Uhr stattfindenden Versammlungen aus wissenschaftlichen, musikalisch-deklamatorischen Vorträgen und aus Diskussionen bestehen werde. Ferner daß zu dem „Gesellschaftsheim" (Kielerstrabe 52/53) eine jüdische Lesehalle mit 32 jüdischen Journalen in verschiedenen Sprachen gehöre, die an vier Tagen der Woche geöffnet sei. Allem Anschein nach darf die neue Organisation auf die Sympathie der jüdischen Gesellschaft hoffen. U. Hamburg, 27. Oktober. Herr Moritz Dur lache r, Mitinhaber der bekannten Firmen Sociedad-Vinicola und Gebrüder Durlacher, ist nach schwerem Leiden im 58. Lebensjahre verstorben. Der Dahingeschiedene, welcher im Verein mit den übrigen Firmeninhabern es verstanden hat, sein Geschäft zu hoher Blüthe zu bringen, erfreute sich in der Kaufmannschaft Hamburgs eines hohen Ansehens und großer Beliebtheit; sein so frühes Hinscheiden erregt tiefe, herzliche Theilnahme. Moritz Durlacher war ein hervorragendes Mitglied unserer Gemeinde, trotz seiner ausgebreiteten Geschäststhätigkeit stellte er seine so geschätzte Arbeitskraft in den Dienst der Gemeinnützigkeit, in den Dienst der Gemeinde. Er gehörte auch dem Vorstand vieler Gemeindeinstitutionen an, a. a. dem Nepräsentantenkollegium, der Verwaltung des Synagogenverbandes, des Siechenheims u. s. w. Die Bestattung des Entschlafenen fand unter großer Betheiligung weiterer Kreise statt; unter der großen Anzahl von Leidtragenden, die sich zur Trauerseier im Sterbehause in Johns Allee eingefunden hatten, befanden sich namentlich viele hervorragende Mitglieder der Handels¬ und Fiuanzwelt. Der Vorstand der deutsch-israelitischen Gemeinde sowie die übrigen Institutionen waren durch Delegirte vertreten. Der einfache Sarg, den auf Wunsch des Verstorbenen keine Blume schmückte, war im unteren Saal des Hauses aufgebahrt. Die Trauerrede hielt Herr Oberrabbiner M. Hirsch, der, anknüpfend an die Worte aus Genesis Kapitel 17, Vers 1: „Ich bin Gott der Allmächtige, wandele vor mir und sei vollkommen," der Trauergemeinde ein getreues Lebensbild des Verblichenen vor Augen führte. Von inniger Liebe zu seiner Familie beseelt, war er auch ein wirklicher Vater der Armen und Bedürftigen; darum ist nicht nur die Familie des Dahingeschiedenen in tiefe Trauer versetzt, nein, die Armen und Bedrängten schließen sich den Trauernden an, denn sie haben ihren Helfer und Berather verloren. Mit erhebenden Trostesworten an die Hinterbliebenen schloß die wirkungsvolle Rede. Weitere Trauerreden wurden noch von den Herren Dr. L. Levh und H. Gumpertz gehalten. Der imposante Trauerzug, dem sich auch die gesammte Arbeiterschaft der Firma in Steinwärder anschloß, bewegte sich nach dem Friedhof in Ohlsdorf woselbst nach einer erhebenden Trauerfeier in der Friedhofskapelle die Beisetzung im Erbbegräbniß stattfand. ----- Köln, 3. November. Der hiesige Verein für jüdische Krankenpflegerinnen versendet seinen Bericht über das Jahr 1900. Mit einem Bestände von 6 Schwestern und 5 Schülerinnen trat der Verein in das zweite Jahr seiner Thätigkeit ein. Von den 6 Schwestern versahen 3 Dienst im Asyl, während 3 in der Privatpftege thätig waren; 2 dieser letzteren, welche vor 2Vö Jahren von dem Münchener- Verein zur Ausbildung überwiesen waren, wurden am 1. Oktober gemäß Uebereinkunft in ihren neuen Wirkungskreis nach München entlassen. Am Schluß des Jahres 1900 waren im Verein insgesammt thätig 7 Schwestern und 6 Schülerinnen. Dieser Zahl von Schwestern gegenüber mußte der junge Pensionsfonds auch bei den bescheidensten Ansprüchen als unzureichend erscheinen. Zur Sicherstellung der den Schwestern satzungsgemäß verbürgten Pensionsrechte sah sich der Vorstand daher genvthigt, mit der Versicherungsgesellschaft „Anker" einen Vertrag betreffs Versicherung gegen Krankheit und Invalidität abzuschließen. Die Einnahmen des Vereins betrugen Mark 11 584.81, die Ausgaben Mark 11 443.41, das Gesammtvermögen Mark 9555.26. In der statutengemäßen Generalversammlung wurden die nach der Reihenfolge ausscheidenden Vorstandsmitglieder, die Herren Amtsgerichtsrath Löwenherz und Fritz Rothschild, wiedergewählt, und an Stelle des Herrn Max Bendix zum Kassirer Herr Fritz Rothschild gewählt. Es wurde beschlossen, in nächster Zeit zur Hilfeleistung in armen kranken Familien und zur Assistenz der Aerzte in solchen eine Schwester zu entsenden, die zugleich als Vertrauensperson des Israelitischen Franenvereins in der Armenpflege thätig sein solle. Der Vorstand besteht aus den Herren Dr. B. Auerbach, Vorsitzender, Rechtsanwalt Carl Eltzbacher. stellvertretender Vorsitzender, Dr. Fritz Cahen, Schriftführer, Fritz Rothschild, Schatzmeister, Max Bendix, Isidor Dülken, Amtsgerichtsrath Löwenherz, Philipp Neckarsulmer, Dr. L. Oppenheimer. — Stuttgart, 2. November. Der Verein zur Unterstntznng von Wittwen und Waisen armer israelitischer Lehrer und Vorsänger Württembergs versendet seinen Rechenschaftsbericht über das Rechnungsjahr 1. April 1900/01. Die Fürsorge für die Wittwen und Waisen israelitischer Lehrer des Landes hat auch im verflossenen Jahre der Theilnahme des Königs und der Königin sich zu erfreuen gehabt. Gönner und Freunde förderten die Sache theils als außerordentliche Mitglieder, theils als Spender bei besonderen Anlässen. Die israelitischen Gemeinden des Landes unterstützten die Bestrebungen des Vereins, indem sie demselben Opferspenden oder feste Beiträge zukommen ließen. Aber auch die Anforderungen au unser Unterstützungskasse haben einen bedeutenden Umfang angenommen Die Gesammtsumme, welche im verflossenen Jahre vertheilt wurde belief sich auf 2749 Mark. Neben drei sonstigen satzungsmäßigen Vergabungen lag die Unterstützung von 16 Wittwen ob, und wenn die Summe des vorhergehenden Jahres mit 3005 Mark nicht erreicht wurde, so liegt dies nickt etwa daran, daß die Anforderungen sich vermindert hätten, sondern daran, daß wir die einzelnen Gaben verringerten, um mit unseren laufenden Einnahmen sicher ausznreichen. Die vorgenommene Neuwahl des Ausschusses ergab die Wiederwahl der seitherigen Mitglieder: Schmal-Ludwigsburg (Vorstand), Preßburger-Creglingen (Schriftführer), Metzger-Cannstatt (Kassier), engerer Ausschuß; Straßburger-Buchau. Frank-Weikersheim. Hähnlein-Hall, Spatz-Affaltrach. weiterer Ausschuß. In ihrer freiwilligen Tagung berieth die Versammlung über folgende Gegenstände: 1. Die Neuordnung des israelitischen Kircheuwesens in Württemberg; 2. der synagogale Gesang in seiner historischen Entwickelung; 3. der Synagogengesang und die Ausbildung zum jüdischen Kantor. Die Versammlung war gut besucht und folgte mit reger Theilnahme den Berathnngen. Oesterreich -Ungar«. Wien, 4. November. Viel machen die Verhältnisse im Justizressort jetzt von sich reden. Ein Nechtspraktikant des hiesigen Landgerichts hat folgende Thatsachen veröffentlicht: Seit April 1899 stehe ich im gerichtlichen Verwaltungsdienste beim Wiener Oberlaudesgerichte. Meine Prüfungen habe ich theils mit sehr gutem, theils mit ausgezeichnetem Erfolge abgelegt; im Amte selbst erwarb ich mir viele Sympathien, man nannte mich wohl auch die Seele des Bureaus.

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