Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 45 (8.11.1901)
- Date
- 1901-11-08
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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W, rchrgmg. «r. 4». «°»-mb-r IS0I Vertage zur „Allgemeinen Zeitung -es Zuöenthurns". - — >.m. —.!' > » " .! H-- .?" >5 — Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. 22 Berlin, 4. November. Von den acht Millionen Mark, die der im Februar dieses Jahres in Nizza verstorbene Rentner Jakob Plant testamentarisch für gemeinnützige und wohlthätige Zwecke bestimmt hat. ist ein erheblicher Theil nach Berlin geflossen. So erhalten oder haben erhalten: die städtische Armenkasse 100000 Mark, die Korporation der Kaufmannschaft 50 000 Mark, die jüdische Gemeinde 50 000 Mark, die Armenkasse der jüdischen Gemeinde 15 000 Mark, der Letteverein 35 000 Mark, die jüdische Neformgemeinde 15 000 Mark, der Verein sür Unfallverletzte 20 000 Mark, das Feierabendhaus sür Lehrerinnen Deutschlands 10 000 Mark, die Hilfsvereine sür jüdische Stndirende und Akademiker 20 000 Mark, der Vegetarische Verein 30 000 Mark, die Heilstätte für Nervenkranke „Haus Schönow" und deren Unterstühungskasse 40 000 Mark, der Asylverein für Obdachlose 20 000 Mark, die Berliner Ferienkolonien 20 000 Mark, der Verein für Kinderheilstätten an den deutschell Seeküsten 20 000 Mark, das Erholungsheim sür deutsche Lokomotivbeamte 20 000 Mark, die jüdische Altersversorgungsanstalt 12 000 Mark, der Verein für häusliche Gesundheitspflege 15 000 Mark. All arme Gouvernanten und Dienstmädchen sind 20 000 M. vertheilt worden. Mit je 10 000 M. sind bedacht worden: die Reliktenkasse des Nabbinerverbandes. das Kurhospital Kolberg, die Anstalt zu Ahlem, das Krankenhaus in Memel, das Mädchenhelm Pankow, der Unterstütznngsverein jüdischer Lehrer in Preußen, das Altenasyl Friedrich Wilhelm-Viktoria- Stiftung der Berliner Kaufmannschaft, der Fröbelverein, die Pellsionskasse jüdischer Lehrervereine, der Pestalozzi-Frauenverein, das Schwesternheim des Vereins sür jüdische Krankenpflegerinnen, das Genesungsheim in Lehnitz, der Verein „Hauspflege", das Kinderheim in der Keibelstraße, die Unterstützungskasfe der Berliner Volksküchen, der Moonsche Blindenverein. die königliche Blindenanstalt, der Berliner Krippenverein, die Arbeitsstätte sür arbeitslose Familienväter, eine Stiftung für kranke Allgehörige voll Berliner Schutzleuten und eine gleiche für die Charlottenburger Schutzmalmschaft, die „Anskunftsstelle" der Ethischen Gesellschaft. Je ein Freibett von je 10 000 Mark ist errichtet worden in einem städtischen Krankenhaus, im St. Joseph- Hospital der Granen Schwestern und in dem jüdischen Krankenheim Chewra Kadischah. Im Uebrigen sind mit größeren und kleineren Summen hiesige und auswärtige Anstalten und Vereine hier, in Leipzig. Dresden, Nordhausen und Hamburg bedacht worden. Nach der eigenen Bestimmung des Verstorbenen sind ferner 300 000 Mark nach dem Königreich Sachsen gegangen, zur Hälfte für invalide Arbeiter, zur anderen Hälfte sür durch Brandunglück Geschädigte. Insgesammt sind aus dem Nachlasse ca. 600000 Mark seitens des Plantschen Familienraths an jüdische und nichtjudische Vereine und Institute überwiesen worden, lieber nahezu zwei Millionen hatte der edle Philanthrop selbst testamentarisch verfügt. Der namhafte Nest des Nachlasses ist, wie verlautet, zur Errichtung zweier großer Wohlthätigkeits-Stiftungen in Berlin und in Hamburg, bestimmt. 1. Berlin, 9. Oktober. Die „Wissenschaftliche Vereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin" hielt ihre erste Sitzung nach den Ferien am 7. v. M. unter Vorsitz des Herrn Auerbach ab. Nach Verlesung des Protokolls der letzten Sitzung wurde von einer Seite bemängelt, daß das Protokoll zu aussührlich gehalten sei und dem gegenüber von anderen Mitgliedern, die sich an der Debatte betheiligten, gerade die Ausführlichkeit als besonderer Vorzug bezeichnet und der Wunsch ausgesprochen, daß auch in Zukunft das Protokoll gleich aussührlich abgefaßt werden möge. Daraus wurde das Protokoll genehmigt. Nachdem nunmehr die Versammlung den Kollegen Hanfs zum Delegirten sür den in Hamburg stattfindenden Verbandstag gewählt, wurde folgender Antrag angenommen: „Die Wissenschaftliche Vereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin ersucht die Delegirtenversammlung, zn folgender Aendernng des 8 3 der Verbandsstatuten ihre Zustimmung zu geben: Zu aliuea 1 möge hinzugesügt werden: Zu diesen tritt als zehntes Mitglied der jedesmalige Vorsitzende der Verbandspensionskasse. In atmen 3 sei alsdann statt des Wortes „zehntes" „elftes" zu setzen. — Hieraus erlheilte der Vorsitzende dem Kollegen Falkenberg das Wort zu seinem Referat: „Ueber Werth und Einrichtung der hebräischen Lesefibeln." Leider fehlt es uns an dem Raum, um über dieses sehr werthvolle Referat so ausführlich berichten zu können, wie wir das wohl wünschen. Nach Schluß des mit großem Beifall ausgenommenen Referats wurde der Antrag eingebracht. Referent möge seine Ansichten in Thesen niederlegen. die vom Schriftführer vervielfältigt und den Mitgliedern zugleich mit der Einladung zur nächsten Sitzung zngestellt werden sollten. Mit Annahme dieses Antrages schloß die Sitzung. 22 Berlin, 5. November. Der „Verband alter Herren" des Akademischen Vereins für jüdische Geschichte und Li tteratur zn Berlin veranstaltet aus Alllaß seines X. SLiftnngs. festes ein Festessen und Ball. Die Feier findet Sonntag, den 17. November, Abends pünktlich 6 Uhr in den Festsälen des Hotel „König von Portugal", Burgstraße 12, statt. — Berlin, 4. November. Der Registrator der hiesigen jüdischen Gemeinde, Herr Emil Kurth, begeht am 15. d. M. sein 25 jähriges Dienstjubiläum. Der Jubilar, welchen: es vergönnt ist, diesen Ehrentag in voller Rüstigkeit und Arbeitskraft zu begehen, erfreut sich allgemeiner Beliebtheit nicht nur bei seinen Vorgesetzten und Kollegen, sondern auch in weitesten Kreiser: des Publikums. Berlin, 5. November. Der Israelitische Fr au e n-Unterstützungsverein veranstaltet am Montag, den 18. d. M.. Abends 8 Uhr in den Gesammträumen der „Schlaraffenbnrg", Enkeplatz 4, ein Wohlthätigkeitsfest, für das eine große Reihe unserer bestbekannten Künstler und Künstlerinnen' ihre Mitwirkung zugesagt haben, n. A. Frau Teresina Geßner-Somluerstorff. Frl. Jda Liebau sowie die Herren Dr Max Pohl, Direktor Rothenburg, Martin Leeser, Jacques Burg. Das weitere, sehr reichhaltige Programm bietet außer Promenadenkonzert, Dilettanten» und humoristischen Vorträgen u. a. Belustigungen zum Schluß, um auch die Jugend zu ihrem Rechte kommen zu lassen, noch einen Ball. Der Ertrag des Festes ist für die Unterstützungskasfe des Vereins bestimmt, dessen Ziel es ist, alleinstehenden Frauen und armen Wöchnerinnen Hilfe und Beistand zu gewähren. Wir richten daher an alle Glaubensgenossen die herzliche und dringende Bitte, den guten Zweck des Festes durch rege Theilnahme an demselben fördern zu wollen. Billets n 2 Mark sind bei Frau H. May, Großbeerenstraße 93, zu haben. §2 Berlin, 31. Oktober. Das Komitee für Chanukah- Bescheerung versendet den folgenden Aufruf: Die bevorstehende rauhe Jahreszeit mahnt uns aufs Neue an die Bedürftigkeit der großen Schaar jüdischer Kinder, welche die Kommunalschule besucht. Wie alljährlich, so wenden wir uns auch diesmal an die bewährte Mildthätigkeit unserer Glaubensgenossen mit der herzlichen Bitte, uns durch Spenden für die Chanukah-Bescheerung zu unterstützen. Es gilt mit diesen Gaben nicht nur dem äußeren Mangel zn steuern, sondern in die jugendlichen Seelen lebensfrohes Vertrauen zu pflanzen und in den Kinderherzen hoffnungsvolle Gefühle für ihre Zukunft zu erwecken. Es sind in: vorigen Jahr nach vollständiger Prüfung jedes einzelnen Gesuches 1150 Kinder mit Stieseln, Kleidungsstücken, Wäsche und Lehrmitteln versehen worden; hierbei sind wir bestrebt gewesen, in den Kindern den Sinn sür Ordnung und Sauberkeit zu wecken und ihren Fleiß anzuspornen. So haben auch die armen Eltern in ihrer schweren Sorge um die häuslichen Bedürfnisse eine wohlthuende Entlastung erfahren. Wir geben uns deshalb der Hoffnung hin, daß unsere Bitte wiederum von Erfolg begleitet sein werde. Durch das Hinscheiden zweier lieben Kolleginnen ist unser Komitee von einem schweren Verlust betroffen. Frau Arnold Weiß und Frau Michael Fiegel haben mit Treue und Hingebung au unserem gemeinsamen Liebeswerk ge-