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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-11-08 · Heft 45 (8.11.1901) · p. Seite 533

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 45 (8.11.1901)
Date
1901-11-08
Page
Seite 533 (sequence 7)
Language
German
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538 werden solle. Er sei der Meinung, daß man es in Karlsruhe errichte, uu Hinblick auf die vorzüglichen Schuleinrichtungen, die diese Stadt besitze. Oberrath Nos in erklärte namens des Oberrathes. daß eine Verkeilung der Summe nicht beabsichtigt werde. Die Anforderung wurde einstimmig genehmigt. Oberrath Rosin dankte für die Bewilligung, die eine soziale Ihat genannt werden dürfe. Die christlichen Bekenntnisse nennen die Einrichtungen, durch die sie den Nebenmenschen helfen wollen, durch ie Unterstützung, die sie den wirthschaftlich Schwachen zu Theil werden lassen, praktisches Christenthnm. Den Schritt, den die Synode heute alt der Bewilligung der Position für soziale Zwecke gethan habe. >i'irfe man mit Recht praktisches Judenthum bezeichnen. Das Vorehen der Synagoge werde gewiß allerorts anerkannt werden. Es wurde darauf der ganze Voranschlag allgenommen. Auf eine Interpellation der Abgeordneten Friedmann und Genossen, dahingehend: „Welche Maßnahmen hat der Oberrath gegen den delsteinhändler Landauer in Pforzheim ergriffen, der durch ein Gedicht i der „Staatsbürgerzeitung" und ein Flugblatt die badischen Rabbiner lnver beleidigt habe," erklärt Geheimer Oberregierungsrath Becherer - aß der Oberrath ein Einschreiten der Staatsanwaltschaft herbei- , efnhrt habe, daß aber das Verfahren gegen Landauer wegen dessen eistigen Zustandes eingestellt worden sei. Die Interpellanten erklärten sich mit dieser Auskunft zufrieden. Mit der nun folgenden Wahl des Synodalausschusses waren die Geschäfte der Synode beendet. Geheimer Oberregierungsrath Be che rer dankte für die rasche nd wohlwollende Erledigung sämmtlicher Vorlagen und schloß darauf amens des grobherzoglichen Oberrathes der Synode. Brief aus Oesterreich. Ende Oktober 19öt. ie, geehrter Herr Redakteur, und mit Ihnen gewiß viele Leser Ihres weitverbreiteten und sehr geschätzten Blattes, ivissen sicherlich nicht, wo Littau liegt. Ich nehme es hnen nicht übel und einen Schluß auf Ihre geographischen enntnisse null ich daraus auch nicht ziehen. Man kann ein ^ständiger Mensch sein, und muß deshalb doch nicht wissen, o sich Littau befindet. Eine das Weltgesüge erschütternde chlacht wurde dort nicht geschlagen, und ein die Welt erachtendes Licht ist von diesem Orte auch nicht ausgegangeu. »d nun fragen Sie, was hat der obskure mährische Ort (jetzt issen Sie wenigstens, wo Sie Littau suchen sollen) mit den uden zu thun? Darauf geben der Dr. Stransky, die All- > mischen und der österreichische Reichsrath eine zwar er- ' hüpfende, wenn auch nicht eine dem beschränkten Unterthanen-! rstande einleuchtende Antwort. Um es also kurz zu sagen: i Littau schlugen wieder einmal, es war am 22. September eses Jahres, die Deutschen und Tschechen auf einander, es b einige blaue Flecke, eingeschlagene Schädel und Fensteri leiben, Einer soll todtgeschlagen worden sein (vergleichen Sie - null den berühmten Einen russischen Todten); fassen wir : Hammen, es ging dort landesüblich zu zur Verherrlichung t s Sonntags und zur Erhöhung des Ruhmes der beiden " -elvölker, die sich in die Herrschaft bei lins theilen. Dr. Stransky m ex konnte es schier nicht erwarten, die ganze Angelegenheit, m sich an Bedeutung zum mindesten mit den wichtigsten - ckthistorischen Ereignissen messen kann, zum Gegenstände eines, l w sagten wir doch als Studenten, „Zudringlichkeitsantrages" > machen, mit dem er die Tagesordnung unseres Rcichsraths i rrammelte, wie man es bei uns so schön bezeichnet, und die ^'inüther der schwere Steuern zahlenden österreichischen Minder beunruhigte, — Und nun kommt der Jud'! — Die Alldeutschen, das ist die Partei Schönerers, dessen Großschwiegervater Schmul Leb Kohn aus Pohrlitz in Mähren ist, sielen über Stransky her, der längst in den Schoß der alleinseligmachenden Kirche sich begeben und sich selbst als guten Christen bezeichnet, wir wissen nicht, meinte er dies von der dogmatischen, ethischen, politischen oder geschäftlichen Seite, denn nach allen diesen Richtungen hin kann man bekanntlich ein „guter Christ" sein. Sie legten ihm jene Bezeichnungen bei, in denen das Wort „Jud" vorkommt, aber auch den Namen jenes unsauberen Thieres, dessen Fleisch Juden bekanntlich wenigstens öffentlich nicht essen, und in dessen Gesellschaft die Herren Wolf, Stein «> tutti cgiiniti sich so gern bewegen. — Wir schenken euch den Stransky; der hat mit dem Judenthume so viel zu thun wie unsere Herren Pangermanen mit wahrem, edlem Deutschthum und echtem Christenthum. Aber wie kommt es, daß die Herren Alldeutschen jüdisches Geld und jüdische Stimmen so gut ein» zuschätzen wissen? Tie Christlich-Sozialen sind z. B. der Ansicht, der deutsche Schulverein sei ein Judenverein, von jüdischem Gelbe erhalten, für die Juden gestiftet, sie meinen Wolf und Genossen haben den Juden vieles, wenn nicht alles zu danken. Wer hat da Recht? Man gebe sich darauf die richtige Antwort. Wir aber denken, durch nichts kann die große Verlogenheit unseres ganzen politischen Lebens besser bezeichnet werden als durch die letzten „Debatten", d. h. Beschimpfungen im Reichsrath, und die „Verhandlungen", d. h. Unfläthigkeiten im Wiener Gemeiuderath. Stransky, die Alldeutschen und die Christlich-Sozialen, das ist das dunkle Dreigestirn, das uns heute regiert. Können wir uns da nicht kannibalisch wohl fühlen wie die berühmten Thiere, die aus „Faust" bekannt sind, und die Franco Stein, der große Germane, so gern im Munde führt? Wir Juden aber gleichen jenem Kranken, dem nichts mehr schadet und nichts mehr nützt. Wir sind auf dein Gefrierpunkte der höchsten Gleichgiltigkeit mau nennt es auch Wurstigkeit — angelangt. Nationale, Zionisten, Assimilanten, Reformer Orthodoxe, sie alle haben das Judenthum glücklich zu Tode gerettet. Mau höre nur das Jubelgeschrei gewisser General- Pächter des Judenthums: Das sogenannte Assimilantenthum hat Niederlagen erlitten ans allen Linien. Man weiß, wie sehr wir das charakterlose Anbiedern an irgend eine Nationalität stets vernrtheilt haben. Jeder, der diese Briefe mit Aufmerksamkeit verfolgt, wird uns zngestehen, daß wir für wahres Judenthum eifrig eingetreten sind. Aber doch können wir jenen Jubelruf nicht verstehen; denn was bedeutet er? Nichts anderes als: von den Juden will keine Partei in Oesterreich etwas wissen. Es erinnert uns jener Jubelruf an das berühmte Jargon-Sprichwort von den Wanzen, au denen man sich rächt, wenn das Haus angezündet wird. Täuschen wir uns darüber nicht, wir haben Schiffbruch gelitten. Bankerott allüberall. Sollen wir die Lage des Judenthums wirklich als eine glückliche Preisen, weil man von uns nichts wissen will? Wir sind, rust eines jener das Judenthum rettenden Blättchen aus, nicht mehr das „Zünglein an der Waage", man bedarf unser nicht inehr, man will uns nicht mehr. Heißt dies nicht, über die politische Insolvenz des Judenthums jubeln? Nun bleibt uns nichts übrig, als die alten Ghettomauern aufzubauen und freiwillig auf unsere Emanzipation zu verzichten, denn dieser sind wir, nach dem Aussprnche eines jüdischen Materialisten und Zeitungsschreibers, nicht werth. Wir aber meinen, die Politische Jsolirung des Judenthums ist für dieses ein Unglück, sicherlich kein Glück, Wenn wir eine Macht wären,

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