Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 45 (8.11.1901)
- Date
- 1901-11-08
- Page
- Seite 531 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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5Z1 stellen mußte er förmlich erst gedrängt werden, und er hat sie allenfalls erst angenommen nach Erfüllung der Bedingungen, die er gestellt- Sowohl im öffentlichen als auch im Privatleben hat Trier manche Sorge und Enttäuschung erlebt, aber er wußte sich seine frische, zuversichtliche Lebensanschanung zu bewahren, und er ist stets seinen Jugendidealen treu geblieben. Denn ohne naiv zu sein, ist er Idealist, aber ein solcher, der mit Realität zu rechne» versteht. Trier ist eine der ansprechendsten Gestalte», die unser öffentliches Leben anfzuweisen hat, und es ist das Merkwürdige an ihm — im Gegensätze zu so vielen Anderen — daß die Politik eher dazu beigetrage», ihn zu läutern, als ihn zu korrumpiren." r Innerhalb der französischen Antisemitenpartei hat auch schon der Zersetzungsprozeß begonnen. Sie befehden und beschimpfen sich gegenseitig wie ihre deutschen Gesinnungsgenossen. Zdouard Drumont hat im Hinblick auf die bevorstehenden Abgeordnetenwohlen ein „Lomste national antizuik" gegründet, woraus seine Gegner den Schluß ziehen, die „Libre Parole" mache weniger glänzende Geschäfte wie früher, und Drumont wolle sich auf diese Weise dem streitmüden Publikum in Ernnerung bringen. Er selbst ist Präsident des Komitees, dem außerdem zwei andere Abgeordnete, Charles Bernard aus Bordeaux und Firmin Faure aus Oran, drei Pariser Gemeindeäthe und fünf nationalistisch-antisemitische Publizisten anlehören. In dem Aufruf, den die Genannten veröffentlichen, werden die Franzosen, die ihr Land „retten wollen", ermahnt, ie Oberleitung desselben den Juden abzunehmen, denen weder ie Ideen, noch die Ueberlieferung, weder die Anschauungsweise. noch der Instinkt der echten Franzosen eigen sei. Der Zwist, der in Algier zwischen MaxRegis und dessen Heinaligen Adjunkten Lionne ausgebrochen ist, spinnt sich auch inner weiter aus, was darauf schließen läßt, daß das Futter m der Krippe, an der die antisemitischen Raufbolde sich ehedem w reichlich nährten, immer spärlicher wird. Max Regis hat un auch seinen ehemaligen Jünger, den Pariser Stadtrath Äubuc, einen der Angeklagten des Komplottprozesfes, vorgenommen, den er rundweg als „Spitzel der Polizeipräfekten" ezeichnet, obwohl Dubuc eine ganze Reihe von Mitteln ausmdig gemacht hatte, um die Juden „auszurotten." Dubuc soll ereits die Sekundanten Max Regis abgewiesen haben. — Nun lringt der „Siecke" die sensationelle Meldung, daß Jules Buerin, jder einstige Befehlshaber des „Fort Chabrol", aus Brüssel dem Administrator der „Libre Parole". Herrn Devos, ine Zeugen geschickt hat. Devos ist der Vertrauensmann rumonts nnd die Seele des antisemitischen Wahlkomitees, dem eder Jules Guörin noch Max Regis angehören. Wenn sie rst einmal die schmutzige Wäsche auspacken, dann wird man anz erbauliche Dinge erfahren. 4 Ueber die Juden von Neuseeland berichtete Dr. Bernard iyers in einem am 21. v. M. im Londoner Makkabäerklub ehaltenen Vorträge eine Reihe interessanter Details: Die Zahl! er Inden von Neuseeland beläuft sich auf etwa 1500 bei -ner Gesammtbevölkerung von über 900 000. Trotz ihrer gemgen Zahl von kaum IV? pro mille haben die Juden in Neuseeland von jeher eine ganz hervorragende Rolle gespielt. Bei allen erdenklichen Sports, wie Schwimmen, Fechten, Rudern, uruen, sowie beim Cricket--, Fußball- und anderen Spielen stellen die Juden ihre namhaften Matadore. Aber auch auf der ernsteren Politischen Arena haben die Juden bedeutende Kämpfer und Sieger hervorgebracht. So war Julius Vogel Premierminister und die Herrn Schrimski und Louisson sitzen im gesetzgebenden Rath von Neuseeland, während Mr. Hallenstein einen Sitz im australischen Parlament hat. Zahlreich sind die jüdischen Bürgermeister in Neuseeland gewesen, von denen Dr. Myers die Herren Louis Ehrenfried, Henry Jsaacs und P. A. Philipps besonders hervorhebt. Bezeichnend ist ferner die große Zahl der Juden in den Handelskammern. Von den 5 Mitgliedern, welche Neuseeland zu den allgemeinen Kongreß der britischen Handelskammern delegirt hat, waren zwei jüdischen Glaubens. An der Spitze der bedeutendsten kommerziellen und industriellen Unternehmungen des Landes stehen Juden, und die vom Redner zur Illustration seiner diesbezüglichen Angaben angeführten Namen, wie Hallenstein, Ehrensried, Heymann und Nathan, beweisen überdies, daß diese hervorragenden Juden meistens deutschen Ursprungs sind. Non der Badischen Landessynode. Karlsruhe, 20. Oktober. <y Erster Sitzungstag. 14. d. M. trat die israelitische Landessynode zur dritten ordentlichen Tagung im Sitzungssaals der Zweiten Kammer zusammen. Geheimer Ober-Regierungsrath Bechert eröffnete die Sitzung mit folgender Ansprache: „Im Namen und im Aufträge des grobherzoglichen Oberrathes Heide ich Sie. hochgeehrte Herren, herzlich willkommen. Ist auch die Zahl der Vorlagen, die Ihrer Berathnng und Beschlußfassung unterliegen, eine verhältnißn»äßig kleine, so werden Sie doch Gelegenheit haben, in den Kommissionen wie im Plenum Jhreu Wünschen und Vorschlägen Ausdruck zu geben. Der Voranschlag weist dieses Mal gegenüber dem letzten Voranschlag eine mäßige Erhöhung des Steuersußes aus. Sie dürfen versichert sein, daß die Behörde erst nach reiflicher Ueberlegnng und nach genauer Prüfung aller Verhältnisse zu dem Vorschläge einer Erhöhung gekommen ist. Wir sind davon überzeugt, daß wir damit im Interesse der Landessynode und ihrer Angehörigen gehandelt haben. Ich bitte Sie, unseren Vorschlägen. besonders auch den neuen Anforderungen für soziale Zwecke, Ihre Zustimmung zu geben. Auch bitte ich Sie. den Voranschlag mit dem gleichen Wohlwollen wie früher zu prüfen. Juden» ich wünsche, Gottes Segen möge auf Ihrer Arbeit ruhen, erkläre ich die Sitzung für eröffnet." Alterspräsident Oberrath Kahn-Mannheim übernahm darnach das Präsidium und ernannte die Synodalmitglieder Dr. Hannes und Dr. Dietrich zu Jugendsekretären. Er führte sodann aus: Meine Herren! Ehe wir in unsere Thätigkeit eintreten. wollen wir in gewohnter Weise unseren Gefühlen der Dankbarkeit und Verehrung für unseren Landesfürsten Ausdruck geben. Ich fordere Sie auf. dies zu thun, indem Sie mit mir in den Ruf einstimmen, Seine königliche Hoheit der Großherzog lebe hoch! Die Versammlnng stimmte dreimal irr diesen Ruf ein. Zwecks der Wahlprüfung wurde dann die Sitzung für kurze Zeit unterbrochen. Nach Wiederaufnahme der Sitzung erstattete Rechtsanwalt Dr. Friedberg-Karlsruhe Bericht über die Wahlprüfnngen. Er beantragte. sämmtliche Wahlen für unbeanstandet zu erklären. Der Antrag wurde ohne Debatte angenommen. Es folgten darnach die Wahlen der Präsidenten und Schriftführer. Gewählt wurden: Rechtsanwalt Dr. Hachenburg-Mannheim zum ersten Präsidenten. Rechtsanwalt Dr. Frie d berg-Karlsruhe znm zweiten Präsidenten. Rabbiner Dr. Hannes-Konstanz und Wert- Hein» er-Bühl zu Sekretäre»». Sämmtliche nahmen mit Worten des Dankes die Wahl an. Weiter wurden die Kommissionen gewählt und zwar: die Bndgetkommission, die Verfassungskonnnission, die Kultus- und Uuterrichtskommission und die Petitionskommission. Hierauf erfolgte die Zuweisung der Vorlagen an die einzelner» Kommissionen. Unter anderem »var aus der Mitte der Synode