Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 44 (1.11.1901)
- Date
- 1901-11-01
- Page
- Seite 3 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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3 der Haß ist, um io stolzer wollen wir aus unser Zudenthum sein. Und wahrlich, wir haben ein Recht auf diesen Stolz. Unser Volk hat der Welt das sittliche Ideal gegeben und es zwei Jahrtausende laug mit seinem Herzblut vertreten. Auch heute ist das Judenthum nicht todt, wie Mancher Wohl glaubt. Es lebt in Millionen von Seelen, die nach Freiheit ringeu, die der Welt neue, kostbare Knltnrgeschenke spenden würden, wenn sie sich ungehemmt in ihrer Eigenart ansleben könnten. Kommilitonen! Auch wir wollen uns als treue Söhne unseres Volkes erweisen und uns einer großen Vergangenheit nicht unwürdig zeigen, denn unser aller Kraft wurzelt bewußt oder unbewußt im Judenthnm. Darum wenden wir uns an Euch: besitzt Ihr den Muth und das Ehrgefühl der Jugend, wollt Ihr Eigenmeuschen sein und nicht Nachbeter, so schließt Euch uns an! Wir wollen das Zudenthum als etwas Lebendiges erfassen und ihm unsere Liebe und Begeisterung schenken. Wir wollen uns in die Vergangenheit unseres Stammes vertiefen, nm aus ihr die Gegenwart zu verstehen und die Zukunft anzubahnen. Wir wollen auch unfern Körper stählen, daß er fähig werde, allen Anforderungeil des Geistes zu genügen. Wenn wir so unsere Eigenart als Juden entfalten, werden wir wahrhaft frei werden und uns zu Männern entwickeln, die auch zum Knltursortschritt der ganzen Menschheit das Ihrige beitragen. Darum fordern wir Euch ans: Tretet eia in unfern Bruderbund zum Kampf für Freiheit und Jndenthum! r. Elbing, 25. Oktober. Für das gute Verhältnis;, das sich in der vornrtheilslos denkenden Bürgerschaft unserer Stadt zeigt, ist als Beweis anzusehen, daß bei der Einweihung der neugebauten Annentirche als Gast Herr Rabbiner Dr. Sil berste in zugegen war. Während des Festmahles, dem derselbe ebenfalls beiwohnte, nahm er Gelegenheit, auf die allgemeine Bruderliebe zu toasten, indem er an das bekannte Tischlied Gustav Frehtags, worin letzterer die Vereinigung dreier Konfessionen beim festlichen Mahle zu Ehren seilles Oheims mit der guten Mischung dreier Weine verglich, auknüpfte. Der jubelnde Beifall der Theitnehmer zeigte, daß der Redner verwandte Saiten in den Herzen derselben angeschlagen hatte. — Anläßlich der Versammlung der Chewrah Kadischa am Abend vor Hoschanah Nabbali, wie sie alljährlich stattfindet. gedachte unser Herr Rabbiner in längerer Ausführung Zacharias Frankels, dessen brieflicher Verkehr mit Muhr und dem Minister Eichhorn vor Frankels Ablehnung des ihm angeboteneu Berliner Rabbinats den mit Interesse lauschenden Zuhörern bekannt gegeben wurde. Am erstell Tage des Schlußfestes dagegen wurden die Verdienste Zacharias Frankels um das Judenthum und die jüdische Wissenschaft in der Predigt gewürdigt. x. Liffa t.P.. 20. Oktober. Die Wahl eines Stiftsgelehrten der Sachs'schen Stiftung und zugleich Rabbinatsassessors der hiesigen Gemeinde all Stelle des Herrn Rabbiner Dr. Immanuel Deutsch (jetzt ill Breslau) ist bis nach dem Neubau des SListungshauses, der sich als unumgänglich uothwendig herausgestellt hat, vertagt worden. — Am 6. d. M. veranstaltete unser L i t t er a t u rvere i n eine Simches- Thora-Feier, die in einem schönen Vortrage des Vereinsvorsitzenden, Herrn Rabbiner Dr. Bäck, Gesangsvorträgen, Theater, Tanz u. s. w. bestand und einen außerordentlich allgenehmen und gemüthlichen Verlauf nahm. Xp. A»rs der Provinz Posen, im Oktober. Die Repräsentanten der Shnagogengemeinde Wreschen wählten kürzlich den Rentier Herrn an nMirels zum ersteil Gemeindevorsteher und die Kaufteute L o u is Türk und Joseph Gans zu Vorstandsmitgliedern. — In Samter ist kürzlich im Alter voll 70 Jahren Frau Fritze Berg gestorben; dieselbe war Ehrenmitglied des dortigen israelitischen Frauenvereins.— Der Vorstand und die Repräsentanten des israelitischen Wohlthätigkeitsvereins ill Buk haben in ihrer jüngst stattgehabten gemeinschaftlichen Sitzung beschlossen, den Kaufmann Moritz Byk in Brocklyn, Sohn der Wittwe Byk ill Buk, in Anbetracht der namhaften Geldbeträge, die er zum Synagogenbau und nunmehr auch zur Erweiterung des Friedhofes gespendet hat, zum Ehrenmitglied zu ernennen. Der Wohlthätigkeitsverein hat ill einer Generalversammlung neulich 2000 Mark zur Friedhofserweiternng gespendet. — In Schwarzenau ist kürzlich im Alter von 62 Jahren der Hotelbesitzer Witkowski gestorben. Derselbe war eine lange Reihe voll Jahren Stadtverordneter uild Vorsteher der dortigen Syuagogengemeiude. — In der Provinz Posen sind neuerdings wieder zwei jüdische Lehrstellen einllegangen, lind zwar in No gasen und Wr eschen durch Versetzung des Hanptlehrers und Rektors Cohn nach Berlin resp. durch Penstoilirnng des Lehrers Wolf. Die dreiklassige Schule ill Nogasen ist zweiklassig und die in Wreschen einklassig geworden. Der Grund der Einziehung beider Schulstellen ist in beiden Fällen in der abnehmenden Schnlerzahl zu suchen. Auch in anderen Gemeinden sind gleiche Fälle zu erwarten, sobald durch irgend welche Umstände Vakanzen eintreten. — In Lissa hat Kürschnermeister Wolfs Bildhauer, der 34 Jahre Berather der Wollheim'schen Stiftung gewesen, dieses Amt mit Rücksicht ans sein hohes Alter niedergelegt. An seine Stelle hat das Kuratorium den Kaufmann Verthold Nürnberg gewählt. 8t. Breslau, 27. Oktober. Das jüdisch-theologische Seminar veranstaltete heute einen Festaktns zur Feier des hundertsten Geburtstages seines ersten Direktors, Dr. Zacharias Frankel. Außer Kuratoren, Lehrerkollegium und Hörerschaft hatten sich dazu ill der Aula, ill der man das Bild Frankels mit frischem Grün geschmückt hatte, das Nabbiuat der jüdischen Gemeinde, Professor Dr. Freudenthal, Professor Dr. Badt, Professor Dr. Leopold Eohll sowie eine Allzahl sonstiger geladener Gäste eingefunden. Die Feier wurde durch den rezitativen Vortrag eines Psalms durch Chor und Oberkantor der alten Synagoge stimmungsvoll eröffnet. Alsdann ergriff Herr S e m i n a r r a b bin er D r. Levy, ein Schüler des Gefeierten, das Wort zur Festrede und schilderte in einstündigem Vortrag den Werde- und Entwickelnngsgang des großen Lehrers und Meisters ill geistvoller Weise. Ueber zwei Jahrzehnte hat er hier als Leiter und Lehrer gewirkt zum Segen der jüdischen Wissenschaft und des deutschen Judenthums. Was Frankel in Breslau geschaffen, das hat mall an gar vielen gleichartigen Anstalten des In" lllld Auslandes sich zum Muster genommen. All den meisten voll ihnen wirken Männer, die zu seinen Füßen gesessen und nun gleich den als Rabbiner und Lehrer wirkenden Schülern seinen Geist in weite Fernen hinaustragen und verbreiten. Der Redner verfehlte nicht, Persönliche Erinnerungen einznflechten. Mit dem Vortrage eitles Psalms schloß die weihevolle und erhebende Gedenkfeier. Iu. Hannover, 27. Oktober. Am 25. d. M. starb unser allverehrter 1. Vorsteher, Herr Julius Kanffrna nn, im 72. Lebensjahre. Die Gemeinde bedauert und betrauert den Verlust. Ein Bericht über den Lebensgang des Verblichenen und über die Bestattung, die Montag stattfand, wird noch folgen. N. Hamburg, 20. Oktober. Der schon längst gehegte Plan, in unserer Stadt eine große Synagoge vor dem Dammthor (Pöseldorf) zu errichten, geht jetzt endlich der Verwirklichung entgegen. Durch die Statistik ist nachgewiesen, daß der größte Theil der Hamburger-Israeliten jetzt vor dem Dammthor sein Domizil hat, während die jüdischen Familien, die ihren Wohnsitz in der inneren Stadt haben, nur einen geringen Prozentsatz bilden. Die Gemeindesynagogen sind jedoch ill der inneren Stadt belegen, während vor dem Dammthor sich nur kleinere Gotteshäuser befinden. Das Projekt, eine große Gemeindesynagoge vor dem Dammthor zu bauen, scheiterte bisher immer an der Geldfrage. Jetzt endlich ist es dank der Initiative unseres Oberrabbiners gelungen, die reichen Gemeiudemitglieder zu bestimmen, größere Summen für den Van zu zeichnen. Das Resultat dieser Zeichnungen war ein überraschend günstiges. Der größte Theil der zuerst nothwendigen Baugelder ist gezeichnet, die Gemeinde selbst wird eine größere Summe beisteuern, und ill nicht allzulanger Zeit wird in der vornehmsten Gegend vor dem Dammthor (als Bauplatz ist, wie verlautet, ein Terrain in der Schlüterstraße in Aussicht genommen) ein der Hamburger Gemeinde würdiges Gotteshaus errichtet werden. Die Synagoge ist als Monumentalbau gedacht und soll an Schönheit die übrigen Gotteshäuser der Gemeinde überragen. Nach Fertigstellung des Baues wird die in der Elbstraße befindliche Gemeindesynagoge geschlossen werden, das sich dort befindliche werthvolle Terrain eignet sich vorzüglich zu Bauplätzen. VS-A Karlsruhe, 15 Oktober. Zum dritten Male <1895, 1898, 1901) tagte seit gestern im Ständehaus in Karlsruhe die israelitische Landessynode des Großherzogthums Baden. Vor Beginn der Sitzung wurde ein Festgottesdienst mit Predigt ill der Synagoge abgehalten. Die Eröffnung der Synode geschah im Anstrage der Regierung durch den Geheimen Oberregiernngsrath Becherer. Zum ersten Präsidenten wurde Rechtsanwalt Dr. Hachenburg-Mannheim und zum ersten Vizepräsidenten Rechtsanwalt Dr. Friedberg-Karlsruhe gewählt. Zu Sekretären wurden ernannt Dr. Hannes-Konstanz und Werthenner in Bühl. Der Präsident theilte mit, daß aus der Mitte der Versammlung die Anregung ergangen sei, an den ehemaligen Staatsminister