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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-11-01 · Heft 44 (1.11.1901) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 44 (1.11.1901)
Date
1901-11-01
Page
Seite 4 (sequence 18)
Language
German
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Dr. Nok, eine Adresse abzusenden. in welcher dem langjährigen bewährten Leiter des Kultusministeriums der Dank ausgesprochen wird für die Förderung und Unterstützung, die derselbe den Knltnsangelegen» heiten der israelitischen Gemeinden hat angedeihen lassen. In der heutigen zweiten und letzten Sitzung der israelitischen Synode wurden eine Reihe interner Angelegenheiten und nach kurzer Debatte das Budget erledigt, bei dem 45 750 M. jährlich durch Umlage zu decken sind. Mit besonderer Genugthnung wurde die Einstellung von 9000 M. für soziale Zwecke begrübt, die besonders dafür verwendet werden sollen, ein Lehrlingsheim zu gründen. Nach Wahl des Syuodalausschnsses wurde die Tagung gegen 2 Uhr geschlossen. Darmstadt, 22. Oktober. Als erste jüdische Lehrerin in Hessen wurde mit Beginn des Wintersemesters Fräulein Anna Oppenheimer. Tochter des Herrn Kantors Oppenheimer von hier, an der hiesigen Mädchenmittelschnle angestellt. Den beiden anderen jüdischen Lehrkräften, die an den Darmstädter Schulen staatlich angestellt sind, den Herren Stern und Sandheimer, wurde bei der Nenregulirung der Gehalte ihre gesammte, im privaten (Neligions-> Schuldienst verbrachte Dienstzeit ungerechnet. Oesterreich - Ungarn. LI Wien, 28. Oktober. Die Rabbiner-Frage kommt bei uns wieder ins Rollen. Der Vorstand hat eine Notableuversammlung eiuberusen, der der Wunsch des Herrn Dr. Güdemann vorgelegt wurde, Dr. Feuchtwang in Nikolsbnrg als Stellvertreter oder Hilssprediger zu wählen. Die Versammlung hat jedoch diesen Wunsch nicht berücksichtigt, sondern mit großer Majorität eine Resolution angenommen, die den Gemeindevorstand beauftragt, bestimmte Vorschläge wegen Neubesetzung einer dritten Rabbinerstelle zu machen. Diesem Ansinnen wird sich der Vorstand auch kaum noch länger entziehen können. — Das Erkenntnibgericht in Neu-Sandec hat den Grnndbesitzerssohn Joseph Hajduk wegen Entführung des siebzehnjährigen Judenmädchens Rachel Ring, die er nach Krakau in das Felicianerinnen- Kloster brachte, wo sie sich noch jetzt zur Vorbereitung für die Taufe aufhält, zu einem Monate schweren, mit Fasten verschärften Kerkers vernrtheilt. — In dem Lektions-Katalog der Wiener Universität für das Wintersemester ist der Name des außerordentlichen Professors der klinischen Propädeutik, Dr. Samuel Stern, nicht mehr zu finden, der am 16. September 1900 das siebzigste Lebensjahr erreicht hatte und nach dem Ehrenjahre voll seinem Lehramte zurückgetreten ist. Samuel Stern wurde 1830 zu Halasz in Ungarn geboren und 1854 in Wien zum Doktor der Medizin promovirt. Im Jahre 1861 habilitirte er sich als Privatdozeut an der Wiener medizinischen Fakultät und wurde 1870 außerordentlicher Professor. Frühzeitig erregte er die Aufmerksamkeit der bedeutendstell medizinischen Autoritäten an der Wiener medizinischen Schule. Besonders Rokitansky setzte große Erwartungen auf die wissenschaftliche Zukunft Stern's, welche dieser durch eine Reihe bedeutsamer Arbeiten rechtfertigte. Seiner Bethätigung als Forscher lind Denker entspricht sein Wesen als Mensch und Arzt. Nie hat er nach äußerer Ehre gestrebt, und eine an Schüchternheit grenzende Bescheidenheit und Zurückhaltung hat ihn um manchen äußeren Erfolg gebracht. Er fand das Glück in seinem Berufe, den er stets als ein priesterliches Amt ausgefaßt hat. — Herrn Joses Neu selb, dem langjährigen Vizepräsidenten des Schiedsgerichts an der Effektenbörse wurde das Ritterkreuz des Franz Josephs- Ordens verliehen. — Der Rabbiner Dr. Moritz Pollak wurde zum Feldrabbiner zweiter Klasse in der Reserve ernannt. — Alls Przemysl wird uns berichtet: Am 23. September d. I., am jüdischenVersöhnungstage, wurde ans dem Elternhause ein junges Mädchen Namens Bittet von einem griechisch-katholischen Geistlichen entführt und in einem Kloster internirt, wo das jüdische Mädchen dem Christenthum zugesührt werden sollte. Irr Folge energischer Intervention seitens der Eltern haben die Behörden den Aufenthaltsort des Mädchens ausfindig gemacht. Das Mädchen war in einem rnthenischen Kloster in Przemysl uutergebracht; nunmehr ist das Mädchen den Eltern zurückgegeben worden. Kon Nah und Fern. — Die Kaiserin hat der Frau Emilie Mosse das silberne Franenverdienstkreuz am weißen Bande, den Herren Sanitätsrath Dr. W. Hamburger hier, Kreisphysikus Dr. Wolfs in Löbau und Kommerzienrath Kirchdörfer in München die Rothe Kreuzmedaille III Klasse verliehen. — Kounuerzienrath Eduard Arnhold, der Mitinhaber der Firma Cäsar Wollheim, ist zum Geheimen Kommerzienrath ernannt worden. — Die jüdische Gemeinde Anger münde hatte gegen die Stadtgemeinde beim Bezirksausschuß um Aufhebung des Schächtverbots geklagt. Die Klage wurde jedoch abgewiesen. — In Preuzlau ist am 28. d. M. der Sanitätsrath Dr. Julius Grosser im 66. Lebensjahre gestorben. -- In Frankfurt a. O. ist Dr. med. Glaser, bisher Chefarzt des hiesigen alten städtischen Krankenhauses, znm dirigireuden Arzt für die chirurgische Abtheilung des neuen städtischen Krankenhauses ernannt worden. Aus Anlaß der Einweihung des Krankenhauses überreichte der Oberpräsident von Bethmann Hollweg Herrn Dr. Glaser denKronenorden IV.Klasse.— Es liegen Meldungen vor, daß Israeliten, die österreichische Staatsangehörige sind, auch aus den Posen scheu Proviuzstädten ausgewiesen wurden. Gesuche um längere Anseuthaltsgewährung hatten indeß theilweise Erfolg. — In Rosenberg O.-S. wurde, obwohl die Kultusbeamtenstelle zur Neubesetzung ausgeschrieben war, Herr Lehrer K. Haase einstimmig in Anbetracht seiner zufriedenstellenden Amtsthätigkeit als Neligionslehrer und Prediger wiedergewählt. — Der Prozeß des antisemitischen Abgeordneten Werner gegen den Redakteur Erdmanusdörsfer wurde in Kassel am 22. d.M. verhandelt. Der Beweis für die Behauptung Ecdmannsdörffers, daß der antisemitische Abgeordnete Werner für den jüdischen Journalisten Hamburger gegen Bezahlung Berichte geliefert habe, und seine weitere Behauptung, daß Werner, als er diese Thatsache ableugnete, sich der bewußten Unwahrheit schuldig machte, wurde als erbracht angesehen und Erdmanusdörsfer deshalb in diesem Hauptpunkte freigesprochen. Wegen einer spöttischen Brieskastennotiz von nebensächlicher Bedeutung wurde Erdmanusdörsfer aus formaljuristischen Gründen zu 50 Mark Geldstrafe verurtheilt. — Am 24. d. M. fand im israelitischen Seminar zu Kassel die mündliche zweite Lehrerprüfung vor der königlichen Prüfungskommission statt. Die Kommission bestand aus dem Provinzialschulrath Dr. Otto als Vorsitzeirden, dem Vertreter der königlichen Negierung Geheimen Negierungs- und Schulrath Sterukopf, dem Landrabbiner Dr. Prager sowie dem Seminarlehrerkollegium. Die sechs angemeldeteu Lehrer. Emauuel-Herue, Kahn-Lichteuau, Katz-Ottweiler, Spier-Paderborn, Weil-Schweich und Weiler-Brakel, bestanden sämmtlich die Prüfung und erlangten dadurch ein Anrecht auf definitive Anstellung. — Der in Riva voll einem Irrsinnigen ermordete Landrichter Dr. Ladenburger wurde in Mannheim, seiner Heimathstadt, am 24. d. M. aus dem israelitischen Friedhose beerdigt. — Die „Schweizer statistische Monatsschrift" veröffentlicht interessante Daten aus der Kriminalstatistik in der Schweiz. Danach waren au der Zahl der in den Jahren 1892—1900 bestraften Verbrecher die Juden betheiligt mit 42 Personen gegen 8771 Protestanten und 5788 Katholiken. Die 42 Juden verthellen sich auf folgende Kantone: Zürich 11 Personen. Bern 8, Luzern 2, Solothurn 1. Baselstadt 1, Baselland 3, St. Gallen 1, Aargau 1, Waadt 2, Nenenburg 1. Genf 3, ferner waren 2 Ausländer, und von 7 ist das Heimathland unbekannt. Alle 42 Personen waren Männer, 14 davon hatten höhere Schulbildung, nur 1 Analphabet ist dabei. — In der letzten Monatssitzung der ^l. O. zu Paris wurde beschlossen, in dem Verwaltungsrath das neue Amt eines Vizepräsidenten zu kreireu. Es hat sich dieses Amt als nothwendig herausgestellt, da es einmal vorgekommen ist, daß eine Monatssitzung wegen Krankheit des Präsidenten, Herrn Narcis Lev eil, allsfallen mußte. Die Wahl fiel auf den Generalkonsul PhilipPson - Brüssel, der die Brüsseler jüdische Gemeinde in: Nathe der 3. O. vertritt. — Der neue Prozeß Blondes in Wilna wird auf Befehl des Senats vor einem anders zusammengesetzten Gerichtshöfe am 22. November zur Verhandlung gelangen. Bekanntlich wurde der jüdische Perrückenmacher Blondes aus Wilna wegen angeblichen Mordversuches auf sein christliches Dienstmädchen Grudziuskaja vom Wilnaer Kreisgerichte zu 1^2 Jahren Gefäuguiß verurtheilt. Das Urtheil wurde jedoch auf die Berufung des Vertheidigers vom Senat verworfen. Indessen schmachtet jedoch das unglückliche Opfer der polnischen Antisemiten, welche den russischen Juden durchaus einen neuen Ritualmord anhängeu wollten, schon länger als 18 Monate in der Untersuchungshaft. — Es soll demnächst der Versuch gemacht werden, einen Theil der jüdischen Auswanderer aus Rußland nach Mexiko abzulenken. Man will etwa 65000 Inden, die willig und fähig silld, Ackerbau zu betreiben, in der Republik ansiedeln. Die erste jüdische Niederlassung wird im Staate Sonora eingerichtet werden, wo man für den Zweck bereits 1000000 Acker angekaust hat. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz Ln Berlin.

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