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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-11-01 · Heft 44 (1.11.1901) · p. Seite 522

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 44 (1.11.1901)
Date
1901-11-01
Page
Seite 522 (sequence 8)
Language
German
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522 des Oberschlesischen Bezirks lebenden jüdischen Familien zngewendet. Wir kommen bei dem Referat, welches Herr Amtsgerichtsrath Glogauer über diesen Punkt erstattete, auf die Schwierigkeiten zurück, welche der Förderung des jüdischen Religionsunterrichts entgegenstehen. Der Herr Vorsitzende konnte es sich jedoch nicht versagen, in seinem allgemeinen Geschäftsberichte der Verdienste des Herrn Amtsgerichtsrath G. um die Förderung des Unterrichts zu gedenken und ihm den Dank des Verbandes ansznsprecheu. Nachdem die Revisionskommission über die Prüfung der Verbands- und der Waisenhausrechunngen Bericht erstattet, und auf ihren Antrag den Herren Rechnungsführern Decharge ertheilt war, wurde zunächst der Etat für das Nybniker Waisenhaus pro 1901 1902 festgestellt und genehmigt, welcher in Ausgabe und Einnahme mit 14890 M. abschlieszt. In gleicher Weife erfolgte die Festsetzung des Haushaltsplanes des Gemeindeverbandes für das lausende Geschäftsjahr in Höhe von 1900 M. Die Steigerung die dieser Etat erfahren hat (gegen das Vorjahr 830 M.), ist durch die nothwendig höheren Aufwendungen für den Religionsunterricht entstanden. Zur Deckung der Mehrausgaben schlägt der Verbaudsansschnsz eine Erhöhung derBeiträge der größeren Gemeinden vor, wofür ein Vertheilungsplau entworfen worden ist. Nach Erledigung dieser Fiuauzfrage erstattete Amtsgerichtsrath Glogauer seinen Bericht über die Bestrebungen zur Einführung eitles geregelten Religionsunterrichts. Die Kommission, welche zu diesem Zwecke eingesetzt war, hatte zunächst eine Umfrage veranstaltet, um eine Uebersicht über das zu leistende Werk zu gewinnen und die erforderlichen Mittel zn erkennen. Ter an 27 Gemeinden gerichtete Fragebogen wurde nur von 17 zustimmend beantwortet; acht Anschreiben blieben ganz unbeantwortet, von einer Seite wurde das Anerbieten der Kommission gänzlich zurückgewiesen. Nach Verständigung mit dem Nabbinerverbande wurde alsdann all die Einrichtung des Unterrichts herangetreten, und seitens der Herren wurden die erforderlichen Revisionen allgestellt; das Ergebnisi derselben ist vorläufig ein noch wenig genügendes, da es au den meisten Orten den mit dem Unterrichte betrauten Personell all der uothigen Qualifikation und Lehrgefchick mangelt. Auch fehlt überall ein Lehrplan, der dem Lehrer den Weg vorzeichnet und ihm die Methode an die Hand giebt. Der Erfolg des Unterrichts wurde weiterhin stark beeinträchtigt durch das mangelhafte Interesse der Eltern und in Verbindung hiermit durch den schlechten Schulbesuch. Es steht jedoch zu Hoffell, dasi, wenn die Herren Rabbiner die übernommene Aufgabe der Revisionen eifrig sortsetzen, sie hierdurch wie durch die von ihnen zu haltenden Wauderpredigten, die illl vorigen Jahre in vier Gemeinden stattfauden, das edle Werk des Religionsunterrichts segensreich fördern können. Für das kommende Geschäftsjahr ist eine erhebliche Erweiterung des Unterrichts und Ausdehnung desselben auf noch nicht damit bedachte Orte in Aussicht genommen. Zu dem Berichte des Herrn Vorsitzenden Rechtsanwalt Schüller sei hier noch eitles Punktes Erwähnung gethan. Der Verbandsausschnß hat mit Erfolg zn Gunsten eines Beamten vermittelt, der an seiner Gesundheit Schaden gelitten und infolgedessen ohne Pension des Amtes verlustig gegangen war. Ohne das Vorhandensein des Gemeilldeverbandes wäre der arme Mann jeder Unterstützung beraubt gewesen. Jnl weiteren Verlags der Tagesordnung wurden mehrere Wahlen erledigt. Alsdann ergriffHerr Amtsgerichtsrath Glogauer wiederum das Wort zn seinem Bericht über „den allgemeinen Indeniag". Der Berichterstatter hatte in Vertretung des Verbandsvorsitzendeu dem in Berlin abgehaltenen Indentage beigewohnt und schilderte den Verlauf desselben in ausführlicher Darstellung. Das Schicksal, das dem geplanten Indeutage vor allem durch die von Süddentschland ansgegangene Gegenströmung bereitet wurde, ist ja noch in frischem Gedächtnis die Ablehnung jedoch, die der Indentag erfahren, hat das Interesse für denselben keineswegs allsgehoben. Die Aufmerksamkeit, die der Referent auch bei diesem Gegenstände fand, sowie die sich allschließende Debatte zeugten von reger Theilnahme. Der Eindruck, den die Zuhörer allgemein aus den Ausführungen des Referenten wie ans der Debatte gewonnen haben, ist mehr der Organisation eines allgemeinen Iudentages geneigt; mindestens aber müßte der voll Herrn Iustizrath Breslauer gestellte Antrag zur Ausführung gelangen: „Eine nachmalige Revision der Statuten vorznnehlnen, die bisher noch außerhalb stehenden Vereinigungen und Verbände znscnnmenzuschließen und alsdann einen neuen Judentag einzuberusen." In vorgerückter Stunde nahm hierauf Amtsgerichtsrath Levh. Beuthen das Wort zu Punkt 10 der Tagesordnung: „Der Hilfsverein der deutschen Inden und seine Bedeutung für Oberschlesien." Der Herr Referent gehört den: Komitee an. das sich die Gründung eines Hilfsvereins der deutschen Inden zur Aufgabe gestellt hat. In, soweit dies möglich, gedrängter Kürze schilderte er die Bedeutung der geplanten Hilsseinrichtung, ihr Verhältniß zu den bereits bestehenden ausländischen Institutionen und die Bedeutung eines Deutschen HilfsvereinS insbesondere für Oberschlesien. Die Versammlung folgte auch diesen Ausführungen mit gespannter Aufmerksamkeit; von einer ausgedehnten Debatte jedoch wurde Abstand genommen, wie auch ein Beschluß über die zu dem Hilssverein zu nehmende Stellung nicht beliebt wurde. Die Versammlung neigte allgemein Zn der Ansicht, der Bildung des Hilssvereins abwartend gegenüber zu verbleiben. Nachdem der letzte Punkt der Tagesordnung, die Beseitigung der Wanderbettelei betreffend, heilte abgesetzt nnd der nächsten Generalversammlung überwiesen war, wurde denl Vorstande und im Besonderen dem Vorsitzenden der Dank der Versammlung ausgesprochen, und nach Verlesung des Protokolls wurden die Verhandlungen geschlossen. Ein solennes Festmahl vereinigte sodann die Theilnehmer all der Versammlung, denen sich mehrere Mitglieder der Königshütter Gemeinde allschlossen. Vorzüglich durchdachte Tischreden würzten das schölle Mahl, bei dem wir jedoch den hochverdienten Verbandsvorsihenden eitles Tranerfalles wegen vermissen mußten. Doch sei Herrn Rechtsanwalt Schüller all dieser Stelle noch einmal für die treffliche Leitung der Versammlung und ihm, wie seinen Kollegen im Verbandsvorstande für die mühevolle Arbeit, die sie der schönen und segensreichen Vereinigung widmen, von Herzen gedankt. Wie Ritualmordlegenden entstehen. Von Richard Lichte» stei». as „Bayerische Vaterland" brachte in Nummer 217 folgende Erzählung: „Im 11. Heft der Schriften des Vereins für Geschichte der Neumark" (Landsberg, Warthe 1901) ist auf den Seiten 178/179 zu lesen: Zeitungs-Relationes in den Jahren 1730—1757 (auf Verlangen des Königs). Ew. Königl. Majestät berichte» wir hierdurch alleruiiterthänigst, daß jüngsthin aus Posen, sowohl von dem H. Woiwoden von Brest als dem Magistrate dieser Stadt Briefe eingelaufen, welche mitgebracht haben, daß die Inden daselbst ein arines Weibstück dahin beredet, daß sie ein Christenkind auf der Juden Kirchhos aufgreifen und ihnen verkaufen müssen, welchem sie die Adern geöffnet und solcher gestalt umgebracht, nachher aber außerhalb der Stadt in einen Strauch geworfen und soll bei dieser Handlung ein Jude Jakob Wolfs allhier gewesen sich aber den Tag nach seiner Ankunft auf der Soldinischen Post den Nahmen Levin Benjamin gegeben und weiter gegangen. Wir verharren pp. (ohne Datum). Ans dein Magistrats-Archiv der Stadt Landsberg (Warthe). — Wie sagte doch der Herr Staatsanwalt am Landgericht I zn Berlin? „Für einen gebildeten Menschen giebt es überhaupt keinen Ritualmord." Der eitirte Sachverhalt stimmt wörtlich mit dem von Pfarrer A. Rackwitz in den Schriften des Vereins für Geschichte der Neumark unter der Ueberschrist „Zeitungs-Relationes in den Jahren 1736-1757" wiedergegebenen Thatbestande überein. Im Wesentlichen ist den Mittheilungen des Pfarrers zu entnehmen, daß Friedrich der Große, um über alle Vorkommnisse in seiner Monarchie — es ist die Zeit des Polizeistaates! — unterrichtet zn sein, durch eine Verfügung der Kriegs- und Domänenkammer zu Küstrin den Magistrat wiederholt ersuchte, alle Neuigkeiten, die sich ereigneten, un-

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