Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 43 (25.10.1901)
- Date
- 1901-10-25
- Page
- Seite 3 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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3 aus, daß es eine jüdische Kunst im eigentlichen Sinne nicht gebe und auf Grund des Gesetzes Moses nicht geben könne, das zwar nicht kunstfeindlich sei, aber den Götzendienst durch das Gebot „Du sollst dir keinerlei Bildnis; machen u. s. w." habe verhindern wollen. Es könne sich also nur um die Beantwortung der beiden Fragen handeln, welche Stoffe und welche Künstler das Jndenthmn der bildenden Kunst der Welt gegeben habe. Eine überraschende Fülle von Material trete bei Untersuchung dieser Frage zu Tage. In allen Ländern und zu alleu Zeiten hätten hervorragende christliche Künstler ihre Stoffe der jüdischen Geschichte entlehnt, ja, der biblische Stoffkreis der Inden hätte sich sogar No:n, den Vatikan und die sixtinische Kapelle erobert. Von einem Mitbewerb jüdischer Künstler habe natürlich erst von der Zeit an die Rede sein können, als die Bahn frei geworden sei für die Betheiligung der Juden am Kulturleben iin Allgemeinen. Redner nennt unter den Koryphäen der Kunst, voll denen allein in dem engen Nahmen eines Vortrags natürlich nur die Nede sein könne, Philipp Veit, einen Enkel Moses Mendelssohns, Munkacsh, Israel, Antokolsky, Ury, Becker, Louis Korinth, Max Liebermann u. v. A. und giebt in außerordentlich interessanter Weise einen Ueberblick über die voll ihnen geschaffenen hervorragenden Kunstwerke, die ihnen eilten bleibenden Namen in der Geschichte der Kunst sichern. Viele voll diesen Kunstwerken seien erst ganz verständlich. wenn mall die Zugehörigkeit der Künstler zum jüdischen Glauben kenne. Denn aus dem Nationalitätsgefühl Heralls, dem Gefühl der unbewußten Sehnsucht und dem Gefühl, bedrückt, unterdrückt. verfolgt und gequält zu sein, hätten sie namentlich bei Motiven aus dein jüdischen Leben, Typen geschaffen, die eine ergreifende Sprache zu dem Beschauer redeten. Auf die Gegenwart übergehend, betont der Redner, daß die Antheilnahrne der Inden an der bildenden Kunst erfreulicherweise eine immer größere werde, und daß jüdische Gelehrte sich der Pflege der deutschen Kunst widmen. Von einer national-jüdischen Kunst könne aber erst die Rede sein, wenn unseren jüdischen Künstlern Gelegenheit geboten würde, ihre Glinst all großen nationalen Motiven zu erproben. Der Vortrag 'and allseitig lebhaften, wohlverdienten Beifall. Königsberg, 15. Oktober. Dr. med. I. Nosenstock hat sein Amt als Stadtverordneter nach fast dreinndzwanzigjähriger Thätigkeit niedergelegt. Es ist bekannt, daß Dr. Nosenstock trotz seiner vierundsiebzig Jahre nicht etwa wegen körperlicher Gebrechlichkeit oder gar wegen mangelnden Interesses für die Weiterentwickelung unseres Gemeinwesens sich aus der Oeffeutlichkeit zurückzieht, — sein einziger Grund ist vielmehr die Wahl eines seiner Söhne zum Mitglieds des hiesigen Magistratskottegiulns. Dr. Nosenstock ist stets ein leuchtendes Vorbild aller hohen Bürgertugenden gewesen, ein nie ermüdender Vorkämpfer für die dem Wohl der Allgemeinheit gewidmeten Bestrebungen unserer Zeit. Das Vertrauen seiner Mitbürger berief ihn bereits 1878 in die Stadtverordnetenversammlung, und diese wählte ihn 1891, nach dem Rücktritt des später verstorbenen Kommerzieuraths Weller, zu ihrem Vorsteher. Sieben Jahre lang hat er dieses allspruchsvolle, viel Takt und Umsicht erfordernde Ehrenamt mit Auszeichnung bekleidet. Die Aera Nosenstock ist ein Ruhmesblatt in der Geschichte unseres städtischen Parlaments. Herr Dr. Nosenstock hat durch seine gleichmäßig ruhige und sachgemäße Leitung zur Förderung der Geschäfte wie zu dem guten Einvernehmen zwischen Magistrat und Stadtverordnetenversammlung stets in hervorragendem Maße beigetrageu: in sicherem Anschluß all das Prinzip der kommunalen Selbstverwaltung, in strengem Gehorsam gegen die Gesetze des Staates und der Stadt, die ihn auch jetzt einzig nnd allein bestimmen, der öffentlichen Bühne Valet zu sagen. Was er in sein Privatleben mit hinüber nimmt, ist daS schöne Bewußtsein voller Pflichterfüllung, aber auch ein noch reichliches Maß körperlicher Rüstigkeit und eine seltene Geistesfrische. Divschau, 18. Oktober. Am 2. v. M. fand die Versammlung des Verbandes der West P reuß i s ch en Rabbiner, dem sämmtliche Kollegen der Provinz angehören, in D i rs ch a u statt. Gegen 8 Uhr fanden sich die Mitglieder, von denen nur drei theils durch Unwohlsein, theits durch Amtsgeschaste fern geblieben waren, im Centralhotel ein. Der Vorsitzende Rabbiner Dr. Nosenberg - Thorn begrüßte die Erschienenen und erstattete den Jahresbericht. Ans demselben ist hervorzuheben, daß der in der Versammlung vom 2. September 1900 in Graudmz endgiltig sestgestellte Normallehrplan dem Vorstand des Verbandes der Synagogen gemeinden Westprenßens eingereicht und rch diefln im Druck veröffentlicht wurde. Nach einem gleichfalls auf der vorjährigen Versammlung gefaßten Beschluß hat der Vorstand des Gemeiudeverbaudes an die demselben zugehörigen Gemeinden das Ersuchen gerichtet, daß sie ihre Beamten auch in der Eigenschaft als Schächter den die Revision des Unterrichts ausübenden Rabbinern unterstellen sollen. Der überwiegend größte Theil derVerbandsgemeinden machte von diesem Vorschlag Gebrauch. Hingegen konnte der damals voll dem Unterzeichneten eingebrachte und von der Versammlung angenommene ^Vorschlag, daß der Westpreußische Genieindevcrband die mit Hilfe des Posener Verbandes unterhaltene Schule für Kantoren nnd Schächter unter Leitung des Herrn Oberrabbiuer Dr. Feilchenfeld auch seinerseits unterstützen solle, damit deren Zöglinge auch unserer Provinz überwiesen würden, nicht zur Ausführung kommen, da dem Gemeindeverband hierfür nicht gellügend Mittel zur Verfügung stehen. Es wird beschlossen, die Angelegenbeit behufs Förderung bei günstiger Gelegenheit im Auge zu behalten. Im Laufe des Vereiusjahres ist Herr Rabbiner Dr. Loevy-Graudenz als Mitglied eingetreten und wird als solches vom Vorsitzenden begrüßt. Der Kassenbericht, erstattet von Herrn Dr. Gnttmann-Culm, ergab einen Baarbestand von 71 M Einen weiteren Gegenstand der Verhandlungen bildete die Stellung' des Verbandes zu dem früher bestandenen Nabbiuerverband für Ost-und Westpreußen und Pommern. Die Versammlung beschließt, daß der Westpreußische Verband sich als ganz selbstständig betrachtet, und es ablehnt, mit dem genannten Verein eine Verbindung einzugehen. — Ans Antrag des Kollegen Dr. Nordheimer-Schwetz wird dem Vorstand aufgegeben, behufs einheitlicher Erwähnung des Religionsunterrichts in den Programmen der höheren Lehranstalten sich zu informiren, ob nach den hierfür geltenden Prinzipien eine allgemeine Regelung dieser für das Allsehen des Religionsunterrichts so wichtigen Frage herbeizuführen wäre. Nachdem noch einmal die Verthcilung der Verbandsgemeinden in den einzelnen Nevisionsbezirken eingehend berathe und festgesetzt worden war. beschloß die Versammlung, zwecks Förde rung der wissenschaftlichen Anregungen folgende Zeitschristen unter den Mitgliedern zirkuliren zu lassen : Monatsschrift sür Geschichte und Wissenschaft des Jnd enthllms, Zeitschrift für hebräische Bibliographie und Stades Zeitschrift für alttestamentliche Wissenschaft. Ein voll Dr. Eppenstein-Vriesen angekündigtes Referat über I. Halevy Doroth Harischonim konnte sich bei der vorgerückten Zeit nur auf die nothwendigsten Angaben über dieses jedenfalls bedeutsame Werk beschränken. — Während der Verhandlungen wurde die Versammlung vom Vorstande der Synagogengemeinde Dirschau begrüßt und zu einem Zusammensein eingeladen. Jedoch konnte der liebenswürdigen Aufforderung wegen der für die Kollegen noch an demselben Abend nothwendigen Abreise nicht mehr entsprochen werden. Der Schriftführer I. V.: Dr. Cppenstein, Briefen, Westpreußen. Gleiwitz, 17. Oktober. Am 14. d. M. fand Hierselbst eine Vorbesprechung der Oberschlesischen Vertrauensmänner des a llgem einen Kantorenve rband es statt. In derselben wurde beschlossen, sämmtliche Kantoren Schlesiens zu einer konstitnirenden Versammlung zwecks Gründung eines schlesischen Zweigverbandes auf Montag den 4. November nach Gleiwitz einzuladen. Die Versammlung beginnt um 1 Uhr Nachmittags und findet im Sitzungssaale der Synagogengemeinde statt. L. L. Münster, 20. Oktober. Am 15. d. M. wurden es 25 Jahre, seitdem Herr S e m ina r l ehr e r Jacob Feinstein all der Marks- Haindorfjchen Stiftung thätig ist. Am Vorabend des Jnbilänmstages brachten ihm die Seminaristen der Anstalt unter Leitung ihres Musiklehrers einStändchen, und mit herzlicher Rede überreichte ihm der Seminarälteste ein Geschichtswerk als Angebinde der Schüler. Am 15. Vormittags fand eine öffentliche Feier in der Aula des Seminars statt, zu der sich viele ehemalige Schüler und die Herren des alten Seminarlehrerkvlleginms auch einfanden. Die Feier wurde mit einem Gesang des Senlinarchocs eröffnet. Herr Kurator Stern-Münster brachte neben einem namhaften Ehrengeschenk der Anstalt, dem „allzeit bewährten" Lehrer den Dank des Kuratoriums zum Ausdruck. Herr Semiuardirektor Dr. Spanier feierte in warm empfundener Rede den Pflichttreuen, gelehrten Kollegen. Herr Dr. Mansbach sprach herzliche Worte zum Freunde, mit dem er nunmehr 24 Jahre in treuester Freundschaft verbunden ist. Den Höhepunkt der Feier erreichte Prediger Salomon-Jserlohn durch seine zu Thränen rührende Allsprache ail den geliebten Lehrer. Er sprach im Namen der Lehrer, die, vorn Jubilar ausgebildet, heute im Amte stehen und