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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-10-25 · Heft 43 (25.10.1901) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 43 (25.10.1901)
Date
1901-10-25
Page
Seite 4 (sequence 18)
Language
German
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4 übermittelte deren Dank, der in einer wunderbar schöllen Adresse derselben zum Ausdruck gebracht wurde. Sodann übergab er das Ehrengeschenk der ehemaligen Schüler, ein paar grosze silberne Leuchter und die Geschichte voll Nanke. Lehrer Kaiser-Werl sprach seinen Dank in poetischer Fassung dem Jubilar aus und stellte ihn als das Vorbild seiner Schüler hin. Seminarlehrer a. D. Treu-Essen brachte trotz Alter und Krankheit persönlich seine Gratulation dar. Der Jubilar ergriff sodann das Wort und dankte für die Ehrung, — dock glaubte er dieselbe nicht für sich allein in Anspruch nehmen zu dürfen. In der von ihm bekannten bescheidenen Weise wies erdarauf Hill, daß alles, was er zu erreichen und zu erwirken im Stande war, erahne das geehrte alte und neue Lehrerkollegium, — das heute zu seiner Freude um ihn stand, — nicht fertig gebracht hätte. Er dankte seinen Kollegen für die treue und gesinnungstüchtige Mitarbeit und schloß mit dem Danke an Alle, die durch edle Nede, freundliche Aufmerksamkeiten und persönliches Erscheinen ihre Liebe und Anhänglichkeit all ihn bekundet haben. — Mit einem vierstimmigen Chorlied schloß die erhebende Feier. — In der Wohnung des Jubilars fand diese Feier ihre Fortsetzung. Kostbare Blumenarrangements und eine Menge Geschenke zeugten voll der Beliebtheit des Herrn Feinstein. Ich schließe meinen Bericht mit dem herzlichen Wunsche, daß die Arbe t des ausgezeichneten Mannes im Dienste der Marks-Haindorsschen Stiftung noch lange und erfolgreich sein möge! r,. Mülheim a. N., 15. Oktober. Am 1. d. M. waren es fünfundzwanzig Jahre, daß Herr L. Oppenheimer als Lehrer und Prediger hier thätig ist. Während nun die Gemeinde den Jubilar, der sich in allen Schichten der Bevölkerung allgemeiner Beliebtheit und auch in christlichen Kollegenkreisen großer Shmpathien erfreut, durch Arrangement eitles schönen Festes am Simchasthoraabend und Darbringung eines reichgesüllten Silberkastens ehrte und erfreute, ließen die Nachbarkollegen es sich nicht nehmen, auch ihrerseits die geschätzten Kollegeil gebührend zu feiern. Am 3. d. M. fanden sich dann auch die Kollegen, die meisten mit ihren Frauen, aus Bochum, Bocholt, Borken, Düsseldorf, Duisburg. Essen, Gelsenkircheil, Hattingen, Mörs. Oberhausen, Steele und Wattenscheid ein und überreichten ihm unter herzlichen Begrüßungsworten des Kollegen Nußbaum-Duisburg als sichtbares Zeichen ihrer Werthschätzung eilten silbernen Fruchtkorb, dessen ornamentreicher Fuß außer der Widmung die Namen der Spender trägt. Die eigentliche Festansprache hielt Herr Cohen- Borken. Kantor Plachschinski erfreute die Versammlung durch den Vortrag eines hübschen Liedes, Kaufmann-Essen trug ein all humoristischen Pointen reiches, selbstverfaßtes Poem vor, das einzelne Kapitel ans dem Leben des Jubilars behandelnd, ebenfalls mit einem Hoch auf denselben ansklang, während Kanfmann-Gelsenkirchen einen kernigen Trinkspruch aus die treue Lehrersgattin Frau Oppenheimer ausbrachte. Weiterhin toasteten noch Lilienfeld-Steele auf den Senior der Anwesenden Herrn Cohen-Borken und Ostermann-Bochum auf Nußbaum-Duisburg, dein wir das schöne Arrangement zu verdanken hatten. In seinen Dankesworten gab der Jubilar einen Rückblick seiner bisherigen Thätigkeit, insbesondere der Jahre, die er als Präparand von 1854—1858 in Essen verlebte. Seine wiederholt durch Beifall unterbrochenen Mittheilnngen schloß er mit folgenden Worten: „Und bin ich auch an einer Simultanschule thätig. mein Herz gehört doch der jüdischen Schule." Der ganze Verlauf des schönen Festes lieferte wiederum den Beweis des herzlichen Einvernehmens der Lehrer des rheinisch-tvestfälischell Jlldustriebezirkes, die fortan öfter Zu zwanglosem Beisammensein sich vereinigen werden. Tie nächste Zusammensoll bereits am 20. November in Essen stattfiuden. Oesterreich - Luga rn. LH Wien, 21. Oktober. Im Pol entlud beantragte Abgeordneter Wilk, der Polenklub möge angesichts der Ausweisung österreichischer Unterthanen aus Preußen von der Negierung die Ausweisung sämmtlicher preußischer Unterthanen aus Oesterreich verlangen. — Der Kaiser hat dem Kaufmann Emanuel Rosenzweig in Czarnowitz den Titel eines kaiserlichen Rathes verliehen. — Nach Abschluß der Festtage langten abermals hier zwei Gruppen rumänischer Auswanderer an, die nach kurzem Aufenthalte in Wien ihre Reise sortsetzten. Diese Emigranten, bestehend aus 25 Männern im Alter von 18 bis 35 Jahren, durchwegs gesunde Leute, nur Handwerker, und 4 Frauen mit 21 Kindern, wurden von der „Israelitischen Allianz in Wien" empfangen und zum Nordwestbahnhofe geleitet. Die Emigranten wurden verköstigt, mit ausreichendem Handgeld versehen und mit dem Mittagszuge weiterbefördert. Dieselben fahren via Leipzig nach Rotterdam, woselbst sie von dem Vereine „Montefiore" bis zur Abfahrt der Dampfer Unterkunft erhalten, und treten zu Beginn der nächsten Woche ihre Seereise nach Amerika an. die ihnen eine neue Heimath eröffnet. Es möge konstatirt sein, daß bereits viele dieser Emigranten, die in Amerika bereits festen Fuß gefaßt Haberl, ihren in Rumänien zurückgelassenen Angehörigen die Schiffskarten senden, während die Bahnfahrt bis Zur Hafenstadt von der „Allianz" bestritten wird. — In Teltsch irr Mähren wüthete vorige Woche ein großer Brand, der leider auch den Tempel einäscherte. Einem beherzten jungen Manne, dem Kommis Lauer, gelang es, trotz des erstickenden Qualmes die Gesetzesrollen zu retten. Von Nah und Fern. --- Kommerzienratt) Emil Jacob hat das Ritterkreuz I. Klasse des badischen Ordens vom Zähringer Löwen erhalten. — In Kolmar i. P. ist am 11. d. M. der Rentier S. Kirschstein im Alter von 72 Jahren gestorben. Derselbe war bis vor zwei Jahren eine lange Reihe von Jahren stellvertretender Bürgermeister. — Das Reichsgericht verwarf die Revision des Privatdetektivs Gustav Schiller, welcher am 13. Juli vom Schwurgericht in Könitz wegen Verleitung zum Falscheid und Meineid in der Strafsache gegen den Fleischergesellen Moritz Lewh zu 2'/>2 Jahren Zuchthaus und 3 Jahren Ehrverlust verurtheilt worden war. — Die „Nat.-Ztg." schreibt: „Von P o s e n ans ist eine telegraphische Meldung verbreitet worden, wonach zahlreiche russische und österreichische Juden, darunter Cafetier Hajek, Besitzer des größten und vornehmsten Posener Cafü, „Cafe International" im polnischen Theater, ausgewiesen worden sind. Der Hinweis auf das Cafe im polnischen Theater macht die Mittheilung, die ohnehin in dieser Fassung auffallend ist, verdächtig. Es handelt sich, wie jetzt offiziell dementirt wird, um eine gegen die polnische Agitation gerichtete Maßregel, die man Polnischerseits für eine antisemitische ausgeben will." Die „Posener Zeitung" stellt dagegen gegenüber den Demenlirungsversnchen fest, daß außer einigen Handlungsreisenden auch andere Personen und israelitische Schüler die Answeisungsordre erhielten. — Vom 1. November d. I. ab ist dem Oekonomierath Goldftein in Ostrom o seitens der königlichen Oberstaatsanwaltschaft zu Posen die Anwaltschaft für den Amtsgerichtsbezirk Ostrowo übertragen worden. — In Guxhagen ist der emeritirte Lehrer Moses Neuhaus im 64. Lebensjahre gestorben. — In Lüneburg wurde am Hause des Rentiers Wahl st ab eine Tafel zum Andenken an Heinrich Heine angebracht. Die Tafel, ans schwarzem schwedischen Granit, trägt die Inschrift: „Hier wohnte und dichtete Heinrich Heine." Die Eltern Heines wohnten von 1822 — 28 in Lüneburg. Heine selbst hat siebenmal kürzeren oder längeren Aufenthalt in Lüneburg genommen. — In Bochum ist der langjährige Vorsitzende des Vorstandes der Gemeinde, Jnstizrath Sntro, in einem Alter von 71 Jahren verschieden. Der Heimgegangene, ein Sohn des letzten Landrabbiners von Westfalen, gehörte u. a. dem Ausschuß des Deutsch- Israelitischen Gemeindebnndes an und war Mitglied des Vorstandes der westfälischen Anwaltskainmer. — Herr M. L. Hei mann in Köln hat den Kronenorden IV. Klasse erhalten. — In Kassel starb im 87. Lebensjahre der frühere Hanptkassenrendant der Frankfurter Eisenbahndirektion, Rechnungsrath Salomon Höxter. — Dem Direktor des Philantropins, Herrn Dr. S. Adler in Frankfurt a. M. ist der Rang der Näthe vierter Klasse verliehen worden. — Josef Sebag- Montefiore hat wegen seines Alters sein Amt als italienischer Generalkonsul in Londo n niedergelegt. In Anerkennung der Dienste, die derselbe geleistet, hat der König von Italien ihn zum Kommaudeurritter des Ordens der italienischen Krone ernannt. — Eine sehr wesentliche Reform der Cheders, dieser altjüdischen und vor Alter etwas verbesserungsbedürftig gewordenen Volksschule, wird im russischen Kultusministerium geplant. Der Cheder soll demnach in eine richtige Elementarschule umgewandelt werden, in welcher nebst den hebräischen Fächern auch Russisch und Arithmetik gelehrt werden sollen. Die Erlaubniß, einen Cheder zu errichten, soll fortan nur an Lehrern, welche ein richtiges Lehrerexamen bestanden haben, ertheilt werden, während die bisherigen Inhaber von Cheders, die sogenannten „Melamdim", gehalten werden sollen, in ihrem Cheder einen geprüften Lehrer für die profanen Gegenstände zu besolden. Druck und Verlag von Rudolf Mossein Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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