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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-10-25 · Heft 43 (25.10.1901) · p. Seite 507

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 43 (25.10.1901)
Date
1901-10-25
Page
Seite 507 (sequence 5)
Language
German
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507 Der Borstand des Hilfsvereins jüdischer Armen zn London slAiV NoüL'tl ok Ouarckiaus kor lÜ6 keliek ok lüe ^ovvisli k'oor ok I^onckon) oringt zur Keilutniß, daß allen solchen unbemittelten Frauen und rindern, welche unter falschen Erwartungen nutzloserweise nach London kommen, in der Hoffnung, seitens unseres Vorstandes mit ^chiffsfahrkarten versehen zu werden, um ihren Ehemännern nach Amerika oder anderwärts nachznreisen, in keiner Weise Hilfe geleistet werden kann. Ebenso Männer, welche hierher wegen der Durchreise nach Amerika ommen, können keine Hilfe erwarten. Es werden daher alle derartig beabsichtigenden Durchreisenden rnstlichst und feierlichst gewarnt, sich in unnützes Elend und Leiden zu stürzen, da der Vorstand unter keiner Bedingung Allsuchen Ulf Unterstützung irgend welcher Art berücksichtigen kann. Außerdem machen wir Alle darauf aufmerksam, daß die amerikanische Regierung sehr strenge Gesetze hat und viele Einwanderer .urnckgewiesen werden. Männer und Mutier mögen ihrer selbst und ihrer Kinder wegen ich diese Mittheiluug zu Herzen nehmen, um sich vor Enttäuschung u hüten. Im Aufträge: M. Step hany, Schriftführer. Zur Erläuterung dieser „Warnung" schreibt uns der Vorstand des genannten Wohlthätigkeitsvereins: In starker Weise ist unser Vorstand seit geraumer Zeit mehrich um Unterstützung von Seiten verarmter und unbemittelter Vraneu, oftmals mit Kindern, angegangen worden, um durch Gewährung von Fahrscheinen auf Danlpferlinien sie in die Lage zu etzen, ihren Ehemännern nach Amerika oder anderen Hafeuplätzeu achzureisen. Diese Frauen, oftmals im größten Elende und in der ochsten Lage der Noth, geben sich der falschen Hoffnung Hill, daß yuen die jüdischen Gemeinden Englands zur Erreichung ihres Zweckes ehilflich sein würden, nämlich ihre Männer zu erreichen, die aber in ielen Fällen sogar schließlich ihre Familien im Stiche ließen. Sie werden zugestehen, daß es im höchsten Grade unstatthaft ist, wenn vrauen unter solchen Verhältnissen hier zugereist kommen, und darf s Sie daher nicht überraschen zu erfahren, daß sich unser Vorstand ezwungen sieht, den Beschluß zu fassen, irgend welche derartige nterstütznngsgesuche fernerhin abzuweisen; es sei denn, daß außerewöhnliche Begründungen vorlägen, welche die ohnedies stark in -nspruch genommenen Hilfsmittel zur Berücksichtigung empfehlen. - Lese ernstlichen, aber leider zur Selbsterhaltung uothweudig gewordenen Aaßnahmen des Vorstandes verursachen selbstredend viel Elend und nttänschungen seitens jener Bittsteller, welche aus oben allgeführten ^runden London überlaufen. In Fällen, in denen der Vorstand gar Willens war, solchen Frauen und deren Kindern zur Weiterreise ach Amerika beizustehen, mußte davon Abstand genommen werden, 'eil diesen Frauen der Aufenthaltsort ihrer Männer unbekannt war, lld ihnen jegliche direkte Beziehung mit solchen fehlte, zumal die nierikainschen Behörden solchen Frauen die Landung verbieten, es i denll, daß deren Ehemänner sich bereit erklären, dieselben am andungsplatz in Empfang zu nehmen und für sie zn sorgen. Dieser nnnterbrochenen Einwanderung des ärmsten Elements jüdischer rmllth muß unbedingt Einhalt geboten werden, da sich sonst die 'lgenschwersteil Konsequenzen ergeben, durch welche das Schicksal?r in England eingewanderten ausländischen Inden ernstlich beeinächtigt wird. Brief aus Köln. Von Hermann Moses. Köln, im Oktober 1901. Leben in unserer Gemeinde hat während der verstoffenen Sommerzeit seinen gewohnten ruhigen Verlauf genommen. Der neugewählte Vorstand hat sich konstituirt md leitet in herkömmlicher und denGemcindemitgliedern hoffentlich bekömmlicher Weise die Gemeindegeschäste. HerrJsidor Dülken vurde stellvertretender Vorsitzender, während der greise Herr ,ac. de Jonge den Vorsitz behielt. Wie alljährlich brachten auch Heuer die hohen Herbstfeiertage wieder zahlreichen Mitgliedern unserer Gemeinde ihre Zugehörigkeit zum Judenthum zum Bewußtsein, und dieses Bewußtsein äußerte sich in einein gewaltigen Andrange zu den Festgottesdiensten in unseren Gotteshäusern. Namentlich erfreute sich unsere neue, prachtvolle Synagoge am Königsplatz eines starken Besuches, der die weiten, herrlichen Hallen bis ans das letzte Stehplützchen mit Andächtigen füllte. Der Gottesdienst selbst war des glänzenden Rahmens würdig, der ihn umgab. Neben gehaltvollen, bedeutenden Festpredigten unseres bewährten Herrn Jubilar-Rabbiners Dr. Frank und des Herrn Rabbiners Dr. Rosenthal konnten wir uns an den hervorragenden Leistungen unseres Herrn Jubilar-Kantors Blnmenthal und des Herrn Kantors Cohn erbauen. Die Synagogenchöre haben einen neuen Dirigenten in der Person des Herrn Benno Sternberg vom Leipziger Konservatorium erhalten, welchem der Ruf eines sehr begabten Musikers vorausgeht. Unter Anleitung unserer tüchtigen Kantoren wird sich Herr Sternberg die erforderliche Routine wohl bald aneignen und so die ihm unterstellten Chöre zu auch höheren Ansprüchen genügenden Leistungen führen. Der Vorstand unserer Gemeinde, unterstützt durch das Repräsentantenkollegium, sollte allerdings bestrebt sein, für eine weitere nothwendige Verstärkung des Chors für die neue Synagoge zu sorgen und dementsprechend den Choretat angemessen erhöhen. Vortrefflicheil Leistungen der Kantoren dürfen ebenbürtige Darbietungen des Chores nicht fehlen, soll ein harmonisches, die Herzen erhebendes Gesammtwirken erzielt werden. Eine möglichst feierliche Gestaltung des Gottesdienstes durch künstlerisch vollendete Chorgesänge, die im a Lnpellkl-Gesange auch für den musikalisch Gebildeten ihre» höchsten Ausdruck finden, wird dem Gottesdienste in unserer Gemeinde das ganze Jahr hindurch einen starken Besuch sichern, wie das bisher schon seit der Einweihung der neuen Synagoge in höchst erfreulicher Weise wahrnehmbar war. Für das ganze Gemeindeleben bildet nun einmal der Gottesdienst den traditionellen Mittelpunkt, nm welchen sich alles andere dreht und mit welchem das Gemeindeleben steht und fällt. In seiner Festpredigt am Schemini Azereth-Feste gedachte Rabbiner Dr. Frank in pietätvoller Weise des 100 jährigen Geburtstages seines berühmten Lehrers, des sel. Direktors des Breslauer Rabbinerseminars, Dr. Zacharias Frankel. Das Vereinsleben in unserer Gemeinde befindet sich noch im Sommerschlafe und trifft noch wenig Anstalten zum Wiederbeginn seiner Thätigkeit. Es wird dieses Mal recht spät, bevor die neue Saison in ihre Rechte tritt. Es sind in den letzten Jahren in unserer Gemeinde zahlreiche Vereine entstanden und meist auch wieder schnell von der Bildfläche verschwunden. Besonders gilt dies von den künstlich gezüchteten Vereinen junger oft recht jugendlicher Leute mit zionistischer Tendenz. Die Vereinchen verschwanden, ohne eine fühlbare Lücke zu hinterlassen. Wohl aber blieb ein klangvoller, dem Hebräischen entnommener Name zurück. Das Gründen solcher Vereine ist gar leicht, sie aber aufrecht und lebensfähig zu erhalten, sehr schwer und wird gewöhnlich mit den Jahren noch schwieriger, weil dann häufig das anfängliche Interesse nachläßt. Es ist nicht zn bestreiten, daß auch unser Verein fürjüdische Geschichte und Litteratnrvon dieser Erscheinung nicht unberührt geblieben ist, namentlich was den Besuch der regelmäßigen Wochenversammlnngen betrifft. Dieser Besuch

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