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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-10-18 · Heft 42 (18.10.1901) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 42 (18.10.1901)
Date
1901-10-18
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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3 israelitischen Volke in der Wüste und zur Zeit des Propheten Elias. Er feierte Kaiser Wilhelm II. als den Fürsten, der von Gott berufen worden war, zu den von schwerem Unglücke Betroffenen, Verzweifelten und Verzagten mit eigenem Munde zu sprechen: „Fürchtet Euch nicht, das Mehl im Kasten soll nicht verzehrt werden, und an dem Oelkruge soll nichts mangeln!" Sowohl von der jüdischen wie christlichen Gemeinde in Wystiten ist bestimmt worden, alljährlich am 10. September (russischen), 23. September (deutschen) Stils — als dein Tage der Ankunft unseres Kaisers — ein Dankgebet für den hohen Wohlthäter abzuhalten. t. Breslau, 8. Oktober. Am zweiten Tage des Laubhüttenfestes gedachte Rabbiner Dr. Guttmann in der Breslauer Neuen Synagoge in seiner trefflichen Predigt des 100jährigen Geburtstages von Zacharias Frankel und pries ihn als einen der wenigen anserwählten und für die Gemeinschaft, der sie angehören, so überaus nützlichen Männer, die wissenschaftliche Bedeutung mit hervorragender praktischer Wirksamkeit verbinden. Ebenso wiesen am ersten Tage des Schluß-- festes Rabbiner Dr. Nosenthal in der Alten Synagoge und Dr. Grüuthal in der Synagoge des Jüdisch-theologischen Seminars auf den Gedenktag hin. — InZabrze wurde, wie schon gemeldet, ein Einbruch in die Synagoge verübt; jedoch fielen den Dieben nur einige unbedeutende Kultusgegenstände zur Beute. — Eine bedeutende Erweiterung hat die Synagoge in Benthen erfahren, die scholl längst nicht mehr dem vorhandenen Bedürsniß genügte. — Am Montag, den 4. November er., Nachmittags 3 Uhr findet hier im Verwaltungsgebäude der Synagogeugemeinde, Wallstraße 13/14 (Sitzungssaal der Repräsentanten-Versammluug) ein Kongreß zur Schasfn ng einer Organisation 'ür die bedürftigen jüdischen Rückwanderer und eine Besprechung der Auswandererfrage statt, veranstaltet vom Vorstand der Zyuagogengemeiude in Breslau und dem Vorstand des Israelitischen Unterstützungsvereins für Obdachlose in Hamburg. Einen Bericht über diese Versammlung werden wir seiner Zeit bringen. — Hildesheim, 10. Oktober. Vor dem hiesigen Schöffengerichte Hand heute eine nach dem vielgenannten Städtchen Könitz weisende und mit der Skandalgeschichte, die sich am 22. Juli vorigen Jahres ul dem Seebade Borkum abspielte, im Zusammenhang stehende Angelegenheit zur Verhandlung. Der Hildesheimer Ballrath Hensel hatte gelegentlich eines Badeaufenthaltes auf Borkum im vorigen Jahre als Persiflage aus das antisemitische Vorkumlied, welches . ort allabendlich gesungen wird, ein Pekinglied gedichtet und gedruckt >ertheilen lassen. Hensel wurde daraufhin derartig insultnt, daß er mit seiner Familie eiligst Borkum verlassen mußte. Dienstlich hatte oiese Affäre für ihn noch die Folge, daß er sofort voll Hildesheim nach dem Osten versetzt wurde. Die „Staatsbürger-Ztg." hatte seinerzeit über die Affäre einen Bericht gebracht, der 17 Bewohner von Könitz veranlaßt hatte, an Hensel eine Postkarte folgenden Inhalts zu 'chreiben: „Zu Ihrem famosen Auszuge ans Bad Borkum wegen des ^chandgedichts senden wir Ihnen und Ihrer Familie als Allsdruck -iefster Verachtung diese Karte." Als Unterzeichner dieser Karte standen N'llte hier folgende Persollen: Buchhändler Franz Schleimiger, Photograph Heyn, Baugewerksmeister Hermann, Zahntechniker Meibaner, taufmann Steffahn. Bäckermeister Voigt, Hotelbesitzer Kühn, Dr. med. Müller, Posthalter Boldt, Postsekretär Wodtke, Kaufmann Jeleniewski, Fteischermeister Weidert. Postassistent Dommer, Kaufmann Casimir,!reisausschußassistent Rose und die Kaufleute Emil und Mar Krause rnter Allklage wegen Beleidigung. Sie waren sännntlich in Könitz ernommen und vom Erscheinen entbunden worden. Das Urtheil lauete gegen Schleimiger auf 40 Mark,'Heyn 30 Mark, gegen neun weitere Personen auf 20 Mark, sechs wurden freigesprochen. Während der Amtsmwalt das Vorgehen Hensels aus Borkum als ungehörig bezeichnete. rat der Vertheidiger desselben warm für ihn ein. Der Verhandlung wohnte auch im Aufträge seiner Behörde ein Postbeamter ms Könitz bei. . n. Dresden, 6. Oktober. Am 1. d. M. waren es hundert Jahre, Mtdem Zacharias Frankel der deutschen Jndenheit geschenkt wurde. An diese Thatsache knüpfte Herr Rabbiner Dr. Winter in seiner ochemini Azeres-Predigt an und entwarf vor versammelter Gemeinde in leuchtendes Bild seiner hiesigen rabbinischen Thätigkeit, die zwei Jahrzehnte zum Heil und Segen der Gemeinde währte. In An- Khunng all den Spruch „Vollkommen sollt ihr mit dem Ewigen sein" Mchnete der Redner in warmer Begeisterung und trefflicher Beredtnukeit die Persönlichkeit Frankels, seine organisatorische und Politische Thätigkeit zu Gunsten der sächsischen Juden, seine gewaltige Arbeit im Dienst der jüdischen Wissenschaft, sein mildes, friedenspendendes Wesen in derUeberbrückullg der religiösen Gegensätze. Hat doch die Dresdener- Gemeinde ihr Prestige innerhalb der jüdischen Gemeinden Deutschlands diesern großen Geisteshelden zu danken. In hiesigen Kreisen ist vielfach der Wunsch laut geworden, es möchte diese Rede dem Druck übergeben werden, damit sie weiteren Kreisen zugänglich gemacht werde. Leider besitzen wir auch keine der Größe dieses Mannes gerecht werdende Biographie, und Herr Rabbiner Dr. Winter dürfte durch Uebernahme dieser Arbeit des Dankes der hiesigen Gemeinde sicher sein. AI. Hamburg, 14. Oktober. Dr. Cäsar Seligmaun, Prediger des hiesigen israelitischen Tempelverbaudes, hat einen ehrenvollen Ruf als Rabbiner nach Frankfurt a. M. erhalten. Herr Dr. Seligmann hat sich entschlossen, dieser Berufung Folge zu leisten und wird schon demnächst seinen hiesigen Wirkungskreis verlassen. Wahrend seinerlangjährigen hiesigen Amtsthätigkeit hat Herr Dr. Seligmann es verstanden, sich die Sympathien undWerthschätznng weiterer Kreise zu erwerben, so daß sein Scheiden von unserer Stadt überall tief bedauert wird. Die Thätigkeit des so beliebten Seelsorgers wird sich in Frankfurt auch auf die Leitung der Gemeinde-Neligionsschulen erstrecken. Elberfeld, 8. Oktober. Am Dienstag, 1. Oktober, feierte der allbeliebte Lehrer und Kantor der hiesigen Synagogengemeinde, Herr M. L. Wetzstein, sein 25 jähriges Nmtsjnbilänm, das sich für ihn zu den größten Ehrungen seitens aller betheiligten Kreise gestaltete. Am frühen Morgen brachte Herr Musikdirektor Höpp mit seiner Kapelle dem Jubilar vor dessen Wohnung ein Ständchen. In den späteren Vormittagsstunden erschienen verschiedene Deputationen, um Herrn Wetzstein ihre Wünsche darzubringen. Zuerst kam der Vorstand und die Repräsentanz der Gemeinde, an deren Spitze der erste Vorsteher, Max Simon, dem Jubilar warme Worte der Anerkennung und Verehrung zollte und die Geschenke der Gemeinde überbrachte; dann erschienen Abordnungen der verschiedenen israelitischen Vereine, denen Herr Wetzstein stets sein volles Interesse entgegengebracht hat. Endlich überreichte Herr Adolf Strauß mit herzlichen Worten des Dankes im Namen der früheren Schüler einen kostbaren, silbernen Pokal. Den Glanzpunkt des Tages bildete indessen die eigentliche Jubiläumsfestlichkeit im großen Saale der Stadthalle, zu der sich die Gemeindenntglieder äußerst zahlreich eingefnnden hatten. Zn Beginn der Feier wurde der Jubilar unter Fanfarenklüugen durch zwei Vertretendes Festkomitees in den Saal geleitet. Dann sprach Herr Rabbiner Dr. Allerbach den Kaisertoast, in dein er hervorhob, daß gerade die Inden durch ihre Religionsgesetze zu treuen Bürgern ihres Vaterlandes erzogen würden, und daß es daher durchaus angebracht sei, an einem israelitischen Gemeindefeste auch des Landesfnrsten zu gedenken. Der schwnngvolle. von Herrn Dr. Apfel-Barmen gedichtete und von Herrn Adolf Strauß meisterhaft vorgetragene Prolog wurde mit vielem Beifall ausgenommen. Die Festrede hielt Herr Max Simon, indem er darauf hinwies, wie es der Jubilar verstanden habe, sich die Liebe Aller zu erwerben und im Laufe seiner langjährigen Thätigkeit in vollem Maße zu erhalten. Den Damentoast brachte mit gewohnter Virtuosität Herr Isidor Herz ans, während Herr W. Hirschfeld mit kernigen Worten die Gäste begrüßte. Am Schlüsse dieses rhetorischen Theiles der Feier überbrachte Herr Hanptlehrer Fröhlich-M.-Gladbach die Grüße und Glückwünsche der Kollegen des Jubilars. Der zweite Theil des Programms war dein Gesänge gewidmet. Wirklich hervorragend Gutes leistete der Synagogenchor unter der bewährten Leitung des Herrn I. Bernthal, und Fräulein Schönseld vom hiesigen Stadttheater entzückte geradezu die Festtheilnehmer durch den kunstvollendeten Vortrag einiger reizender Lieder. Auch Herr Kantor Blumenthal- Köln stellte in liebenswürdiger Weise seine Kunst in den Dienst des Festes und trug wesentlich zur Verschönerung desselben bei. In dem komischen Duett „Die gestohlene Gans", das oon Herrn Bernthal und Herr PH. Heymann unter großem Beifall zu Gehör gebracht wurde, kam nunmehr auch der Humor zu seinem Recht. Zur weiteren Erheiterung diente das Lustspiel „Eine Tasse Thee", das unter der Regie des Herrn Kurt Stern vom hiesigen Stadttheater unter freundlicher Mitwirkung von Frl. Else Gaebler, ebenfalls vom Stadttheater, sowie der Herren Theo Stein und Paul Steinberg vorzüglich gespielt wurde. Hierauf nahm Herr Wetzstein Veranlassung, allen Denen, die sich um seinen Ehrentag bemüht haben, in längerer Rede zu danken. Den

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