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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-10-11 · Heft 41 (11.10.1901) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 41 (11.10.1901)
Date
1901-10-11
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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3 einfachen Erfrischungen und geistigen Genüssen jeder Art die Wirksamkeit und Erfolge von eine«, „Israelitischen Gemeinschaftshaus" zu erproben, das am 1. November 1901 eröffnet werden soll. N Dresden, 4. Oktober. Aus Einladung des Reformvereins i" Dresden hatte dort Graf P n ckl er -K l ei n - T s chirn e an, 20. November v. I. vor einer etwa 2000 Personen zählenden Zuhörerschaft einen Vortrag über „Das Judenthun, und das deutsche Volk" gehalten, in dem er Ausdrücke gebrauchte, die ihn, eine Anklage wegen Aufreizung zn Gewaltthätigkeiten gegen die Juden zuzog. Die fünfte Strafkammer des königlichen Landgerichts in Dresden vernrtheilte ihn daraus an, 20. Juni d.J. wegen Gefährdung des öffentlichen Friedens zn 100 Mark Geldstrafe. Gegen dieses Urtheil hat GrafPückter seiner Zeit Revision eingelegt. Wie der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens von zuverlässiger Seite erfahren hat, ist diese Revision nicht zur vorgeschriebenen Zeit begründet und deshalb vom Landgericht zurückgewieser, worden. Die von dem Grafen Pückler dagegen eingereichte Beschwerde hat das Rei chsgeri cht zurückgew Lesen, so daß die Sache nun endgiltig erledigt und das Urtheil des Dresdener Landgerichts rechtskräftig geworden ist. ) Heiligenstadt, 26. September. Vor der hiesigen Strafkammer wurde an, 21. d. M. eine interessante Beleidigungsklage in zweiter Instanz verhandelt. In, Februar fand in Wahlhausen eine Sängerfestlichkeit statt. Der Pastor Johannes Bonsack saß mit mehreren Gemeindemitgliedern an, Tisch und führte Klage über den mangelhaften Kirchenbesuch an den letzten Sonntagen. Der Mühlenbesitzer Vogler, der mit dem Pfarrer zusammensaß, bemerkte, wenn er sein Sonntagsgewand angezogen habe, könne er im Hause keine Arbeit verrichten. Der Pastor rief ihm zweimal kurz hintereinander die Worte zu: „Dann sind Sie ein Jude." Vogler fühlte sich hierdurch beleidigt und leitete Privatklage ein; das Schöffengericht sprach den Pastor frei, und die Strafkammer bestätigte das erstinstanzliche Urtheil. indem sie die Berufung des Klägers verwarf. Die Strafkammer hält die Aeußerung nicht als objektiv beleidigend, da sie im relgiöser, Sinne gedacht sei. Der Ausdruck sei zwar sehr unschicklich gewählt; der Pastor habe jedenfalls sagen wollen: Wenn Sie so handeln, dann huldigen Sie jüdisch-religiösen Anschauungen. Beleidigend wäre der Ausdruck wohl gewesen, wenn dem Kläger ein jüdisches Gebaren in, allgemeinen Sinne zun, Vorwurf hätte gemacht werden sollen. Merkwürdig, in der That sehr merkwürdig! 8. Düsseldorf, 7. Oktober. Den Eltern und Vormündern, namentlich aber den Herren Lehrern zur Nachricht, daß hier wieder einige Stellen für Knaben, welche ein Handwerk lernen wollen, frei sind. Der dortige Verein zur Förderung und Verbreitung der Handwerke unter den Juden bringt die Knaben zu tüchtigen Meistern in die Lehre, so daß sie gründlich ihr Fach lernen. Das beweisen die vielen jungen Leute, welche schon ihre Lehrzeit dort beendet haben und jetzt sehr viel Geld verdienen. Düsseldorf ist besonders auch darum zu empfehlen, weil nächstes Jahr die große Industrie- und Kunstausstellung da staltfindet, die glanzvoller als alle anderen Provinzialausstellungen werden wird. Im Lehrlingsheim wird ebenfalls bestens für die Lehrlinge gesorgt. Herr Lehrer Lilienthal giebt sich unendlich viel Mühe, die Lücken, welche sich bei verschiedenen Zöglingen in den Elemeutarsächern zeigen, durch gewissenhaften und gediegenen Unterricht auszufüllen. Weiter fortgeschrittene Lehrlinge werden zum Weiterstudinm angeleitet und durch das Lesen der Klassiker für alles Gute, Wahre und Schöne empfänglich gemacht. Ferner sei darauf hingewiesen, daß das Hans gründlich renovirt worden, Essen und sonstige Verpflegung ist auch gut, so daß im Düsseldorfer Heim den Knaben in jeder Hinsicht ein lehrreicher und angenehmer Aufenthalt geboten ist. 8. Stadtoldendorf, 7. Oktober. Wie ich Ihnen vor Jahresfrist berichtete, stiftete Herr M. Lev h von hier. Mitinhaber der weltbekannten Firma A. I. Rothschild Söhne hier, eine bedeutende Summe Zur Erbauung eines Krankenhauses am hiesigen Platze. Letzten Mittwoch nun konnte dasselbe seiner Bestimmung übergeben werden. Wenn man mit der Eisenbahn von Kreiensen kommend den hiesigen Bahnhof berührt, dann sieht man rechter Hand am Fuße des Berges ein reizendes Gebäude liegen, das für Jeden den Eindruck einer Villa macht. Niemand vermuthet, daß dieses Gebäude ein Krankenhaus sei. Zur Einweihung am genannten Tage hatte sich der Herr Kreisdirektor aus Holzminden, die Herren Stadtverordneten, die Geistlichkeit, Aerzte und mehrere geladene Gäste eingefnnden. Nachdem der hochherzige Stifter unter rührenden Worten dem Herrn Bürgermeister das Gebäude übergeben, nahm letzterer das Wort, um in schönen, zu Herzen gehenden Worten den Dank im Namen der Stadt abznstatten. Nach vollzogener Weihe wurde ein Rundgang durch das Gebäude gemacht. Alle Anwesenden waren entzückt und gleichzeitig erstaunt über die herrliche Einrichtung. Da fehlt vom Boden bis znnr Keller auch nicht das Geringste. Die innere Einrichtung entspricht allen Anforderungen der Neuzeit. So hat sich der edle Spender schon bei Lebzeiten ein Denkmal für immer gesetzt. n. Geldern, 8. Oktober. Unsere Gemeinde hat einen schweren Verlust erlitten. Nach langem Leiden wurde ihr am 2. d. M. der Vorsitzende des Vorstandes, Herr David Francken, durch den Tod entrissen. Ungefähr 30 Jahre hat der Verstorbene seines Amtes gewaltet und sich durch seine opferfreudige Hingabe für das Wohl der Gemeinde sowie seine werkthätige Liebe die Herzerl Aller gewonnen. Ein zahlreiches Trauergesolge gab dem Entschlafenen das letzte Geleit. Nach der Beisetzung fand im Gotteshause eine erhebende Trauerfeier statt, bei welcher an Stelle des durch Krankheit verhinderten langjährigen Freundes des Verstorbenen, Herrn Oberrabbiners Dr. Horovitz, der Lehrer der Gemeinde, Herr Ludwig, eine ergreifende Gedenkrede hielt. — Költt, 4. Oktober. Der Verein für jndische Kranken - Pflegerinnen hier trat mit einem Bestände von sechs Schwestern und fünf Schülerinnen in das zweite Jahr seiner Thätigkeit. Von den sechs Schwestern versahen drei Dienst im Asyl, während drei in der Privatpslege thätig waren, zwei dieser Letztere«, welche vor 2V§ Jahren von dem Münchener Verein zur Ausbildung überwiesen waren, wurden am 1. Oktober gemäß der Uebereinkunst in ihren neuen Wirkungskreis nach München entlassen. Von den fünf, während des Jahres 1899 aufgenommenen Schülerinnen konnten drei Schwestern in den Verein eingegliedert werden. Im Laufe des Berichtsjahres traten sieben neue Schülerinnen eiri. Am Schluß des Jahres 1900 waren demnach im Verein insgesammt thätig sieben Schwestern und sechs Schülerinnen. Dieser Zahl von Schwestern gegenüber mußte der junge Pensionssonds auch bei den bescheidensten Ansprüchen als unzureichend erscheinen. Zur Sicherstellung der den Schwestern satznngsgemäß verbürgten Pensionsrechte sah sich der Vorstand daher genöthigt, mit der Versicherungsgesellschaft Anker einer: Vertrag betreffs Versicherung gegen Krankheit und Invalidität abzuschließen. In der statutengemäßen Generalversammlung wurden die nach der Reihenfolge ausscheidenden Vorstandsmitglieder, die Herren Anrtsgerichtsrath Löwenherz und Fritz Rothschild, wiedergewählt, und an Stelle des Herrn Max Bendix zum Kassner Herr- Fritz Rothschild gewählt. Es wurde beschlossen, in nächster Zeit zur Hilfeleistung irr armen kranken Familien und zur Assistenz der Aerzte in solcher: eine Schwester zn entsenden, die zugleich als Vertrauensperson des Israelitischen Frauenvereins in der Armenpflege thätig sein solle. Die Einnahmen betrugen rm abgelanferren Jahre M. 11584.81, die Ausgaben M. 8062.95, der Kassabestand M. 9555.26. Der Vorstand besteht aus folgeudeu Herreu: Dr. B. Auerbach, Vorsitzender, Rechtsanwalt Carl Eltzbacher, stellvertretender Vorsitzender, Dr. Fritz Cahen, Schriftführer, Fritz Rothschild, Schatzmeister, Max Bendix, Isidor- Dülken, Anrtsgerichtsrath Löwenherz, Philipp Neckarsulmer, Dr. L. Oppenheimer. — Ltmvuvg a. L., im Oktober. Der Deutsch-Israelitische Kinderhort versendet seinen Jahresbericht. Am 9. v. M. hat derselbe seine Heilstätte zu Bad Schwalbach geschlossen. Im Vorjahre waren 41 Pfleglinge in Pflege, in diesem Jahre 92. Aber trotz dieser erhöhten Wirksamkeit konnte der Verein nicht allen Ausnahmesuchenden willfahren. Eine erhebliche Zahl, die schon in diesem Jahre einer Pflege dringend bedurften, haben wir für das nächste Jahr Vorwerken müssen. Die 92 Pfleglinge vertheilen sich ans die Heilstätte zu Bad Langenschwalbach und das Ferienheim zu Neubrandenburg. Dem Berufe nach waren vertreten: Arbeiterinnen 2, Buchhalterinnen 4, Hausfrauen ohne besonderen Beruf 16, Händlerinnen 2, Knnstschülerinnen 2, Köchinnen 3, Lehrerinnen 7, Modistinnen 4, Schneiderinnen 14, Verkäuferinnen 6. Ohrre Berns waren 32, darunter infolge von Krankheit 10. Dem schulpflichtigen Alter gehörten 22 Kinder (17 Mädchen, 5 Knaben) an, 37 waren im Alter vor: 14—20 Jahren, und 33 waren älter als 20Jahre. Ausgegeben wurden in 2668 Verpfleguugstagen 8381.57 Mark. Die Verpftegungskosterr betrugen pro Kopf und Tag 3.15 Mark. Ein Theil der Pfleglinge war irr einem so schwächlichen Zustande eingekehrt, daß derselbe zunächst 8—12 Tage das Bett hüten mußte. In diesen Fällen wurde

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