Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 41 (11.10.1901)
- Date
- 1901-10-11
- Page
- Seite 4 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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die Pflege um 8—14 Tage verlängert. Der Vorstand wendet sich nun an alle Menschenfreunde mit der Bitte um Hilfe, damit er ein Grundstück erwerben könne, das allen sanitären Anforderungen genügt. Wenn . Vieler Herzen und Hände sich regen, dann wird die Heilstätte des Deutsch-Israelitischen Kinderhorts im kommenden Jahre ihre Thore weit aufthun können. Der Vorstand des Deutsch-Israelitischen Kinderhorts besteht aus den Herren: A. M. Behrendt-Jena. Kaufmann; S. Fränkel-Bamberg, Lehrer; S. Hamberg-Volkmarsen, Kausman; Dr. Ferd. Hansmann-Slraßburg, Elf., Arzt; H. Hirsch-Kirtorf, Kaufmann; W. Kronheim-Franstadt, Kallsmann; S. Lomnitz-Limburg a. L.; Jos. Marcns-Bnrgsteinsurt. Fabrikant; Th. Müllerheim-Neubrandenbnrg, Kaufmann: L. Nußbanm-Vocholt, Lehrer; M. Ostermann- Bochum, Lehrer; Dr. H. Picard-Lanterburg. Elsaß, Arzt; M. Niclas- Limburg, Kaufmann; Leop. Sternberg-Limburg, Kaufnlann;B. Stranß- Gensingen. Lehrer; Gust, Westheimer-Grünstadt, Stadtrath. Oesterreich-Ungar«. LH Wie«, 7. Oktober. Unliebsames Aufsehen verursacht hier neuerdings eine Affäre des übrigens längst getauften Dr. Adolf Ritter von Ofenheim, der sich vom Bürgermeister beleidigt wähnte und diesen durch zwei Hnsarenoffiziere fordern ließ; Dr. Lueger Lehnte natürlich ab, die Sache an sich gab jedoch der Skandalpartei abermals Gelegenheit zu unfläthigen, ganz ihrer würdigen Bemerkungen, die zum Glück aber von Niemand mehr ernst genommen werden. — In Galizien folgen jetzt die Rekriminationen wegen des Ausfalls der Wahlen. Bei dieser Gelegenheit wird erzählt, daß der Fürstbischof von Krakau. Pnzhna, der den Inden gar nicht glimpflich gesinnt ist. einer jüdischen Deputation, bestehend aus dem Kultus- Präsidenten Dr. Horowitz, dem Rabbiner und mehreren Kultüsmitgliedern, die bei ihm erschienen, nach seiner Ernennung zum Erzbischof in Krakau, um ihm die ehrerbietigste Huldigung und Glückwünsche darzubringen, erwiderte: „Geht hin und sagt Eueren Glaubensgenossen, sie möchten uns nicht ausbeuten." Das wird genügen, nrn zu rechtfertigen, warum die Juden mit den Konservativen gebrochen und voll nun an die Demokraten unterstützen. — Die antisemitische Skandalchronik ist auch in dieser Woche durch Betrüger und Gauner bereichert worden: so ist der Offizial des städtischen Versvrgnngshauses L. Jedliczka nach Unterschlagung von großen Summen, die er am Turf verspielte, flüchtig geworden, der Meraner Arzt Dr. A l o i s Hu ber wegen Sittlichkeitsverbrechen zu einer schweren Kerkerstrafe vernrtheilt und der Sekretär der Fleischhauergenossenschaft I. Such an eck wegen Defraudationen aus der Krankenkasse verhaftet worden. — In Brunn ist der gewesene Bürgermeister und Kultus- Vorsteher voll Neu-Rausnitz, David Brüll, im 89. Lebensjahre gestorben. — Der Finanzrath Dr. Arnold Fried in Olmütz wurde zum Oberfinanzrath ernannt. rx. Budapest, 4. Oktober. Die diesmaligen N e i chs ta g sw a h len gestalteten sich für die Juden doch günstiger, als zu erwarten stand. Wiedergewählt wurden die Advokaten Armin Neumann. Paul Mandel, Franz Heltai und Samuel Visontai. die Großindustriellen Berthold Weiß und Theodor Wolfner und die Journalisten Jos. Vvßi und Ambr. Nemenhi. In Budapest siegte der Großindustrielle Paul Sandor über den bisherigen Abgeordneten, den Advokaten Moritz Mezeh, der ebenfalls Jude ist. und der Advokat Wilhelm Vasonhi über Radocza, ferner in Baja der Advokat Aladar Reich über den früheren Abgeordneten, den Justizminister Ploß, mit großer Majorität. Neugewählt wurden auch der Advokat Samuel Bakonyi mit großer Majorität und Debreczin, der Buchhändler Moritz Revai und Dr. Marcell Beck. Der bisherige Abgeordnete Franz Choriu nahm kein Mandat wieder an, Julius Nosenberg wurde nicht wiedergewählt, und Lazar Samuel mußte, durch die Gewaltthätigkeit der Opposition bezwungen, voll der Wahl zurücktreten. Zn Galgocz und anderen Orten wurden unter Absingullg antisemitischer Spottlieder viele Gewaltlhätigkeiten verübt. — Eine angesochtene R a bbi n e r w a hl ist auch von hier zu verzeichnen. Die Ofner Gemeinde wählte jüngst den Veßprimer Rabbiner Dr. Arnold Kis. nachdem er zweimal nicht die Majorität erlangen konnte, zu ihrem Rabbiner. Die Installation war für den 15. d. M. anberaumt. Die Opposition hatte jedoch schon bei Schluß des Mahlganges gegen die Wahl des Dr. Kis Protest erhoben und das Wahlresultat in einer dem Kultusminister unterbreiteten Repräsentation angesochten. In dieser Eingabe wurde behauptet, daß bei der Wahl Unregelmäßigkeiten vorkamen, daß Mitglieder, welche in Pest und nicht in Ofen wohnen und keine Kultüssteuern zahlen, ihr Votum abgaben, ferner daß beim Wahlgange nur das Exekutivkomitee anwesend war. und daß die Vertrauellsmänner der Opposition, als sie, auf ihr gutes Recht pochend, im Abstilinnungslokale verharrten, von der Polizei mittelst Brachialgewalt aus dem Saale entfernt wurden. Der Kultusminister hat nun mittelst eines an die israelitische Landeskanzlei herabgelangten Reskriptes die Rabbinerinstallation bis auf Weiteres fistirt. Von Nah und Fern. — Am 4. d. M. ist nach kurzem Krankenlager der Schulvorsteher Dr. WolfLöwellberg im eben vollendeten 72.Lebensjahre gestorben. — In Charlotten bürg ist am 4. d. M. der Rabbiner Dr. Salomon Hahn nach langen Leiden im 73. Lebensjahre gestorben. Derselbe war zunächst in Breslau als Religionslehrer und dann Jahrzehnte lang in Stolp i. P. als Rabbiner thätig. Friede seinem Geiste! — Wegen Beleidigung des ersten Staatsanwalts Dr. Schrveigger in Könitz soll gegen Rechtsanwalt Sonnenfeld, der die Verteidigung im Prozeß gegen Moritz Lewy führte, Anklage erhoben worden sein. Die Beleidigung sei in der am 20. Juni im Humanitätsverein jüdischer Gewerbetreibender gehalteilen Rede über den „Fall Moritz Lewy" gefunden. — Der frühere Inhaber des antisemitischen „Deutschen Wirthshanses", Emil Bodek, der Schwiegersohn Ahlwardts, ist als geisteskrank in der Privatirrenanstalt des Dr. Edel in Charlottenburg untergebracht worden. — Ans den Einnahmen der Simon, Hermann und EllaBoehm-Stiftung pro 1900 wurden im Jahre 1901 insgesammt 67 Unterstützungen gezahlt, und zwar an 46 christliche Bewerberinnen 5200 Mark, all 23 jüdische Bewerberinnen 2600 Mark. — Der wegen Meineides zu vier Jahren Zuchthaus verurteilte Moritz Lewy aus Könitz soll aus dem Zuchthause zu Grandenz nach der Provinzial - Irrenanstalt zu Conradstein bei Pr.-Stargardt zur Beobachtung seines geistigen Zustandes übergeführt worden sein. Bestätigung bleibt abzuwarten. — Der erste Staatsanwalt Schweigger inKonitz hat das Verfahren gegen den Fleifchermeister Adolf Lewy und den Fleischergesellen Moritz Lewy wegen Mordes bezw. Theilnähme an dem Verbrechen eingestellt. Den ersten Staatsanwalt beim Landgericht I Berlin hat er davon zu den Strafakten wider Böttcher und Genossen in Kenntniß gesetzt. — Die Stadtverordnetenversammlung in Myslowitz hat eine Eingabe all den Reichskanzler betreffend Erleichterungen im deutsch-russischen Grenzverkehr unter ausdrücklicher Berufung ans die letzten Maßregeln gegen die Juden in beiden Staaten gerichtet. — In der Nacht zum 24. v. M. wurde ein frecher Einbruch in die Synagoge zu Zabrze verübt. Die Einbrecher zertrümmerten Fensterscheiben und gelangten auf diese Weise in das Innere. Gestohlen wurden einige Kultusgewander. Von den Thätern fehlt jede Spur. — In Coswig ist am 2. d. M. der Kommissionsrath Bernhard BlnmeNth al nach längerem Leiden gestorben. — Die Bestätigung der angefochtenen Wahl des Dr. Bambergerin Schrimm zum Rabbiner in Kissi ilgen ist nun seitens der bayerischen Regierung erfolgt. — Die Erbschaftssteuer für den Nachlaß des Baron Hirsch hat in der Geld bewegung auf dem Londoner Platze eine Rolle gespielt. Die Steuer beträgt nicht weniger als 1 200 000 Pfund Sterling, welche von dem Testamentsvollstrecker an den Staat, zu entrichten sind. Davon ent satten etwa 700 000 Pfund Sterling auf die Grundstücke und 50000V Pfund Sterling aus die Legate. Der Betrag ist bei einer großen Bank hinterlegt worden, die ihn in die Bank von England abgeführi hat. — Eine Konferenz jüdischer Frauen soll im Mai kommenden Jahres in London tagen. Die Einladung dazu geht von einer.: Londoner Damenkomitee aus, an dessen Spitze Frauen wie Lady Rothschild, Mrs. Adler und Mrs. Gaster stehen. Zweck der eigen artigen Konferenz ist die Besprechung über Mittel und Wege, wie di> soziale, geistige und moralische Lage der Juden in allen Gemeinden Englands zu heben sei. — Für den 27. und 28. Oktober ist in Rumänien die Einberufung eines jüdischen Gemeindetages nach Focsani angekündigt. Derselbe soll sich hauptsächlich mit der Frage beschäftigen, wie es möglich wäre, eine gesetzliche Anerkennung der jüdischen Gemeinden zu erlangen. — In Gueanbeyan (Neusüdwales) ist N. M. Lazarus, eine der angesehensten Persönlichkeiten, gestorben. Er war Friedensrichter und Rathsherr und hatte das Amt des Bürgermeisters ausgeübt. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.