Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 41 (11.10.1901)
- Date
- 1901-10-11
- Page
- Seite 2 (sequence 16)
- Language
- German
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2 um Hebung und Vervollkommnung seiner Fabrik so anerkannt und belohnt zll sehen. L. 8. Eydtkuhrren, 30. September, unserKai ser hat heute früh auf eine Anfrage wegen Empfanges einer Deputation der Abgebrannten in Wystiten (als deren Redner Herr Rabbiner Dr. Vogelstein- Königsberg designirt war) zur Dankesabstattung in herzlicher Weise in einem Telegramm seine Freude über diese Absicht kundgegeben. Das Telegramm lautet: „Auf Allerhöchsten Befehl theile dem Komitee für die Abgebrannten in Wystiten ergebenst mit, daß Se. Majestät der Kaiser und König Allerhöchst sich sehr über das Schreiben und die Absicht gefreut haben, daß aber Se. Majestät zu seinem Bedauern verhindert sind, die Herren hier (in Nominten) zu empfangen. Im Allerhöchsten Austrage: v. St. Paul, Forstmeister." Auch an den Zaren ist eine Dankesadresse abgegangen. kp. Aus der Provinz Posen, im Oktober. Der Oberpräsident zu Posen hat den Beschluß der Synagogeu-Gemeindevertretung in Ostrowo, für die Wahl von Repräsentanten das Dreiklassenwahlsystem mit verdeckten Stimmzetteln einzufnhren, genehmigt, obschon gegen diesen Beschluß ein Protest mit ca. 100 Unterschriften eingegangen war. — Mitte v. M. ist in Frehstadt der langjährige Vorsitzende des Nepräsentantenkollegiums daselbst. Herr Kaufmann Samuel Loewenthal. gestorben. — Kaufmann Koschmaun Wreschner in Obornik, bisher Stadtverordneter daselbst, ist zum Magislratsmitgliede gewählt worden. — Der Bezirksausschuß zu Posen hat den Beschluß der Stadtvertretung in Ostrowo, den Wochenmarkt vom 23. September wegen des Versöhnungsfestes auf den 24. zu verlegen, nicht genehmigt. Es ist dies zum ersten Male der Fall, wo hier einem solchen Beschluß die Genehmigung versagt wird. — Die Fabrikbesitzer Gebrüder Fabian in Tuchel haben zum Andenken all ihre verstorbenen Eltern der Synagogengemeinde daselbst zur Begründung einer Familienstistung einen Bauplatz und ein Kapital im Betrage voll 5000 Mark mit der Bestimmung überwiesen, ein Altenheim zu errichten, welches verschämten jüdischen Armen Ausnahme gewähren und den Namen „Elias Fabiansche Familienstistung" führen soll. — Der jüngst in Berlin verstorbene Kaufmann Moritz Silber hat seiner Heimathgemeinde Ostrowo 500 Mark mit der Bestimmung vermacht, daß die Zinsen alljährlich an Bedürftige vertheilt und hierfür an seinem Todestage ein Gebet verrichtet werden soll. — Am Nüsttage des Neujahrsfestes wurde die umfassend renovirte Synagoge in Ostrowo durch Chorgesang, Festpredigt und einen Umzug der Gemeindevertretung mit den Thorarollen eiugeweiht. Die Nenovirnng hat einen Kostenaufwand von 12000 Mark erfordert und wurde von dem Baumeister Alfred Peyser aus Pteschen geleitet. — Der israelitische Verein „Chewra Kadischa" in Ostrowo hat den Kaufmann M. Nothstein daselbst anläßlich seiner 25jährigen Zugehörigkeit zum Vereinsvorstande zum Ehrennütgliede ernannt. — Der Brauereibesitzer Simon Hermau ll in Nakel ist neulich im Alter von 78 Jahren gestorben. Der Verstorbene war 18 Jahre hindurch Stadtverordneter und Vorstandsmitglied der dortigen Synagogengemeinde. — Dem Rittergutsbesitzer Dr. jur. Lehfeld auf Lehfelde bei Wollstein ist ans Anlaß seines Scheidens von dort eine künstlerisch ausgeführte Adresse von den städtischen Behörden überreicht worden. Herr Dr. Lehfeld überwies der Stadt Wollstein eine Stiftung in Höhe von 3000 Mark, deren Zinsen alljährlich an die Armen daselbst ohne Unterschied der Konfession zur Vertheilung kommen sollen. — Der Kaufmann David Hartmann iuKobylagora ist zum Schulvorsteher der evangelischen Schule daselbst, welche auch von jüdischen Kindern besucht wird, auf die Dauer von 6 Jahren gewählt und bestätigt worden. — Nach 40 jähriger Dienstzeit ist der Lehrer Wolf in Wr eschen am 1. Oktober in den Ruhestand getreten. Nunmehr bleibt die Schule einklajsig. 8i. Benlheil O.-S., 1. Oktober. Plötzlich und unerwartet verschied zum Beginn des Laubhütteufestes das Vorstandsmitglied der hiesigen Synagogengemeinde Herr Louis Keßler, ein Ehrenmann in der umfassendsten Bedeutung des Wortes, ein edler Mensch, ein trefflicher Bürger. Unendlich viel dankt unsere Gemeinde seiner rührigen unverdrossenen Thätigkeit in den ihm zugewiesenen Zweigen der Verwaltung. Der Bau der kleinen Synagoge, die eben beendete Renovation des großen Gotteshauses, durch welche es ornamental sehr gewonnen — sind unstreitig das Verdienst des Heimgegangenen. Aber nicht minder ist sein Verdienst um die Errichtung des hiesigen jüdischen Altersheims, welchem er große Opfer und eine Hingebung gewidmet hat, die ihm allein ein dauerndes Andenken sichern. Der Verstorbene war vor 31 Jahren Kombattant im deutsch-französischen Kriege; die ihm verliehenen Ehrenzeichen aus demselben wurden dem Sarge vorangetragen. Groß und imposant war das Leichenbegängniß. eindrucksvoll die Grabrede des Herrn Rabbiner Dr. Kopfstein. Möge dem Dahmgeschiedenen die Erde leicht sein. ----- Oppeln, im Oktober. Der Synago gengemeind e-Verband für den N eg i eru ng sbe z i rk Opp e l n, der unter dem Vorsitze des Rechtsanwalts Schüller in Gleiwitz steht, hat eine Hauptversammlung für den 13. Oktober cr. nach Königs Hütte einberufen. Ans der reichhaltigen, 11 Punkte umfassenden Tagesordnung sind besonders hervorzuheben: 1. Errichtung einer Centralunterstützungskasse für Oberschlesien zur Beseitigung der Wanderbettelei (auf Antrag der Synagogengemeinde Beuthen). 2. Der Hilfsverein der deutschen Israeliten und seine Bedeutung für Oberschlesien. Berichterstatter Amtsgerichisrath Levy-Beuthen. 3. Bericht über die vom Gemeindeverbande unterstützten Religionsschulen. BerichterstatterAmtsgerichtsrath Glogauer. Der Waisenhansetat für die Unterhaltung der acht Zöglinge schließt pro 1901/02 in Einnahme und Ausgabe mit 890 Mark ab. Nach der Versammlung wird im Parkhotel ein gemeinschaftliches Essen der Delegirten stattfinden. N. Hamburg, 7. Oktober. Der von der Heury Jones- Loge begründete hiesige Verein für Arbeitsnachweis erstattete in seiner letzten Versammlung den Jahresbericht. In Laufe der ersten acht Monate dieses Jahres suchten 230 Personen, sowohl Hiesige als Auswärtige, um Beschäftigung nach. Es gelang der Verwaltung, über 25 Prozent den verschiedensten Berufen angehörende Bewerberin dauernde Ar^ beit zu bringen. Anderen zugereisten Personen wurde Rath und Auskunft zu Theil, solche, welche Hamburg wieder verlassen wollten und sich in Noth besanden. wurden unter Inanspruchnahme der sür sie in Betracht kommenden Wohlthätigkeitsvereme weiter befördert. Alle an den Verein sich wendende Bewerber haben ihre Zeugnisse einzureichen und Referenzen aufzugeben, so daß eine Gewähr für die Gewissenhaftigkeit der Empfohlenen gegeben ist. — Das Altenhaus der hiesigen dentsch - israelitischen Gemeinde hat jetzt für die Jahre 1899/1900 seinen Bericht herausgegeben. Dieser gedenkt einleitend des vollendeten Erweiterungsbaues und der Einweihung der neuen Synagoge und stellt dann u. a. folgende Einzelheiten fest. Ende 1899 befanden fick 20 Pfleglinge, Ende 1900 21 Pfleglinge im Altenhause, zu denen seit Beginn des laufenden Jahres 8 Pfleglinge hinzugekommen sind, so daß die Gesannntzahl gegenwärtig 29 beträgt. Dem Institut sind von den Herren Albert und Moritz Wolfs 15 000 Mark zur Stiftung eines Zimmers übergeben worden, zum gleichen Zwecke voll Herrn Sigmund Weil zum Andenken an seine verstorbene Gattin 15 000 Mark. — Hiesigen Blättern wird ans London telegraphier: Die jüdische „Kolonialbank der Z ionisten," 1898 auf Grund einer Volkssubskription mit rund 300 000 Aktionären gegründet, wird, nachdem sechs Millionen Mark Kapital baar eingezahlt find, in der Anssichtsrathssitzung vom 8. Oktober statutengemäß sür aktionsfähig erklärt werden und ihre Thätigkeit eröffnen. Die Blätter der Partei haben noch nichts darüber gebracht. U. L. Hamburg, 4. Oktober. Seit einiger Zeit machte sickeine Bewegung geltend zu Gunsten einer jüdischen Toynbee- Halle ähnlich der in Wien bereits bestehenden und der in Berlin in die Wege geleiteten. Gestern, am 21. September, fand die konstitnirendc Versammlung statt, und Herr Gustav Tuch, der an der Spitze der ganzen Bewegung steht, hat die Ziele und Zwecke der Tohnbee-Halle auseinandergesetzt. Es erhoben sich auch Stimmen, die die Meinung vertraten, daß gerade jetzt, da die Gründung einer internationalen Toynbee-Halle in Hamburg zu erwarten steht, eine besondere jüdische Veranstaltung der Begründung entbehre und den Antisemiten nur neues Anklagernaterial liefern könnte, daß die Juden sich abzusonderu geneigt wären. Der Vorsitzende betonte, daß die ewige Rücksichtnahme die Ursache vieler Mißstände im Judenthum sei, und daß ferner eine jüdische Gemeinschastsstätte doch besonders die Absichten verfolge jüdische Kultur und Litteratur, jüdisches Stammesbewußtsein und dergl. mehr zu pflegen und zu verbreiten, was die Theiluahme an der allgemeinen Toynbee-Halle jedoch nicht ansschließe. Die Versammlung faßte die Resolution, vorläufig auf ein halbes Jahr ein Lokal zu miethen, eine Lesehalle dahin zu verlegen, ein Klavier zu erwerben und durch Vorträge, gesellige Unterhaltungen, Darbietungen von