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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-10-11 · Heft 41 (11.10.1901) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 41 (11.10.1901)
Date
1901-10-11
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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65. Jahrgang. Nr. 41. Gerlin. U. Oktober 1901 'Uerkage zur „Allgemeinen Zeitung -es IuöenLHurns". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. Berlin, 7. Oktober. Der Verein für jüdische Geschichte und Litteratur hat seine Wintersaison mit einer Gedächtnißfeier zum hundertsten Geburtstage von Zacharias Frankel eröffnet, die einen sehr würdigen Charakter trug. Eröffnet wurde die Feier durch einen Gesang des Chors der Lindenstraßen-Synagoge unter Leitung seines vortrefflichen Dirigenten William Wolf. Es war das tiefergreifende 8oebarti loeb in der Komposition von Lewandowski. Hieraus folgte die Festrede, die Professor Dr. Adolf Schwarz. Rektor der israelitischen theologischen Lehranstalt in Wien, hielt und die auf die Zuhörer einen großen und nachhaltigen Eindruck machte. Professor Schwarz war ein Liebliugsschüler Frankels; er Pflanzt sein Erbe und seine Tradition in dem gleichen Berufe fort; er selbst hat durch Werke von hervorragender Bedeutung ans dem vom Meister angebauten Felde der höheren Talmudkritik sich ausgezeichnet. So war er sicher berufen, das Lebensbild des Lehrers nach allen Richtungen seiner weitverzweigten Wirksamkeit zu zeichnen. Dies hat Professor- Schwarz denn auch mit einer rhetorischen Meisterschaft gethan. die ihm von Anfang an die gespannte Aufmerksamkeit aller Hörer zuwendete. In scharfen, fest umrissenen Zügen schilderte er das Milieu des alten Prag, aus dem Frankel stammte, die Zeit, in der er lebte, seine Entwickelung als Rabbiner, als Forscher, im religiösen und öffentlichen Leben während der drei Etappen: Teplitz, Dresden, Breslau. Eine eingehende Besprechung der Rede können wir uns um so eher ersparen, als dieselbe ja schon in nächster Zeit im Druck vorliegen und Allen zugänglich sein wird. Aber hervorheben müssen wir für heute doch, daß Herr Professor Schwarz seine schwierige Aufgabe, in den knappen Rahmen einer Festrede eine solche Fülle von Stoff zu spannen, in glücklichster Weise gelöst hat. Seine Rede war geistvoll und interessant; auch selbst die, die das Wirken des großen Mannes nicht kannten, erhielten ein klares Bild von Frankel. Die aber, welche als Schüler zu seinen Füßen gesessen, sahen die Erscheinung des geliebten Lehrers von Neuem im verklärenden Lichte der Darstellung, die ein Erbe seines Geistes treu und wahr, kräftig und muthig, mit hinreißender Kraft der Rede, mit frommer Begeisterung und mit tiefer Ergriffenheit zu einem großen und schönen Bilde zusannnenfügte. Es ist selbstverständlich, daß dieses Bild den allgemeinen und reichlich verdienten Beifall der zahlreichen Zuhörerschaft fand, die sich aus den besten Kreisen unserer Gemeinde znsammensetzte. Mit dem Psalm 150 schloß der Chor die in jeder Beziehung würdige und eindrucksvolle Feier ab, durch die der Verein einen großen Gelehrten geehrt und seine Aufgabe, die Träger des Schriftthums und dieses selbst der allgemeinen Kenntniß weiter Kreise zu erschließen, von Neuem erfüllt hat. 8. Berlin, 4. Oktober. In unserer vorigen Nummer konnten wir bereits unseren Lesern den Inhalt des Bescheides mittheilen, den die Aufsichtsbehörde an die jüdische Gemeinde in der Frage der A usloosnng d er Reprä s entan tenstellvertr e ter gerichtet hat. Wir sind heute in der Lage, nachstehend die amtliche Verfügung im Wortlaut zu geben: „Der Polizei-Präsident. Abtheilung I. Berlin, den 24. September 1901. Unter Aufhebung meiner Verfügung vom 15. Juli d. I. erkläre ich nach nochmaliger Prüfung die von dem stellvertretenden Vorsitzenden der Nepräsentantenversammlung der hiesigen jüdischen Gemeinde am 28. August d. I. vorgenommene Ausloosung von nur zwei Repräsentantenstellvertretern für ungiltig und ordne von Aussichtswegen hiermit all, daß in Ausführung der Bestimmung im Z 16 des revidirten Gemeindestatuts eine neue Ansloosung stattfinde, zu der auch die bereits in das Repräsentantenkolleginm einberufenen Stellvertreter zu stellen sind. Indern ich dem Vorstande von dieser Entscheidung zur weiteren Veranlassung Kenntniß gebe, bemerke ich auf die Eingabe vom 10. d. M. ergebenst, daß sich die Ergänzungswahl demnach auf fünf Repräsentantenstellvertreter zu erstrecken haben wird. Zugleich fordere ich den Vorstand auf, zur Vermeidung künftiger Schwierigkeiten bei der Auslegung der Wahlvorschriften alsbald einen besonderen Statutennachtrag einzureichen. (gez.) von Windheim. An den Vorstand der jüdischen Gemeinde, hier." Der in der Entscheidung angezogene H 16 des revidirten Gemeindestatuts setzt die Zahl der zu wählenden Stellvertreter der Repräsentanten auf 10 fest. Diese Stellvertreter werden laut Bestimmung desselben Paragraphen auf sechs Jahre dergestalt gewählt, daß nach Ablauf von je drei Jahren die Hälfte der Gewählten ansscheidet; die nach dem Ablauf der ersten drei Jahre Ausscheidenden werden durch das Loos bestimmt, welches der Vorsitzende der Nepräsentanteuversannnlung zu ziehen hat. Vier von den ini Jahre 1898 gewählten Repräsentantenstettvertretern sind bereits definitiv in die Versammlung einberufen, und zwar die Herren Willibald Loewenthal, Justizrath Dr. Hermann Veit- Simon, Benas Levh und Adolf Mayer. Die ferneren sechs Stellvertreter gehören sämmtlich der konservativen Partei an; es sind die Herren Sanitätsrath Dr.Ja str owitz, Prof. Dr. L. La n dau, I. Boden stein ,B erth old I fra el. Js ido r S achs und Oskgr Berlin. Unter den genannten zehn Stellvertretern müßten nach der jüngsten Entscheidung fünf ausgeloost werden, die alsdann nur bis zum 1. Januar 1902 der Versammlung angehören, falls sie nicht in der Wahl am 28. November d. I. wiedergewäht werden. An Stelle der oben genannten vier liberalen Mitglieder der Repräsentanz können somit infolge der Ausloosung im günstigsten Falle vier der konservativen Stellvertreter in die Versammlung einrncken. §2 Berlin, 8. Oktober. Die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin sendet uns das Verzeichniß der Vorlesungen für Lehramtskandidaten und Lehrerinnen im Wintersemester 1901/1902. 1. Semester: Dr. E. Baneth wird lesen: 1. Pentateuch 2 Stunden, Donnerstags 5—7 Uhr; 2. Hebräische Grammatik 1 Stunde, Montags 3-4 Uhr. Herr Dr. S. Maybaum wird lesen: Bibelkunde 1 Stunde, Montags 4—5 Uhr. Herr Dr. Schreiner wird lesen: Geschichte der Juden 2 Stunden, Montags 5—7 Uhr. Beginn der Vorlesungen am 17. Oktober 1901. Anmeldungen nimmt entgegen Rabbiner Dr. S. Maybaum, Hinter der Katholischen Kirche 1. Berlin, 7. Oktober. Im Anschluß an unsere Notiz betreffend die Uebertragung einer Ober-Postsekretärstelle an Herrn Borchardt wird uns noch mitgetheilt, daß einige Beamte jüdischer Konfession bereits ähnliche Stellungen im Postdienst bekleiden. Außer einem seit kurzem in den Ruhestand getretenen Oberpostsekretär sind Beamte jüdischer Konfession, soweit dies zu ermitteln war, noch thätig als : Oberpostkassenkassirer, Generalpostkassenbnchhalter. Postkassirer und Oberpostdirektionssekretär. L2 Berlin, 7. Oktober. Vor 1'/2 Jahren wurde bekannt, daß der damals verstorbene Rentner Israel Keßler, dessen einziger Sohn geistesschwach ist, den größten Theil seines bedeutenden Vermögens der Shnagogengemeinde Adaß Jisroel testamentarisch vermacht habe. Da die Geschwister des Verstorbenen zu erkennen gaben, daß sie infolge bedrängter Verhältnisse eines Theiles von ihnen gewillt seien,-die Schenkung anzutasten, trat obige Gemeinde mit ihnen in Unterhandlung und bewilligte ihnen aus freien Stücken einen ansehnlichen Theil des Vermächtnisses. Die beantragte königliche Genehmigung zur Annahme der Schenkung ist vor kurzem erfolgt. Der vom Verstorbenen mit der Ordnung des Nachlasses betraute Kaufmann Nathan Wolfsohn hat die Allszahlung schon vorgenommen. u. Potsdam, 2. Oktober. Die schon oft in diesem Blatte rühmlich erwähnte Konservenfabrik W. Zinnert, Inhaber Leo Lehmann, wurde bei der hier jüngst in den Räumen des Orangeriegebäudes abgehaltenen großen „Märkischen Provinzial-Obstausstellung" mit ganz besonderen Auszeichnungen beehrt. Sie erhielt für ihre ausgezeichneten Fruchtkonserven nicht nur den „Ehrenpreis der Stadt Berlin", sondern auch die „bronzene Staatsmedaille". Es ist für die ganze jüdische Gemeinde, deren Vorsteher Herr Leo Lehmann seit vielen Jahren ist. eine besondere Freude und Ehre, die rastlosen Bemühungen desselben

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