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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-10-11 · Heft 41 (11.10.1901) · p. Seite 492

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 41 (11.10.1901)
Date
1901-10-11
Page
Seite 492 (sequence 14)
Language
German
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492 Sprechfaul. Geehrte Redaktion! (^Xer Wahlaufruf des liberalen Vereins für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde ist in der letzten Nummer der „Allgemeinen Zeitung des Jndenthums" zum Gegenstand der Besprechung gemacht. Da in derselben mein und meiner Kollegen Verhalten bei Gelegenheit des Geschenks der Bamberger'schen Erben behandelt wird, gestatten Sie mir wohl zur Richtigstellung der Thatsache einige Worte. Der Vorstand der Gemeinde hatte dem verstorbenen Abgeordneten Ludwig Barnberger in Anerkennung seiner hervorragenden Bedeutung einen Platz neben dem Abgeordneten Laster in der Ehrenreihe des Friedhofs angewiesen. Zum Dank für diese höchste Ehrung, welche die jüdische Gemeinde einem verstorbenen Mitgliede erweisen kann, hatten die Erben des Herrn Ludwig Bamberger eine Summe von 1000 Mark geschenkt, mit der Bestimmung, daß von den Zinsen des Kapitals jährliche Prämien an Schüler der jüdischen Gemeindeschule—mit Ausnahme der Religionsschuleu — gegeben würden. Zu solchen Prämien sollten Werke von allgemein wissenschaftlicher oder künstlerischer Bedeutung ausgewählt werden, Werke, welche die Liebe zum Vaterlande zu erwecken und zur Humanität u. s. w. zu erziehen geeignet seien. Der ausdrückliche Ausschluß der jüdischen Neligiousschulen, der Ausschluß ferner von Werken, welche die jüdische Religion oder Ges chichte betreffen, und alles dies noch dazu beansprucht von aus dem Judenthum ausgeschriebenen Bambergerschen Erben, erschien uns so kränkend für eine Neligionsgemeinde, deren ganzes Schulsystem doch aus Erziehung zur Vaterlandsliebe, zur Humanität und zum Festhalterl der überlieferten Religion gerichtet ist. daß wir gegen die Annahme der Schenkung in der Junisihuug der Neprüsentanten-Versamm' lang stimmten. Am 2. Juli 1899 erschien darauf eine Mittheilung in der „Voss. Zeitung", worin in schmählicher Weise die „konservativen" Mitglieder, welche gegen die Annahme gewesen waren, der Rückständigkeit u. s. w. vor der Oeffentlichkeit geziehen wurden. Hierdurch waren die Mitglieder der Minorität gezwungen, auch ihrerseits in der Vossischen Zeitung v. I. im Juli eine Erklärung zu veröffentlichen, worin sie ihr Verhalten und ihre Abstimmung motivirten. Diese Erklärung war unterzeichnet von Justizrath Apolaut. Professor Dr. Baginski. Professor Dr. Lewiu und von mir. Unserem Votum schlossen sich an Geheimrath Professor Senator und Jul. Oppenheim, welche zur Zeit von Berlin abwesend waren. Diese Meinungsverschiedenheiten, die also zu erst von den so „friedlichen" Herren in die Presse gezerrt worden sind, erregten die Aufmerksamkeit des Herrn Ministers Dr. Bosse, welcher sich nun über die Angelegenheit aufzuklären wünschte. In der Unterhaltung gab der Minister nnverholen seiner Verehrung sür Bamberger Ausdruck. Er stellte seine Persönlichkeit und seine Wirksamkeit sehr hoch und bemerkte noch, daß Bamberger selbst, bei seiner Feinfühligkeit, wohl nie eine solche Bestimmung, die vielleicht verletzen könnte, kaum getroffen haben würde. Auch glaubte der Minister zugebeu zu müssen, daß keine katholische oder evangelische Kirchengemeinde eine solche Klausel bei einer solchen Stiftung anuehmen würde. Die Genehmigung zur Annahme der Schenkung würde aber gegeben werden, da für die Staatsregieruug keine Gründe zur Verweigerung vorlägen, wenn die jüdische Gemeinde selbst die Stiftung angenommen hätte. Was den sonstigen Inhalt der „liberalen" Ausführungen betrifft, so kann ich an dieser Stelle auf eine Richtigstellung jener Behauptungen nicht eingehen. Geh. Sanitätsrath Dr. Blu menthal. 4 Geehrte Redaktion! Ausführungen des Herrn Dr. Heinr. M. Cohn in Rr. 38Ihres Blattes sind, soweit die Wiener Allianz in Betracht kommt, nicht zutreffend. Es ist nicht richtig, daß die Israelitische Allianz zu Wien nur innerhalb Oesterreichs thätig ist. Dieselbe hat s. Z. anläßlich der Verfolgungen in Rußland einen besonders hervorragenden Antheil am Hilfswerk genommen und steht jetzt neben der (^. an der Spitze der Hilfsaktion für Rumänien, für welche die Wiener- Allianz seit vorigem Jahre allein bereits ca. 350 000 (dreihundertfünfzigtauseud) Kronen ausgegeben hat. Es ist demgemäß auch nicht richtig, der Höhe der Jahresbeiträge eine entscheidende Bedeutung bei.' zumessen. Diese sind vielmehr lediglich für die laufenden Ausgaben und die erfahrungsgemäß sich als nothwendig erweisenden jährlichen Subventionen bestimmt, während für ungewöhnliche Katastrophen und besondere Erfordernisse jedesmal eigene Sammlungen veranstaltet werden. So ergab im verflossenen Berichtsjahre bei der Aktion für Boryslav eine Spezialsammlung 32 252 Kronen, eine Sammlung für Palästinakolonien 31 891 Kronen, eine ebensolche für die rumänischen Emigranten 222 848 Kronen (auch das Defizit von über 120 000 Kronen gegenüber der obenerwähnten Ausgabe sür Rumänien soll durch eine Sammlung der Allianz in engerem Kreise in Wien selbst aufgebracht werden). Es kann dabei als ganz sicher betrachtet werden, daß, wenn statt der Wiener Allianz hier nur die Filiale eines ausländischen Vereins bestehen würde, dieselbe auch nicht den zehnten Theil, weder der Jahresbeiträge noch der besonderen Spenden, ausbringen würde, und es muß in dieser Beziehung dem Verfasser des Artikels „Die drei Allianzen" vollkommen Recht gegeben werden. Wien, 20. September. Hochachtungsvoll Dr. Armand Kaminka, Sekretär der Israelitischen Allianz zu Wien. 4 Verehrliche Redaktion! <Mhr Karlsruher Berichterstatter in Nummer 35 hatte richtig verumthet, wenn er am Schlüsse seines Artikels ansführte, „in der badischen Lehrerschaft ist kein Boden sür Antisemitismus". Die „Badische Schulzeitnng" bringt in ihrer Nr. 34 folgende Erklärung : „In der letzten Nummer dieser Zeitung war aus Versehen eine Flugschrift beigelegt unter dem Titel: „Brennende Fragen". Bei näherer Betrachtung stellt sich die Schrift als ein antisemitisches Machwerk dar. mit dessen Inhalt weder Verlag noch Redaktion einverstanden sind; die „Badische Schulzeitnng" hat mit Antisemitismus durchaus nichts zu thnn." Verlag und Redaktion. Auch die „Nene Badische Schulzeitnng", der irrtümlicherweise diese Hetzschrift beigelegt wurde, sieht sich zu folgender Erklärung veranlaßt: „Zu unseren! größten Bedauern sind die „Brennenden Fragen" von Th. Fritsch, eine der verwerflichsten antisemitischen Lügen-Hetzschriften, auch dieser Zeitung beigelegt worden. Wir haben Sorge getragen, daß etwas Derartiges nicht mehr möglich ist, und erklären gern, daß die Redaktion nicht die geringste Schuld trifft. Der Verlag der „Neuen Badischen Schulzeitnng". Auch von vielen Kollegen wurde dem Einsender gegenüber ihr Abscheu gegen diese Schandschrift ausgesprochen. Mannheim, 23. September. Hochachtend B. Rosenthal. Geehrter Herr Redakteur! <Akn dem jüngsten, sehr interessanten Aufsatz des Herrn Dr. Ziegler- Karlsbad befindet sich ein kleiner Jrrthum. Chamberlain ist nichts weniger als Univerfitätsprofessor, sondern ein ganz untergeordneter literarischer Dilettant, der von den Fachmännern nicht ernst genommen wird. Berlin, im September. Ergebenst N. kV Geehrte Redaktion! ^in angeblicher Großhändler Na tha n Feldschnh aus Borszczow ersucht als angeblicher Synagogenvorstand in Briesen nach hierum Beiträge für den Bau der Synagoge in Borszczow. Erkundigungen in Borszczow ergaben, daß Feldschuh weder Synagogenvorstand, noch Großhändler ist. Berlin, 11. September. Hochachtungsvoll c. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Mar Bauchwitz in Berlin.

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