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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-10-04 · Heft 40 (4.10.1901) · p. Seite 475

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 40 (4.10.1901)
Date
1901-10-04
Page
Seite 475 (sequence 9)
Language
German
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475 Liebes- und Eheverhältniß des österreichischen Aristokraten mit der heidnischen Tochter eines fremden Volksstammes ist eine ebenso poesievoll angehauchte wie sachlich schlagende Beiveisiührung für die geistige Fähigkeit dieses Mannes, auch den Kindern Israels ein offenes Auge und ein warmes Herz entgegenzubringen. In Japan verblieb der Graf bis zum Jahre 1896; er war während des japanisch-chinesischen Krieges Geschäftsträger seiner Negierung und erhielt von derselben für seine in dieser britischen Zeit geleisteten Dienste den Orden der eisernen Krone. Lin Jahre 1893 wurde er nach Siam und China geschickt, um dem Erzherzog Franz Ferdinand entgegenzufahren, welcher sich damals auf seiner großen Weltreise befand. Mit dem Erzherzog reiste er dann von Canton bis Dokohama. Nachdem er dann im Jahre 1896 mit seiner Gemahlin Korea, Ostsibirien, Indien, Syrien, Aegypten und Italien bereist hatte, kehrte er endlich nach seinen böhmischen Gütern girück. Mittlerweile war sein Vater gestorben, und Graf Heinrich entschloß sich, die Administration des Familienvermögens zu übernehmen. Den ihm angebotenen Posten nies Geschäftsträgers in Siam und eines Konsuls in Singapur« chlng er daher aus und verließ im Jahre 1897 definitiv die Kplomatische Karriere mit dem Zengniß der Anerkennung eines Kaisers für seine vielseitig geleisteten Dienste. Jetzt lebt der Graf auf seinen Gütern, und der weitaus» gedehnte Besitz legt ihm mannigfache Pflichten auf. Dennoch ann er nunmehr ungehindert den Lieblingsneigungen seiner rüsten und religiösen Natur folgen und sich den theologischuissenschaftlichen Studien widmen, welche, nebst der Herausgabe von Werken politischen und philosophischen Inhalts einen Geist befriedigen und seinem Dasein die spezifische Zignatur eines werthvolleren Adels geben, als seinen Rangnid Standesgenossen gar oft eigen zu sein Pflegt. Nur schwer widerstehe ich der Versuchung, aus seinem großen Werk, das, nebenbei bemerkt, von einer ungeheuren Erlesenheit zeugt, originelle Proben seiner scharf ausgeprägten Eigenart und vor allem Proben seines für alles Gute und idle erglühenden Herzens zu geben — der Kritiker wird nicht umhin können, auch Unebenheiten zu entdecken und zu wideregen (ihm überlasse ich gern dies undankbare Geschäft). Ich oill nur noch, was besonders die Leserinnen, also die Gattinnen und solche, die cs gern werden möchten, und die lieben Mütter - bis zur Urahne hinauf — interessirt, ihnen will ich nur noch mitheilen, daß unser Graf Heinrich mit seiner Mitsu Ayoama ihren christlichen Taufnamen kenne ich nicht) das glücklichste cheleben führt (Gott erhalte es ihm noch lange, lange!), und xrß das Paar mit fünf Kindern gesegnet ist: zwei Mädchen und drei Bübchen — vorläufig! Barbaren. Von Oskar T. Schweriner. Chinesen sind Barbaren. Wenn sie es nicht wären, so brauchten ja auch keine Missionäre hinüberzufahren, sie von ihrem BarbarenLhurn zu befreien. Wenn sie s nichtlwären, dann hätten sie die Gesandtschaften nicht bedroht,^ die Missionäre nicht gemordet. Was sie dazu führte, 'Olumt nicht in Betracht; sie thaten es, sind sie Barbaren. Nun, Prinz Tschun. der Sühneprinz, wie er unabänderlich mal heißt, ist hierher gekommen, um Abbitte zu leisten. Er sollte den Kotau machen — er hat es nicht gethan. Es ging auch ohne. Aber warum wollte er nicht kotanen? Warum wollten es nicht einmal seine Begleiter? Thun sie es doch tagtäglich vor ihrem Kaiser? Ja, das ist auch etwas ganz anderes. Vor ihrem Kaiser! Dem Sohn des Himmels, dem Civilisirten! Aber hier, im Lande der Barbaren — nimmer! Nach unserer Auffassung sind die Chinesen Barbaren. Nach ihrer Auffassung sind wir es. Wer denkt da nicht unwillkürlich an Sudermanns „Ehre"! Ehre — ein Begriff, Barbar — augenscheinlich auch ein Begriff. Brockhaus definirt Barbar mit ungebildet, roh, grausam, mangelnde Bildung. Diese Definition zur Grundlage nehmend, wer hat Recht? Die Chinesen haben ihre Boxer, ein rohes, grausames, ungebildetes Volk — aber es befindet sich kein Graf darunter, und es hat die Entschuldigung einer politischen Aktion, einer Freiheitsbewegung. Wir haben auch , viel rohes, grausames, ungebildetes Volk, aber ohne die Entschuldigung einer politischen Altion oder Freiheitsbewegung. Soeben hat mir die Post eine Ausgabe des „New Jork Journal" gebracht, irr der einer dieser „Barbaren", Wu Ting Fang, chinesischer Gesandter in Washington, in einen: feuilletonistischen Beitrage wörtlich Folgendes sagte: Es ist durch historische Thatsachen erwiesen, daß die Juden und die Chinesen sich vor vielen, vielen Jahrhunderten recht nahe standen. Einer der berühmten Propheten der Ersteren, Jesaiah, erwählst in einer seiner berühmten und frommen Predigten des Landes Sinai, welches ein Beweis dafür ist, daß er China kannte; und im dritten Jahrhundert, wenn ich mich nicht irre, kamen die Juden als Kausleute und Handwerker zu uns — traten in geschäftliche Beziehungen zu uns. Damals brachten sie Priester und gelehrte Leute aus ihrem eigenen Lande mit. auch ihre heiligen Bücher, und mit ihrem Ritus und ihren Sitten mischten pnengten) sie sich unter die Chinesen. Sie vertrugen sich mit den Chinesen sehr gut. Daun im zwölften Jahrhundert finde ich. daß sie eine Synagoge hatten, in der Stadt, welche damals Piulau genannt wurde und jetzt als Kiung Chan bekannt ist. Hier betrieben sie ihre Geschäfte, hier hatten sie ihre Synagogen, und hier blieben sie viele Jahrhunderte bis zum Jahre 1849. In diesem Jahre wurde die Stadt durch eine außerordentliche Fluth zerstört. Man sagt, die Kolonie der Juden in China habe eine beträchtliche Größe erreicht; sie wurde auf ungefähr 5000 Menschen geschätzt. Diese ließen sich im mittleren Theil Chinas nieder, aber im Laufe der Zeit wurde die Zahl kleiner und kleiner, bis sie sich jetzt noch auf höchstens 200 bis 300 beläuft. Diese Juden, welche nach China kamen, wurden nicht verfolgt, obwohl ihre Religion verschieden von der nationalen Religion war; sie blieben unbelästigt, sie oblagen ihrem Berufe genau so wie die Eingeborenen. Sie wurden Kausleute, Andere betrieben ihr Handwerk, und Einige wurden sogar Negierungsbeamte —, militärisch und Civil. So sehen wir, daß die Juden in China chinesische Unterthaueu waren; sie bildeten ein anständiges Element, sie waren da als ein Theil des Volkes. Sie störten weder unsere Sitten, noch verhöhnten sie unsere Gesetze. Nun behaupte ich nicht, alle Mysterien der jüdischen Religion oderalle diesbezüglichen Bücher zu kennen, aber so viel ich weiß, war der größte ihrer Propheten Moses. Und wohl mögen sie stolz auf ihn sein. Moses hat den Charakter der Juden geformt. Er hat Großes sür sein Volk gethan. und sie haben allen Grund, stolz auf ihn zu sein und seinen Vorschriften zu folgen. In China hatten wir auch einen solchen Mann. Confucins that sür die Chinesen, was Moses für die Juden gethan. Dafür haben wirCousucius zu danken. Es ist eigenartig, welch eine Ähnlichkeit in gewissen Beziehungen zwischen Confucins und Moses herrscht: in ihren Vorschrifteis. in ihrer

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