Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 39 (27.9.1901)
- Date
- 1901-09-27
- Page
- Seite 2 (sequence 16)
- Language
- German
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2 1 Stunde, Dienstags 8—9 Uhr. 2. Homiletische Hebungen, 2 Stunden, Freitags 8—10 Uhr. Dr. Schreiner wird lesen: 1. Alte Pentatenchkommentare. 2 Stunden. Sonntags 10—12 Uhr. 2. Erklärung der 12 kleinen Propheten, 2 Stunden. Dienstags 9—10 und Mittwochs 10—11. 3. Geschichte der jüdischen Schriftauslegnng und der hebräischen Sprachwissenschaft, 1 Stunde, Sonntags 12 -1 Uhr. 4. Saadia, Emnnoth we-deoth, 2 Stunden' Dienstags und Mittwochs 12—1 Uhr. -V Systematische Religions- Philosophie, 2 Stunden. Mittwochs und Freitags 11—12 Uhr. 6. Geschichte der Inden, 2 Stunden, Dienstags und Freitags 10—11 Uhr. 7. Historische Hebungen, 1 Stunde, Dienstags 11—12 Uhr. Die Eröffnung des Wintersemesters findet am 15. Oktober um 12 Uhr Mittags statt. Alle Vorlesungen an der Anstalt sind unentgeltlich. --- Berlin, 20. September. Der Verein ehemaligerSch n l e r der Knabenschule der jüdischen Gemeinde zu Berlin veranstaltet am Sonnabend, den 5. Oktober d. I., Abends 8'/^ Uhr, in den renovirten Festsälen des Grand Hotels Alexanderplatz (Neues Konzerthaus), unter Mitwirkung bewährter künstlerischer Kräfte, eine musikalische Abendunterhaltung mit anschließendem Tanzkränzchen. deren Ueberschuß für den Unterstützungssonds des Vereins bestimmt ist. Eintrittskarten zu Mark 0.50 sind bei den Vorstandsmitgliedern zu haben. Vorsitzender ist Herr Dr. Lachmann, Landsbergerstraße 89. L. 8. Eydtktthnen, 12. Septemb r. Der deutsche Kaiser hat ail das Komitee für die Abgebrannten in Wisthten aus die telegraphische Dankadresse desselben für die hochherzige Spende von 10 000 Mark folgende drahtliche Antwort, datirt Potsdam, 4. September, gesandt: „Ich danke bestens für den freundlichen Segensgruß. Ich habe mich gefreut, zur Linderung der dringendsten Noth unter den vom Brandunglück Betroffenen beitragen zu können und hoffe, daß das Komitee durch Spenden barmherziger Nächstenliebe in den Stand gesetzt werde, den in ihrer wirthschastlichen Existenz bedrohten Unglücklichen noch weitere Hilfe zu spenden, gez. Wilhelm." Das hiesige Komitee für die Abgebrannten in Wisthten hat im Verlaufe von wenigen Tagen die verhältnißmäßig große Summe voll über tausend Mark — außer Kleidungsstücken und Wäsche -- aufgebracht. Es ist als besonders lobeuswerth anzuerkennen, daß all der Spende für die vom Brandunglück so schwer betroffenen, größtentheils armen jüdischen Leute sich auch unsere christlichen Mitbürger in hervorragender Weise betheiligt haben. Nabbi Iizchak Elchin in Niederland, der Rabbiner des abgebrannten Grenzstädtchens. läßt in der „Hazesirah" die Nachricht von der großmülhigen Unterstützung bestätigen, welche Kaiser Wilhelm U. und Zar Nikolaus den schwer getroffenen Bewohnern des Ortes gewährt haben. Außer der Spende voll 10000 Mark in baar läßt Kaiser Wilhelm täglich 500 Pfund sertiggebackenes Brod in das Städtchen hinüberbriugen. Ferner gelangen täglich unter Aufsicht deutscher Beamten große Mengen koscher geschlachteten Fleisches zur Vertheilnng. e. Nogaseir, 16. September. Alls Anlaß der Uebersiedelung des nach Berlin berufenen Rektors Hermann Cohn fanden Hierselbst die verschiedensteil Ehrungen für denselben statt. Am 7. d. M. kam eine Deputation ehemaliger Schüler in die Wohnung des Herrn Cohn und überbrachte als Abschiedsgeschenk eine prachtvolle goldene Uhr lilit entsprechender Widmung. Herr Eohn dankte dem Sprecher der Deputation mit herzlichen Worten.—Am Nachmittag versammelten sich die Mitglieder des hiesigen Lehrervereins und einige geladene Gäste im Saale des Alexauderparks zu einem Abschiedskommers. Hierbei bot sich ein seltenes Bild konfessioneller Eintracht dar, das unter den heutigen Verhältnissen um so höher zu schätzen ist. Herr Lehrer ein. Paech — Vorsitzender des Vereins — hielt die Eröffnungsansprache. worauf der Rektor der katholischen Volksschule, Herr Nakowski, den Gefühlen der Liebe und Verehrung der Lehrerschaft für den Scheidenden in tief empfundenen Worten Ausdruck verlieh. Der Hanpttehrer der evangelischen Schute, Herr Bergert, hatte zu dem Kommerse mehrere Tafellieder erusten und heiteren Inhalts verfaßt und drucken lassen. Herr Cohn dankte mit bewegten Worten und gelobte, seinen Kollegen ein treues Andenken bewahren zu wollen. Die Iidelitas zog sich bis in die späte Nacht hillein und zeigte, daß das Lehrerherz noch nicht vom konfessionellen Hader angefressen ist. Der ziemlich große Lehrerverein, in dem alle Konfessionen vertreten sind, zählt nur zwei jüdische Lehrer (Herrn Cohn und Herrn Brock) zu seinen Mitgliedern. — Die näheren Freunde und Bekannten des Herrn Rektors Cohn ließen es sich nicht nehmen, ihn durch eine Abschiedsfeier im Zarnikoschen Saale zu ehren. In der jüdischen Volksschule deren Hauptlehrer Herr Cohn seit 1888 war, und an welcher er er. 18 Jahre gewirkt hatte, gestaltete sich der Abschied gleichfalls zu einer eindrucksvollen Feier. In Gegenwart der festlich geschmückten Schüler und des Lehrerkollegiums dankte die Schülerin Minna Lindau den Scheidenden mit Worten der innigen Verehrung. Hierauf hielt Lehrer Brock die Abschiedsrede und ließ die von den Schülern un > Lehrern gestifteten kostbaren Abschiedsgeschenke überreichen. Herr Coh: dankte mit herzlichen Worten und nahm von den Schülern bewegter: Abschied. Möge dem wackeren Manne in seinem neuen Wirkungskreise ail der jüdischen Gemeindeschule in Berlin gleiche Anerkenulru - und Liebe zu Theit werden! U Leipzig, 22. September. Wir erhalten den folgenden Aufruf zur Gründung von Spar- und V ersi ch eru ng s v e r ei n e wegen Beschaffung eines Lehrgeldes kür schulentlassen Mädchen. Der Wohlthätigkeitssinn unserer Glaubensgenossen ist zu jeder Zeit und unter dem größten Druck von außen thätig gewesen: diesem Wohlthätigkeitssinn ist znm größten Theil die Erhaltung unsere. Religionsgenossenschast zu verdanken. In unserer Zeit beschränkt sicu dieses Wohlthnn nicht nur daraus, die Leiden der Armen und Kranken zu lindern, es bekundet sich viel mehr als sonst in der Fürsorge sü die Kindheit und Jugend. Namentlich ist es die letztere, die dura bessere Erziehung, durch Vorbereitung zu nützlicher Berufsthätigkei vor den Nebeln der Verarmung und vor Entsittlichung möglich?' geschützt werden sott. Kindergärten und Kinderhorte für jüdisch Kinder werden ins Leben gerufen. An vielen Orten giebt es Stif tungen, die den Knaben das Lehrgeld für eine Berufsbildung gewähren Für die Mädchen besitzen wir noch keine solche Wohlfahrtseinrich tung. Und doch ist die Zeit vorüber, wo man glaubte, die Erwerbs frage für die Mädchen nur durch die Heirath lösen zu können. Di verfrühten und leichtsinnig geschlossenen Ehen haben Zustände erzeug! die es als eine dringende Notwendigkeit erscheinen lassen, die Mädchen cinem selbständigen Erwerbe zuzuführen, der ihnen späterhin auch ider Ehe zu Gute kommen kann. Ist diese „Selbständigkeit" und dl „Erwerbsthätigkeit der Frau" eine allgemeine Forderung unserer Zei; so ist sie es ganz besonders in Rücksicht aus unsere Glaubensgenosse! Nirgends so sehr als in unseren armen Familien ist das traurige Won multiple in miserz zur Wahrheit geworden. Von solchen Gesichts punkten geleitet, haben wir in Leipzig einen Spar- und Versicherungs verein gegründet, der die einzelnen Mitglieder nicht belastet und ein große Betheiligung von seiten Zustimmender gestattet. Das Lehrgel wird beschafft durch die Kinderversicherung der Gesellschaft „Viktoria in Berlin. Ein wöchentlicher Beitrag von 20 Pfennig, währeitt zehn Jahren für ein Kind gezahlt, sichert ihm ein Lehrgeld von 110 Mark. Diese 20 Pfennig werden wöchentlich von der „Viktoria abgeholt, so daß dem Verein keine Kosten für Botenlohn erwachsen Neben dieser Versicherung haben wir eine Sparkasse mit einmalige! größeren Spenden gegründet, um dem augenblicklichen Bedürfnisse zi genügen. Wir sind dadurch in den Stand gesetzt, bereits Oster, dieses Jahres eine Anzahl von Mädchen mit einem Lehrgeld zu ver sorgen. Indern wir uns gestatten, die Aufmerksamkeit unserer Glau beusgenossen auf diese so hochwichtige Angelegenheit zu lenken, gebe, wir uns der Hoffnung hin, daß es nur dieser Anregung bedarf, im überall derartige Spar- und Versichernngsvereine zu gründen. De Segen, den sie dadurch stiften, bleibt nicht beschränkt auf das einzeln Mädchen; er wirkt weiter auf die Familie durch den Einfluß, den ein tüchtige, zur Arbeit geschickte und an Arbeit gewöhnte Frau auf da. Haus, auf Mann und Kinder ansübt. Möge unser Ausruf willig Herzell und Hände finden! Frau Dr. Henriette Goldschmidt Alphons Jacobson. Es wäre dringend zu wünschen, daß aucl in anderen Gemeinden dieses Beispiel Nachahmung fände! — Seesen, 20. September. Das Festprogramm zur hundert jährigen Stiftungsfeier der Jacobson-Schule lautet Mittwoch, 25. September, Abends 8 Uhr: Fackelzug der Schüler durcl die Straßen der Stadt, nachher Empfang der auswärtigen Festgäste uni Vorfeier im Saale des Herrn Keuzler. Donnerstag, 26. Sept., Vormittags 10>/2 Uhr: Festgottesdienst in der Synagoge der Schule. Nachher Versammlung der Ehrengäste im Hause des Direktors. Mittags 12 Uhr: Iestaktus in der Turnhalle der Anstalt. Nachmittags 2^> Uhr: Gemeinsamer Zug znm Schützenzelt und Festessen daselbst. Abends 7 Uhr: Festspiel in der Turnhalle der Anstalt, nachher von 9 Uhr an Tanz und geselliges Zusammensein im Saale des Herrn Keuzler. Freitag,