Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 39 (27.9.1901)
- Date
- 1901-09-27
- Page
- Seite 466 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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er begraben war und Jochanan dreißig Tage um ihn geträllert hatte, erinnerte er sich des letzten Wunsches seilles Vaters, und er eilte, ihn zu erfüllen. Er wartete auf der Straße, bis er einen Mann daherkommen sah, der ein prächtiges Gefäß trug. Er fragte ihn, ob er dasselbe verkaufen wollte. Der Mann antwortete: „Ja." „Wie viel willst Du dafür habend" „Hundert Goldstücke," sagte der Mann. „Gieb es mir für 60," sagte Jochanan. Der Mann weigerte sich und ging. Aber Jochanan war eingedenk des Wunsches seines frommen Vaters, rief dem Manne nach und sagte: „Gieb mir das Gefäß, hier sind die 100 Goldstücke, die Dir fordertest." Der Mann antwortete: „Wenn Du mir 200 Goldstücke geben willst, sollst Du es haben, wenn nicht, muß ich meines Weges gehen." Jochanna sagte darauf: „Ich will Dir nicht mehr geben, als die 100 Goldstücke, die Du verlangt hast." Der Mann entfernte sich. Aber Jochanan gedachte des letzten Wunsches seilles Vaters, und er wußte, daß er das Gefäß kaufen mußte, um denselben zu erfüllen. Darum rief er den Mann nochmals und sagte: „Hier sind die 200 Goldstücke, die Du haben willst." Der Mann erwiderte: „Wenn Du mir 1000 Goldstücke auszahlen willst, sollst Du das Gefäß haben, sonst muß ich gehen." Jochanna merkte nun, daß der Mann seine Forderung immer erhöhte, wenn er nicht znschlug, und um den letzten Wunsch seines Vaters zu erfüllen, kaufte er es sofort für 1000 Goldstücke und trug es heim. Hier bewahrte er es auf. Manchmal versuchte er es zu offnen, aber es gelang ihn: nicht. Das Passahfest kam heran, und als er mit seinem Weibe in der festlich geschmückten Wohnung den erstell Abend feierte, bat er es, das Gefäß auf die Tafel zu stellen zu Ehren des hohen Festtages. Das fromme Weib that, wie ihm geheißen. Und diesmal gelang es Jochanan, das Gefäß zu öffnen. Er fand darin noch ein kleineres Gefäß eingeschlossen. Er öffnete auch dieses und darill lag ein kleiner Skorpion. Bei diesem Anblick erschraken sie Beide. Jochanan nahm ihn Heralls und gab ihm etwas Speise. Das Thier kroch um seinen Hals, umfaßte und küßte ihn. Als es gesättigt war, setzte Jochanan es wieder in das kleine Gefäß, dieses in das große und schloß dasselbe. Jochanan sagte dann zu seinem Weibe: „Mein Vater hat mich wohl nicht umsonst geheißen, so zu handeln. Wir wollen den Skorpion füttern und großziehen und dann sehen, was daraus wird." Wie weit die pietätvolle Ehrung des von dem verstorbenen Vater ausgesprochenen Wunsches den guten Sohn jedes andere Interesse hintenansetzen ließ, obwohl auch er von dem ans Vortheil gerichteten kaufmännischen Sinn durchaus nicht frei war, wie die Handelsszene erkennen läßt, wird dann weiter ausgesührt: „Sie fütterten den Skorpion, der immer größer und größer wurde und mit jedem Tage mehr verschlang. Bald hatte er in dem größten Gefäße keinen Raum mehr, und erwuchs und wuchs lind verschlang alles was mall ihm gab. Bald wurde er so groß wie ein riesiger Berg, und Jochanan hatte nichts mehr, was er ihm zur Nahrung geben konnte, denn sein Vermögen war anfgezehrt, sein Weib und er verkauften schließlich ihre Kleider, nur um dem Skorpion Nahrung zu verschaffen. Als sie aber nichts mehr hatten, warf Jochallall sich wieder vor Gott und betete zu ihm: „Du weißt, v Herr, daß ich alles hingegeben habe, um den Wunsch meines Vaters zu erfüllen, und daß ich nun nichts mehr habe. Enthülle mir, was mit dem Skorpion geschehen soll, den ich aufgezogen habe und wozu er nütze ist!" Da öffnete der Skorpion seinen Mund und sprach: „Gott hat Dein Gebet erhört und mir erlaubt, zu Dir zu sprechen. Ich weiß, daß Du alles für mich gethan hast, was Du thlln konntest. Nun darfst Du eine Bitte aussprechen, und sie wird Dir erfüllt werden." Jochanan antwortete und sprach: „So lehre mich denn alle Sprachen der Welt." Er that es, und Jochanan verstand die Sprache aller Thiere, Vögel, Fische und alle Sprachen der Welt. Daun sagte der Skorpion: „Laß auch Dein frommes Weib, die so viel Mühe mit mir gehabt und mich mit solchen! Eifer bedient hat, einen Wunsch aussprechen, und er soll erfüllt werden." Den von dem Weibe gewünschten Reichthum erhielten sie auch irr reichstem Maße, und nachdem sich der Skorpion als Sohn Adams zu erkennen gegeben und Jochanan auf dessen Wunsch gesegnet hatte, nahm er von ihnen Abschied. Nun beginnt der zweite Theil, der die weiteren Schicksale Jochanans vorführt, und worin wir die bekannten Mürchenerscheinungen wiederfinden, die wir als typisch in den Grimmschen Bearbeitungen wie auch vielfach in den arabischen Märchen kennen. Jochanan wird vom Könige, dessen Gunst er sich durch seine Weisheit erwirbt, ausgesandt, die Prinzessin Goldhaar aufzusuchen, die er zu seiner Gemahlin machen will, und die ihm Jochanan zuführen soll; sonst sollte er sowie sein ganzes Geschlecht und alle im Lande wohnenden Inden des Todes sein. Er zieht hinaus, es gelingt ihm, sich durch die Vertheilnng der von ihm mitgenommenen Brode drei Thiere zur Dankbarkeit zu verpflichten, die ihm zur Auffindung der Prinzessin und zur Lösung der ihm von Dieser gestellten zwei Aufgaben — in der ersten Version waren es drei, in der Bodleiana-Ausgabe nur noch zwei — verhelfen, worauf sie mit ihm zum Könige geht. Eine dieser Aufgaben bestalle darin, daß er ihr Wasser aus dein Garten Eden und solches ans der Hölle verschaffen mußte. Mittelst des ersteren ruft sie ihn, der von seinen Feinden erschlagen wird, ins Leben zurück, während sie den irr der Schlacht gefallenen König mit dem Wasser der Hölle besprengt und somit verbrennt. Jochanan dessen Weib inzwischen getödtet worden war, wird null König und Gemahl der schönen Prinzessin Goldhaar. Lvn.rL'rodl Wie preußische Sukkah. Eine Iugenderi» neriing. . . . thweegu'«», revient touMN'8 n »es prämier!; -nimmst Das Wort wills mir nicht aus dem Sinn — namentlich in dieser Festzeit. Immer und immer wieder kehren die Gedanken zurück in die Vergangenheit, in die Heimath, in die Jude» gasse . . . Bis sie endlich vor dem kleinen Hanse Halt mache» das man das Rabbinerhans nannte, und in dem meine Eltern mehr als dreißig Jahre lebten. Und in diesem Hanse ist es nun wieder die Sukkah, zu der die liebsten Jugenderinnernngeu rückkehren. Zwar ihr Aeußeres war wenig einladend, und das Jahr über wurde sie oft zu recht Prosaischen Zwecken gebraucht. Hie und da wurde svgar ein unartiges Bübchen, das Zucker genascht hatte, dort eingesperrt. Sobald jedoch die Festwoche