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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-09-27 · Heft 39 (27.9.1901) · p. Seite 462

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 39 (27.9.1901)
Date
1901-09-27
Page
Seite 462 (sequence 8)
Language
German
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462 Lebensgefährtin Therese, geb. Franck (sie stammte aus Frankreich) ihre Ruhestätte. Ihr Epitaph lautet: Hier ruht in Gott Frau Hofrath Therese Schott geb. Franck. geb. 14. Ang. 1790, gest. 8. Nov. 1860. Hosea 2. 19, 20. Schott war nicht allein Praktisch auf dem Gebiete der Erziehung und des Unterrichts thätig, sondern er suchte auch durch Abfassung eines Werkes die Unterrichtszwecke zu fördern. Noch vor Uebernahme der Leitung der Jakobson-Schule veröffentlichte er: ZaphnabPaneach oder Sammlung moralischer Lehren, Sprüche, Erzählungen und Gedichte, aus dem Talmud und anderen heiligen Schriften. Ein Lehrbuch für Kinder jüdischer Nation; vorzüglich zur« Gebrauche der vom Herrn Kanuneragenten Israel Jakobson zu Seesen errichteten Erziehungsanstalt für arme Kinder seiner Nation. Heransgegeben von B. Schottländer. Erstes Bändchen. Königslutter, bei E. W. Hahn, 1804. In Kommission bei den Gebr. Halm in Hannover. Zweites Bändchen. Hildesheim, 1812. Gedruckt und in Kommission bei I. D. Gerstenberg, h Näheres über dieses, von Straßburger in seiner „Bibliographie der jüdischen Pädagogik" (S. 273 ff, Anhang zur „Geschichte der Erziehung und des Unterrichts bei den Israeliten") nicht verzeichnete Werk-- vermag ich leider nicht anzugeben, da meine Bemühungen, ein Exemplar dieses Buches zu erlangen, erfolglos geblieben sind; weder in der Bibliothek der Jakobson- Schule noch bei der hiesigen Verlagsbuchhandlung von Gebr. Gerstenberg ist die Schrift vorhanden. Außerdem ließ er anonym ein „Sendschreiben an meine Brüder, die Israeliten in Westfalen, die Errichtung eines jüdischen Konsistoriums betreffend, Brauuschweig 1808. Gedruckt bei Friedrich Vieweg", 28 S.'ff erscheinen. In dieser Schrift handelt er über den Zweck und die Beschaffenheit der „bisher unerhörten Einrichtung" iS. 4 ff.) und legt die Nützlichkeit des Konsistoriums dar (S. Il ff.) „Diese Einrichtung," lauten seine Worte, „war nicht allein wohlthütig, sie ist sogar hohes Bedürfnis Denrr wie schlecht war bisher für die Erziehung unserer Kinder gesorgt! Wie untauglich und armselig an Kenntnissen waren die meisten Lehrer! Wie entstellt der ganze Schulunterricht durch Vornrtheile, durch zwecklose Gegenstände und Mittel der Bildung! In der That, fast alles schien mehr auf eine Verbildung als Ausbildung der Jugend berechnet zu sein. . . . Für diese höhere Bildung wird aber jetzt mit der Verbesserung der Schulen und der Erziehung eine ganz neue Epoche anheben." (S. 12 ff.) Treffend weist er auf Israels Geschichte hin, da „unzählbare Leiden den Borfahren in jenen finsteren, barbarischen Zeiten überkommen sind, Haß, Verachtung und Verfolgung sie von allen Seiten umgab, allein, durch ff Steinschneider, Katalog. Bodlej. Col. 2573. Db. 7147 8ub Schottländer (Baruch, Bendit) verzeichnet nur das erste Bändchen. Vgl. noch Snlamith, Nene Folge. I. Bd. 2. Heft (IX. Jahrg. 1. B. 2. Heft (S. 157. Anmerkg. j Straßburger a. a. L. S. 196 wird „Inspektor Schott in Seesen" genannt. ) Steinschneider a. a. O. erwähnt nur die hebräische Uebersetzuug des Sendschreiberls .Imlne«^ ^Vestplml'irw äo ('oiisiLtorio ereeto 6 Oermanwo vorsmnj. die im Kennet' IX, 9 erschienen ist. Horwitz, Die Israeliten unter dem Königreich Westfalen sowie Thimme, Die inneren Zustände des Knrfürstenthnms Hannover unter der französisch-westfälischen Herrschaft, 1806 -1813, 1895 (Kapitel IV. Der Kultus, S. 229 ff.) scheint dieses „Sendschreiben" unbekannt geblieben zu sein. das selige Band der Religion in eine feste, zusammenhängende Kette vereinigt, Alle für Einen und Einer für Alle zu leben und zu sterben bereit, konnten sie leicht jeder Versuchung widerstehen und den grausamsten Schlägen des Schicksals die Stirne bieten." (S. 17 ff.) Nachdem er seine Zeit charakterisirt, in der „auf der einen Seite Aberglaube und Dummheit mit ihren sklavischen Fesseln bedrückt, auf der anderen Seite hingegen Unglauben und Spötterei seine despotische Gewalt ausübt", geißelt er (S. 22) die Aufklärung, welche die Religion verachtet, die es leider macht wie jener Affe: Er steckte einst einen Hain Von Cedern, Nachts in Brand Und frenete sich ungemein, Daß er's so Helle fand. „Kommt Brüder, sehet was ich vermag: Ich verwandele Nacht irr Tag." Die Brüder kamen groß und klein. Bewunderten den Glanz, Und alle fingen au zu schrei'n: Hoch lebe Bruder Hans! Hans Affe ist des Nachruhms werth. Er hat die Gegend aufgeklärt. Mit einem Appell, „die geringfügigen Lasten, welche diese neue Einrichtung durch einige Beiträge zur Erhaltung der moralisch-religiösen Anstalten und milden Stiftungen auflegt", (S. 26), und mit der Mahnung, „mit Eifer zu einer Verbesserung mitznwirken, welche unsere Genossen zu einem Range erheben wird, zn dem sie seit Jahrtausenden nicht einmal schüchtern aufblicken konnten" (S. 28) beschließt Schott sein „Sendschreiben". In dieser Schrift erwähnt der Verfasser auch ein anderes Werk, das er unter dem Titel „ToldoLH—Noach oder Die Geschichte der Sündfluth, Breslau, 1799. in der Grosse'schen Bnchdruckerei" veröffentlicht hatte (S. 14, Anmerk.). Es war ein Epos in 12 Gesängen „zur Erbauung und Unterhaltung", Auch eine Schrift „Die wichtigsten Pflichten der Israeliten" (Donaneschingen 1839) und eine Dichtung „Kol Simra oder Lied zum Geburtstage des Herrn LiPPmann Tausk", des Großvaters von Meyerbeer, hebräisch und deutsch (Berlin 1799) erwähnt Fürst in seiner 6ibl. juck. II. 287. Zu Schotts Lieblingsbeschäftigungen gehörte nach den Worten Wohlwills fortwährend „die Uebersetzuug alter Klassiker ins Hebräische, worin er eine solche Fertigkeit besaß, daß er sich sogar an die Horazischeu Briefe wagte". Möge die gegenwärtig mit der Berechtigung zum Einjührig- Freiwilligen-Dienst ansgestattete Jakobson-Schule, an der bereits tausende jüdische und christliche Zöglinge ihre Ausbildung genossen, deren jetzige Frequenz mehr als 200 Schüler aufweist, auch weiterhin blühen und gedeihen! Möge die Religion, „die höchste Angelegenheit des Menschen" (Schott, Sendschreiben, S. 9) durch sie gefördert werden! Möge „die Pflege des religiösen Elements, im Geiste des verewigten Stifters, eine ihrer wichtigsten und heiligsten Aufgaben sein und bleiben", möge sie dazu beitragen, „den Geist echter Gottesfurcht und Frömmigkeit den Herzen einer zahlreichen Jugend tief einzuprägeu und ein Geschlecht heranznbilden, das sich des Namens „Jude" nicht schämt und nicht zu schämen hat!"y Dies bilde unsern Glück- und Segenswunsch, den wir zum Jubiläum der Anstalt darbringen. I Wohlwill, a. a. O., S. 14.

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