Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 39 (27.9.1901)
- Date
- 1901-09-27
- Page
- Seite 461 (sequence 7)
- Language
- German
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461 Zincken in Seesen, der „ein treuer Berather und eifriger Förderer der Pläne Jakobsons" war, durch Reskript vom 3. Juli desselben Jahres dein Institut schützende Privilegien und gewährte den an ihm wirkenden Lehrern das volle Bürgerrecht. Nach Verlauf dreier Monate traten die ersten Schüler, 12 an der Zahl, ein, die von zwei jüdischen und drei christlichen Lehrern (Heilbrun und Koppel, bezw. Höchel. Körner und Siedikum) unterrichtet wurden. Das „Judenschul-Jnstitut", dessen Direktion in den beiden ersten Jahren Hofrath Zincken übernommen hatte, wurde bald eine allgemeine Volks- und Bürgerschule, der auch Christen ihre Kinder mit Vorliebe zuführten. Ihr Gedeihen verdankt die Jakobson-Schule neben der rastlosen Fürsorge ihres Begründers, der ihren Fortbestand durch bedeutende Fonds sicherte, vor allem der trefflichen Leitung jener Männer, die während eines Jahrhunderts an ihr als Direktoren wirkten, der verständnißvollen Führung eines Benedikt Schott, eines Jmmanuel Wohlwill, Benjamin Ginsberg, I. Arnheim und des gegenwärtigen Direktors Professor Dr, E. Philippsou. Einer Darstellung des Lebens und Wirkens des ersten jüdischen Direktors, des Hofraths Benedikt Schott, sei dieses Gedenkblatt gewidmet. Benedikt Schott (eigentlich Schottländer) wurde in Danzig am 11. März 1764 h geboren. Seine talmudische Ausbildung genoß der früh Verwaiste in Pole», dem klassischen Lande des Talmudstudiums, von wo aus er als wandernder Scholar (Bachur) Deutschland durchzog, „überall gastfreundliche Aufnahme findend". Seine Wanderung führte ihn auch nach Glvgau, Breslau und Berlin. An letzterem Orte war er in dem reichen und vornehmen Hause des Bankiers Herz Beer als Lehrer thätig, wobei er zugleich „seine eigene Ausbildung weiter förderte". Wohl auf Veranlassung Jakobsons wandte sich Schott nach Braunschweig, um 1804h einer Berufung als Lehrer an die neuerrichtete Schule zu Seesen zu folgen. Zwei Jahre darauf erhielt er seine Anstellung als Direktor der jungen Anstalt. Wie sehr Schott es verstanden, das neugegründete Institut zu heben, bezeugt Jakobson selbst in einem an den Herzog von Braunschweig gerichteten Schriftstück vom 8. Juni 1806 mit Worten, in denen er die thatkräftige Mitwirkung jenes Mannes anerkennend hervorhebt. „Es (das Institut) würde ich, bemerkt der Stifter, in so kurzer Zeit nicht auf die hohe Stufe von Nützlichkeit und Vollkommenheit haben erheben können, welche die Aufmerksamkeit des gelehrten und deutschen und ausländischen Publikums erregt hat, wenn nicht an der Spitze dieser Erziehungsanstalt ein Mann stände, der mit der wärmsten Vorliebe für sein Fach die seltensten Talente zur Direktion einer solchen Anstalt verbindet, ein eben so kenntnißreicher Gelehrter als schätzbarer, Ordnung schaffender Mann. Von ihm konnte der Abbe Eregoire, der das Institut im vorigen Jahre besuchte, in seinem kürzlich erschienenen 0b86rvations uouvelles sar Iss .juiks wohl mit Recht sagen: ..ZeeLvn an Iiourg siluö entre örausvviele st Ooettiucjue: lü eu 1801 tut lende, saus le »om modele d'eeole, un College pour >68 enlant3 juil8 pur lacvlwolm. II 6N 68t conlie la direction :> un liomme remgli de Inmiere8 st de rele, U. Lcliottlaender, cou8siller du cour du I.nndgravL de Ü6886N Oaruwtndt, gni prepare »ne Iiwtoire de 5» Nation." Das Lob, welches dieser h Aus dem Grabstein (s. w.) ist „1763" als Geburtsjahr angegeben, während Philippsou „1764" als solches bezeichnete. -) Nach Wohlwill a. a. O. wirkte Schott bereits von 1801 ab an der Anstalt. Sachkenner dem Seesenffchen Institut beilegt, . . . macht mir den Mann schätzbarer, der so viel in so kurzer Zeit ein- und auszurichten vermögend war." „Ich wünschte," heißt es in jenem Dokument weiter, „aus ... Dankbarkeit dem Direktor Schottländer einen Beweis der öffentlichen Achtung zu verschaffen, und wage es, für ihn um einen Titel bei Ew. Herzoglichen Durchlaucht nachzusuchen. Dieser bescheidene Mann stand keinem im Wege, leistete so unendlich viel, stiftete großen Nutzen." Da Jakobsons Bitte um Verleihung eines Titels an den verdienstvollen Direktor vom Herzog nicht willfahrt worden, wandte er sich mit dem gleichen Ersuchen an den Landgrafen Ludwig X. von Hessen-Darmstadt (als Großherzog Ludwig I.), der bereits ihn (Jakobson) am 26. Februar 1803 zum Kommerzienrath ernannt hatte, und Schottländer wurde sofort Hosrath. Rühmend gedenkt auch Joseph Wolf, Lehrer und Prediger zu Dessau, in seiner poetischen Widmung des Micha an Jakobson unseres Schotts, den er als „einen weisen Erzieher" (22N stritt) preist, h Von Jakobson entsandt, reiste Schott 1806 nach Paris und überreichte den von Napoleon damals einberufenen jüdischen Deputirten (Synhedrin) eine Denkschrift über die Nothwendigkeit einer besseren Erziehung unter den Juden. Einen Lichtpunkt in seinen! Leben „bildete ferner der Besuch des Königs Hieronymus (Jerünie) von Westfalen, der, mit der Königin auf der Reise durch sein Land begriffen, in dem von Schott geleiteten Institute am 11. April 1809 fast einen ganzen Tag zubrachte." Jahrzehnte hindurch widmete Schott, den „eine seltene Gutherzigkeit und Menschenfreundlichkeit" seinen zahlreichen Schülern gegenüber auszeichnete, eine hingehende Thätigkeit der Jakobson-Schule; erst im 75. Lebensjahre, am 1. Juli 1838, trat er in den wohlverdienten Ruhestand. Nur acht Jahre sollte er sich desselben erfreuen; am 21. Juli 1846 beschloß er sein arbeitsreiches Leben. „Die allgemeine Achtung, die er genoß," berichtet einer seiner Schüler, Jmm. Wohlwill, dem am 8. Juli 1838 die Direktorstelle der Anstalt übertragen wurde?) „that sich auch bei seiner Beerdigung kund, an der nicht blos die Angehörigen der Jakobson-Schule und die Mitglieder der Gemeinde, sondern auch die Beamten und viele der achtbarsten Bewohner der Stadt Antheil nahmen." An seinem Grabe widmeten ihm in Abwesenheit des Direktors Wohlwill zwei Jnstitutslehrer Worte ehrenden Gedenkens. Sein Grabstein trägt die schlichte Inschrift: Hier ruht Hosrath und Schuldirektor B. Schott geb. 11. März 1763. gest. 21. Juli 1846. 1. B. M. 28, 17. Auf dem Friedhofe zu Seesen fand auch Schotts treue h PH. Philippsou, Biographische Skizzen, 2. Hest. Leipzig, 1864, S. 168 uud dazu die Anmerkung. Ein Gedicht über die Schule zu Seesen, hebräisch von Schalom Coheu, verfaßt von Dr. Georg Henrici, 1809, wird von Steinschneider, Katalog Bodlej. Col. 1088, Nr. 5209 erwähnt. -) Sulainith, II. Jahrg., II. Bd.. 5. Heft. 1809, S. 325. woselbst auch von einem „von den Schülern des Instituts gegebenen Konzerte" berichtet wird; „Einige derselben, heißt es daselbst, spiele» Pianosorte und Violine mit nicht gemeiner Fertigkeit, und etliche Andere singen den lieblichsten Sopran". > Allg. Zeitung des Jndenthums 1847, S. 313.