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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-09-20 · Heft 38 (20.9.1901) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 38 (20.9.1901)
Date
1901-09-20
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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2 und endlich allen Denen, die durch reichliche Geldspenden das Unternehmen gefördert und zu glücklicher Vollendung geführt haben. Die neu errichtete Synagoge befindet sich in dem Hinterhause des Kaufmann Herrn I. Prenß und hat eine geschmackvolle Ausstattung erfahren, sowohl hillsichtlich der Knltusgeräthe nud der günstig wirkenden Beleuchtung, als auch vor allem der schöllen Malerei, ansgesührt von dem als Kirchenmaler rühmlichst bekannten Kunstmaler P. Frömmert Hierselbst. Ueber die Entstehungsgeschichte der Synagoge sei noch erwähnt, daß die Räume der früheren unzulänglich und der Würde des Ortes längst nicht mehr entsprachen. Die kleine Gemeinde hatte jedoch nicht die geringsten Mittel zur Neueinrichtung, und nur der Ausdauer und Energie des Vorstandes, insbesondere des Vorsitzenden S. Müller, ist es zu danken, wenn das zur Ehre Gottes errichtete Werk beendet wurde. Aber es fanden sich auch edelgesinnte Juden, die für solchen Zweck noch gern etwas opfern, und auch die verehrt. Gemeindevorstände von Lieguitz, Breslau und Görlitz haben uns in hochherziger Weise unterstützt. Dagegen hat uns die größte Gemeinde des deutschen Reiches. Berlin, für diesen Zweck nicht den allergeringsten Beitrag gewährt. Trotzdem haben wir stets, und werden es auch mit Gottes Hilfe weiter thun. derartigen Gesuchen immer, und sei es noch so wenig gewesen, entsprochen. Dabei sind wir Alle hier nur arme Leute und bringen zur Erhaltung unserer Gemeinde. der Schule u. s. w. die denkbar größten Opfer. So hoffen wir auch die noch schuldenden Beträge mit der Zeit zu bezahlen lind sprechen nochmals allen edlen Spendern sowie den Vorständen von Liegnitz, Breslau und Görlitz an dieser Stelle herzlichen Dank aus. V. Geestemünde, 10. September. Der „Weser.Zeitung" wird ans Osnabrück das Folgende geschrieben: Osnabrück, 8. September. Unter großen! Andrange wurde heute von sämmtlichen Kanzeln der evangelischen Genreinden folgende bemerkenswerthe Erklärung verlesen: „Aus Anlaß des in unserer Stadt abgehaltenen Katholikentages haben die Kirchenvorstände der hiesigen drei evangelischen Gemeinden einmüthig beschlossen: Wir vertreten durchaus den Standpunkt der Toleranz und wollen jede Konfession ihre Feste ungestört feiern lassen. Wir haben auch davon Kenntniß genommen, daß die Leitung des Katholikentages das Entgegenkommen der evangelischen Bevölkerung anerkannt hat. Wir bedauern aber, daß bei diesem Entgegenkommen nicht überall dasjenige Maß innegehalten worden ist. welches das evangelische Bewußtsein erfordert hätte. Dieses Bedauern ist um so mehr gerechtfertigt, als der Verlauf des Festes der gegebenen Zusicherung, im Geiste des Friedens und der Achtung Andersgläubiger tagen zu wollen, nicht entsprochen hat. Insbesondere weisen wir die Angriffe und Verunglimpfungen unserer Kirche und unserer Reformation, welche schon in der Form dem Ernste des Gegenstandes unangemessen waren, entschieden zurück. Wir wissen von keinem Evangelium Luthers, Ealvins oder gar eines anderen Menschen, bekennen uns vielmehr einmüthig zn dem einen Evangelium Jesu Christi, das durch Gottes Gnade von den Reformatoren der Christenheit wiedergeschenkt worden ist, und ans dem die Kirche sich auferbaut, welche die Pforten der Hölle nicht überwältigen werden!" So weit die Erklärung der Kirchenvorstände. Würde dieselbe mit dem Bekenntnisse schließen, daß es nur einen einig-einzigen Gott giebt. so würden wir Wort für Wort dieselbe unterschreiben. In jedem Falle ist es aber erfreulich, daß es in Osnabrück Männer giebt. die in durchaus maßvollem Benehmen den Math bekunden, antisemitische Verunglimpfungen nicht minder als antiprotestantische durch die Erklärung, daß sie d§n Standpunkt der Toleranz vertreten wollen und jede Konfession ihre Feste ungestört feiern lassen werden, entschieden zu mißbilligen. Es ist dies um so mehr bemerkenswerth. als Osnabrück vor 10 Jahren noch ein Herd der antisemitischen Seuche war, und daß damals auf dem Schützenhose Protestanten und Katholiken sich weidlich an den Ausführungen des lungen starken Liebermann von Sonnenberg ergötzten. m. Von der Ruhr, im September. Herr Lehrer Oppenheimer in Mülheim a. d. Ruhr kann am 1. Oktober er. ans eine 41jährige Dienstzeit zurückblicken, davon hat derselbe 25 Jahre in der Gemeinde Mülheim a. d. Ruhr in segensreicher Weise gewirkt. Wie verlautet, wird die jüdische Gemeinde, in welcher der Jubilar auch das Amt eines Predigers in der selbstlosesten Weise versieht, es sich nicht nehmen lassen, diesen Tag in würdiger Weise zu begehen. U. Lirigett, 10. September. Wir hatten seiner Zeit darauf hingewiesen, daß es ungesetzlich war, als die hiesige israelitische Gemeinde ihre Volksschule au löste, angeblich weil sie infolge vorhandener Steuerschwäche die Schuluu terhaltungskosten nicht ausbringen könne. Hier müssen wir eine Thatsache einschalten, welche ein eigenthümliches Licht auf die Stellung der jüdischen Volksschule zur christlichen einnimmt Während die Schulgemeinden der letzteren durchschnittlich 70 bis 7 > Prozent Schulsteuer bezahlen, sind die Schulunterhaltungskosten jüdischer Schulen so hoch, daß hier eilte Schulsteuer von 200 bis 35 > Prozent zu entrichten ist. Nachdem nunmehr die Schule seit Anfan.- Juli geschlossen ist und die Kinder während dieser Zeit ohne jegliche: Unterricht geblieben sind, da die Aufnahme in christlichen Schulen ihnen wegen angeblichem Platzmangel versagt wurde, hat die königlich Negierung zn Osnabrück dem Schulvorstand der jüdischen Gemeind jetzt unter Androhung einer Strafe von 150 Mark aufgegeben, di Schule wieder zn eröffnen, was denn auch geschehen ist. Zur Rc gelang der Angelegenheit wird demnächst ein Negierungskommisscu nach Lingen kommen, und steht zu erwarten, daß bei der uotorisri bekannten Steuerschwäche der Gemeinde ein Bedürfuißzuschuß in solcher Höhe gegeben wird, daß die noch verbleibenden Kostelt sin Unterhaltung der Schule ohne Ueberanstrengung von den einzelne. Beitragspflichtigen getragen werden können. Nürnberg, 12. September. Justizrath Gustav Josephthal, königlicher Geheimer Hofrath, der langjährige erste Vorstand unsere Gemeinde, feierte am 8. d. M. seinen 70. Geburtstag. Von der W liebtheit und hohen Verehrung, deren sich der Jubilar in Stadt und Land und lveit über deren Grenzen hinaus erfreut, legte dieser Tan. beredtes Zeugnis; ab. Freunde und Bekannte. Private und Korpo rationell wetteiferten vom frühen Morgen an, um ihm ihre Glück wünsche darzubringen. Post und Telegraph sandten Hunderte von Gratulationen ins festlich geschmückte Hans. Die Mitglieder de- Kultusverwaltung waren vollzählig erschienen und brachten ihr; Glückwünsche durch den Mund des zweiten Vorstandes, Herrn Martin Fechheimer, in warmen Worten zum Allsdruck. Als Festgabe über reichten sie eine Adresse, die, voll dem Direktor des Gewerbemusemm mit seltenem Geschmack ausgeführt, in einem Schreine ruht, den Frau- Stucks Künstler-Hand mit dem Bildniß des Moses geziert. Nach eine; Ansprache, die der geistliche Vertreter der Gemeinde, Rabbine- Dr. Ziemlich, im Namen der Gemeinde und ihrer Beamten, im Namen der Konferenz der bayerischen Rabbiner und nicht zuletzt als Freund des Hauses gehalten, kam eine Reihe von Adressen, welche angesehen jüdische Vereinigungen ihrem allezeit thätigen und rührigen Mitglied; gewidmet, zur Verlesung: vom deutsch-israelitischen Gemeindebund vom Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens — beid. Gesellschaften machten den Jubilar zu ihrem Ehrenmitgliede — von: bayerischen Landesverein, von der freien Konferenz bayerischer Rabbiner von der ^tlinuee isravlile universelle rc. Sämmtliche jüdischen Vereine gratulirten durch ihre Vertreter, die Auwaltskammer, deren Vorsitzender Geheimrath Josephthal ist, war durch eine Abordnung voll vier Mitgliedern vertreten, die städtischen Kollegien hatten schrist liche Glückwünsche gesandt, kurz Alles wetteiferte, den verdienten Mann zu ehren und zu feiern. Bewuudernswerth war die Frische und Kraft, mit welcher der Jubilar diesem Stnrm von Glückwünschen Allsprachen, Vorlesungen u. s. w. Stand hielt, noch bewunderns werther die Lebhaftigkeit und Unermüdlichkeit, mit welcher er zn wiederholten Malen das Wort ergriff, nm Allen zu danken, die ihn zn ehren gekommen waren. o. Gießen. 16. September. In dem oberhessischen Landstädtcheu Hungen hatte sich der jüdische Lehrer vor Gerichtzu verantworten, weil er angeblich in der Amtstracht der evangelischen Geist pichen die Leiche „des Juden G. Kahn" begleitete. Gemäß des 8 300 (8) des Strafgesetzbuches wurde der Angeklagte zu einer Geld strafe von fünf Mark verurtheilt. Die s. Z. gegen das Urtheil eingelegte Berufung mußte aus formalen Gründen abgelehnt werden, st daß das Erkenntniß die Rechtskraft erhalten hat. <Jn Oberschlesien und Ostpreußen sprachen die dortigen Strafkammern die jüdischen Kultus' beamten von einer ähnlichen Anschuldigung frei. Die Red.) Das Merkwürdigste ist aber die Begründung des Urtheils, das sieb in geradezu beleidigender Weise gegen den gesummten jüdischen Lehrerstand ausspricht. Es heißt daselbst wörtlich von den jüdischen Lehrern: „Ihre Vorbildung und ihre soziale Stellung ist niedrig." Man glaubt des Ferneren einer antisemitischen Versammlung beizuwohuen, wenn man die Ausdrücke wie: „Judenbestattung", „Judenlehrer", „Jude" liest. „Der evangelischen Kirche kann es," so wird in dem Urtheil aus-

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