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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-09-20 · Heft 38 (20.9.1901) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 38 (20.9.1901)
Date
1901-09-20
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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65. Jahrgang. Ar. 38. GemeLndebote. Berlin, 20. September 1901 'Ueitage zur „Allgemeinen Zeitung -es Zuöenthums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. 22 Berlin, 17. September. Von ungewöhnlichem Interesse ist in Brief, den der verstorbene Staatsminister v. Miquel an die Erben von Ludwig Bamberger nach dessen Hinscheiden am 16. März i899 gerichtet hat. Derselbe lautet: „Hochgeehrter Herr! Zu meinem ebhasten Bedauern bin ich durch dringende, unaufschiebbare Geschäfte verhindert, morgen der Beisetzung Ihres Heimgegangenen Bruders eizuwohnen. Um so mehr drängt es mich, Ihnen und Ihrem Herrn Bruder mein tief es Beile id und Mitgefühl über den so plötzlich ind unerwartet eingetretenen schweren Verlust schriftlich anszusprechen. Nit Ihrem von mir so hochverehrten Bruder ist wieder einer er alten Kämpfer für Deutschlands Einheit heimgegaugen. In ihm erberen wir einen der gebildetsten, geistvollsten und feinsten Schriftleller der Neuzeit, der seine Ideen stets mit der größten Schärfe md Konsequenz, aber auch mit der größten Sachlich keit vertrat uid niemals Meinungsverschiedenheiten auf das persönliche Gebiet chertrug. Ich habe dies in langem Zusammenwirken im Reichstage st genug erfahren und den Heimgegangenen stets nicht blos wegen einer großen geistigen Gaben und feiner verdienstvollen Mitwirkung n dem Ausbau des Deutschen Reichs, sondern vor allem wegen einer schönen Charaktereigenschaften hoch verehrt. So enken alle seine Freunde und Bekannten. Sein Tod wird in den weitesten Kreisen betrauert, und sein Alldenken wird die Jahre überauern. Mit der ausgezeichnetsten Hochachtung Ihr ergebener Miquel." Nan darf darauf gespannt sein, ob die Antisemiten diesen Brief yres angeblichen Protektors abdrucken werden. Berlin, 17. September. Herr Haus Bering er und der Berliner Thier schutzverein" ruhen nicht. Gerade zu den Eeiertagen haben sie wieder ein Konvolut von Schriften, Aussätzen, P etitionen und Iournalartikeln an die jüdischen Mitbürger verschickt, m Propaganda gegen das Schächten zu machen. Obenan steht die inlänglich charakterisirte „Oeffentliche Erklärung", die hoffentlich kein inständiger Jude unterzeichnen wird. Daran können auch die Urteile von Leopold Stein und Max Nordau nichts ändern, die auf der Rückseite mitgetheilt werden. Heute würden Beide ganz anders urheilen! Mit welchen Mitteln die Herren Vorgehen, zeigt der sich anchließende Artikel aus der „Thierbörse" jNr. 32), wo, um das Urtheil >es sel. Stein zu einem maßgebenden zn stempeln, der Nekrolog Ludwig Philippsons auf Stein aus unserem Blatte abgedruckt wird! Es olgen dann noch die bekannten Gutachten von Mittermaier, Friedeiiann u. s. w., ferner ein paar Flugblätter und Tendenzartikel, ein ilter Aufruf für Thierschutz — mit den glänzendsten Namensunterchriften — der sich aber nicht gegen das Schächten als solches wendet, ud endlich ein Aufruf an alle Zeitungsredaktionen, in denen diese wringend gebeten werden, die von Herrn Beringer gegebene Darlegung des Sachverhaltes und die „Oeffentliche Erklärung", welche „von einem hochgeachteten Juden „verfaßt ist", abzudrucken und Unterschriften von verständigen Juden" zu sammeln. In dem Begleitschreiben wird u. a. Folgendes behauptet: „Es haben sich deshalb eine Anzahl unerer israelitischen Mitbürger zusammengethan und haben den Berliner Thierschutzverein veranlaßt, nachstehende öffentliche Erklärung an alle verständigen Juden, welche die Gefährlichkeit des allgemeinen Unwillens über das Schächten einsehen, zu versenden, um zu sehen, ob denn wirklich die abscheuliche jüdische Schlachtweise ausnahmslos von allen Juden erhalten werden will." Wir fordern hierdurch den Berliner Thierschutzverein auf, den Namen des „hochgeachteten Juden", der die Oeffentliche Erklärung" verfaßt und die „Anzahl israelitischer Mitbürger", die den Thierschutzverein zur Versendung derselben an alle deutschen Juden veranlaßt hat, zu nennen. Bis dies geschehen, halten wir mit unserer Aenßerung über diese Mittheilungen zurück. 0. Breslau, 16. September. Endlich hat die hiesige jüdische Gemeinde an Stelle ihres baufälligen früheren Gemeindehauses, das zwar als ehemaliger Sitz der einst in ganz Deutschland berühmten Wilhelmsschule ein gewisses historisches Interesse hatte, das aber durchaus nicht ihrer Würde als der zweiten Großgemeinde Deutschlands entsprach, ein ihrer Bedeutung würdiges Haus erhalten. Der soeben bezogene prachtvolle Neubau hat eine Front von 28 Fenstern zur Wallstraße zu und nimmt mit seinem Westflügel die ganze Breite des Shnagogenhofes ein. Außer den Büreaus und dem Sitzungssaal der Gemeindebehörden enthält das Haus die Wohnungen des Rabbiners und der anderen Beamten der Alten Synagoge, des Friedhofinspektors sowie die Gemeindebibliothek, die Lesehalle und die Räumlichkeiten der Religionsunterrichtsanstalt I. In einem besonderen Gebäude für sich allein, an die Synagoge anstoßend, befindet sich die prächtige Mikwah. Das Haus, das unserer Stadt nur zum Schmuck gereichen kann, ist von Herrn Architekten Ehrlich erbaut worden. — Am Montag Abend verschied der hiesige Rechtsanwalt und Notar Justizrath Julian Weh lau. Der Verstorbene, der in den weitesten Kreisen der Bevölkerung geachtet und beliebt war, hatte große Verdienste um die hiesige elektrische Straßenbahn, deren Syndikus er war und deren Aufsichtsrath er lange Jahre allgehörte. Seit einigen Jahren war er auch ein einflußreiches Mitglied der hiesigen Stadtverordnetenversammlung. Bei seiner Beerdigung am Donnerstag Nachmittag erwiesen ihm zahlreiche Kollegen die letzte Ehre. Auch die Mitglieder des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung hatten sich in stattlicher Zahl eillgefunden. Die von ihm so eifrig geförderte elektrische Straßenbahn hatte eine Kolonie ihrer Beamten mit Kränzen zur Bestattung entsandt. In ergreifender Rede rühmte ihn Herr Rabbiner Dr. Guttmann als den Mann des Rechtes, den bescheidenen, charakterfesten Mann, dem seine edlen Eigenschaften das bleibende Andenken aller Derer, die ihn gekannt, sichern. —Dr. Johannes Krengel. ein Schüler des hiesigen jüdisch-theologischen Seminars, wurde zum Rabbiner der jüdischen Gemeinde in Sulzburg gewählt und hat sein Amt zu den Feiertagen schon angetreten. i. Löwenberg, 6. September. Ein Ehrentag für die hiesige jüdische Gemeinde war der 4. September, der Tag der feierlichen Einweihung der neu errichteten Synagoge. In Rücksicht auf den zu Gebote stehenden Raum hatte die Einladung zu dieser Feier nur in beschränktem Umfange an die königlichen und städtischen Behörden, die Ortsgeistlichkeit und die Vertreter der Schule ergehen können. Der königliche Landrath Herr v. Loefen hatte mündlich und schriftlich seinem Bedauern Ausdruck gegeben, durch Amtsgeschäste an der Theilnahme der Feier verhindert zu sein. Nach einem Einleitnngsgebete erfolgte durch den Vorsteher der hiesigen Gemeinde das Anzünden der ewigen Lampe, worauf Rabbiner Dr. Peritz das Weihegebet sprach, welches mit dem Segenswunsche schloß, daß diese Halle fortan ein Hort des Friedens, ein Ort der Belehrung und eine Stätte des Gebetes sein möge. Hierauf wurden die Thorarollen unter üblichen Zeremonien eingeholt und an ihren Bestimmungsort gebracht, wonach Herr Dr. Peritz-Liegnitz die Festrede hielt. Anschließend daran, daß diese Halle eine Stätte des Gebetes sein sott, erachtete es der Redner für angemessen, in dieser Weihestunde über die wichtigste Eigenschaft, deren sich der Beter befleißigen müsse, nämlich über die Gerechtigkeit, zu sprechen. Die Auslegung der Schriststelle: „Der Gerechte lebt in seinem Glauben" schloß mit dem Wunsche, daß der Allmächtige fernerhin seinen Segen ausgieße über diese Gemeinde, wie auch über die ganze Stadt, deren Bewohner trotz der Verschiedenheit des Religionsbekenntnisses in so gutem Einvernehmen mit einander leben, und daß dieses friedliche Verhältniß auch fernerhin bestehen bleibe. Mit einem Gebet für Kaiser und Reich und mit Gesängen schloß die für die Gemeinde- Mitglieder so erhebende Feier. — Im Namen der jüdischen Gemeinde dankte der Vorsteher, Kaufmann S. Müller, den wertheu Gästen für die erwiesene Ehre, dem Vertreter der jüdischen Gemeind zu Liegnitz, Stadtrath Sochaczewski, für sein Erscheinen, dem Rabbiner Dr. Peritz und Kantor und Lehrer Sommerfeld-Liegnitz für ihre Bemühungen. Kaufmann Matzdorf als Vertreter der Glaubensgenossen in Friedeberg,

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