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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-09-20 · Heft 38 (20.9.1901) · p. Seite 456

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 38 (20.9.1901)
Date
1901-09-20
Page
Seite 456 (sequence 14)
Language
German
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456 seiner Arbeiten, sv unten am Rande des „Alten Polnischen Juden" die in der Kunstgeschichte bisher noch einzig dastehende Signatur, den hebräischen Namen des Künstlers, „Chaim Aron den David", i) Hermann Struck ist eiu begeisterter Jude, und er hat uns bereits Ehre gemacht vor aller Welt mit diesem mannhaften Bekenntniß: „Iveri ruioclü". Er wird uns auch sicher in Zukunst zur Ehre gereichen. Kprerhsnat. Geehrte Redaktion! err Rabbiner Dr. Frank hat sich, wenn ich richtig rechne, einige Jrrthümer zu Schulden kommen lassen, so daß in Wirklichkeit die Beiträge für die Alliance in Deutschland jährlich wohl nicht 66,000 Mark, aber doch immerhin ca. 55,000 Mark ausmachen. Das sind rund 44 Prozent der Jahresbeiträge der Alliance, doppelt so viel als die ^u§1o 46>vlsk Association an jährlichen Beiträgen vereinnahmt j!) und mehr als doppelt soviel, als die Israelitische Allianz in Wien an Jahresbeiträgen einnimmt. Vollständig stimme ich mit dem Verfasser des Artikels „Die drei Allianzen" darin überein, daß die Höhe der Beiträge nicht entscheidend ist, vielmehr die grundsätzlichen Fragen zu entscheiden sind: 1. Ist diese Leistung ein genügendes Opfer der deutschell Inden für ihre Brüder im Orient? 2. Ist es auf irgend welche Antipathie der deutschen Juden gegen die Alliance zurückzn-- sühren, daß diese Beiträge nicht höher sind? Es sind uns in Deutschland neuerdings eine Anzahl Aufgaben erwachsen, deren Lösung größere Geldmittel erfordert. Ich darf wohl, von vielem anderen abgesehen, daran erinnern, daß mangels gehöriger Mittel eill Verein nach Art des „Vereins christlicher junger Männer" noch nicht hat begründet werden können, die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums nicht genügende Mittel hat. um die Stellung einzunehmen, welche eine derartige Anstalt einnehmen müßte, daß verschiedene Vereine zur Förderung des Handwerks Lehrlinge abweisen müssen, weil die Mittel nicht reichen. Eine eigenthümliche Ironie des Schicksals, die Wahlersolge Ahlwardts und anderer antisemitischer Größen sind wesentlich durch den Besitz reicherer Geldmittel erzielt worden, Ckaritv Ketzins at Imme, und ich glaube, daß wir für unsere Brüder in anderen Ländern nichts besseres thun können, als wenn wir die Stellung der Juden in Deutschland zu bessern versuchen; ist doch durch das voll Deutschland gegebene Beispiel die Lage unserer Brüder im Osten überall verschlechtert worden. Andererseits ist zu bemerken, daß die Leistlingen der deutschen Juden für ihre Brüder im Orient sich nicht auf die Beiträge für die Alliance beschränken. Abgesehen von der Chalukah, den Beiträgen für einzelne Palästinenser, dem Verein Lemaan Zion, dem Verein Esra. dem jüdisch-deutschen Waisenhaus rc., sind allein in den letzten Jahren mehrere hunderttausend Mark für das jüdische Krankenhalls in Jerusalem von Deutschland aus beigestenert worden. Hierzu kommen die Sammlungen für Rumänien, für Südrußland rc. Ferner sind durch die 4. C. welche ihre Mittel auch Palästina zu Gute kommen läßt, durch Baron Edmond Rothschild, die Legate der Frau Baronin Hirsch für die Alliance, insbesondere die jüdische Schule in Jerusalem, auch voll anderer Seite ungeahnt reiche Mittel nach Palästina geflossen, wie durch die 4. O und die Baron Hirsch- Stiftung bedeutende Summen in Galizien und Rußland zur Verwendung gelangten. Es ist sogar noch sehr die Frage, ob man mit den Sammlungen nicht manchmal zu schnell bei der Hand gewesen ist. In Oesterreich giebt es zum Beispiel neben vielen armen Juden auch weitaus reichere Juden als in Deutschland. Andererseits handelt es sich in Galizien gar nicht allein oder in erster Linie um die pekuniäre Nothlage. Weitaus schlimmer ist die politische Nothlage, — die politischen Handlangerdienste — welche die reicheren Juden dem mehr und mehr antisemitischen Polenklnb leisten, der die Juden finanziell bekämpft und den Haß der Unterdrückten auf die Juden ableitet. In Rußland müssen wegen liederlicher Matrikelsührnng durch die Rabbiner jährlich viele Hunderttaufende von I Auch Antokolskh meißelt die hebräischen Jnitialieu seines Namens in jedes Bildwerk ein. Die Red. Rubeln als Strafgelder au die Regierung entrichtet werden. So reich sind wir in Deutschland nicht, uns solchen Luxus zu gestatten. Auch in Rußland giebt es reichere Juden als in Deutschland. Vor einigen Jahren entstanden aus Hatz gegen einen dieser reichen Juden Unruhen von welchem natürlich nur ärmere Juden betroffen wurden. Der Schadenersatz wurde zum großen Theil aus Deutschland beschafft, während der Schaden nur einige Prozent des jährlichen Einkommens des betreffenden reichen Herrn ausmachte. Kurz, es will mir für Rußland und Galizien stricht für Rumänien!) scheinen, daß man so manches Mal arrstatt Geld zu geben, den betheiligten Kreisen die Wahrheit hätte sagen sollen. Hier hat nicht die jüdische Philantropie einzugreifen, sondern die jüdische Presse, welcher dieser Aufgabe bisher nicht genügend gerecht geworden isü Man kann sich nicht auf den Standpunkt stellen, daß man das eine thun kann, ohne das andere zu lassen, daß wir zugleich für unsere Brüder im Osten und uns selbst sorgen können. Der Betrag der jährlich für wohlthätige Zwecke frei ist, ist ein nicht besonders erheblicher. Er wird nicht dadurch vergrößert, daß man die Zahl dei bestehenden Vereine vermehrt oder für einen der bestehenden Vereine besondere Propaganda macht; es ist im Gegentheil eine alte Erfahrung daß pekuniäre Erfolge eines Vereins sich als Einnahmeausfäll anderer Vereine regelmäßig geltend machen. Beispielsweise haben du großen Einnahmen der Salvation Army sich als Ausfälle bei anderen Vereinen fühlbar gemacht. Um ein anderes Beispiel anzuführen: der hiesige Verein für häusliche Gesundheitspflege schreibt in seinem dies jährigen Bericht über die Ferienkolonien (Seite 18): „Leider haben damit die Einnahmen nicht gleichen Schritt gehalten, sie sind hinter den Ausgaben um M. 13209.82 zurückgeblieben. Eiu Hauptgrund dafür ist darin zu suchen, daß durch den Ausbruch der Wirren in China die öffentliche Wohlthätigkeit stark in Anspruch genommen wurde, für das Wohl der hinansgezogenen Krieger. Mit denk Be ginn de r Sainmlun ge n für diese sind unsere Einnahme quellen fast vollständig versiegt." Erwägungen dieser Art haben die Berliner Mitglieder des Central- Komitees der Alliance davon zurückgehalten, für die Gewinnung von Beiträgen und Mitgliedern eine lebhafte Propaganda zu treiben. Vor einigen fahren hat die Aussendung von gedruckten Cirkularen an Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Berlin die Zahl der Mitglieder von 471 auf 609 beziehentlich 630 und die Jahresbeiträge von Mart 4302 auf Mark 5371 beziehentlich 5614 gesteigert, lebhaftere persönliche Agitation hätte zweifellos ganz andere Ergebnisse gezeitigt. Jeder, der auch nur einigermaßen in die Verhältnisse unserer philantropischeu Institute eingeweiht ist, weiß, daß ein Verein, für den nicht besonders agitirt wird, durch Tod, Wegziehen von Mitgliedern rc. an Mitgliedern verlieren muß, und daß die pekuniären Ergebnisse eines Vereins weitaus weniger von dessen Zielen und Leistungen, als von der sozialen Stellung und Rührigkeit seines Vorstandes und Sekretariats abhängen. Somit ist der Rückgang in den Einnahmen der Alliance aus Deutschland im wesentlichen auf das Verhalten der deutschen Mitglieder des Centralkomitees zurückzusühren, wobei die Berliner Mitglieder bewußt von einer Propaganda abgesehen haben, die unzweifelhaft der Alliance eine größere Anzahl Mitglieder und Beiträge geschafft hätte. Durch die Gründung des Hilfsvereins ist die ganze Frage verschoben. Es handelt sich jetzt nicht darum, ob einige Tausend oder Zehntausend Mark mehr nach dem Orient gehen, sondern es handelt sich um die Prinzipienfrage, ob wir in der Fürsorge für unsere östlichen Glaubensgenossen aus Angst vor Verleumdung uns spalten oder nach dem Muster unserer christlichen Mitbürger (Gustav Adolf-Verein rc.) international handeln sollen. Die Wiener Allianz und die ^uglo 46>vis!l Association werden zu Unrecht als Präcedenzfälle angeführt; die Wiener Allianz ist nur innerhalb Oesterreichs thätig, die ^utzlo 4o>vLs1r Association ist ebenfalls kein Verein zur Verbreitung englischer Kultur, sondern verwendet ihre Einkünfte großentheils durch Vermittlung der Alliance. Sie wurde während des Krieges 1871 gegründet, um der Aktion der Alliance, die man durch den Krieg gefährdet glaubte eine Stütze zu sein. Weshalb der Verfasser des Artikels „Die drei Allianzen" es als feststehend ansieht, daß diese Vereine mehr an Beiträgen ausbriugen, als die Allianz ans diesen Ländern erhalten würde, ist mir nicht klar; diese Beiträge betragen, wie bemerkt, nur circa 50 beziehentlich 40 Prozent der deutschen Beiträge für die Alliance. Hochachtungsvoll Dr. Heinrich Meher Cohn. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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