Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 37 (13.9.1901)
- Date
- 1901-09-13
- Page
- Seite 2 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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2 druckte Wählerliste nicht mehr zur Versendung gelaugt. Doch wird jedem Gelneindemitglled unter Vorlegung seiner Stenergnittnng auf Wunsch die Liste im Gemeiudebüreau verabfolgt werden. 22 Berlin, 8. September. Gerade zur besten Zeit, vor den Feiertagen, geht den Mitgliedern des „Liberalen Vereins für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin" die Nummer 13 der „Mittheilungen" dieses Vereins zu. die einen sehr Lesens- und beherzigenswerthen Aufsatz von Dr. Paul Nosenberg enthält, „Ein freies Wort" betitelt, in dem ein charakteristisches Bild von jüdischem Wesen und Indenthum an der Hand von Urtheileu klassischer Autoren gegeben wird, deren Objektivität und Gesinnnugsreinheit über jeden Zweifel erhaben ist. Dieses Bild rahmt der Verfasser durch Mitteilungen aus der jüdischen Neligionsgeschichte und Citate ans der Bibel ein, welche für die Gegner des Judentums, wenn es nur nach Recht und Billigkeit ginge, geradezu vernichtend sein mutzten. Mit Recht meint der Verfasser, datz auf diese Weise die Unwissenden zu belehren und die Indifferenten anzuregeu seien, damit sie ihre Gleichgiltigkeit abstreifen und eiuseheu, daß das Judentum werth ist, mit aller Kraft und allem Können verfochten und verteidigt zu werden. — Hoffentlich wird der Liberale Verein wie bei den letzten Wahlen, so auch diesmal eine rührige Thütigkeit entfalten, um den Sieg an seine Fahnen zu heften und dem liberalen Geiste die Stellung innerhalb der Gemeinde zu sichern, die ihm zukommt. X. 5. (s'ydtktthnerr, 2. September. In dem ca. sechs Meilen voll hier entfernten russischen GrenzstÜdtchen Wisthten ist am vergangenen Dienstag mehr als ein ganzer Stadtteil njedergebranut. Der Feuerschein war auch hier sichtbar. Es brannte über 15 Stunden, lieber 250 Familien sind obdachlos; die meisten sind Juden. Der deutsche Kaiser hat durch seinen Förster in Nassaven 10 000 Mark zur Beschaffung von Kleidern, Möbeln und Wäsche für die so schwer vom Brande Heimgesnchten nnd ferner 200 wollene Decken überwiesen, auch beorderte er Handwerker zur Hilfeleistung auf höchsteigene Kosten nach Wischten, das nicht weit von seinem Jagdschlösse Nominten liegt. Der Schaden wird ans 400 000 Rubel geschätzt. Es sind 250—300 Gebäude mit Einschluß der mit Getreide, Futter nnd Tors gefüllten Stallungen und Scheunen in Flammen aufgegangen. Das ungeheure Flammenmeer der hochgelegenen Stadt bot einen schaurigen Anblick. Eine alte jüdische Frau fiel, im Begriff das brennende Haus zu verlassen, in den Keller und wurde von dem einstürzeuden Dache begraben. Wie verlautet, hat ein mit Streichhölzern spielender sechsjähriger Knabe den Brand verursacht. Hilfskomitees haben sich in Stallupönen, hier und in der russischen Umgegend gebildet. Das Haupthilsskomitee befindet sich in Stallupönen bei Herrn E. Wolf, Synagogenvorsteher. Schnellste Hilfe thut noth! Danzig, 4. September. In der letzten Sitzung des westpreutzischen Mediziualkollegiums, die am 24. v. M. unter dem Vorsitz des Herrn Oberpräsidenten abgehalten wurde, ist nochmals unter Zugrundelegung der Körper- und Kleiderreste sowie von entsprechenden Photographien die Konitzer Mordsache erörtert worden. Berichterstatter waren die Herren Professor Dr. Barth-Dauzig, der Direktor des chirurgischen Stadtlazareths und Regiernngs- und Medizinalrath Dr. Bornträger. Ein besonderes Ergebniß wurde nicht gezeitigt. — Das Medizinalkolleginm ist die Instanz, welche die von den unteren Medizinalbehörden und Mediziualpersonen abgegebenen Gutachten zu revidiren und nachzuprüfen hat; es ist somit ganz selbstverständlich, daß solches auch hinsichtlich der in der Konitzer Sache erstatteten Gutachten geschehen ist. Der Vorsitzende des Kollegiums ist der Oberpräsident der Provinz. Die Verhandlungen sind natürlich streng geheim. — Der deutsche An waltstag endete hier mit der Ehrung eines Glaubensgenossen, die nicht unerwähnt bleiben darf. Zum Schluß der Verhandlungen nahm noch einmal Geheimrath V ie rhans, der Vertreter des Justizministeriums, das Wort, um in seiner Eigellschaft als Professor und Mitglied der Berliner Juristeusakultät die Einheit voll Theorie und Praxis zu betonen, von der der soeben gehörte Vortrag Staubs das glänzendste Zeugniß abgelegt habe. Wenn Staub die Namen der um das neue Recht hochverdieilten Anwälte genannt habe, so habe er den besten vergessen, seinen eigenen. Die Theorie müsse anerkennen, datz sie ihm für sein Meisterwerk, den Kommentar zum Handelsgesetzbuch, den tiefsten Dank schuldet. Xp. Bits -er Provinz Posen, im September. Vor Kurzem wurde in Pl eschen ein Armenverein ins Leben gerufen. Der Hauptzweck desselben soll die Steuerung der Hausbettelei sein. Die Mitglieder haben einen freiwilligen Jahresbeitrag von nahezu 1300 Mark hierzu gespendet. Zum Vorsitzenden wurde Nabbiller Dr. Köuigsberger, zu seinem Stellvertreter Kaufmann M. Laster, zum Schriftführer Kaufmann Kozllliilski und zu Rendanten die Kausleute Zobel und Bürger gewählt. — Die jüdische Volksschule in Nogaseu wird durch deu Abgang des Rektors H. Cohn zweiklassig, da die Schülerzahl sich üu Laufe der Zeit so verringert hat, daß bei einer eiutreteudeu Vakanz dir Nothwendigkeit eintritt, eine Klaffe einzuzieheu. — Frau Buchhändler Alexander in Rogaseu feierte neulich ihren 80. Geburtstag, aus welchem Anlasse ihr zahlreiche Ehrungen zu Theil wurden. Frau A hat sich viele Jahre hindurch um die Hebung des israelitischen Frauen Vereins daselbst sehr verdieilt gemacht. — Kantor No seil bäum ir Kölligshütte ist zum Kantor der Synagogengemeinde in Kemp ei gewählt worden. — Die Verwaltung der Shnagogengemeiude ir Ostrowo hat den früheren Kantor Finkelsteiu aus Posen zum Vor beter für die hohen Festtage gewählt. — Die Stadtvertretung in Ostrowo hat beschlossen, wegen des Versöhnungsfestes den auf diesen Tag fallenden Wochenmarkt auf deu 24. September zu verlegen. - Lehrer Chaim aus Rosdzhe ist zum Waisenhausvater in Inowrazlaw gewählt worden. — Am 29. v. M. wurde in Gneser der Stadtverordnete Le o p o l d G i m k i e w i c z als Stadtrath eingeführi Sowohl der Erste Bürgermeister, als auch der Stadverordueten-Vor steher, Oberlehrer Schnee, begrüßten Herrn Gimkiewicz in sehr warme Weise, indem sie auf dessen vielfache Verdienste um die Stadt Gneser hinwiesen. Herr G. dankte für die au ihn gerichteten freundlichen Worte. Auch leistete Stadtrath Gimkiewicz den Eid für Staatsbeamte n. Benthe« O.-S., 6. September. Von dem O b e r st e n Schalscha von Ehreufeld, Kommandeur des 2. Schlesischen Dragonerregilneuts Nr. 8, erzählt uns ein Augen- und Ohrenzeug folgende Episode: Gestern vor der Besichtigung des Regiments durcl deu kommaudireudeu General des 6. Armeekorps, Erbprinzen von Sachsen-Meiningen, auf dein großen Exerzierplätze bei Ostroppa hieU der Regimentskommandeur Oberst Schalscha von Ehreufeld zu Pferd auf einer Anhöhe, neben ihm sein Adjutant, und wurde voll einen Herrn aus den Reihen des Publikums gegrüßt. Es war dies linse Mitbürger, der Geschäftsführer Salo Brinitzer von der Firnn Conrad Tack und Cie., welcher in den Jahren 1881 bis 1884 sein Dieilstzeit bei der 3. Eskadron unter dem damaligell Rittmeister um jetzigen Kommandeur des Regiments absolvirt hatte. Der Oberst er kannte — nach 17 Jahren — seinen früheren Untergebenen sofort, gal ihm die Hand, unterhielt sich in leutseligster Weise mit demselben um stellte ihn seinem Adjutanten mit deu Worten vor: „Herr Benutzer, e; war — obgleich zum einjährigen Militärdienst berechtigt — kein Ein jähriger, aber ein braver Soldat und mein erster Schwadronsschreiber. (A) Seesen, 8. September. Aus Anlaß des am 25., 26. und 2'. September d. I. stattfiudeudeu 100jährigeu Stiftungsfestes der hiesigen Jacobson-Schule hat der Verlag von Willy v. Franguet i Braun schweig ein hübsches Gedenkblatt herausgegeben. Die Vev lagsaustalt hat auf dem Kunstblatt, welches in Kupferdrnck.(Helin gravnre) zur Ausgabe gelangen wird, den Gründer der Jacobson Schule, Israel Jacobsoll, die drei Kuratoren, den jetzigen Direktor sn wie die sämmtlichen Lehrer vereinigt; außerdem bietet das Blatt non fünf Ansichten von der Schule aus den Jahren 1801, 1839, 1872, 18> ' nnd 1899. Den zahlreichen Freunden und ehemaligen Schülern dc Alistalt dürfte dieses gut ausgestattete Gedenkblatt eine liebe Er innernng an die Schule werden, der sie ihre Ausbildung zu danken Haber i. <<tverfeld, 6. September. Im Anschluß an die auf dem Kantoren kongreß in Wien ins Leben gerufene Organisation hat am 1. d. M. ir r Hotel Central hier zwecks Gründung eines Provinzia (verbände rheinisch-westfälischer Kantoren eine Sitzung voll Ber tranensmännern beider Provinzen stattgesnnden. Nach eitlem kurzer Referat des Herrn Zivi über die Wiener Verhandlungen war mar einstimmig der Ansicht, daß auch hier nur vereinte Kräfte zum Ziel fuhren, und daß möglichst Hand in Hand mit den Lehrervereine! etwas geschehen müsse, um das vielfach als Stiefkind betrachtet Kantorat in seine ihm von Natur aus Anstehenden Rechte einzusetzeu Die zur Berathnng erschienenen Herren Blumenthal-Köln, Cohn-Köln Ehrlich-Schwelm, Gumpel-Dortmund, Josef-Solingen, Lllientha! Düsseldorf, Steinberg-Barmen und Zivi-Elberfeld habeil unter Vor behalt einer offiziellen Kantorenversanunlnng folgende Gesichtspunkt erörtert und als Thesen aufgestellt: 1. Der Verein bezweckt, der Kantorenstand auf ein höheres Niveau zu . stellen, indem fortan nrn