Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 37 (13.9.1901)
- Date
- 1901-09-13
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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65. Jahrgang. Nr- 37. Dev Gemeindebote. Äerlin, 13. September 1901 Weikage zur „Aktgetneinen Zeitung des IuöentHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. 8. Berlin, 8. September. Die heutige unter dem Vorsitz des Herrn Louis Sachs tagende Sitzung — die erste nach der üblichen nveimonatlichen Pause — bot zwar eine sehr reichhaltige, aus zwanzig Punkten bestehende Tagesordnung, aber nur wenig interessante Vorigen. Der Besuch der Sitzung war auch ein schwacher, da noch nicht üle Repräsentanten von der Ferienreise heimgekehrt sind. Der Voritzende widmete vor Eintritt in die Tagesordnung dem verstorbenen Herrn Leonhard Sachs einen sehr warm empfundenen Nachruf. An Ztelle des Verstorbenen ist Herr Adolph Mayer als ständiges Mitglied in die Versammlung einberufen worden. Durch das Hiuscheiden on Sachs ist auch die Stelle des zweiten Vorsitzenden erledigt, owie mehrere Plätze in verschiedenen Ausschüssen. Als zweiterVorsitzender wurde der bisherige zweite stellvertretende Vorsitzende Herr LoeWender g gewählt, auf den unter 12 Stimmen 11 fielen. Zum dritten Vorsitzenden wurde Kommerzienrath Friedländer gewählt, aus welchen sich unter 12 giltigen Stimmen 7 vereinigten. In den Anschuß I und II wurde Herr Adolph Mayer abgeordnet, während die Vakanz im Ausschuß III, der aus 9 Mitgliedern zusammengesetzt ist, orläufig unerledigt bleiben soll. — Der Rechnungsabschluß der Centralelle für die Wohlthätigkeitsanstalten ergiebt 5000 Mk. Einnahme und 016,85 Mk. Ausgabe. 66 Vereine gehören nunmehr der Centralstelle Os Mitglieder an. Im Lause des verflossenen Jahres wurden 11609 Anfragen gestellt und 11628 Berichte abgegeben. Der Mehrverbrauch wird nachbewilligt und Decharge ertheilt. — Der Abschluß der Synagoge indenstrabe ergiebt einen Minderverbrauch von 1696 Mk.. der Abschluß der Synagoge Lützowstraße einen Minderverbrauch von 4700 Mk. Oer Minderverbrauch war gegen den Voranschlag im Vorjahre bei eiden Synagogen größer, die Differenz ist in beiden Synagogen durch öhere Ausgaben für Heizung entstanden. — Das Kuratorium des teichenheimschen Waisenhauses wurde ebenfalls nach debatteloser Genehmigung des Berichts dechargirt. Der Vermögeusbestand des Waisenhauses beläuft sich auf 695162.17 Mk., das Vermögen der verschiedenen em Hause zugewendeten Stiftungen ist um 7412 Mk. auf 358 459.75 Mk. .estiegen. — Von der Kommission für die Friedhofsangelegenheiten nd 44256.45 Mk. an die Gemeindeverwaltung zurückgezahlt worden; ieran partizipirt die Schönhauser Allee mit 27 224.90 Mk., der Friedas Weißensee mit 17031.55 Mk. Die geringeren Einnahmen der Gärtnerei sind auf Frostschäden all den Gräbern zurückzuführen. Die lusfälle der Verwaltung sind sehr bedeutende; es sind 29 790 Mk. für Aeerdignugen nicht bezahlt worden. — Recht interessant ist der Bericht er Armenkommission. Der Gemeindezuschuß betrug 44 700 Mk.; es Ingen ferner ein an Zinsen des eisernen Fonds 14900 Mk., an freiwilligen Beiträgen 14 200, an Rückzahlungen nicht verwendeter Untermtzungen 2000 Mk., an Geschenken und Legaten 18 700 Mk. Das -chlußresultat ergiebt einen Ueberschuß von 98.95 Mk. Der Fonds ür verschämte Arme schließt in Einnahme und Ausgabe mit 4090.60 Mk. ab. Das Vermögen der Kommission beläuft sich auf 14688.60 Mk. An Bittgesuchen gingen ein 5991, beim Fonds für -erschämte Arme 434; von letzteren wurden 34 abgelehnt. Um 'inmalige Unterstützung sind 3669 Bittsteller vorstellig geworden und berücksichtigt worden. Darunter befanden sich 1435 Eheleute. 1080 Wittwen, 74 Wittwer, 321 eheverlassene Frauen, 34 eheverlassene Nänner, 365 Unverehelichte männlichen Geschlechts, 235 Unverehelichte weiblichen Geschlechts. Die größte Zahl der Bittsteller war im Alter -wischen 40 und 50 Jahren, 31 Personen waren unter 20 Jahren. 16 Personen im Alter zwischen 80 und 90 Jahren. Dem Berufe nach waren es n. a. 58 Kaufleute, 21 Agenten, 22 Handwerker, 4 Kantoren, ' Studenten. 2 Konzertmeister. 2 Aerzte, 2 Zahntechniker, 14 Pensiousdesitzerinnen, 10 Verkäuferinnen. 6 Buchhalterinnen. Die Quoten der Unterstützung beliefen sich auf 30-^450 Mark. Der zur Armenlommissiou ressortirende Ausschuß für Mazzothvertheilung hat im Berichtsjahre 330 Ceutner vergeben. In den hiesigen Gefängnissen wurden 166 jüdische Jnhaftirte durch die Israelitische Volksküche gespeist. Der Abschluß über die iir Pflege gegebenen Personen und über Diejenigen, denen seitens der Armeukomrnission Sommeraufenthalt gewährt worden ist, hat einen Minderverbrauch von 99,97 M. ergeben. Die Rechnung der Waisenkommission, der ein Gemeindeznschuß von 44 000 Mark zu Theil geworden ist, schließt mit einem Ueberschuß von 3408 Mark ab, und zwar konnten wesentliche Ersparnisse durch die außerordentliche Unterstützung seitens des Kindersparvereins gemacht werden. — Dem Neligionsverein Westen wurde die Subvention, welche aus 6500 Mark bereits bewilligt war, auf 8500 Mark erhöht, ebenso wurde die Subvention an den Religionsverein Charlottenburg debattelos von 10000 Mark auf 12100 Mark erhöht und ihm ein einmaliger Zuschuß bis zur Höhe von 1200 Mark bewilligt. — Nach Inkrafttreten des Fürsorgeerziehungsgesetzes hat das Statut der Fürsorgekommission in seinem ersten Paragraphen eine Aenderung erfahren müssen, nnd soll sich nunmehr die Thätigkeit der Kommission auf „verwahrloste und von der Verwahrlosung bedrohte Personen" erstrecken. Die Aenderung wurde debattelos in erster und zweiter Lesung beschlossen. — Zur Ausführung von Schwellensundamenten auf dem Friedhofe in Weißensee wurden 4785.70 Mark bewilligt. — Das Gebet bei Kinderbeerdigungen soll auf Wunsch des Rabbinates abgeändert werden. Der vorberathende Ausschuß III hat diesem Vorschlag nicht zugestimmt und wünscht Einsetzung eitler gemischten Kommission unter Zuziehung des Verfassers der Aenderung, um die Motive kennen zu lernen, welche die Abänderung veranlaßt haben. Der Gemeindevorstand hat die Aenderung, welche von einem der hiesigen Rabbiner verfaßt ist, genehmigt. Die Versammlung schließt sich dem Votum des Ausschusses an und delegirt in die ack lioe einzusetzende Kommission die Herren Professor Blaschte und Professor Baginski. — Zur Korrektur des Gebetbuches für die neue Synagoge werden 450 Mark bewilligt. Bei dieser Position giebt Herr Benas Levy einer Klage aus buchhändlerischen Kreisen Ausdruck, daß vom Verleger zu wenig ungebundene Exemplare, an denen allein die Buchhändler einigen Nutzen hätten, abgegeben werden, und bittet um Abstellung dieses Uebelstaudes. Gleichzeitig regt er an, das Gebetbuch anstatt in zwei Bänden in vier Bänden drucken zu lassen, die Gebete für Noschhaschonoh und Jomkippur zu trennen. In den Gottesdiensten, in denen kein Pult für das Gebetbuch vorhanden ist. würde dadurch das Halten des Buches wesentlich erleichtert werden. Der Vorsitzende des Gemeindevorstandes erwidert, daß für den billigen Preis von 2 Mark nicht vier Bände hergestellt werden könnten, die Gemeindeverwaltung habe ferner keine Veranlassung, den Handel mit dem Gebetbuch zu berücksichtigen. Maurermeister Fraenkel führt über den schlechten Einband des Gebetbuches Klage und bittet, diesbezüglich bei dem Drucker vorstellig zu werden. — Das Carl Ludwig Nieß'sche Legat in Höhe von 20 000 Mark wird zum Zwecke der Erhaltung des Grabes des Erblassers bestimmt. — Die interessanteste Vorlage der Tagesordnung, betreffend den Jugendgottesdienst nach altem Ritus an Sabbathnachmittagen. wurde auf Wunsch des Ausschusses III abgesetzt, welcher sich erst über die Berathungen in der ml lioe eingesetzten gemischten Kommission schlüssig zu machen hat. Die gemischte Kommission hat jedenfalls den Vorschlag des Rabbinates, auf Grund des alten Ritus eine neue Agende einznführeu, abgelehnt. — Die nächste Sitzung der Repräsentantenversammlung findet, da der Sitzungssaal bis Mitte Oktober an den Sonntagvormittagen in Anspruch genommen ist, am Mittwoch den 18. September, Abends 6 V2 Uhr, statt. In dieser Sitzung sollen ausschließlich dieNeklamationen gegen die Wählerliste, sowie dieAbänderungdes Statuts für das Krankenhaus zurBerathung gelangen. 8. Berlin, 10. September. Wir machen unsere Leser rechtzeitig darauf aufmerksam, daß die Wahl zur Repräsentanten- Versammlung am 28. November stattfindet. Gleichzeitig weisen wir daraus hin, daß auf Grund des neuen Gemeindestatuts die ge-