Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 37 (13.9.1901)
- Date
- 1901-09-13
- Page
- Seite 435 (sequence 5)
- Language
- German
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435 einem Alp luter denen Um wie Derjenigen Judenthum i Stamme iflucht der: ät der Fall ondern ein Schritt ger künftiges eue Standteuschheitslf dem wir lerkennung :blendetsten t, daß eine unter den nen geübte : Güte und olcher Kraft September rnden, um unmlungen onih und lin, Stettin enden Aus eine Mencn jen. das sicl t die Sühm as Verhalten mbinnen mil lei Anzeichen elbe, hat e> die Anklage ein Gegeusat Ponitz. Dor wurde nichl theil dadnrä den Rechts ig erwiese»lele der schwer ühl hätte in Anklage nicln ffentlich frei und in Koni llichts herauslei derartigen; das Judei - he Verbrechen lisere Aufgabe r die Inden tfche Volk in; Juden eine rden auch di >r verschließen Lsführunge^l f den Kops stellen. Aber sie sind doch lehrreich; denn sie zeigen, auf was für ein Publikum die Antisemiten mit solch albernem Zeug wirken zu können vermeinen. Wenn sie nur einen Funken Rechtsgefühl besäßen, so müßten sie nach den verschiedenen, in Könitz gefällten Urtheilen doch eine andere Ansicht aussprechen. 4 „Jüdische Paritätsschmerzen" .nennt die „Tägliche Rundschau" die Klagen über die Lage der jüdischen Richter. In der That, das Blatt stellt sich immer mehr auf den Standpunkt des „reinen" Antisemitismus. Geradezu Possirlich aber ist die folgende Aeußernng: „Der alte Taschenspielerkniff mit der „Konfession" zieht nicht mehr. Es giebt nur eine evangelische und katholische „Konfession" des christlichen Glaubens; die mosaische Religion hat damit nichts zu thmi." Die guten Leuten haben natürlich nur vergessen, daß sowohl im Reichsgesetz wie in einzelnen Landesgesetzeu der Ausdruck „Konfession" ausdrücklich für alle Religionsbekenntnisse, speziell auch für das jüdische, angewendet wird, und daß diese Fassung des betr. Reichsgesetzparagraphen, wie allgemein bekannt, von dem von ihnen so angebeteten Fürsten Bismarck selbst herrührt. 4 Anläßlich der Debatte über diese Frage war gesagt worden, der Oberlandesgerichtspräsident in Frankfurt a. M. nehme zu Referendaren keinen Juden an, es sei denn, daß sie die schriftliche Erklärung abgeben, daß sie nach bestandenem Examen sich der Staatskarriere nicht widmen wollen. Darauf erfolgte nachstehende Erklärung: „l. Von den im Bezirk des Oberlandesgerichts angenommenen 249 Referendaren gehören nicht weniger als 42 der jüdischen Religion an. 2. Der Andrang zur Justiz, namentlich seitens jüdischer Kandidaten, ist hier äußerst groß. Infolge der Ueberfüllung sind insbesondere in der Richterlausbahn die Aussichten weit ungünstiger als in den anderen Bezirken, so daß Assessoren bis zu 10 Jahren auf Anstellung warten. 8. Wegen Ueberfüllung mit Referendaren (§ 15 des Regulativs vom 1.5. 1888) bin ich daher genöthigt, eine Anzahl von Kandidaten znrückznweisen. 4. Bei der Zurückweisung oder aber bei der Ami ahme von Kandidaten wird der Regel nach die Frage, welche Laufbahn demnächst der Kandidat einschlagen wolle, nicht erörtert. Eine solche Erörterung hat nur ausnahmsweise bei einzelnen Kandidaten, jüdischen wie auch christlichen — kaum in vier Fällen jährlich — stattgesunden. Dies ist geschehen, um Kandidaten, die sonst wegen Ueberfüllung unbedingt hätten zurückgewiesen werden müssen, die Laufbahn zur Rechtsanwaltschaft oder die gewünschte praktische Vorbereitung znm Kommunaldienst, zur akademischen Laufbahn pp. nicht zu verschließen. In einigen Fällen ist die Erklärung der Kandidateil ohne jede Anfrage erfolgt. Frankfurt a. M., 7. September 1901. Dr. Hägens, Oberlandesgerichtspräsident." 4 Mit Jo Hann es v. Miquel, dem früheren FinauZlninisler, ist ohne Zweifel eine der bedeutendsten Persönlichkeiten dahingegangen, die Antheil an der Geschichte des deutschen Reichs und des preußischen Staats gehabt haben. Für uns ist aber bei diesem Todesfall nur die eine Sache besonders charakteristisch, daß die, die einst die erbittertstell Feinde dieses Staatsmannes waren, jetzt die unbedingten Lobredner desselben sind, nämlich die Antisemiten. Die V. Z. schreibt darüber: „Das waren in erster Reihe die Antisemiten, die ihn, den nächsten Freund Lasters, als Gründer und Jndenknecht verschrien hatten, in ihm nur den Direktor der Diskonto-Gesellschaft sahen und Ahlwardts „Enthüllungen" hoffnungsvoll lauschten. Wie war es doch am 21. März 1898? Da erzählte der „Rektor aller Deutschen," daß bei der Gründung des Jnvalidenfonds und andern ähnlichen Dingeil „Verhandlungen der schlimmsten Art" mit Börsenlenten gepflogen worden seien: „Der Name des jetzigen Preußischen Finanzministers ist auch darunter. Es wird sich zeigen, daß von diesen Leuten das deutsche Volk um Hunderte voll Millionen betrogen worden ist." Nicht zum ersten Male wurde Miguel also bezichtigt. Es gab Zeiten, wo auch die „Krenzztg." ihn als Gründer brandmarkte und die Ueberzeugung aussprach, er werde niemals ein Portefeuille erlangen. Und dann wurde Johannes Miguel der Vertrauensmann der konservativen Agrarier, und man war schließlich gewohnt. Mittheilungen über ihn und seine Verwaltung nirgends zuverlässiger zu finden als in dem früheren Blatt des Abgeordneten Ahlwardt." Den ungarischen Verhältnissen wird man in nächster Zeit mehr als bisher Aufmerksamkeit zuzuwendeu haben. Gerade jetzt vor den Wahlen beginnt dort eine gewissenlose und sehr gefährliche Agitation, die allem Anscheine nach zielbewußt zu Wahlzwecken organisirt ist, und es darauf abgesehen hat, das Landvolk gegen die Juden durch massenhafte Verbreitung voll Ritualmordmürchen aufzuhetzen. Aus drei Orten kommt gleichzeitig die Kunde von diesen Wühlereien. In Dorozsma wurde das Gerücht ausgestreut, daß eine Frau Namens Rosenberg drei Kinder in den Keller gelockt und daselbst eingesperrt habe. Dieselben seien erst freigelassen worden, als die Nachbarn die Frau bedrohten. Allgemein ist die Ansicht verbreitet daß es den Juden von der Regierung gestattet wurde, durch 40 Tage Christenkinder zusammenzufangen und Blut von ihnen zu nehmen. In Feleghaza sollen längs der Bahnstrecke die Leichen zweier Kinder gefunden worden sein, infolge dessen auch dort das Märchen von Mund zu Mund geht, daß es den Juden gestattet wurde, christliche Kinder zusammenznsangen. Auch in Maria-Theresiopel hat die Nachricht von der den Juden ertheilten „Konzession zum Kinderranbe" eine gefährliche Gährnng unter den niederen Volksklassen hervorgernfen. Daß man es hier lediglich mit gewissenlosen Wahlmanöveric zu thun hat, liegt umsomehr auf der Hand, als gerade in diesen rem nragyarischeuGegenden der Antisemitismus niemals Boden finden konnte. — In Szegedin wird, wie wir bereits gemeldet, seit Monaten scholl in die Bevölkerung das Gerücht getragen, daß die Regierung um ein Blntgeld von 70000 Gulden den Inden die Erlaubnis ertheilt habe, zur Weihe der in Szegediu im Bau begriffenen Synagoge das Blut von sechzehn reinen christlichen Jungfrauen zu benutzen. Der Wahnsinn findet leider Gläubige, und da und dort regen sich schon bis jetzt von den Behörden rasch und mit Erfolg unterdrückte Judenverfolgungen. * Der Ausschluß ihrer Kinder aus den mittleren und höheren Schulen kommt den ru s fischen In den keineswegs unerwartet. Es ist in Rußland ein ganz offenes Gehermniß, daß General Wannowski ein Pobedonoszew irr Generalsuniform ist. Seiner Wirksamkeit als Kriegsminister haben es die russischen Inden zu verdanken, daß sie irr völlig willkürlicher, allem Gesetz und Recht hohnsprechender Weise, weit stärker als die strenggläubigen orthodoxen Russen zum Militärdienst herangezogen werden. Dabei wird in echt Pobedonoszewscher Art seit 10 Jahren von militärischer Seite gegen dieselben russischen Juden der Vorwurf erhoben, daß sie sich mit großem Erfolg dem Militärdienst zu entziehen wissen. Der Urheber dieser falschen Anklage war kein Geringerer als eben dieser General