Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 36 (6.9.1901)
- Date
- 1901-09-06
- Page
- Seite 2 (sequence 16)
- Language
- German
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s begründete Pensionat von Frau An na S i m m on s auf das Wärinste en»pfehlen. Frau Simmons, die Wittwe des vor Kurzem i»» der BLüthe der Jahre verschiedene»! Nabbiners von Manchester, eine Tochter des unvergeßlichen Landrabbiners Dr. Herzfeld in Brannfchweig. ist eine Dame von ungewöhnlicher Begabung und Bildung, die an der Spitze eines solchen Instituts dieses sicher zu hoher Blüthe bringen wird. Sie hat sich bereits aus dem Gebiete der Frauenbildung glänzend bewährt. Das neue Institut, in bester Lage und nach den Prinzipien modernen Geistes geleitet, bietet den Töchtern jüdischer Häuser ein behagliches Familienheini in wahrhaft religiösen» Sinne und reichliche Gelegenheit zu »veiterer Ausbildung in Kunst, Musik und Wissenschaft. Wir wünschen von Herzen, daß es Frau Simmons gelinge»» möge, ihre großen und praktischen Ideen auf diesem Gebiete zu realisiren! ---- Grciferrhagerr, 3. September. Der hinlänglich bekannte Pastor Krösell in Kloxin. der wegen seiner heftigen Agitation aus Anlaß der Kouitzer Mordsache in weiteren Kreisen bekannt geworden. hat vor den» hiesigen Schöffengericht einen Prozeß wegen Hausfriedensbruch gehabt. Nach der Beweisanfuahine liegt der Anklage folgender Thatbestand zu Grunde. Pastor Krösell hatte die Kaisergeburtstagsfeier des Kriegervereins in Woltersdorf besucht und beabsichtigte, da es schon spät geworden war. in dem Hause eines ihn» befreundeten Gutsbesitzers zu übernachten. Er begab sich in das Zimmer der Wirthschasteriu, »in» dieser hiervon Mittheilung zu machen. Nach der Aussage der Wirthschasteriu. die bei seinem Eintreffen schon entkleidet im Bette lag, hat Herr Pastor Krösell trotz mehrmaliger Aufforderung das Zimmer nicht verlassen, sondern ein Gespräch mit ihr anzukuüpfeu gesucht. Die Wirthschasteriu hat unter ihren» Eide ausgesagt, daß sie der» Herrn Pastor viermal aufgesordert habe, das Zimmer zu verlassen, das letzte Mal mit der Erklärung, daß sie um Hilfe rufen werde, falls er sie nicht schleunigst verlasse. Herr Pastor Krösell gab in der Verhandlung zu. daß die Wirthschasteriu über sein Eindringe»» indignnt gewesen sei und ihn energisch aufgesordert habe, die Stube zu verlassen. Er bat de»» Gerichtshof aber um Freisprechung, da die Affäre schon viel Staub aufgewirbelt habe und auch sür seine Karriore von einschneidende»» Folgen sein könnte, da bereits seitens des Konsistoriums das Disziplinarverfahren gegen ihn e in geleitet sei. Der Amtsanwalt beantragte jedoch eine Geldstrafe von 150 Mark. Das Schöffengericht ermäßigte diese Strafe ans 30 Mark. bl. ^v. Pudewilj, 1. September. Zu einer Kundgebung gestaltete sich die Feier, welche gestern vor dem Hauptgottesdienste in der mit Guirlanden und Tannengrün reich geschmückten Synagoge aus Anlaß des 25 jährige»» Jubiläums des Herrn H. Licht als erster Vorsteher unserer Gemeinde sich vollzogen hat. Scho»» frühmorgens wurde den» Jubilar, welcher sich hoher Achtung erfreut, in seiner Behausung ein Ständchen von der hiesigen Stadtkapelle gebracht, woraus als äußeres Zeichen des Dankes und der Anerkennung für die der Gemeinde geleisteten wichtigen Dienste ein »verthvoller silberner Pokal mit entsprechender Widmungsschrift überreicht wurde. Um »10 Uhr wurde der Jubilar von Vorstandsmitgliedern und Repräsentanten in die Synagoge. wo er mit Gesang empfangen wurde, auf seinen sinnig geschmückten Platz geleitet. In der von Herrn Lehrer N. Wreschner gehaltene»» Festrede wurde hervorgehoben, wie der Jubilar sei»» reiches Wissen und Können, seine Energie und Ausdauer uneigennützig jederzeit in den Dienst der Gemeinde gestellt, so daß diese manche wichtige Institution seiner Thatkraft zu verdanke»» hat. Mit tiefbewegten Worte»» und in längerer Ausführung sprach darauf der Jubilar seinen Dank für die ihn» bereitete Ehrung ans. Gesang beendigte die erhebende Feier. Katiowitz, 2. September. In einer Thierschutz-Zeitschrist findet sich ein Bericht über die Generalversammlung des „Verba »»des der Thierschutzvereine des deutschen Reiches, welche vor einigen Monaten in Kassel stattgesnnden hat. Wie Sie bereits mittheilten, hat der sattsam bekannte Herr Hans Beringer. der „Geschäftsleiter" des Berliner Thierschutzvereins, ohne daß die Schlachtfrage ans der Tagesordnung stand, den Vorstandsbericht benutzt, um seine Tiraden gegen das Schächten vom Stapel zn lassen. Er erlitt auch in diesen» Kreise eine seiner gewohnten Niederlagen, indem der Verbandslag seinen Antrag, einen öffentliche»» Ausruf, der das Verbot des Schlichtens fordert, zu unterstützen, damit abthat, daß er beschloß, eine abwartende Haltung einzunehlnen, bis das Fleischbeschaugesetz veröffentlicht ist. Das bedeutet eine Vertagung r»ä enIsndnZ denn, »vie in dem von» Verbandsvorsitzendei» Hartmann-Koln verlesenen Bericht der Verbandsleitnng »nitgetheilt wurde, hat das Neichsamt des Innern die am 25. Januar 1899 ihm unterbreitete Bitte des Verbandsvorstandes, in das Gesetz über obligatorische Fleischbeschau die Betäubung sämmtlicher Schlachtthiere aufznnehmen, rundweg ab ge wiesen. Bei der Begründung seines Antrags entschlüpfte Herr»» Beringer eine Bemerkung, die aus mehrfachen Gründen von Interesse »st. I»» den» Referat der Thierschutzzeitschrift heißt es: „Beringer bittet um Unterstützung seines Aufrufs in der Schlachtfrage, der schon eine Menge von Unterschriften, aml) von Israeliten, gefunden hatte. Ans eine Gegenerklärung der Rabbiner hin sind schon mehr als tausend Unterschriften zurückgezogen." Der „Aufruf in der Schlachtfrage" ist augenscheinlich jene „öffentliche Erklärung", in welcher uns Inden allen Ernstes angesonnen wird, die Lügen über die Verwerflichkeit des Schächtens uns anzueignen und dessen gewaltsame Unterdrückung zn verlangen. Die Spekulation auf die Gedankenlosigkeit hat also nicht getäuscht: es haben sich in der That „Inden" zn Handlangern einer brutale»» Gewissensknechtnng ihrer Stammesgenossen erniedrigt! Wen»» „»»»ehr als Tausend" nachträglich sich ans ihre Pflicht besonnen haben, dam» wird ans dieser Ziffer geschlossen werde»» müssen, wie Viele Herrn Beringer auf de»» Lein» gegangen sind. Deshalb haben die deutsche»» Rabbiner jene „Gegenerklärung" erlassen, welche denn auch den Ersolg hatte, daß „mehr als Tausend" ihre Unterschrift zurückgezogen und so größeren Schaden verhütet habe»». Irren »vir nicht, so hatte Herr Beringer zur Zeit, als der Kasseler Verbandstag der Thierschutzvereine stattsand, seine Propaganda noch auf die Berliner jüdische Gemeinde beschränkt. »u»d ist die Absage, die er erfahre»», eine Wirkung der von den» Berliner Rabbinat ergangenen Kundgebung. Mittlerweile ist die Propaganda bekanntlich auf das gestimmte Deutschland ausgedehnt und bis in die kleinsten Gemeinde»» der Provinz der Stimmenfang für die „öffentliche Erklärung" hiileingetragen »vorder». Angesichts des Erfolges der Wühlarbeit und der wenigstens theilweisen Paralhsirttng seiner Wirkung ii» Berlin ist es doppelt dankenswerth. daß der geschäftsführende Vorstand des „Rabbiuerverbandes in Deutschland" die Aufmerksamkeit auf dieses neueste Manöver des Herrn Beringer gelenkt und zu dessen Abwehr gemahnt hat. Die Thatsache, daß es in der Neichshauptstadt „mehr als Tausend" waren, derer» bessere Erkenntniß und Gewissenhaftigkeit erst geschärft werden »nutzte, um sie zur Neparirung ihres übereilten Schrittes zu bestimmen, predigt die erliste Lehre, daß zumindest in allen denjenigen jüdische»» Gemeinden, wo die „öff »»tliche Erklärung" kolportirt wnrde, auch die Knndgebung des Nabbinerverbandes zur Vertheilnng gebracht werden »nutz. Diese Vorsichtsmaßregel dürfte sich unseres Erachtens auch in den bisher von jener Schächthetze verschont gebliebenen Orten aus den» Grnnde ernpfehlen, »veil mit Sicherheit zu erwarten ist. daß Herr Beringer es trotzdem nicht unterlassen wird, die etwa noch nicht heimgesuchten Gemeinde»» mit seiner Agitation zn behelligen. Die betreffende Veröffentlichung des Rabbmerverbandes »st ii» jeder gewünschten Anzahl von Exemplaren kostenlos beim Komitee zur Abwehr antisemitischer Angriffe, Potsdamerstrabe 39, zu beziehen. X Bad Landetk, in» August. Es hat sich hier ein Komitee gebildet, das folgenden Aufruf zur Errichtung ei »»er Synagoge i»» nnseren» Badeorte versendet: Liebe Glaubensgenvssen! Vor wenigen Jahre»» habe»» sich mehrere Herren an Euch gewendet, um Eure Mildthätigkeit dafür in Anspruch zn nehmen, daß de»» Besuchern des Bades La»»deck in Schlesien eine würdige Stätte zur Abhaltung eines regelmäßigen Gottesdienstes »»'ährend der Saison zur Verfügung stehe. Zwar hat der damalige Ruf insofern eiuei» Erfolg gehabt, als der bereits vorhandene Fonds sich um eine »»amhafte Sunnne erhöhte, aber es war nur möglich, zwei kleine, niedrige Zimmer zu miethen, die allgemein als gesnndheitsschädlich angesehen werden, weil sich bei den Gottesdiensten oft mehr als 50 Mensche»» znsammendrängen, die uuter normalen Verhältnisse»» höchstens 20 fassen. Die Folge davon ist. daß nur der kleinste Theil der Besucher Landecks, die zumeist aus unsere»» Glanbensgenossen bestehen, den» Gottesdienste beiwohnen kann. Von der Ueberzeugung durchdrungen, daß diese Zustände unhaltbar sind und die Gefahr vor Angen, daß vielleicht schon in kurzer Zeit aus hier nicht näher zu erörternden Gründen überhaupt gar keine Räume den Beter»» zur Verfügung stehen werden, haben sich die Unterzeichneten Herren vereinigt, um mit einem erneuten Appell an die Wohlthätig, keit unserer Glaubensgenosse»» einen wiederholte»» Versuch zu mache»»-